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Wenn man hinter dem Mond lebt, sieht man die Sonne nicht – Zu Feminismus und Pop

Manche Themen fallen einem nicht spontan bei Kaffee und Kuchen ein, manch Sujet lauert beim Flanieren im Park nicht einfach fröhlich winkend am Wegesrand. Die eine oder andere Misere wird einem quasi vor den Latz geknallt und dann steht man da wie ein begossener Pudel mit Scheiße an der Pfote, brütet und grübelt, warum sich diese vermeintlich brennende Angelegenheit der eigenen Gedankenwelt bislang völlig verschlossen hat. So erging es mir, als ich auf Facebook auf den Artikel Feminismus im Pop auf dem Affekt Blog hingewiesen wurde. Im Kern moniert der Beitrag zwei Dinge, nämlich dass das feministische Missy Magazine mehr Leserunterstützung braucht, um dauerhaft zu reüssieren, und solch ein Magazin auch deshalb ganz wichtig ist, weil der Chauvinismus im Musikgeschäft nach wie vor grassiert. Was dem aufgeklärten Zeitgenossen zunächst als wichtig und richtig erscheint, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Sturm im Wasserglas. Denn man kann Probleme auch konstruieren, herbeireden, die gegenwärtigen Zustände fahrlässig verzerren, somit von tatsächlichen Missständen ablenken. Dies tut die Autorin auf geradezu reaktionäre Weise.

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Den Gnadenschuss für Musiker, bitte!

Ich vertrete neuerdings die These, dass man sich mit fortschreitender Lebenserfahrung Zynismus als gediegeneste Form des Stoizismus aneignen sollte. Der Zyniker verschleiert die eigene Emotion, mehr noch stutzt er sie allein dadurch zurück, indem er das Gute im Menschen auf eine Statistenrolle reduziert. Wer sich von lautstarken Idioten und knallharten Egoisten umgeben fühlt, zweifelt an der Notwendigkeit, für ein Happy-End zu kämpfen. Zynismus erwächst somit zu einer hochgradig intelligenten Art der Kapitulation. Auch deshalb winke ich der bisherigen Frustration gerade einen pflichtschuldigen Wiedersehensgruß hinterher, während ich allmählich zum anderen Ufer übersetze. Nach bald vier Jahren des Bloggens über Musik habe ich in einem Akt explosiver Flatulenz endgültig alle Hoffnung fahrenlassen, dass Qualität und Vielfalt einer Zukunft abseits des Hungertuchnagens entgegenblicken dürfen. Der Vorteil am Zustand kultivierter Miesepetrigkeit liegt freilich darin, dass man sich von dem Wahn verabschieden darf, ein musikalischer Mangel wäre ein großer Verlust für die Menschheit. Für die Legionen an Zeitgenossen etwa, die freiwillig und unter Beibehaltung aller sieben Sinne Unheilig oder Nickelback hören? Haben wir aus den Traumata der Geschichte wirklich nichts gelernt? Oder hecheln wir medial gehörig aufbereiteten Katastrophen (Tsunamis, Zugsunglücken, Amokläufen) derart hinterher, dass  wir uns auch im Bereich der Kultur und Unterhaltung dem schönen Schauer des Entsetzlichen hingeben? Gieren wir nach Trash, weil er dem Müllberg in der eigenen Seele so ähnelt?

Den Gnadenschuss, bitte!

Wenn ich mir den Karren so ansehe, dann ist dieser dermaßen verfahren, dass das Pferd, welches ihn zieht, schon längst um den Gnadenschuss bettelt. Im Internet schießen Bands wie Unkraut aus dem Boden – und werden auch wie solches behandelt. Das Netz, welches die Produktion und Verteilung so massiv erleichtert, ist dasselbe Netz, das diese Vielfalt geflissentlich ignoriert. Wahrgenommen werden hauptsächlich die musikalischen Pflänzchen, die ordentlich Dünger erhalten. Dünger, damit meine ich natürlich Geld, und das wird noch immer von den Plattenfirmen vergossen. Über Gedeih und Verderb entscheiden im Grunde nach wie vor die Mechanismen, die es auch schon vor 20 Jahren gegeben hat. Lediglich die Spielwiese hat sich geändert. Jeder dahergelaufene Musiker hat nun die Wahl. Folgt den Spuren in den Trampelpfaden, bemüht sich also bei einem potenten Label unterzukommen, tritt der ehrenwerten GEMA-Familie bei. Oder wählt er die Alternative querfeldein, strebt unaufhaltsam einer Verliererkarriere entgegen, indem er manche Marotten des Webs (etwa Creative-Commons-Lizenzen) für bare Münze nimmt? Stapeln wir mal eine Sekunde tief, definieren Erfolg als Möglichkeit mittels Einsatzes von Talent eine zumindest kurzfristig gesicherte Existenz aufzubauen. Nicht mehr und nicht weniger. Kann man tatsächlich dem treuherzigen Glauben verfallen, dass ein gewichtiger Prozentsatz der aktiven Bands dieses Ziel tatsächlich erreicht? Doch nur dann, wenn sie im Brotberuf als Alchemisten anheuern. Wer von lukrativen Gedanken beseelt eine Band gründet, sollte eher eine Lottoannahmestelle aufsuchen. Das ist doch die knallharte Realität abseits von Chartsstürmern wie Silbermond. Nur weil der Edel-Italiener in Berlin-Mitte die Lizenz zum Gelddrucken hat, trifft das eben nicht auf jede dahergelaufenene Trattoria der Stadt zu. Das lässt sich auf die Musikszene ummünzen.

