Musikvideo: Kasabian – You’re In Love With A Psycho

Dank sozialer Netzwerke kann man heutzutage Launen und Gemütslagen jederzeit mit der ganzen Welt teilen. Daran ist nichts weiter auszusetzen. Problematisch jedoch wird es, wenn die eigene Befindlichkeit zur alleinigen Argumentationsgrundlage wird. Wenn man also etwas furchtbar findet, weil man sich beleidigt sieht. Es wird in diesem Fall nicht nach der Intention des Tuns geforscht, es zählt ausschließlich die Wirkung am eigenen Leib. Das zeugt schon von Empathielosigkeit. Dass viele Menschen sich daraus einen Sport machen, die Weiten des Internets nach vermeintlich anstößigen Dingen zu durchforsten, die sie zusammen mit Gleichgesinnten als verletzend wahrnehmen können, schlägt dem Fass den Boden aus. Einen solchen Shitstorm hat vergangene Woche auch die britische Formation Kasabian erlebt, als sie das Video zum Song You’re In Love With A Psycho präsentierte. Ein britischer Interessenverband namens Time to Change stieß sich nicht nur an der Verwendung des Wortes Psycho, darüber hinaus fand man auch den Inhalt des Clips äußerst unpassend. Time to Change möchte der Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen den Kampf ansagen, versucht die öffentliche Wahrnehmung zu verändern. Prinzipiell löblich, aber nicht wirklich zielführend, wenn man vor lauter Verbissenheit jeglichen Sinn für Humor verliert. Denn Kasabians Parodie auf den Alltag in einer Irrenanstalt steht fraglos in der Tradition von Einer flog übers Kuckucksnest. Die Albernheit, die dem Schaffen der Jungs aus Leicester oft innewohnt, ist selbstironisch zu verstehen. Kasabian persiflieren gekonnt ihr Rockstar-Image. Ihr Faible für sehr schräge Inszenierung macht sie zu absoluten Sympathieträgern.

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Musikvideo: Michael Kiwanuka – Cold Little Heart

Ohne Umschweife möchte ich den Song Cold Little Heart zu einem der Meisterwerke des letzten Jahres erklären. Spät, aber doch ist er mir schließlich vor wenigen Wochen in den Schoß gefallen. Seitdem konnte ich mich an dem zehnminütigen Geniestreich kaum satt hören. Der Brite Michael Kiwanuka ist in den letzten Jahren ja zu einem echten Liebling der Musikkritik aufgestiegen und hat es auch die vorderen Regionen der europäischen Charts geschafft. Diesen Spagat bekommt man mit musikalischer Größe allein nicht hin, dafür muss man durchaus Opfer bringen. So habe ich mit Entsetzen festgestellt, dass im Februar dieses Jahres ein Radio Edit von Cold Little Heart veröffentlicht wurde, der den Song auf ein Drittel der ursprünglichen Länge eindampft, das lange, famose Intro zur Gänze unter den Tisch fallen lässt. Eine Schande, Asche auf das Haupt des Plattenlabels! Aber muss man sich als Künstler der Gegenwart wirklich noch den Zwängen des konstant an Bedeutung verlierenden Formatradios unterwerfen? Ich meine nicht.

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Schatzkästchen 63: Blonde Redhead – Dripping

