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Yesterday Was OK – Today Is Dramatic: (K)ein Abgesang auf múm

Zugegeben, wenn gleich das Debüt einer Band ein markerschütterndes Ausrufezeichen setzt, dann werden alle folgenden Werke zwangsläufig an eben jener Markerschütterung gemessen. Mit Yesterday Was Dramatic – Today Is OK gelang der isländischen Gruppe múm eines der 10 aufregendsten Alben dieses Jahrzehnts. 10 Tracks, die allesamt – ohne Ausnahme – an Genialität nicht zu überbieten waren, bescherten eine elegant-kindliche, verspielt-komplexe Verträumung, die bei aller Raffinesse unüberbietbare Leichtigkeit servierte. Zusammen mit Gunnar Örn Tynes und Örvar Þóreyjarson Smárason sorgten die Zwillinge Gyða und Kristín Anna Valtýsdóttir für wunderbarstes Staunen, bildete dieses Gespann den kreativen Kern. Was Musikfans da im Jahre 2000 kredenzt wurde, bot Hörfreude im Übermaß. Das sich spannend entwickelnde Sunday Night Just Keeps On Rolling sprengte sämtliche Dimensionen.

mumalben


Auch die 2002 folgende Scheibe Finally We Are No One beinhaltete anbetungswürdige Highlights. We Have A Map Of The Piano flocht abermals eine schier verzückende Melodie, unfassbar zärtlich schlitternde Beats sowie unschuldigen, elfenhaften Gesang zusammen, etablierte eine unnachahmliche, unverkennbare Eigenheit. Das Elysium hatte eine irdische Entsprechung gefunden. Kurz darauf verließ Gyða Valtýsdóttir das Kollektiv, 2006 folgte auch Schwester Kristín Anna, womit viel vom bis dahin so charakteristischen gesanglichen Flair flöten ging. Schon die 2004 erschienene CD Summer Make Good kratzte nur im Ansatz an früheren Glanztaten. Mit The Island Of Children’s Children flutete man freilich nochmals die Herzen.

Ohne das ursprüngliche Sangespersonal und mit neuen Vokalisten im Gepäck erfolgte ein Stilbruch auf Go Go Smear The Poison Ivy (2007). Abgewrackt und hilflos, von fast jedem Charme befreit eierte das Album daher, klang so verdammt erwachsen, zu normal.  Eine Männerstimme auf einem múm-Track? Gewöhnungsbedürftig.

singalongtosongs

2009 sieht mit Sing Along To Songs You Don’t Know eine Rehabilitation, was zunächst durchaus mit gesunkenen Erwartungshaltungen erklärbar scheint. Die Talfahrt konnte gestoppt und eine neue Identität gefunden werden. Der Ambient-Touch tritt endgültig in den Hintergrund, verdrängt von einem recht gefälligen Sound, welcher Lebendigkeit exerziert. Der folkige Opener If I Were a Fish ist eine liebevoll Referenz an If I Were a Carpenter und erinnert durch das Arrangement an bessere Zeiten. Und Sing Along eröffnet tatsächliche eine zweite Perspektive, wie múm dauerhaft ein neues, veritables Dasein im Banne des Electro-Pop fristen könnten:

Show Me bestärkt den Hörer im Gefühl, dass Folk mit elektronischen Einsprengseln als probates Ausdrucksmittel funktioniert. Kay-ray-ku-ku-ko-kex hingegen klingt so verdammt nach einer nicht unrunden Nachahmung von Gobbledigook, mit welchem Sigur Rós ja ihr eigenes Feel-Good-Lied entworfen haben. Mag die Genialität auch verflogen und die Platte oft Stückwerk sein, sie ist keinesfalls die musikalische Bankrotterklärung, welche wiederum zu befürchten war. Der Abgesang auf múm darf als abgeblasen erachtet werden.

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Label-Seite von morr music

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Eine supersexy Liste (Teil 1)

Will man als Blogger hohe Zugriffszahlen generieren, scheint ein deppensicherer Weg in der Verwendung der optimalen Buzzwords zu liegen. Die richtigen Tags sind ein guter Anfang, noch besser ist die wiederholte Benutzung von Google-freundlichen Begrifflichkeiten. Es empfiehlt sich Sex und Erotik in der unaufdringlichen Manier eines Tourette-Kranken immer wieder wahllos in den Text einzuflechten. Dies und die Erwähnung prominenter Namen sollte Suchende zu diesem kleinen, feinen Blog lotsen, oder etwa nicht? Natürlich bedarf es dann auch eines nach Aufmerksamkeit heischenden Themas, damit die Mikrosekunde der Entscheidungsfindung, ob der Blog lesenswert ist, auch zugunsten des Bloggers ausfällt.

Habe ich schon von Sex gesprochen? Playboy ist sicher auch ein nettes Buzzword, wobei die Fans von Pin-Ups selbigen wohl eher boykottieren. Den liest man doch mittlerweile nur noch. Mit wohligem Schauer zu bestaunende Bilder sind Mangelware, sagt jedenfalls meine Freundin. Essentiell scheint die maßvolle Verwendung sensationslüsterner Schlagworte. Wer wirklich nach Porno oder Hardcore sucht, der wird beim Anblick eines elendslangen Textes Hals über Kopf die Flucht ergreifen. Sex als Buzzword klingt gerade noch dezent genug. Besser freilich scheint Erotik, da der Begriff auch Feingeistern über die Lippen kommt. Und wer will nicht empfindsame Ästheten unter seinen Lesern wissen?

Die Namen der aus Hochglanz-Magazinen vertrauten Gesichter sollten auch sorgsam ausgewählt sein. Auch hier muss man den Geschmack der gewünschten Klientel ins Auge fassen. Fans von Paris Hilton oder Fetischisten mit Hang zur kultischen Verehrung Pamela Andersons sind wohl nicht die avisierte Zielgruppe. Da ist es schon sinnvoller aparte Schönheiten à la Carla Bruni im gleichen Atemzug wie Sex zu nennen. Oder auch gern Nelly Furtado.

Freilich entkommt man dennoch nicht der Pflicht dem Blogeintrag auch inhaltliches Gewicht zu verleihen. Eine in der Simplizität der Mittel geniale Idee ist die Erstellung von Listen. Viele Zeitgenossen lieben Listen, sie sind die perfekte Symbiose von Ordnung und Bewertung. Auch ich habe ein Faible für ein die Ganglien zermürbendes Grübeln nach der besten Kategorisierung und Reihung von Musiker, Alben, Liedern, whatever. Daher sei mir heute eine sehr nach persönlicher Befindlichkeit orientierte Liste der 10 schönsten Songs der Entrückung vergönnt.

Meine Top Ten der Verträumtheit:

10. múmSunday Night Just Keeps On Rolling

09. The Chemical BrothersAsleep From Day (featuring Hope Sandoval)

08. 1 Giant LeapThe Way You Dream (featuring Michael Stipe)

07. Dirty ThreeI Offered It Up To The Stars And The Night Sky

06. Sigur RósGlósóli

05. LowLullaby

04. Four TetMy Angel Rocks Back And Forth

03. A Silver Mt. Zion – 13 Angels Standing Guard ‚Round The Side Of Your Bed

02. Philip GlassFacades

01. BlockheadSunday Seance

Ich hoffe, dass der geneigte Leser den einen oder anderen Track bei Gelegenheit anhört. In dieser Auswahl fließt Herzblut…

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