Wenn ein Sex-Strolch seine Tat zu entschuldigen sucht, indem er sich gegenseitiges Einverständnis zusammenfantasiert, wird man ihn mit Verachtung strafen. Wenn in den vergangenen Jahren von Filesharing und Urheberrechten gesprochen wurde, blieb ich immer mit dem Eindruck zurück, dass die regen Proponenten neuer Zeiten den Musikern oft unterstellen, dass selbige schlichtweg nicht erkennen wollen, was so vermeintlich toll für sie sei. Aber möglicherweise sind die Urheber von Musik weder habgierig noch dämlich, vielleicht sind sie einfach realistisch. Nur weil die digitale Kopie keinen materiellen Aufwand mehr bedeutet und nicht wirksam zu verhindern scheint, bedeutet dies noch lange nicht, dass sie gut für den Künstler ist. Wie lange lässt man sich von der Dummdreistigkeit sogenannter Piraten beeindrucken? Wie oft in der Geschichte unserer Zivilisation hat ein kostenloses Gut dessen Schöpfer zu bescheidenem Wohlstand verholfen? Mir fällt kein Beispiel ein.

Der Reibach, der sich mit dem Internet machen lässt, ist dank Google und Facebook unbestritten. Aber ohne Werbeeinnahmen wäre diese Giganten bestenfalls Gartenzwerge. Wo in den Weiten des Webs kann man fettes Geld verdienen? Doch bestenfalls mit Software, Bezahlsystemen, Social Gaming oder freilich Versandhandel. Digital bereitgestellter Content in Form von Wort, Ton oder Bild hätte ohne Werbung keine Überlebenschance, mit Ausnahme der Pornografie wohl, weil diese nicht unter dem Aspekt rationaler Kostenabwägung konsumiert wird. Das Internet ist eine riesige, überbordende Werbehalde, dadurch wird der Mehrheit eine Gratiskultur, quasi ein Gegenentwurf zum Kapitalismus, vorgegaukelt. All dies wird treuherzig umarmt, frenetisch bejubelt, kaum als Farce enttarnt. In diesem Umfeld soll Musik auf Dauer gedeihen? Wie denn? Butter bei die Fische, bitte!

Als besonders ausgeklügelte wie perfide Strategie hat sich das angeblich notwendige Sperrfeuer auf Plattenlabelmoloche erwiesen. Nicht die Komponisten oder Musiker seien das Problem, vielmehr die unersättlichen, prinzipiell heimtückischen Labels werden als Feindbild gehegt und gepflegt. Gerade so als wären sie die stacheldrahtige Hürde, die Hörer von Künstlern trennt. Wer holt schon die Milch frisch vom Bauernhof? Wer bezieht sein Gemüse frisch vom Bauern und nicht aus der Tiefkühltruhe? Unsere Gesellschaft ist auf zwischengeschaltete Instanzen getrimmt, die den Produzenten vom Konsumenten trennen. Ausgerechnet im Musikbereich sollte der Musiker auch Vermarktung und Vertrieb übernehmen. Warum?

Vielleicht tauge ich nicht zum Zyniker. Weil ich Idioten noch immer mit ungläubigem Staunen begegne und Böswilligkeit und Gedankenlosigkeit nach wie vor verharmlose. Auch zum Defätisten fehlt mir das gewisse Etwas, die Tugend nämlich keine Fragen mehr zu stellen. Zumindest eine Erkenntnis hat sich in mir eingenistet. Die, die heute das Grab für die Musik schaufeln, werden morgen schon darauf tanzen wollen. Und dann fehlt sie plötzlich, die Musik. Aber der Gag funktioniert nur, wenn die Musik auch wirklich keines Mucks mehr von sich gibt. Also unbedingt Daumen drücken, denn in diesem Fall gibt es wirklich etwas zu lachen. Ha!

SomeVapourTrails

Der naive Traum blauäugiger Hirne oder die gerechte Wut Sven Regeners

Ich würde mich nicht gerade als großer Fan Sven Regeners bezeichnen. Ich habe keines seiner Bücher gelesen und von seiner Kapelle Element of Crime gerade einmal das Album An einem Sonntag im April im Plattenschrank. Ich könnte folglich kaum unbefangener den Worten lauschen, die Regener zum Thema Urheberrecht findet. In der Sache selbst bin ich freilich eisern. Der Urheber muss ordentlich bezahlt werden.

Einer der intelligentesten, drastisch ausformulierten Beiträge zum Thema Urheberrecht ist vor einigen Wochen in der österreichischen Zeitung Die Presse erschienen. Der Autor Michael Amon nennt geistig Schaffende die Gratisdeppen der Nation. Doch so sehr ich seinen Ausführungen zustimme, möchte ich dennoch eine grundsätzliche Fragestellung aufwerfen. Ist uns die Idee etwas wert? Der inspirierte Gedanke, ehe er sich materialisiert? Wer diese Frage bejaht, muss natürlich für Schutz und Entlohnung des Urhebers eintreten. Die Zeitgenossen freilich, die dies negieren, dürfen sich an die eigene Nase fassen und konsequentes Handeln an den Tag legen. Wer zu IKEA pilgert und dort einen Tisch erwirbt, zahlt neben Material- und Produktionskosten selbstverständlich auch für die Entwicklung des Designs. Wer ein iPhone sein Eigen nennt, zahlt für ein Statussymbol, doch bezahlt man natürlich auch die Personen, die derart viel Hirnschmalz in die Sache investiert haben, um das Smartphone nicht kreisrund zu entwerfen. Gehen die scharfen Urheberrechtskritiker nun in die Geschäfte, nur um an der Kasse scharf ein „Den Preis ohne Entwicklungskosten, bitte!“ zu blaffen? Ein Hauptargument für das Filesharing war und ist doch stets, dass durch das Vervielfachen von Bits und Bytes nichts gestohlen wird. Logisch weitergestrickt bedeutet dies, dass nur das materialisierte Produkt eine Bezahlung rechtfertigt. Dann allerdings sollten die Gegner von Urheberschaft auch Standhaftigkeit beweisen und sich gegen die in die Endkosten eingepreisten Ideen wehren. Warum bei einem Parfüm die Überlegungen berappen, wie Kopfnote und Herznote harmonisiert werden sollten? Wenn wir Kreativität bezahlen wollen, dürfen wir keinen Unterschied zwischen einem Stück Mode und einer Mp3 machen.