Erotik hat heutzutage keinen leichten Stand. Vielen ist sie zu hintergründig. Erotik beginnt, wo Sexualität kunstvoll zur Schau gestellt wird. Die Betonung liegt hierbei auf kunstvoll. Pornografie dagegen hält einfach drauf. Die gegenwärtige Aufgeregtheit ist jedoch Gift für Erotik, weil sie zwischen die Fronten gerät. Da wären einerseits die neuen Sittenwächter wie Facebook zu nennen, da wäre andererseits ein neuer Feminismus, der hinter jeder Form weiblicher Nacktheit gleich abgrundtiefen Sexismus vermutet. Natürlich bricht sich Erotik immer wieder mal Bahn, zumindest das, was als Erotik so durchgeht. 50 Shades of Grey etwa wurde vom im Verborgenen konsumierten Groschenroman zu einem Ereignis der Gegenwartskultur. Vielleicht auch wegen der ironischen Brechung der Rezeption. Denn eigentlich verhält es sich mit dem Lesen des Buchs wie mit dem Gaffen bei einem Verkehrsunfall. Man tut es und zimmert sich danach eine alberne Rechtfertigung zusammen. Im Pop sind es beispielsweise Rihanna oder Lady Gaga, die eine selbstbestimmte, männlichen Fantasien trotzende Erotik zelebrieren. Bei einer Peaches dagegen, die Nacktheit wirklich nicht scheut, erwächst jene zur Verstörung. Erotik kann also mehr als nur genüsslicher Sinneskitzel sein. Doch wie komme ich überhaupt auf das Thema? Die Formation Blonde Redhead bringt es aufs Tapet. Auch wenn ihr letztes Album Barragán bereits aus dem Herbst 2014 stammt, also quasi fast prähistorisch scheint, wurde dem Song Dripping nun ein äußerst bemerkenswertes Video spendiert. Über die Band muss man gar nicht viele Worte verlieren, Musikfans sollten sie schlicht kennen. Barragán allerdings ist an mir völlig vorbeigegangen. Dabei besticht Dripping als atmosphärischer, ungemein geschmeidiger Electro-Pop. Zu dieser sachten wie geheimnisvollen Nummer passt ein erotischer Clip in der Tat ausgezeichnet. NSFW schimpft sich das ja heute. Dem Regisseur Eric Wareheim ist ein Video mit famoser Pointe gelungen. Der Clip zeigt schöne, vor allem charaktervolle Frauen, die sich dem Genuss – etwa einem Drink oder eine Zigarette – hingeben. Alle befinden sich in durchaus intimem Ambiente. Doch erst nach der Hälfte kommt nach einigen Andeutungen die große Überraschung. Sie ist ein von der Sorte, die man nicht verrät! Doch sei gesagt, dass man einen Fetisch nicht stilsicherer hätte präsentieren können! Keine Frage, Song und Clip haben sich einen Platz in meinem virtuellen Schatzkästchen absolut redlich verdient! (via NBHAP)

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Schatzkästchen 40: Travis – Everything At Once

Die schottische Formation Travis zählt ohne Zweifel zu den unaufgeregten Vertretern der Britpop-Gerneration. Im Gegensatz zu vielen Bands, die in den Neunzigern ganz groß rausgekommen sind, haben sich Travis nie vorübergehend aufgelöst, sind über mehr als 2 Jahrzehnte unverändert zusammengeblieben. Frontmann Fran Healy und Konsorten sind der Gegenentwurf zu allem Drama, das man von anderen Gruppen dieses Kalibers oft gewohnt ist. Aus diesem Grund war ich gar nicht übermäßig besorgt, als Travis gestern auf Facebook ein Bandfoto aus frühen Tagen gepostet haben, welches Healys Gesicht mit einem großen roten Fragezeichen versehen sah. Eine Trennung hätte man schnörkellos, ohne kryptische Andeutungen verkündet! Stattdessen gibt es Erfreuliches zu berichten. Ein neuer Song samt neuem Video kündigt das bereits achte Studioalbum an. Das Lied Everything At Once fällt einmal mehr exzellent aus. Irgendwo zwischen Flüstern und Sprechgesang angesiedelte Passagen wechseln sich mit einer Indie-Rock-Hymne ab. Stark! Und auch der großartig selbstironische Clip hat es sich in sich. Ein mit grauem Vollbart mindestens 10 Jahre älter wirkender Fran Healy wagt zusammen mit seinen Bandkollegen einen halsbrecherischen Stunt, bei dem alle auf einer riesigen Schaukel Platz nehmen, die nur an mehreren quer über Busch und Baum befestigten Seilen angebracht ist. Während dem Schwung durch die Vegetation geht Healy jedoch verloren.  Weiterlesen

