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Florence goes Eighties, nur besser! – The Mynabirds

Florence Welch goes Eighties. Diese Assoziation kam mir gleich bei den ersten Takten der Platte Lovers Know. Und meist prägt ja der erste Gedanke die Art und Weise, wie man ein Album in seiner Gesamtheit wahrnimmt. Dieser Eindruck hat mich dann auch das gesamte Werk nicht mehr wirklich losgelassen. Meiner bescheidenen Meinung nach könnte Laura Burhenn und ihrem Projekt The Mynabirds mit Lovers Know der verdiente kommerzielle Durchbruch vergönnt sein. Denn das Achtziger-Revival ist noch lange nicht vorbei, fiebriger Pop samt omnipräsentem weiblichem Gesang scheint ebenfalls weiterhin angesagt. Solch Mischung aus Nostalgie, Kommerz und Indie-Attitüde erfüllt somit alle Kriterien, um Musikhörer zu enthusiasmieren.

Wie bereits erwähnt ist es der Opener All My Heart, der den Tonfall setzt: „But when I love I love with all heart/ I’d walk through hell for just one kiss/ I’d give everything I have for a minute more of this„. In diesem Liebeshunger, der ohne Rücksicht auf Verluste bejaht wird, steckt viel weibliche Leidensfähigkeit, zugleich lässt der markige Vortrag keinerlei Unterwürfigkeit aufkommen. So – und nicht anders – tönt Female-Fronted-Pop voll Strahlkraft! Burhenn verkörpert das ikoneske Element der Achtziger, teilt sich mit Florence Welch den sinnlichen, heißblütigen Ausdruck. Und ab und an schimmert sogar die eine oder andere schwedische Pop-Prinzessin durch. Florence goes Eighties, nur besser! – The Mynabirds weiterlesen

Schatzkästchen 21: Hunter Lea – Smoke and Mirrors

Es ist das alte Lied. Gleichgesinnte gründen eine Band, veröffentlichen ein Debüt, das nicht die gewünschte Resonanz erzielt, woraufhin man es wieder gut sein lässt. So ist es auch der Band Mono In VCF nach ihrem 2008 veröffentlichten Debüt ergangen. Doch warum eigentlich sollte man sich zu früh entmutigen lassen? Das hat sich wohl der Bassist und Gitarrist Hunter Lea wohl gedacht und zusammen mit Sängerin Kim Miller den wunderbaren Track Smoke and Mirrors aufgenommen. Dieser Song entzückt als psychedelisch gefärbter, mit Western-Touch versehener und in Unwirklichkeit schwebender Dream-Pop. Smoke and Mirrors ist ein derart gelungenes Lied, das zumindest ich die erneute Zusammenarbeit gern auf Plattenlänge ausgeweitet sehen möchte. Schatzkästchen 21: Hunter Lea – Smoke and Mirrors weiterlesen

Ein bisschen Halloween-Tamtam…

Ich bin zwar kein großer Verfechter von Halloween, aber ich sehe auch nicht ein, warum Zombies und andere gestörte Erscheinungen an 364 Tagen im Jahr frei herumlaufen dürfen, aber ausgerechnet an Halloween etwas von komischen amerikanischen Bräuchen gefaselt und die Nase gerümpft wird. Kurzum, es spricht nichts gegen Halloween, vor allem dann nicht, wenn Musiker diesem Monsteraufmarsch die eine oder andere Inspiration abgewinnen können. Darum seien jetzt auf die Schnelle vier Tracks empfohlen, die den diesjährigen Gruseltag musikalisch oder visuell ein bisschen aufpeppen wollen.

Beartown Zodiac – Run For Your Life

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Release Gestöber 60 (Blockhead, Wanda, Gus By Heart)