Es ist ein naiver Traum, der sich in den letzten fünfzehn Jahren in die blauäugige Hirne eingenistet hat. Wenn das Internet in irgendeiner Art und Weise Inhalte vorwiegend gratis verfügbar machen würde, warum sind die mächtigsten Konzerne der Welt aus dem Netz hervorgegangen? Warum ist Google so mächtig? Und Facebook Milliarden schwer? Im Internet bieten nur Idealisten ihre Inhalte kostenlos an, jedes Unternehmen freilich will Geld sehen, fordert zumindest eine mehr oder weniger offenkundige Gegenleistung. Nutzerdaten sind eine Währung, die wir User oft als Spielgeld erachten, während sie Firmen in bare Münze verwandeln. Es konnte mir noch niemand stichhaltig darlegen, warum in einer durch und durch kapitalistischen Welt ausgerecht das Internet als gelebtes Gegenbeispiel funktionieren sollte. Und wenn dem wirklich so wäre, wie passen dann Google oder eBay ins Bild?

Wenn das World Wide Web ein Hort der Geschäftstüchtigkeit ist und wir Kreativität im Alltag honorieren, warum scheint gerade die Musikbranche davon nicht zu profitieren? Denn obwohl das Verteilen von Musik noch nie so einfach war, jeder sein Musik der Allgemeinheit mittels YouTube oder Soundcloud näherbringen kann, haben doch nach wie vor hauptsächlich diejenigen Künstler ein gesichertes Auskommen, die von gewieften Labels unter die Fittiche genommen werden. Was hat sich denn in den letzten 15 Jahren im Musikbusiness denn wirklich geändert? Außer den Vertriebskanälen wie iTunes? Lebt der durchschnittliche Musiker nun sorgenfreier? Haben sich die Erfolgschancen erhöht? Es gibt triftige Gründe, dies zu bezweifeln. Doch wer ist der Schuldige an der Misere? Der unbelehrbare Künstler, dem es schlichtweg nicht gelingt, den Geschmack eines breiten Publikums zu befriedigen? Der Kreative, der Marketingmechanismen völlig verkennt? Oder die Internetnutzer, die Kunst als Allgemeingut ansehen und einen Anspruch auf dessen kostenlosen Konsum ableiten?

Über die Jahre wurde uns immer wieder zu suggerieren versucht, dass Filesharing kein Grund für sinkende Verkaufszahlen ist. So viel es über das Label-System zu schimpfen gibt, so wäre es doch absurd zu meinen, dass die Plattenfirmen ihr Geschäft nicht mehr beherrschen. Selbstverständlich hat Filesharing die Käuferschicht der Asozialen und Gedankenlosen nachhaltig von jeder Art der Bezahlung abgehalten. Wer für nichts bezahlen muss, der lädt wohl auch Musik herunter, die er nie und nimmer hört oder jemals kaufen würde, aber eben auch Lieder, die er oder sie um jeden Preis auf der Festplatte zu haben trachtet. Zu meinen, dass diese Gruppe ohnehin nie für Musik zahlen würde, wäre in etwa so absurd wie die Auffassung, dass die bei einem Freibierausschank in der vordersten Reihe stehenden Personen sonst ein Leben in Abstinenz führen.

Das Internet präsentiert sich als ewiges Versprechen neuer Möglichkeiten. Inwieweit diese allerdings auch gewinnbringend sind und nicht einzig auf Selbstausbeutung beruhen, das bleibt ungeklärt. Ob die musikalische Betätigung zur Nebenbeschäftigung taugt, diese Frage darf durchaus in den Raum gestellt werden. Zweifelsohne gibt es mehr Musikschaffende als vor 15 Jahren, aber ist die Qualität auch gestiegen? Denn so sehr wir über das Diktat der Plattenfirmen in den vergangenen Dekaden auch die Nase rümpfen, sind doch alle gepriesenen, bis heute bahnbrechenden Stilrichtungen unter ihrer Ägide entstanden. Nicht trotz der Plattenfirmen entwickelten sich neue Genres, sondern unter der mehr oder weniger kräftigen Mithilfe mittlerer und großer Labels. Wären Radiohead die Götter des Indie, wenn sie von Beginn alles in Eigenregie und ohne potentes Label im Hintergrund hätten aufziehen müssen? Apropos Radiohead! Bei ihrem vorletzten Album In Rainbows überließen sie die Preisgestaltung den Hörern, jeder konnte selbst entscheiden, wieviel der digitale Download kosten durfte, ob man überhaupt dafür bezahlen wollte. Bei ihrer bislang letzten Platte The King of Limbs wiederholte die Band dies Experiment nicht. Wäre es also absurd anzunehmen, dass selbst eine fixe Größe wie Radiohead keine Unsummen lukriert, wenn die Formation auf den Goodwill der Käufer setzt. Wenn wir also das System der Plattenfirmen so abstoßend finden und Musiker indirekt zur Selbstvermarktung aufrufen, bedeutet dies noch lange nicht, dass deshalb ein wahrer Geldregen einsetzt. Das vor ein paar Jahren oft trotzig geäußerte Argument, wonach man die sauer verdienten Kröten nicht in den Rachen der Plattenmogule werfen möchte, verliert ohnehin immer mehr an Substanz. Längst sind engagierte kleine Labels am Werk, längst wissen Musiker um den Wert der Eigenvermarktung. Der große Reichtum stellte sich nicht ein.

