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Unser ABC der Nordlichter: Dänemark

Wenn man sich die Bevölkerungszahl der nordischen Länder Europas so ansieht, zählt man knapp 26 Millionen Köpfe. Island, Norwegen, Finnland, Dänemark und Schweden zusammen bringen es auf weniger als ein Drittel der deutschen Einwohner. Man sollte sich das öfter vergegenwärtigen, wenn man einmal mehr über eine Band aus dem Norden stolpert. Deutschland kann weder in puncto musikalischer Fülle noch im Bezug auf internationale Anerkennung mit all den Ländern mithalten, die im weitesten Sinne unter dem Begriff Skandinavien firmieren. Wir haben uns seit 2008 mit 90 Bands und Musikern aus nördlichen Breiten befasst, so manch Großartigkeit dabei entdeckt. Zeit also für einen kleinen Überblick. Diesmal: Dänemark! Ein Land, welches ich sehr lange gewaltig unterschätzt habe…

Alex Canasta (Facebook, Blogpost) – Hörproben: Let It Out (vimeo), Got It Coming:

Broken Twin (Facebook, Blogpost) – Hörprobe: Beaches (SoundCloud)

Choir of Young Believers (Facebook, Blogpost) – Hörprobe: Nye Nummer Et (SoundCloud)

Cody (Homepage, Facebook, Blogpost) – Hörprobe: Mirror (YouTube)

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Stippvisite 19/09/12 (Dirne oder Dirndl?)

Viele auf Freiersfüßen wandelnde Männer ziehen durch lichterfüllte Straßen der Großstadtabende, strömen in verlockende Viertel, wo im Lichtschein der Laternen Dirnen ihrem nächtlichen Tagwerk nachgehen. Eine schnelle Nummer, kurze Befriedigung, ein Loch im Geldbeutel. Alles gut und schön, doch nach der Lust des Moments vergärt die Erinnerung. Es existieren freilich Alternativen für nachhaltigere, romantischere Begegnungen mit dem weiblichen Geschlecht. Warum nicht mal eine Fahrt aufs Land unternehmen? Der Geschäftigkeit der Stadt enteilen, im samtenen Grün weiter Wiesen verweilen. Dort das eine oder andere in pausbäckiger Blüte befindliche Mädel erspähen, sich an ihrer hübschen Unschuld ergötzen, dem Reiz der Unverfälschtheit mit Haut und Haar verfallen, sie umgarnen. Ist das nicht erquicklicher?

Warum wählt das Gros der Musikkonsumenten vorwiegend die Variante überraschungssarmen Geschlechtsverkehrs? Weshalb will niemand mehr den Zauber heftigster Gefühlsregungen erleben? An dessen Ende eben kein nüchterner Bezahlvorgang steht. Emotionale Wonnen, die sich nicht in wenigen Minuten erschöpfen, werden wir bei all den überschminkten und aufgetakelten Mainstream-Acts kaum erleben. Sie werden von großen Plattenfirmen in aller Regel bereits mit Geldschlitz konstruiert, damit man ihnen stets die hartverdienten Pfennige in den Rachen pfeffert. Oh, man darf solch Gelüsten frönen! Oder sich sich doch lieber dem zart-rustikalen Liebreiz des Authentischen hingeben. Diesen wollen wir auch heute einmal mehr bestaunen.

Schwedentipp:

Schweden ist mittlerweile ein Inbegriff musikalischer Fülle, dem dieser Blog allzu gerne Rechnung trägt. Ab sofort muss ich meine Liste talentierter Musikerinnen um Sibille Attar erweitern. Ihre im August erschienen Debüt-EP The Flower’s Bed bietet sowohl einen herrlich aufgekratzen Indie-Pop-Track namens Alcoholics als auch die kräftige, elegant gestaltete Ballade The Day. Dergestalt sind Tracks, welche die Spreu vom Weizen trennen. So präsentiert sich starkes Songwriting. Sibille Attars Namen sollte man sich unbedingt merken. (via Pitchfork)

Nachtmahrtipp:

Wir bleiben in Skandinavien und begeben uns in norwegische Gefilde. Maribel nennt sich eine Formation aus Oslo, deren Dream-Pop um keine Düsterheit verlegen ist. Durch das einschüchternde wie verlockende Zwielicht der Songs irrlichtert eine sireneske Frauenstimme. Es ist ein romantisches Gruselkabinett des gediegen-schönen Schauers. Das Anfang 2012 erschienene Album Reveries zählt zu den Genre-Highlights des Jahres, dank Tracks wie dem aus einem Film von Meister David Lynch entsprungenen Falling Down the Stairs oder Jezebel Jive, welches Blitz und Donner forciert. Pretty Nights ist beste Dream-Pop-Schule, fraglos die verführerischste Nummer des Albums. Ein Leckerbissen für Liebhaber! (gefunden bei Nicorola)

Albumtipp:

Kommen wir nun zu einem bereits 2011 veröffentlichten Album, das ich vor wenigen Tagen voll Begeisterung für mich entdeckt habe. Eigentlich bin ich schon fassungslos, wie sich diese Platte unter meinem Radar durchschmuggeln konnte. Schlimmer noch, die Formation Pursesnatchers ist mir nämlich durchaus ein Begriff. Ich für meinen Teil empfinde A Pattern Language als melodischen Indie-Rock allererster Güte, speziell die ersten drei Tracks sind genial. Forever Overhead atmet die Luft der großen Bühne. Wenn uns Placebo derartiges um die Ohren hauen würde, wir würden in kollektive Ekstase verfallen! Mechanical Rabbits gibt sich rhythmisch druckvoll, textlich grüblerisch („A pattern language exists in our heads. And so we believe in the chairs where we sit, believe in the airport bars, believe in accidents.„) Ein Gedicht von einem Song! Abgerundet wird dieser furiose Beginn von Wet Cement. Die aus Brooklyn stammende Band rund um Doug Marvin und Ehefrau Annie Hart (Au Revoir Simone) hat mit dieser Platte etwas Beglückendes vollbracht. Wer A Pattern Language noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen! Forever Overhead ist als Gratis-Mp3 auf bandcamp verfügbar. (via Coast Is Clear)

Entdeckertipp:

Wir begeben uns nach Dänemark, wo das Duo Moth Trip-Hop mit einer Prise Björk und jazzigem Flair vermengt. Das klingt schräg und mitunter gallig. Man ist immer nur einen Wimpernschlag von veritablem Stirnrunzeln entfernt. Und doch ist diese ab und an doch recht unverdauliche Kost ein leckerer Happen. Weil man spürt, dass diese Formation einen eigenen, liebevoll obskuren Sound kreiert, sich nicht mit der Reproduktion des Dagewesenen begnügt.  Die selbstbetitelte EP ist somit Hort von Experimenten, allesamt im Schatten der Nacht verortet. Sehr hörenswert: Bittersweet, CrackMother und ‚Round Midnight. Die EP ist als kostenloser Download auf bandcamp verfügbar. Zugreifen! (gefunden bei Schallgrenzen)

Das soll es für heute auch schon wieder gewesen sein. Demnächst mal wieder mehr…

SomeVapourTrails