Blockhead

Treue Leser dieses Blogs werden über die Jahre vielleicht schon bemerkt haben, dass ich ein großer Fan von Blockhead bin. Der US-Amerikaner ist ein Sample-Guru und Downtempo-Virtuose, dessen Platten stets einen uneingeschränkten Genuss darstellen. Anlässlich seines vorangegangenen Albums Interludes After Midnight schrieb ich dies: „Wie kaum ein anderer zimmert er Hip-Hop-Beats, gibt der Chose eine oft funkig austarierte Note, erweckt allerlei Vocal-Samples zum Leben. Wo Electronica oft in steriler Tüftelei vergeht, wirkt sein Tun überaus quirlig, hemdsärmelig gezimmert, mitunter aus der Zeit gefallen und dennoch keineswegs altbacken.“ Ich nannte die Platte damals einen Trip durch den urbanen Dschungel. Demnächst steht nun mit Bells and Whistles ein neues Werk zur Veröffentlichung an. Und doch ist nicht alles eitel Wonne. Denn diesmal wird Blockhead sein Album in Eigenregie veröffentlichen. Die Gründe für das keinesfalls bittere Ende der Zusammenarbeit mit dem renommierten Label Ninja Tune hat er auf seinem Blog dargelegt. Ninja Tune habe sich nach fünf Alben dagegen entschieden, Bells and Whistles herauszubringen, da ein mit Samples gespicktes Album viele Probleme berge. Auch andere Plattenfirmen hätten deshalb abgewunken. Blockhead erklärt dies so: „While I’d argue that the stuff I’m using is pretty obscure, I can’t blame labels for being hesitant. After all, the way they make money off music in 2014 is by licensing songs for tv, movies and commercials. When a song is chock full of samples (as mine tend to be) that severely limits what these labels can do with your music.“ Längst sind es nicht mehr Plattenverkäufe oder gar Streams, die ein wenig Kleingeld in die Kassen spülen. Die Lizenzierung eines Track für TV, Fernsehen oder Werbung ist eine der verlässlichsten Geldquellen. Wenn jedoch ein Musiker eine Menge Samples benutzt, wäre das rechtlich äußerst heikel. Release Gestöber 60 (Blockhead, Wanda, Gus By Heart) weiterlesen

Release Gestöber 56 (Orenda Fink, King Creosote, Phoria, Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp)

Es ist Fußball-WM. In dieser Zeit relativiert sich sogar der Stellenwert von Musik im Leben eines sonst von Enthusiasmus durchdrungenen Musikfans. Darum sei heute ganz kurz und bündig auf kommende und bereits erschienene Alben hingewiesen.

Orenda Fink

Zugegeben, der Name Orenda Fink mag vielleicht nicht bei jedem gestandenen Indie-Fan ein sofortiges bejahendes Kopfnicken verursachen. Als bessere Hälfte des Duos Azure Ray hat sie es seit 2001 allerdings in die viele, viele Plattensammlungen geschafft. Speziell ihre Soloalben sowie anderweitige Kooperationen (O+S) haben sie auch zu einer meiner Lieblingssängerinnen werden lassen. Aus diesem Grund freut es mich sehr, dass Ende August mit Blue Dream endlich ein neues Werk dieser nachdenklich-betörenden Stimme erscheinen wird. Dem ersten musikalischen Vorboten Ace of Cups nach zu schließen, klingt das neue Album doch verdächtig nach dicht instrumentierem Dream-Pop. Und damit doch anders als die folkige, verhuschte Vorgängerplatte Ask the Night, die ich 2010 derart eingeschätzt habe: „Ein auf Simplizität und Unverfälschtheit fixiertes Werk, das in den sehr zahlreichen entzückenden Momenten im zartbesaiteten Hörer einiges schwingen lässt.“. Ich für meinen Teil bin schon sehr gespannt, was die verehrte Frau Fink dieses Mal ausgeheckt hat. Sie wird mich nicht enttäuschen, davon bin ich überzeugt. (Ace of Cups ist via Soundcloud als kostenloser Download verfügbar.)

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Release Gestöber 53 (Isolation Berlin, Manic Street Preachers, Späti Palace)

In unserer heutigen Ausgabe des Release Gestöbers soll sich zur Abwechslung mal alles um Berlin drehen…