Wenn wir uns die Realität schonungslos vors Auge führen, müssen wir folgendes konstatieren. Der Urheber wird vor allem im Internet gering geschätzt. Er darf Geld verdienen, das gesteht ihm die Mehrheit wohl zu, aber eine nicht zu unterschätzende Minderheit meint, dass nur die Anderen dafür Geld locker machen sollten. Wenn aber fast jeder die Zahlungsverantwortung auf alle anderen Zeitgenossen schiebt, dann bleibt dem Künstler am Ende sehr wenig in der Brieftasche. An einigen Sätzen Regeners, dessen Wutausbruch die Debatte in diesen Tagen wieder neu belebte, darf man zugleich durchaus Zweifel anmelden. Die Fülle der Musik lässt wahrlich keinen Mangel zu. Und ob ein Verein wie die GEMA all den Mitgliedern tatsächlich eine faire Vergütung der Ansprüche garantiert, sei hinterfragt. Die Schuld für die Misere nur beim unbelehrbaren Konsumenten zu suchen, greift ohnehin zu kurz. Alle Seiten sind dazu angehalten, sich Gedanken über Gedanken zu machen, einige davon sollten damit sogar gefälligst einmal anfangen.

SomeVapourTrails

Lohnt Musik? Zerschlagt die Gitarren!

Letztens fand sich in meinem Postfach eine E-Mail wieder, die mir eine Idee für ein Online-Musikmagazin unterbreitete. Nun stehe ich Geistesblitzen aufgeschlossen gegenüber, brüte über große und kleine Eingebungen, bis die Schwarte kracht und das Haar in der Suppe gefunden scheint. Dieses Mal allerdings stotterten meine Gehirnschräubchen, streikten vor sich hin, wollten sich über eine Grundsatzfrage kaprizieren: Lohnt Musik? Mit fortschreidendem Alter neige ich mehr und mehr zu der Ansicht, dass metakramisches Herumphilosophieren auf den Magen schlägt, das Seelenheil strapaziert. Irgendwie ist das Ringen um Erkenntnis und die damit verbundene Preisgabe von Gedanken nur temporär fruchtbar, denn früher oder später trampelt im Internet stets ein fröhlich Porzellan zerschlagender Tölpel herbei, dem ein sinnentleert quiekendes Lol über die Zunge hüpft.

Vielleicht überfrachtet bereits meine Grundannahme alles mit einer Seinsschwere, vergrübelt sich heillos. Ich meine, dass viel aus Jux und Tollerei geschieht, ohne dass wir uns über Nutzen oder Inspiration großartig Gedanken zu machen. Wir lauschen Musik, weil sie unsere Emotionen Bierdosen werfen lässt, wir sprechen über Musik, weil Themen wie Kapitalismuskritik oder FDP noch weniger befriedigende Exkurse generieren, wir machen Musik, weil Gitarrengeschrammel ein schöneres Hobbby bedeutet als öde Pilatesübungen. Aber wieviel davon generiert nachhaltige Bereicherung? Trägt Musik zur Kultivierung des Menschseins bei? Ist Musik nicht wie Ketchup? Der Banause schüttet es sogar noch über Spaghetti, der Kenner hingegen verwendet es wohldosiert auf die Bio-Currywurst. Mit ein wenig Anstrengung jedoch lässt es sich auch ohne aushalten, Abstinenz als Schlankmacher der Existenz.

Musik schafft Unordnung. Sie haftet kaugummigleich unter den Tischrändern unseres Denkens. Sie kriecht in die Winkel unserer Herzen und kackt herzschmerzige Kothäufchen in das Gefühlsbett. Ihre Klänge knallen Supernova um Supernova in das ohnehin vorhandene Chaos des Gefühlskosmos. Musik macht auf Kosmetik. Sie bekleistert die Natürlichkeit des Moments mit Rouge, schmiert unserer Traurigkeit einen Batzen Kajal unter die Augen. Ab und an wispert sie Wunschträume über die signalverfärbten Lippen.

Lohnt Musik? Über das Maß an Zerstreuung hinaus. Ist die Pille, die den Menschen heilt? Oder doch nur ein absolut hündisch ergebener Wegbegleiter, der stets das gewünschte Kunststückchen beherrscht, um uns kulleräugig zu beeindrucken? Verschleiert sie nicht die nackte Tristesse des Lebens mit dem Eifer eines auf FKK-Apostel losgelassenen Sittenwächters? Mag man etwa leugnen, dass Lieder Botox ins Gemüt spritzen?

All die Zweifel lassen sich nicht vom Tisch wischen, keimen weiter. Da kann die Spex einen intellektuellen Kopfstand vortanzen, der Rolling Stone den Kult in der Kultur zelebrieren, dürfen Radios platte Songs zwischen Verkehrsfunk und frühmorgendlichen Scherzchen verstauen, Wuchtbrummen durch Bayreuth schwirren und Minderleister als DJs fuhrwerken. Zerschlagt die Gitarren, bewerft Pianisten mit Stanniolkügelchen, scheucht das letzte Häufchen VJs aus den Fernsehstudios, verbarrikadiert Plattenläden, gebt Plattenfirmen den Gnadenschuss, pfeffert Bono auf den Mond! Musik scheint Teufelswerk. Mit jedem Tag mehr.

SomeVapourTrails

wahwah oder gaga?