Schlaglicht 24: Kalle Mattson

Wenn ein sehr feiner Song von einem noch tolleren Musikvideo übertroffen wird, dann sollte man eigentlich die Schampuskorken knallen lassen. Gerade im Indie-Bereich gilt doch, dass Kreativität völlig zu Recht meist überwiegend in die Musik gesteckt wird. Weil finanzielle Ressourcen nun mal begrenzt sind und ein starkes Musikvideo oft einen gewissen Aufwand bedeutet. Der Kanadier Kalle Mattson hat mich 2014 mit seinem großartigen Alben Someday, The Moon Will Be Gold begeistert. Ich habe ihn damals mit einem jungen Dylan und einem taufrischen Springsteen in Verbindung gebracht. Von Dylan hatte sich Mattson den eigenwilligen bis schrägen Gesang und die Bilderhaftigkeit der Lyrics abgeschaut, von Springsteen wuchtigen und zugleich melodischen Rock. Nun sind solch übermächtige Vergleiche zwar heikel, aber vielleicht gerade im Falle von Mattson durchaus passend. Denn er zählt anscheinend nicht zu den Musikern, welche die Geburtsstunde der Musikgeschichte mit dem Beginn der eigenen Karriere gleichsetzen. Mattson hat ein ausgesprochenes Gefühl für Historizität, wie der Musikclip zu seinem neuen Song Avalanche belegt. In diesem Video stellt Mattson Albencover nach, inszeniert sich mit viel Witz und Charme in sie hinein. Indem dieser aufstrebende Singer-Songwriter sich in diese legendären Plattencover einbringt, nimmt er Geschichte an, schreibt sie fort. Das perfekte Timing sowie die Professionalität, mit der er durch Dekaden von Musik schreitet, sind beeindruckend. So erwächst das Video zu einer Hommage an die Popkultur, in der manch Albencover längst einen ikonesken Status erreicht hat, quasi zur Allgemeinbildung zählt.  Weiterlesen

Musikvideo: Noel Gallagher’s High Flying Birds – Ballad Of The Mighty I

Fassen wir zusammen: Ein grummeliger Noel Gallagher wird vom vermeintlichen Regisseur des Videos noch kurz instruiert und mit einem Selfie malträtiert, ehe er durch eine abgerockte Vorstadtszenerie spaziert und von einer barfüßigen und auch sonst nicht eben dick eingemummten jungen Frau angerempelt wird. Er folgt ihr zum einem Fluss, an dessen Ufer die verhärmte Junkie-Braut doof in der Gegend rumsteht. Gallagher, ganz Gentlemen, reicht ihr seine Jacke und schlendert weiter, bis er in eine wohl ehemals von Handwerk und Industrie geprägte, ebenfalls heruntergekommene Straße kommt, wo ein paar Schuhe von Telefon- oder Stromleitungen baumeln. Vor einem Bekleidungsgeschäft stibitzt er sich im Vorbeigehen eine Jeansjacke. Nun sieht der Bursche in seiner roten Hose und der ebenso eng geschnitten Jacke endlich wie die coole Sau aus, die er nun mal immer war und heute noch ist.  Weiterlesen

Stippvisite 09/08/11 (Welche Künstler das Vergessen raffinierter Sex-Stellungen lohnen!)

Wir suchen und besuchen, finden und empfinden. Musik! Mag die Börse auch verrückt spielen und England im eigenen Sumpf versinken, es muss und darf auch Konstanten geben, die Hoffnung im Chaos bergen. Darum Trost in enorm geballter Form musikalischer Empfehlungen.