Isolation Berlin

Musiker sind oftmals keine Literaten, nur wenigen klebt die Poesie an den Händen, wenn sie so an ihren Liedtexten feilen. Das erscheint mir auch nicht weiter schlimm, schließlich ist ihr Metier zunächst vor allem die Melodie. Wenn nun eine Presseankündigung einer deutschen Band attestiert, sie erinnere in Lyrik und Gesangsstil an das späte Werk von Ton Steine Scherben sowie an Element of Crime und Tocotronic, dann möchte man sogleich entgeistert fragen, ob es denn nicht eine winzige Nummer kleiner geht. Die genannten Referenzbands haben nämlich keinen unwesentlichen Anteil daran, dass deutsche Liedtexte in der Vergangenheit nicht länger verhohnepiepelt wurden. Die Berliner Formation Isolation Berlin will anscheinend nicht an den Legionen durchschnittlicher Indie-Pop-Rock-Bands gemessen werden, welche in den letzten zehn Jahren zwischen Flensburg und Rosenheim aus dem Boden geschossen sind. Und wie ich jetzt so der dieser Tage erschienenen EP Aquarium lausche, bin ich gerne gewillt, dieser Einschätzung zuzustimmen. Isolation Berlin zeigen Formen einer textlichen Nachdenklichkeit, die weit über den standardisierten Baukastensatz an Emotionen hinausgeht. Alles grau etwa entwickelt eine Euphorie in der Depression, mit Zeilen wie „Ich hab endlich keine Träume mehr/ Ich hab endlich keine Freunde mehr/ Hab endlich keine Emotionen mehr/ Ich hab keine Angst vorm Sterben mehr„. All die Monotonie der Tristesse scheint den Grundstein zur Überwindung von Ängsten zu legen, die musikalische Mixtur aus NDW-Versatzstücken und Indie-Rock tut ihr Übriges. Der Titelsong Aquarium dagegen imponiert durch augenzwinkernden Pop, findet im Besuch eines Aquariums das Vergessen von Liebeskummer („Immer wenn ich einsam bin/ Geh ich ins Aquarium/ Und besuch die Goldfischkönigin/ Im grünen Glas seh ich mein Gesicht/ Die Fische schauen trostloser als ich/ Ich lieb die Kühle und das fahle Licht/ Und denke schon fast gar nicht mehr an Dich/ Ich denke schon fast gar nicht mehr an Dich„). Release Gestöber 53 (Isolation Berlin, Manic Street Preachers, Späti Palace) weiterlesen

Lauschrausch LII: Yppah

Wer – so wie meine Wenigkeit – auf in Traumhaftigkeit schwelgende Electronica abonniert ist, möchte den US-Amerikanier Yppah nicht missen. Anlässlich der letzten Platte Eighty One attestierte ich dem hinter Yppah steckenden Herrn Joe Corrales Jr. die virtuose Fähigkeit, Budenzauberszenerien zu entwerfen. Wird man dann eins mit seinem Werk, „winden sich Schauer kindlichster Erregung durch die Glieder, gerät man zum glückseligsten Teil des Spektakels.“ Was auf Eighty One gemünzt war, lässt sich generell über sein freudvoll-magische Œuvre sagen. Musik und Fröhlichkeit sind bei Yppah eine verschworene Einheit. Ein Titel seiner 2009 erschienen Platte They Know What Ghost Know hieß damals A Parking Lot Carnival – und auf gewisse Weise darf man sein gesamtes Schaffen unter diesem Motto verstanden wissen. Dieser Tage nun hat der Klangschmied völlig unvermutet einen neuen Track namens Bushmills vorgestellt. Ich werte selbigen als Vorboten eines hoffentlich baldigen neuen Albums. Und freue mich. Weil der Budenzauber auch bei Bushmills in jeder Sekunde blinkt und funkelt. Welch Lauschrausch!

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Stippvisite 06/04/2014 (Weiterhin unsexy!)

Es gibt mehrere Möglichkeiten im Netz nach Beachtung zu heischen.

Aufopfernde Gutmütigkeit: „Ich habe heute ein Kätzchen vor einem herannahenden Auto gerettet, mir dabei aber einen Schuhabsatz und einen Fingernagel abgebrochen.

Saftige Stammtischempörung: „Kinderschänder gehören an die Wand gestellt und erschossen. Und anschließend sicherheitshalber noch kastriert.

Bahnbrechende Rezepttipps: „Ich habe ein sagenhaftes Rezept für veganes Coq au vin gefunden. So lecker – und noch dazu ohne Kalorien!

Abgefeimte Häme: „Markus Lanz mag zu Beginn der Traum aller Schwiegermütter gewesen sein. Zuletzt hat wohl aber nur noch seine eigene eingeschaltet.

Praxisbezogene Selbstüberschätzung: „Politiker sind doof wie ein Stück Brot. Ich hätte den BER binnen eines Tages flottgekriegt.

Wir dagegen werden auch weiterhin über Musik schreiben. Auch wenn wir schon längst vom Gefühl beschlichen sind, dass das Schreiben über Musik dieser Tage reichlich unsexy scheint. Dennoch wollen wir auch heute wieder die besten Empfehlungen unserer bloggenden Kollegen – mit der einen oder anderen Bemerkung versehen – weiterreichen.