Manches, was uns ins Postfach flattert, ist schon laut Pressetext so sehr Realsatire, dass es schwer ist, sich in übersteigerter Form darüber lustig zu machen. Vor wenigen Stunden verzog ich noch bei folgendem Kalauer des Geliebten das Gesicht: „Wenn ein Idiot ein Smartphone hat, ist es dann immer noch ein Smartphone?“ – Die Antwort lautet natürlich: Leider ja – nur schlauer machts den Besitzer nimmer, da helfen auch keine Apps. Das urbane Publikum lüstet jedoch laut Marketingheinis nach smart-phonischer Beschallung, mit Kuschel-Tunez verpackter Werbe-Message. Früher trafen sich die Frauen des Dorfes zum gemeinsamen Häckeln, Stricken und Nähen in der guten Stube. Der polyesterne Stoff knisterte lauschig im Rhytmus der neuesten Schlager aus dem Radio. Heute verstöpseln wir uns die Ohren – Kiezkiller genannte Hipster haben übergroße Muscheln auf dem wohlfrisierten Haupte. Wo das iPhone fehlt, ist man zumindest smart. Wozu und weshalb diese Leute auch noch Stoff brauchen, zumindest den, den man nicht rauchen kann, bleibt die Frage. Anyway. Lest selbst und wenn ihr schnell genug seit, dürft ihr an dem Megaevent teilhaben und mir nacher berichten, was ich nicht verpasst habe.

Pressemitteilung:

Berlins erste Nähparty im Live-Stream – stoffe meyer und wahwah.fm kooperieren

Exklusiver Closed Beta Zugang für Leser

Berlin, 05. Mai 2011 – Man nehme einen Stoffladen, ein ausgefallenes Partykonzept, einen DJ und ein innovatives Berliner Musik-Startup – heraus kommt ein multimediales Abenteuer in Form eines „Nähparty-Live-Streams“. Was in erster Linie verrückt klingt, wird durch die Kooperation von stoffe meyer und wahwah.fm zur Realität. Sie übertragen Musik direkt aus dem DJ-Mischpult auf die Handys in der Umgebung.

Grundvoraussetzung: die wahwah.fm-App auf dem Smartphone. Das Berliner Startup ermöglicht seinen Nutzern über einen Live-Stream akustisch an der Playlist anderer User in der Umgebung teilzunehmen. Für die Veranstaltung am 05. Mai bedeutet dies: aus der Ferne den DJ-Tunes lauschen, ohne anwesend zu sein.

Der Ort des Geschehens ist dabei der Stoffladen stoffe meyer in der Brunnenstrasse 165 in Berlin. Extra für die Nähparty wurde eine Zusammenarbeit mit dem Musikservice in die Wege geleitet, um die von DJ Kastar Tronic gespielten Tunes zu streamen und über die so gegebene Reichweitenerhöhung mehr Menschen teilhaben zu lassen.

„ Die Idee, das junge und innovative Berliner Unternehmen in die Kommunikation für die Nähparty einzubauen, hat für mich einen großen Vorteil. Über den Live-Stream wird zusätzlich Publikum angezogen und ich erziele noch mehr Reichweite.“, erklärt Sarah Meyer, die Besitzerin des Stoffladens.

Für den Musikservice bietet die Veranstaltung „Taschen, Tanzen, Trinken“ eine gute Möglichkeit, den Dienst beim kreativ-urbanen Berliner Publikum zu etablieren und neue Nutzer zu gewinnen.

„Neben Musikfans gehören vor allem professionelle DJ und Unternehmen zu den Nutzern von wahwah.fm. Als sogenannte Hosts haben sie de Möglichkeit, sich über einen Live-Stream eine feste Audienz zu bilden. Wir sind froh, mit stoffe meyer einen weiteren wichtigen Partner in diesem Bereich gefunden zu haben.“, so Philipp Eibach, Gründer und Geschäftsführer von wahwah.fm.

Der „Taschen, Tanzen, Trinken“-Stream wird ab 19:00 Uhr über wahwah.fm erreichbar sein. Die ersten 10 IInteressenten erhalten einen exklusiven Beta-Zugang. Einfach eine Mail mit dem Betreff stoffemeyer@wahwah.fm an support@wahwah.fm schicken.

Viel Spaß damit!
DifferentStars

Free Mixtape: Indie-Girls rocken und Herren bezirzen

Mein Winterschlaf hat mich die ersten 3 Monate diesen Jahres so ziemlich verschlafen lassen, wie jedoch könnte man schöner aufwachen als mit den Raveonettes? Als extra Bonus gibt’s ein paar Impressionen von Neuköllner Wänden. Keine Angst, Lie In The Sound wird nicht zum Urban Art Blog mutieren, nur vieles hier ist einfach zu schön und interessant um ignoriert zu werden.

EXISTENCIL

The Joy Formidable – Whirring

Free Mp3: Download auf Stereogum

Mädchen von X0000X

Dum Dum Girls – He Gets Me High

 

The Raveonettes – Forget That You’re Young


 
Free Mp3: Download auf Paste Magazine

Buhfrau von ???

Tea Cozies – Dead Man’s Sister

via Coast is Clear Mp3: Download Tea Cozies «Dead Man’s sister» (via Soundcloud, also mit der linken Maustaste klicken)

Betty and the Werewolves – Should I go to Glasgow?

via Coast is Clear Free Mp3: Betty and the Werewolves – Should I go to Glasgow?

Pusteherzenmädchen (Flix) + Human Bein (Dave the Chimp) + Korkmenschen

Papercuts – Do You Really Wanna Know

Free Mp3: Download auf betterProgaganda

Onykat von Onytwo

 

The Radio Dept. – Freddie and the Trojan Horse

The Radio Dept. – Freddie and the Trojan Horse by Labrador Records
 
Mp3: The Radio Dept. – Freddie and the Trojan Horse

Broken Window

 

Low – Try to sleep

Mp3 und Stream:

Mehr kostenlose Low Mp3s gibt’s auf der Subpop Labelseite.

Broken Window

Viel Spaß damit!

DifferentStars

PS: Fotos sind alle von mir, wenn ihr eines auf eurem privaten Blog verwenden wollt, werd ich in der Regel gegen Namensnennung und Link zurück auf uns „Ja“ sagen.