Jungspundtipp:

Und irgendwann macht das Gehirn rumms! Ächzt stotternd, weil es sich nicht noch eine Newcomer-Band merken möchte. Im schlimmsten Fall geht beim Abspeichern eines weiteren Namens des momentan allerangesagtesten Singer-Songwriters das angeeignete Wissen um eine raffinierte Sex-Praktik verloren, mit Glück überschreibt der letztlich limitierte Gedächtnisspeicher das Gesicht zum Zotenphänomen Mario Barth. Lohnt es sich wirklich Samantha Savage Smith in eine Schublade der Erinnerung zu legen? Ja, meine ich, sogar in eines der obersten Fächer. Die kanadische Sängerin leistet sich mit Tough Cookie ein schickes, elegantes Debüt, das von einer Stimme getragen wird, die mehr als nur mädchenhaft wispert und dennoch nicht in die trendige Falle melismatischer Übertreibung tappt. Die Triple-S verbrämte Frau Smith entzückt. Und wird darum auf unserem Blog sicher ab und an in Erinnerung gerufen. (via Exclaim!)

07 Nobody Loves Me Buy My Own Kind by samanthasavagesmith

Der Track You Always Come to Mind ist als kostenloser Download auf Bandcamp verfügbar. The Fight darf via Spinner gratis heruntergeladen werden.

Videotipp:

Nein, verdackelt-verwackelte Musikvideos, die selbst Anfängern zur Schande gereichen, solch Clips sind weder cool noch charmanter Ausdruck von Indie-Attitüde. Es geht auch anders, wie Sole and the Skyrider Band mit Immortality eindrucksvoll unter Beweis stellen. Zusammen mit dem britischen Sci-Fi-Zeichner Lando (Decadence Comics) entsteht ein spannender, verstörend gezeichneter Clip, dessen einziges Manko darin liegt, dass Musik und Animation nur phasenweise zu einer Einheit verschmelzen. An beider Qualität besteht jedoch kein Zweifel. Die Platte Hello Cruel World lässt mich auch dank des Tracks Napoleon Bauklötze staunen. Bei Napoleon flicht Gastsänger Xiu Xiu als Gast einen grandiosen Refrain zwischen all dem Rap ein. Für beide Tracks gilt: Sprechgesang, der derart auf den Putz haut, würde ich mir viel öfter wünschen. (via PopMatters)

Sole and the Skyrider Band „Napoleon“ (feat Xiu Xiu) by sole…

Der Track ist übrigens als kostenloser Download verfügbar!

Vorfreutipp:

Irgendwo in meinem Postfach hatte sich die Ankündigung verloren. Aber dank Coast Is Clear wurde ich unlängst wieder daran erinnert, dass The Devil’s Walk eines der spannenden, elektronisch gefärbten Alben dieses Herbsts (VÖ 30.09.11 auf Mute) werden dürfte. Die zwei bis dato veröffentlichten Hörproben des Berliner Acts Apparat versprechen sehr viel. Sowohl der Track Ash/Black Veil als auch die Single Black Water betreiben großes Kino. Während sich letzterer Song als sanft bauschende Ballade entpuppt, flirrt Ash/Black Veil zunächst minimalistisch nervös,  ehe es sich hymnisch aufbläht. Mit einem Gesang, der isländischen Traditionen huldigend nachklingt. Man darf andächtig und gebannt der Platte harren, Vorschusslorbeeren verschwenderisch verteilen.

Apparat – Black Water by Mute UK

Apparat – Ash/Black Veil by Mute UK

Spanientipp:

Die Spanier Pājaro Sunrise habe ich bereits vor 2 Jahren auf unserem Blog vorgestellt. Nun überzeugt mich Mastermind Yuri Méndez mit der Scheibe Old Goodbyes abermals, bestätigt gleichsam, dass der Vorgänger Done/Undone keinesfalls eintagsfliegig brummte. Zu meiner Schande muss ich einräumen, dass ich erst durch eine Besprechung auf dem befreundeten Blog Der Impuls über die neue CD gestolpert bin. Das Werk selbst erstrahlt in der Anmut klassischen Songwritings. Gerne auf eine Stimme und eine Gitarre reduziert, wie bei I Am Done (Making Fun Of Myself) zu vernehmen, oder auch sehr folkig angelegt (I Don’t Want To Love You No More). Das Schwelgen in Sentimentalitäten kommt ebenfalls nicht zu kurz (Old Goodbyes). Zu den Highlights zählt der aufgeweckt-warme Sixties-Sound von November oder ein bedröppelt schlurfender Track namens Look What I’ve Become. Ein echtes Kleinod, das wegen seiner unprätentiösen Art allzu leicht übersehen werden könnte.