Vokabeltipp:

Es gibt Worte, deren Klang Balsam für die Ohren ist. In der englischen Sprache hat es mir das Vokabel „Reverie“ schon lange angetan. Es meint die Tagträumerei, wirkt in der Artikulation ungemein zärtlich und anmutig. Eine Band, die sich Reveries nennt, hat bei mir also schon vorab einen Stein im Brett. Die aus dem schwedischen Linköping stammende Formation macht gitarrigen Indie-Pop, der fühlt und fiebert. Stippvisite 06/04/2014 (Weiterhin unsexy!) weiterlesen

Release Gestöber 51 (Sierra Leone’s Refugee All Stars, OLD, Broken Note, Yann Tiersen)

Ein wilde Mischung empfehlenswerter Veröffentlichungen: Von elektronischen Zombie-Insekten bis hin zu unterhaltsamen afrikanischen Klängen aus Sierra Leone ist einmal mehr alles vertreten. Diese Vielfalt sollen uns all die ganzen Hipster-Musikblogs mal nachsteppen 😉 Auf geht’s!

Sierra Leone’s Refugee All Stars

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Photo Credit: David De Groot

Die Geschichte von Sierra Leone’s Refugee All Stars rührt an. In den Neunzigern flüchteten viele Menschen aus Sierra Leone vor dem Bürgerkrieg in Flüchtlingscamps in Guinea, in einem davon lernten sich auch einige Gleichgesinnte kennen, die Trost im Musizieren suchten. Daraus entstanden die Sierra Leone’s Refugee All Stars, die nach Ende des Bürgerkriegs wieder in die Hauptstadt Freetown zurückkehrten. Von dort aus trat ihr Sound und ihre alle Widrigkeiten trotzende musikalische Botschaft den Siegeszug um die Welt an. Seit dem 2004 veröffentlichten Albumdebüt Living Like A Refugee haben sie mit weiteren Alben – etwa dem tollen Radio Salone (2012) – ihren Sound gefestigt. Und so freut es mich, heute auf ihren neuesten Streich Libation hinweisen zu dürfen. Es ist ein Album oftmals unbeschwerter Lebensfreude, eine schwungvoll-fröhliche Platte, deren liebevollen Rhythmen man sich nicht entziehen kann. Release Gestöber 51 (Sierra Leone’s Refugee All Stars, OLD, Broken Note, Yann Tiersen) weiterlesen

Free Download: Pursesnatchers – To Feet Of Snow

Heute möchte ich eine vor über 4 Jahren erschienene Platte empfehlen. Nun ist mir klar, dass das Internet ein Medium ist, welches nach Aktualität giert. Wenn ich da mit einem Album aus dem Jahre Schnee angedackelt komme, lockt das keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Aber ich möchte trotzdem auf das Werk To Feet Of Snow [sic!] verweisen, das die Indie-Rock-Formation Pursesnatchers 2009 veröffentlicht hat. Wir hatten aus weihnachtlichem Anlass bereits in unserem Adventskalender 2009 von dem Song Christmas Lights geschwärmt. Auch ein paar Weihnachtsfeste und gefühlt 1000 ausbaldowerte Weihnachtslieder später ist jenes Christmas Lights für mich ein herausragendes Beispiel für ein modernes, der Festlichkeit huldigendes Songwriting, das jenseits aller Klischees erzählt. Es spricht nichts gegen traditionelles Liedgut, es spricht nichts gegen angekitschte Herzerwärmung, aber man kann sich Weihnachten durchaus auch mit einer gewissen Sehnsucht, mit einer zärtlichen Ehrfurcht annähern. Und genau dies tun die Pursesnatchers, wenn sie die Geschichte eines Pärchens schildern, welches zu Weihnachten mit dem Auto über die verschneite Autobahn fährt, dorthin nämlich, wo allerlei schöne neue Häuser in den Himmel wachsen. Diese Häuser, die nun über und über mit Weihnachtsbeleuchtung geschmückt sind, funkeln und glitzern. Und jener Anblick übertrumpft alle Sorgen, weckt die Hoffnung, selbst einmal gemeinsam in einem festlich beleuchteten Haus zu leben. Wie das Lied den überwältigenden Moment ins Auge fasst, mit wenigen Worten eine Sehnsucht festpinnt, das steht durchaus in der Tradition großer amerikanischer Erzählkunst. Mit dem Auto einer kleinstädtischen oder dörflichen Enge zu entfliehen, an einen Ort zu fahren, wo Träume greifbar und erfahrbar werden, ist eines dieser großen amerikanischen Motive, die mich immer wieder beeindrucken. Wohl auch deshalb bin ich von Christmas Lights so angetan.

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