Die Kakophonie der Gentrifizierung

Besichtigen wir doch gemeinsam dies Haus, das sich in einem heruntergekommenen, alternative Ausscheidungen absondernden Berliner Kiez empor reckt. Es atmet bereits den Anstrich der Veränderung, ein caramelfarbener Fleck zwischen den benachbarten grau-schmutzigen Fassaden. Nicht nur deshalb haben schon die Späher der Gentrifizierungsameisen das Gebäude für sich entdeckt, wuseln in seinen Korridoren gegen die Alteingesessenen an. Im erdgeschösslichen Geschäft, wo noch vor wenigen Monaten der Salon Helga Dauerwelle um Dauerwelle kringelte und gewissenhaft mit viel Haarspray ummantelte, haust mittlerweile ein Coiffeur. Frau Helgas altes Radio samt altmodischer Schlager-Seligkeit hat nach Ewigkeiten ausgedient und wartet beim Trödler einige Häuser weiter auf einen neuen, in Retrokram verliebten Besitzer. Unterdessen schreitet das junge metrosexuell bis homosexuell auftretende Coiffeur-Team zur Begleitung edler Lounge-Klänge tänzenld ans Werk. Auf die Betulichkeit eines nach Berliner Schauze geführten Geschäfts folgt ein neuer, adretter Chic namens Scissorhands, wo die wartende Kundschaft an einem Cappucinchen nippt und zu flauer Electronica mit dem Köpfchen wippt, ehe es dem Haarschopf an den Kragen geht.

In der ebenfalls im Parterre befindlichen Wohnung lebt der alte Herr Pohalke, ein weit über achtzig Lenze zählender Griesgram, dessen Frau sich vor fünf Jahren zu sterben erdreistete. Nun kommt einmal täglich eine Pflegerin, um nach dem Rechten zu sehen, und mehrmals die Woche eine Putzfrau, die auch die Einkäufe erledigt. Längst hat die Zeit den Greis mehrfach überrundet. Sogar das Programm des ZDF überfordert ihn. Früher, ja früher überkamen ihn noch Passionen. Sammelte er noch Wimpel diverser Fußballvereine, klempnerte er sich durch die Arbeitswoche, um sonntags Platten mit Marschmusik aufzulegen. Die wenigen Musikkassetten, die er sich im Lauf der Zeit angeschafft hat, liegen nun unbeachtet neben einem antiquierten, zuletzt vor mehr als einem Jahr benutzten Abspielgerät. Die Platten sind schon eine gefühlte Ewigkeit im Schrank verstaut und werden wohl erst vom eifrigen Trödler wieder zutage gefördert werden.

Familie Korkmaz wohnt einen Stock darüber. Herr Korkmaz lamentiert besonders über die letzte Mietpreiserhöhung. Findige Eigentümer und smarte Hausverwaltungen harren schon längst auf willige Gentrifizierer, die mit der Sorgfalt eines Kammerjägers auch dem widerborstigsten Unterschichtsgesindel den Garaus machen. Nur die Beschwerden der neuen Elite finden Gehör, die schlecht isolierten Fenster im Korkmazschen Haushalt kümmern den Vermieter nicht. Die türkische Familie zählt zu den angepassten, kopftuchbefreiten Vertretern ihres Standes, bietet nicht viel, was als Projektionsfläche für Vorurteile dienen könnte. Lediglich der jüngste Sohn gibt den eitlen Checker und nervt mit lautem Rap und R ’n‘ B die Nachbarschaft.

In der mittleren Bude haust Koslowksi, der Pionier. Er kam vor 20 Jahren in den Kiez, damals grüßte man sich auf der Straße, weil man sich noch kannte. Ob aus der von Rauchschwaden durchwobenen Eckkneipe oder vom Einkauf im Getränkeladen. Koslowski war einer der ersten Störenfriede im Viertel. Die stets geschulterte Gitarre, das klobige, sich Brille schimpfende Kassengestell und ein Joint waren seine treuen Begleiter. Doch mittlerweile ist aus dem ewigen Studenten – später Sozialschmarotzer – ein von den Mühlen von Hartz IV getriebener Mittvierziger geworden, der auf seine alten Tage in einem Bioladen arbeitet. Er raucht nicht mehr, trinkt nicht mehr, schwört auf Öko, ist ein alternativer Spießer, der in lediglich in schwachen Momenten nach seiner zerfurchte Gitarre grapscht und die alten Lieder von einer besseren Welt intoniert.

Man glaubt es kaum, die dritte Wohnung dieser Etage steht leer. Seit der Vermieter das Zeitliche gesegnet hat, streiten sich die Erben. Interessenten gäbe es wohl viele, nicht zuletzt solche, die es zu schätzen wissen, dass die ehemals in Sichtweite befindliche Eckkneipe nun zu einem Bio-Café mit leckerem Kuchen – selbstverständlich vegan – mutiert ist.

Steigen wir die Stufen ins zweite Stockwerk hoch, wo zur Linken Miranda lebt, sofern man jene Existenz als Leben bezeichnen darf. Sie zählt zu den gestrauchelten Existenzen, denen irgendwann die Welt sperrangelweit offen stand. Doch dann jobbte sie neben dem Studium in einem der aus den Boden sprießenden Call-Center, die die Drecksarbeit der Kundenbetreuung verrichten. Per Outsourcing wird das Stiefkind namens Service abgeschoben und von Rabenmüttern und -vätern so teuer wie lustlos betreut. Miranda hat es in der Zwischenzeit zur Senior Managerin des Bereichs Inbound gebracht. Wohl auch deshalb, weil sie es schafft, die knallharten Vorgaben der Geschäftsleitung mit dem Mäntelchen des Ansporns an die Teamleiter und Agents weiterzuleiten. Aber trotz 60 Stunden Arbeit pro Woche weiß sie um freizeitliche Entspannung, Sie gönnt sich die Themenabende auf ARTE und hört viel südamerikanische Folklore. Vielleicht findet sich auch einmal ein Mann, mit dem sie einen Tanzkurs besuchen würde. Einmal einen ausdrucksstarken Tango aufs Parkett legen…