Pajaro Sunrise – Old Goodbyes by Lovemonk

Old Goodbyes ist am 29.07.11 auf Lovemonk erschienen.

Ohrwurmtipp:

Computer Magic – „Running“ from Consequence of Sound on Vimeo.

Manch Liedchen hört man einmal, sofort nochmals und – da aller guten Dinge drei sind – gleich wieder. Wer sich anschließend bei einem wohligen Lächeln ertappt, hat einen echten Wurm im Ohr. In meinem Fall kroch Running von Computer Magic tief in die Gehörgänge – und will gar nicht mehr raus. (gefunden auf Spinner)

Covertipp:

Die Hits der Achtziger verursachen mir in aller Regel Unbehagen. Obzwar ich in dieser unseligen Dekade sozialisiert wurde, vermag ich mit ihrer Musik bis heute nicht Frieden zu schließen. Eine Ausnahme stellt das abgründige Wonderful Life des One-Hit-Wonders Black dar. Ausgerechnet auf diesen Titel stürzen sich nun die von mir geschätzten Seeed und bringen mich doch glatt in die Verlegenheit, der Band ein gutes Näschen bei der Auswahl des Songs zu attestieren und zugleich die musikalische Umsetzung zu monieren. Aus dem schwermütigen Original, das an der Welt zerbricht, erwächst jetzt ein fröhlich vor sich hin plätschernder Sommersong, zu dem es sich prima die Hüften schwingen lässt. Mehr jedoch auch nicht. Da präferiert der Fan in mir die Eigenfabrikationen aus der Seeedschen Schmiede. Den Appetithappen Molotov beispielsweise, der das für 2012 angekündigte neue Album der Berliner Formation durchaus knackig ankündigt (und auf der Homepage der Band noch als Gratis-Download erhältlich ist). Ich indes harre der Dinge, freudvoll.

SomeVapourTrails

Stippvisite 13/02/11

Eigentlich will ich dieser Tage kürzer und kürzer treten, viel durch die Vegetation spazieren, der werten Co-Bloggerin beim Fotografieren von Häuserwänden über die Linse schielen. Musikalische Propagandapostillen werden vernachlässigt, der Gehörkosmos auf die Musik reduziert, die mir tagein und tagaus in den Briefkasten flattert. Da sind allerlei Kleinode dabei, die ich auch mal funkeln lasse und nicht bereits am Wegesrand nach dem nächsten glitzernden Fundstück luge. Mein RSS-Feed quillt vor ungelesenen Beiträgen über. Wieviel Input braucht es, um der eigenen Existenz ihren Soundtrack zu zimmern? Als ich nach einigen Tagen wieder die neuesten Entdeckungen befreundeter Blogs studierte, weitete sich das Herz. Daran will ich auch unsere werten Leser teilhaben lassen.

Videotipp:

Evening Hymns-Dead Deer from istoica on Vimeo.

Carla von Days Of Music muss ich Dank aussprechen. Mit ihrem Posting des Clips zum formidablen Song Dead Deer der kanadischen Evening Hymns brachte sie mir diesen erst wieder ins Gedächtnis. Die schiere Masse an Musik sorgt manchmal dafür, dass man vergisst, was eigentlich im Herz und Hirn einen dauerhaften Platz haben sollte.

Hörtipp:

In meinem Blog-Newsfeed zu verharren, das ist nicht nur Privileg, nein, mehr noch Verpflichtung! Peter von Coast Is Clear trägt diese Bürde mit Anstand. Dass er jüngst Sauerkraut aus den Staaten serviert hat, wo doch jede Form von Kraut auch in hiesigen Gefilden gut gedeiht, sehe ich ihm nach. Schließlich haben Music for Headphones mit Ich bin Zang auch ordentlich etwas auf dem Kasten. Kosmisch gut und mit siebeneinhalb Minuten keine Sekunde zu kurz.

Entdeckertipp:

Ich sehe mich gerne feinfühligem Post-Rock gegenüber, bei dem es nicht mal eben so darauf los tschinbummt und scheppert, bis der Doktor dreimal klingelt. Solchen hat unser liebster Musikblogübervater Peter von den Schallgrenzen erstöbert. 52 Commercial Road nennt sich die britische Formation, deren Album A Wreck Provides An Excellent Foundation mir auf Anhieb Gefallen abrang. Wer nicht auf vordergründige Effekte schielt, wird diese Platte mögen.

Downloadtipp:

Und da wäre noch ein Liedchen, welches wir selbst gefunden haben. Wir harren ja bereits der in Kürze erscheinenden Platte Fading Parade von Papercuts. Die zwei Albumtracks Do You Really Wanna Know und Do What You Will sind gegen Bekanntgabe einer E-Mail-Adresse nun kostenlos erhältlich. Wer verspielt-schmissigen Pop nicht von der Bettkante stößt, den wird er zu Wonnen führen.

Fingerübungstipp:

Say Hi – „Devils“ Video from stereogum on Vimeo.

Nico von nicorola hat unlängst das Video zu Devils gepostet, einem „bluesinfizierten, breitbeinigen Schweinerock“ von Say Hi. Nach dem ersten Hördurchlauf fand ich den Song ganz toll, mittlerweile bin ich der Meinung, dass gelungene Ansätze nicht konsequent zu Ende komponiert wurden. Schade, da hätte man noch mehr daraus machen können. Als Fingerübung unterhalten nicht ganz zweieinhalb Minuten jedoch ungemein.

Das soll es mal wieder gewesen sein. Viel Vergnügen mit den Empfehlungen!

SomeVapourTrails

Stippvisite 21/12/10 (jetzt mit 20% mehr Inhalt)

Noch wichtelt das Weihnachtsmännchen mit einem Sack voller Geschenke vor der Nase herum, aber 2011 nähert sich mit Riesenschritten. Zeit also 2010 noch mit Anstand zu verabschieden, die Bude ein wenig freizuräumen, Empfehlungen auf dem Präsentierteller zu servieren, mit Liebe dekoriert wohlgemerkt, damit gar nicht erst der Anschein aufkeimt, wir würden Reste verramschen.

Downloadtipp:

Allo Darlin‘ gehört zu meinen persönlichen Entdeckung 2010. Ihr auf Fortuna Pop erschienenes Debüt zählt zu den pfiffigen, kurzweiligen Indie-Pop-Scheiben des Jahres. Es ist mir ein Rätsel, warum ich dem gleichnamigen Album nicht wesentlich mehr Zeilen auf unserem Blog gewidmet habe. Das werde ich sicher noch nachholen, bis dahin kann der Leser meinem Urteil vertrauen oder aber sich selbst ein Bild machen. Der Track My Heart Is A Drummer ist gegen Hinterlassung einer E-Mail-Adresse auf der Label-Seite als kostenloser Download erhältlich.

Covertipp:

Anika – I Go To Sleep by stonesthrow

Manch Song entwickelt sich durch die verschiedenen Interpreten, die ihm die Stimme leihen, weiter. So zum Beispiel I Go To Sleep, im Original von The Kinks. Viele, dazu zählt sich auch die werte Co-Bloggerin, mögen wohl meinen, dass The Pretenders das Lied ersonnen haben. Nein, sie haben ihm nur ihren Stempel aufgedrückt. 2010 macht sich Anika I Go To Sleep zu eigen. Was es mit der werten Dame aus sich hat und welcher findige Kopf hinter dem Projekt steckt, erfährt man aus dem folgenden Video. Das Lied ist als kostenloser Download auf der amerikanischen Label-Seite verfügbar.