Als Claudia und Maren vor einem Jahr hier ihr Studentendomizil bezogen, waren sie sofort vom speziellen Flair überwältigt. Die Mischkulanz aus versifftem Ghetto, wo Sperrmüll einfach auf der Bordsteinkante entsorgt wird, der Blick allerorts über lausige Graffitis stolpert, und angesagt-schummrigen Bars, in denen kein abgewetzter Sessel dem andern gleicht und von der Wand hängende Oma-Tapeten Kindheitsreminiszenzen hervorrufen, oder kleinen Läden, in denen junge Designer den Underground stilsicher gewanden, all das gefiel den Mädchen. So durchlöcherten sie alsbald ihre bunten Strumpfhosen, um nur ja authentisch durch die Gassen zu laufen.An Wochenenden hängen die beiden Mädchen in Kellerclubs ab und sehen Indie-Kapellen beim Schrammeln zu. Auch in den eigenen vier Wänden läuft aufgeregter Post-Punk, schön kirre muss es eben sein.

Nicht zuletzt deshalb haben sie öfters Ärger mit ihren Nachbarn, dem Ehepaar Schmidt. Herr Schmidt neigt zur Unförmigkeit, die auch sein seit der Frührente angelegter Trainingsanzug nicht zu kaschieren vermag, während die lederhäutige Ehefrau sich auf ausgeprägte Rundungen beschränkt. Die Schmidts hören keine Musik, weil der Fernseher, genauer RTL, die Wohnung omnipräsent beherrscht. Musik besteht bestenfalls aus dem Fraß, den DSDS so serviert.

Im dritten Geschoss zieht Frau Dahlke ihren kleine Sohn Kasper groß. Seit er dem Tragetuch entwachsen ist, sind Treppen sein Feind. Wann immer er Mamas Armen entrinnt, purzelt er auch schon über und auf Stufen. Dann wird das Stiegenhaus von lautstarkem Geplärre erfüllt. In der am Ende der Straße gelegenen Kita Wichtelmännchen nennen ihn die Kindergärtnerin hinter vorgehaltener Hand Beule, weil der Zwerg die Ungeschicktheit in Person repräsentiert. Wenn Frau Dahlke nachmittags aus dem Büro heimwärts hetzt und Kasper von der Kita aufgabelt, schallen alsbald Rolf Zuckowskis Kinderlieder durch die Wohnung.

Norbi ist das, was in Berlin viele Menschen behaupten zu sein, Medienschaffender nämlich. Der feine Unterschied: Er verdient damit Geld. Nicht zu knapp. Norbi heißt eigentlich Norbert und hasst seine Eltern für diese Brandmarkung. Als Endzwanziger hätte er eigentlich dank der Gnade der späten Geburt einen soliden, vielleicht langweiligen Namen verdient, Thomas zum Beispiel. So allerdings ist sein Name die einzige Schramme im Auftreten. Denn der schief drapierter Hut, der gepflegte Backenbart, die hippe, in Schwarz gehaltene Klamottierung und ein unter den Arm geklemmtes MacBook als Gottseibeiuns der Verdrängten lassen Norbi glänzen. Auf seinem iPod läuft geheimtippiger Synthie- oder Electro-Pop beispielsweise von Hurts oder La Roux.

Die letzte Wohnung des Hauses wurde vor einem halben Jahr von einem jungakademisches Pärchen gemeutert. Was als Happy End erdacht, geriet zum Desaster. Mangels Aufträgen verlor Tobias seine Stelle in einem Architekturbüro – und durchläuft die Bewerbungsmühlen jetzt schon drei Monate lang. Sabine wiederum passierte ein gravierendes Missgeschick – in doppelter Hinsicht. Der Chef bekam noch während ihrer Probezeit im Verlag mit, dass sie soeben unbeabsichtigt schwanger geworden war. Da wird man ratzfatz gekündigt, fadenscheinig abserviert, steht vor den Scherben einer Zukunft, die vormals in rosaroter Herrlichkeit geleuchtet hatte. Arbeitslosigkeit bedeutet ein unbarmherziges Verheddern in den Fängen der Bürokratie. Nun muss das Paar wohl die Zelte hier abbrechen und in eine günstigere Bude umziehen. Man fraß und wird nun bei lebendigem Leib gefressen. Gentrifizierung, Baby! Vorbei die Zeiten als man abends gemeinsam selig den Fleet Foxes lauschte oder den Lebensentwurf in der Abgehobenheit eines Devendra Banhart verkörpert fand. Heute regiert in diesen Wänden der monotone Blues.

Der Rundgang ist hiermit beendet. Ich hoffe, die klangliche Vielfalt der Bewohner schrillt nicht zu sehr in den Ohren nach, schwillt nicht zur Kakophonie an. Ich wünschte ehrlich, ich könnte noch eine Pointe setzen, einen versöhnlichen Schlussakkord anbieten. Die Verdrängungsmechanismen der Gentrifizierung freilich verbieten das. Doch auch wenn die Migranten und das alteingesessene Proletariat demnächst die Flucht antreten und der alternative Mittelstand den Kiez erobert hat, wird sich die Welt trotzdem weiter drehen. Die Zeit heilt nicht nur alte Wunden, sie fügt früher oder später auch denen neue zu, die heute unbekümmert mit Joanna Newsom in den Kopfhörern durch die Straßen des Viertels schreiten. Das darf man als tröstliche Gewissheit ansehen.

 

SomeVapourTrails

Free Mp3s: Grey’s Anatomy Soundtrack Folge 610 Feiertagsblues

Folge 610:

Feiertagsblues

“Holidaze”

Manchmal ist kurz nach Pfingsten schon wieder Weihnachten, zumindest im Fernsehen und hier auf unseren Seiten. Treue Leser unseres Blogs werden wissen, dass ich mich fleißig 24 Tage im Jahr als Weihnachtsengel betätige und die schönsten kostenlosen Weihnachtslieder suche, finde und im klingenden Adventskalender für euch als Geschenk verpacke. Solltet ihr also schon oder immer noch jetzt auf der Suche nach Christmas Songs sein. Dort werdet ihr fündig werden. Nun denn – während draußen der Sommer naht, erklingt im Seattle Grace Schneegestöber. Bitte sehr!

Paul von den tvsongs.de hat genau aufgelistet und beschrieben an welcher Stelle in der Folge die Songs erklingen.

Tim Myers –  “A Magical Season”

Leider kein Video, auch keine Mp3, mehr über ihn erfahrt ihr auf seinem MySpace.

Cast – “Let It Snow ”

Cast (Sara Ramirez) –  “Silent Night”

Jars of Clay – “Drummer Boy”

Sebastien Schuller –  “Awakening”

Free Mp3:

Sébastien Schuller – The Border

Seabird – “Joy to the World”

Free Mp3:

Den Song Rescue könnt ihr euch beim Jungen mit dem großen Herzen kostenlos abholen.

The Rescues – “All That I Want For Christmas (Is To Give My Love Away)”

Free Mp3s:

The Rescues verschenken gleich eine ganze EP, diese könnt ihr euch hier via Widget downloaden:

Coldplay – “Have Yourself a Merry Little Christmas”

Free Mp3s:

Coldplay gaben und geben sich nach wie vor spendabel. Auf ihrer Website könnt ihr euch das Live-Album LeftRightLeftRightLeft downloaden: http://lrlrl.coldplay.com/leftright

Tracklist:

* Glass of Water
* 42
* Clocks
* Strawberry Swing
* The Hardest Part/Postcards From Far Away
* Viva La Vida
* Death Will Never Conquer
* Fix You
* Death And All His Friends

Ingrid Michaelson –  “Snowfall”

Free Mp3:

Spinner.com verschenkt das Lied Unbreakable.

Die Videos + Mp3s der bisher auf Pro7 ausgestrahlen Folgen von Grey’s Anatomy Staffel 6 findet ihr  in der musikalischen Vorschau.

DifferentStars

Klingelingeling: Futter fürs Handy von ASTHMATIC KITTY frei Haus

Unser lieber Freund  nebenan hat gestern damit begonnen in markschreierischer Aktion die selbsternannten Agenten auf Spuren des Dr. NoKosts für Mp3s zu überbieten. Wir legen heute noch eins drauf, nicht nur der Mp3-Player darf gratis gefüttert werden, auch das Handy und iPhone werden hier mit Klingeltönen versorgt. Hurra. Wo gab’s das denn schon mal, wo anders schon, aber hier besonders gut und außerordentlich kostenlos und frei von jeglichen Gebühren. Selbst die Abo-Falle haben wir ausgelassen. 😉

Geliefert wird das Paket vom feinen Label ASTHMATIC KITTY RECORDS.

Download Zip

Tracklist:

1. Fol Chen – HOLOGRAMS RINGTONE (0:07)
2. Fol Chen – INRUINS RINGTONE (0:06)
3. Fol Chen – In Ruins (3:00)
4. Jookabox – Eyes of the Fly (3:30)
5. Julianna Barwick – Cloudbank (4:09)
6. Rafter – Fruit (Baths Remix) (3:54)
7. Rafter – Beauty, Beauty (4:43)
8. Rafter – beauty beauty (Remix by Dominque Leone) (7:48)
9. Shannon Stephens – Catch The Morning Line

Extra-Klingeltöne:
MP3 versions
iPhone versions

„In Ruins (Meeting Grade)“
„Holograms (Audible Grade)“

Fol Chen – In Ruins

Viel Spaß damit!
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Free Mp3s: Grey’s Anatomy Soundtrack Folge 607 “Ein Moment des Friedens”

Folge 607:

“Ein Moment des Friedens”

“Give Peace a Chance”

Die heutige Folge von Grey’s Anatomy featured nur einen Song, dafür gibt’s hier reichlich Free Downloads. Bat For Lashes gehört zweifelsohne zu den Stars der Indieszene – ich hoffe meine Mp3-Auswahl gefällt euch. Wenn ihr nochmal nachlesen wollt, an welcher Stelle der Handlung, das Lied gespielt wurde, dann schaut rüber zu Paul von den tvsongs.

Foto: David Sherry

Bat For Lashes – “Moon and Moon”

Free Mp3s:

Bat For LashesUse Somebody (Live Lounge BBC Radio 1)

Bat For LashesDaniel (Lo Fi Version) (Live Lounge BBC Radio 1)

Download auf Stereogum

Bat For LashesA Forest

Download auf betterpropaganda

Bat For LashesHorse and I

Bat For LashesGlass (Recorded live on Radiohead tour Nimes June 14th 2008)

Auf der Bandseite bekommt ihr nach E-Mail-Registrierung Daniel (Tara Busch’s AnalogSuicide Mix) als Dankeschön.

Bat For Lashes – Daniel (Tara Busch’s AnalogSuicide Mix)

Nur zur Erinnerung Tara Busch hatte  diesen wunderschönenRemix von iamamiwhoamis b gezaubert.

Link: www.batforlashes.com

Mehr Mp3s findet ihr in der musikalischen Vorschau des Grey’s Anatomy Staffel 6 Soundtracks.

Viel Spaß damit!

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