Liebhabertipp:

Mensch, was habe ich mir mir den Mund wund geredet, um das Album The Quiet Lamb von Her Name is Calla anzupreisen. Damit will ich weitermachen. Nun gibt es ein Video zu Moss Giant, dem Eröffnungstrack des Albums. Der Clip zeigt die konzentrierte Anspannung der Band vor einem Auftritt. Unter diesem Aspekt ist der ausgewählte Track durchaus passend, weil er meditativ tönt. Und doch verkörpert er die intensive Wucht der Band nur im Ansatz. Weitere Hörbeispiele empfehlen sich, hier habe ich bereits ein paar vorgestellt.

Vorfreutipp:

Axel Bosse, oder schlicht und einfach Bosse, veröffentlicht Ende Februar sein neues Album Wartesaal. Ich habe mir diesmal vorgenommen, dem Werk Gehör zu schenken. Bislang wurde Bosse auf unserem Blog doch links liegen gelassen. Zu Unrecht. Der erste Vorgeschmack, das akustische Yipi, gefällt. Gegen einen Tweet oder den Eintrag in den Newsletter ist das Lied gratis erhältlich.

Entdeckertipp:

Nochmals ein Cover. Die britische Band The Scholars bieten gerade ihre Version von Anyone’s Ghost an, im Original von den durchaus mit einem Gähnen behafteten The National. Ich gebe The Scholars gute Chancen, den Durchbruch zu schaffen, besonders wenn das Songwriting noch einen letzten Schliff erfährt, denn Vortrag und Sound tönen bereits erstsahnig, wie Anyone’s Ghost bezeugt.


Entwicklungstipp:

Illute, eine Berliner Singer-Songwriterin, deren Debüt ich sehr gelobt habe, verschenkt gerade den Song You Go. Dieser Track findet sich zwar bereits auf dem Album Immer kommt anders als du denkst, aber diese getragenere, ausgefeiltere Version zeigt mir, wie zügig ihre Entwicklung voranschreitet. Eine ganz tolle Künstlerin. Mehr zu You Go findet sich auf dem Blog des famosen Labels analogsoul.

ILLUTE – „you go“ by analogsoul

Samplertipp:

Coast Is Clear, eine der wenigen Institution der deutschen Musikblogszene, steht für eine geschmacksichere Spezialisierung auf alle Facetten des Indie-Pops, für eine Spürnasigkeit, die sich nicht auf Pressemeldungen oder Waschzettel von Promofirmen verlässt, und für eine Bescheidenheit, die diesen Blog nicht zu einem Magazin aufbläht. Ein Blog ist ein Blog und eben nicht der Rolling Stone, Gott sei Dank. Nun hat Peter von Coast Is Clear eine Compilation veröffentlicht, zusammen mit der Radioshow Some Velvet Morning. Dieser kostenlose Sampler namens Some Velvet Coast entlockt auch mir ein Staunen, kenne ich doch gerade einmal ein Fünftel der 34 Interpreten. Ein paar Tracks will ich besonders empfehlen. Sambassadeur mit Final Say, The Ballet mit In My Head, Push It Away von Seeräuber Jenny, natürlich auch Cloudbusting von Wild Nothing. Hier kann und soll man sich diese Compilation herunterladen. Coast Is Clear ist und bleibt eine Bereicherung für jeden Musikfetischisten.

Viel Vergnügen mit den Empfehlungen.

SomeVapourTrails

Konzerte, die man nicht verpassen sollte (III)

Wenn ich dieser Tage Ha anstimme, dann verbirgt sich hinter diesem Ausruf keine soeben getätigte musikalische Entdeckung, es folgt vielmehr ein schnödes tschi! Aus unsäglichen, erkältungstechnischen Gründen gibt es heute deshalb eine abgespeckte Variante unserer Konzertlichtblicke.

Scanners:

Eine der absoluten Lieblingsbands meiner werten Co-Bloggerin DifferentStars begibt sich soeben auf ausgedehnte Deutschlandtournee. Die Scanners haben wir ja schon mehrfach ins Rampenlicht gestellt, da und dort beispielsweise. Das aktuelle Album Submarine ist wahrlich nicht von schlechten Eltern und hat am 24.09. nun endlich auch seinen Deutschland-Release auf Unter Schafen erlebt.

Konzerttermine:

06.10.10 Berlin – Lido
08.10.10 Hamburg – Grünspan
09.10.10 Köln – Stollwerk
10.10.10 Stuttgart – Universum
11.10.10 München – Ampere Club
12.10.10 Leipzig – Sweat Club
13.10.10 Dresden – Beatpol
14.10.10 Frankfurt/Main – Batschkapp
15.10.10 Münster – Sputnikhalle
16.10.10 Kassel – Schlachthof
19.10.10 Köln – Blue Shell
20.10.10 Frankfurt/Main- Sinkkasten
21.10.10 Koblenz – Circus Maximus
22.10.10 Weinheim – Cafe Central
23.10.10 Freiburg – Swamp

Carla Bozulich:

Prince Of Truth

Carla Bozulich wurde vor mir vor kurzem von das klienicum empfohlen. Nun war mir ihr Name durchaus ein Begriff, aber Namen sind mitunter Schall und Rauch. Brav folgte ich seiner Empfehlung und habe mich in die letzte Platte Prince Of Truth eingehört, an der sie als Frontfrau der Band Evangelista mitgewirkt hat. Was soll ich sagen. Was soll ich sagen, außer dass ihre raue, markante, eindringliche Stimme dem anspruchsvollen Hörer Schauer um Schauer über den Rücken zaubert. Laienhaft formuliert, wie ich sie behelfsweise als sinister-experimentelle Inkarnation einer PJ Harvey titulieren. Aufgepasst: Frau Bozulich befindet sich auf Europa-Tour.

Prince Of Truth – EVANGELISTA by Constellation Records

Konzerttermine:

15.10.10 Schorndorf – Manufaktur
16.10.10 Delémont (CH) – S.A.S.
18.10.10 Genf (CH) – L’Usine
02.11.10 Graz (A) – Postgarage
06.11.10 Wels (A) – Music Unlimited Festival
07.11.10 Wels (A) – Music Unlimited Festival

Natureboy:

Über Natureboy habe ich bereits genügend Worte verloren, schone daher meine angekratzte Stimme und belasse es bei einem nochmaligen Ausrufezeichen bezüglich der anstehenden Tournee.

Na gut, einen Titel als Hörprobe will ich zur stärkeren Verlockung noch ins Feld führen:

Mardi Gras.bb

Über die im Frühjahr zur Welt gekommenen Platte Von Humboldt Picnic habe ich mich ja rundum positiv ausgelassen. An einer Erwähnung in den Top 10 meiner Jahresbestenliste besteht kein Zweifel. Mardi Gras.bb sind eine feine Gruppe. Von daher sei auch ein Konzertbesuch angeraten.

Konzerttermine:

08.10.10 Leipzig – Schaubühne Lindenfels
14.10.10 Köln – Stadtgarten
15.10.10 Koblenz – Café Hahn
30.10.10 Bern (CH) – Mahogany Hall
04.11.10 Hamburg – Knust
05.11.10 Bremen – Lagerhaus
06.11.10 Nürnberg – K4
20.11.10 Stuttgart – Merlin

Hundreds:

Und nochmals alte Bekannte, die ich zuletzt hier zur Live-Betrachtung ans Herz legte. Hundreds haben soeben auch ein neues Video zum Song Solace fabriziert.

Tour-Daten:

20.10.10 Essen – Zeche Carl
21.10.10 Bielefeld – Bunker Ulmenwall
22.10.10 Würzburg – Café Cairo
23.10.10 Wiesbaden – Schlachthof
26.10.10 Köln – Studio 672
27.10.10 Karlsruhe – Tollhaus
28.10.10 Tübingen – Club Voltaire
29.10.10 Lüneburg – Salon Hansen
30.10.10 Osnabrück – Glanz & Gloria
02.11.10 Neubrandenburg – Mixtape
03.11.10 Rostock – MS Stubnitz
04.11.10 Potsdam – Waschhaus
05.11.10 Weyer (A) – Bertholdsaal
06.11.10 Salzburg (A) – Rockhouse

Das soll es auf die Schnelle gewesen sein. Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails