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Ein langer Weg – Nadine Khouri

Sinnlich, sublim, samten. Mit den drei Adjektiven wird man dem Gesang Nadine Khouris meiner Meinung nach am ehesten gerecht. Bereits 2010 war ich von ihrer EP A Song to the City überaus angetan, hatte die stimmliche Versiertheit hervorgehoben. Und tatsächlich sind gerade einmal sechseinhalb Jahre vergangen, bis man Khouri jetzt endlich zum sehr feinen Debütalbum The Salted Air beglückwünschen darf. Es scheint also nichts gewesen zu sein, was sich einfach so aus dem Handgelenk schütteln ließ. Glücklicherweise ist auf The Salted Air davon gar nichts zu spüren. Souveräne Leichtigkeit und Eleganz durchweht dieses Werk der im Libanon geborenen und nach der Flucht in England aufgewachsenen Singer-Songerwriterin. Khouri gelingt eine nie vordergründige, vielmehr in Gedanken versunkene Platte mit durchaus versonnenen Anwandlungen. Chic und Tiefgang scheinen perfekt ausbalanciert.

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Stippvisite – 04/09/10 (mit Grinderman, amiina, Nadine Khouri und mehr)

Auch heute sollen auf unserer Seite ein paar interessante Bands, Videos und Mp3s den Gaumen erfreuen. Da es mir aber zu öde wäre, einfach nur auf Deutsch nachzuäffen, was Stereogum und ähnlich hippe englischsprachige Seiten oftmals recht lieblos servieren, habe ich wie immer ein wenig tiefer in der Speisekammer gestöbert. Gut abgehangener Schinken mundet zweifelsohne, doch das Auge isst bekanntlich mit. Ergo werden wir auch heute nicht nur den eigens kreierten Senf beisteuern, sondern einmal mehr den Festschmaus nett garniert auftischen. Die lieblose Friss-oder-Stirb-Mentalität findet man mittlerweile viel zu oft auf vielen musikalischen Fast-Food-Blogs. Bei uns wird nämlich noch mit ausgewählten Zutaten gekocht, die Tiefkühlpizza samt Geschmacksverstärker gibt es einen Gang weiter bei Testspiel.de.

Vorfreutipp:

Wer auf isländische Musik bereits das eine oder andere lüsterne Äuglein geworfen hat, kennt vermutlich auch die Formation amiina. Man wird generell vom Gefühl beschlichen, dass Island die Utopie der Vollbeschäftigung dadurch erreichen möchte, indem jeder, der auf 3 noch nicht im Vulkan untergetaucht ist, zum Musiker geschult wird. Aber neben der Fülle besticht besonders die Qualität, welche die Acts von der Insel an den Tag legen. Dabei ragt der feminin-minimalistische Sound dieser Band nochmals besonders hervor, verbindet er doch kammermusikalische Instrumente mit Electronica in der Tradition der werten múm. Aus diesem Grunde freut es mich, dass das Album Puzzle noch dieses Jahr erscheinen soll. Als Vorbote ist der pittoresk-entspannte Song Over and Again nun gegen E-Mail-Registrierung kostenlos erhältlich. Auch ein Konzert im Rahmen des Berlin Festivals 2010 steht am 10.09. an.

Konzerttipp:

Foto Credit: Deirdre O'Callaghan

Grinderman 2 wirft bereits seine Schatten voraus. Was Nick Cave mit seinem Projekt Grinderman fabriziert, knüpft nahtlos an die Glanztaten mit The Bad Seeds an. Bereits die Single Heathen Child gönnt sich eine versiffte Rohheit, die alle Träume wahr werden lässt. Das dazugehörige Video unterhält mit schauermärchenhaftem, ironiebeseeltem Trash. Ich empfehle, es sich auf Visions.de zu Gemüte zu führen, da man aus Gründen des Jugendschutzes auf YouTube eingeloggt sein muss, um es sich dort anzusehen. Wer Heathen Child als kostenlose Mp3 ergattern möchte, sei auf diese Seite hingeleitet. Ich nehme mich dem Album in den nächsten Tagen noch  in aller Ausführlichkeit an, tue meine Meinung kund. Da ich Herrn Caves Œuvre aus Prinzip enthusiasmiert gegenüberstehe, erwarte ich ein in jeder Hinsicht gediegenes Werk, von einer abfälligen Besprechung darf also nicht ausgegangen werden. Deshalb will ich guten Gewissen auch schon jetzt die oktoberlichen Konzerttermine aufführen:

04.10.10 Lausanne (CH) – Les Docks
05.10.10 Zürich (CH) – Volkshaus
10.10.10 Wien (A) – Gasometer
11.10.10 München – Muffathalle
13.10.10 Leipzig – Haus Auensee
14.10.10 Berlin – C-Halle
15.10.10 Köln – E-Werk
21.10.10 Hamburg – Docks

Geheimtipp:

Aufmerksame Leser unseres Blogs haben die britische Singer-Songwriterin Nadine Khouri bereits kennengelernt. Anfang Oktober koppelt die Künstlerin den Track Rouge (True Love is Gonna Spill) von ihrer EP A Song to the City als Single aus. Dazu sind auch einige Auftritte in Deutschland geplant, von denen aber erst zwei bestätigt sind. Ich rate nochmals dringlichst, Frau Khouri ein Ohr zu leihen. Mit dieser Einschätzung befinde ich mich übrigens in ausgesprochen guter Gesellschaft.

Tour-Termine:

01.10.10 Hamburg – Hasenschaukel
05.10.10 Berlin – ZMF

Downloadtipp:

The Mynabirds – Let The Record Go from Saddle Creek on Vimeo.

Ich überrasche mich manchmal selbst, nicht immer positiv wohlgemerkt. Ich hätte sämtliche Eide schwören mögen, dass ich auf The Mynabirds bereits hingewiesen habe. Zumindest Coast Is Clear hat meine Unterlassungssünde wettgemacht. Bereits der Track Numbers Don’t Lie vermochte mir den Namen ins Gedächtnis zu heften, der Song Let the Record Go überzeugte mich endgültig. Das ist eine altmodisch-flotte, kesse Sohle, die auf das Parkett gezaubert wird. Die nun vorliegende Daytrotter-Session liefert aber auch sanfte Country-Klänge. Anhören!

Beide Originaltitel sind auch hier als Gratis-Mp3s verfügbar.

Anlagetipp:

Wer kennt sie nicht, die weiblichen Singer-Songwriter, die mit schöner Stimme schön schmalzige Liebeslieder trällern. Das kann von übelstem Kitsch bis hin zu wohltuender Gefälligkeit reichen. Im Falle von Libbie Schrader baue ich auf mein geschmackssicheres Bauchgefühl und spreche ein positives Urteil aus, mir gefällt ihr Hauch von gestikulierendem Drama. Wer der werten Künstlerin bei der Finanzierung einer EP behilflich sein will, darf dies via Pledge Music tun. Dort sind auch bereits Demo-Versionen zweier Songs verfügbar, Turn to Gold kann an dieser Stelle nach Bekanntgabe einer E-Mail-Adresse heruntergeladen werden. (gefunden bei Muruch)

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Das soll es für den Moment auch schon gewesen sein. Viel Vergnügen mit den Empfehlungen.

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Samtenes Timbre plus Einmaleins des Liedermachens – Nadine Khouri

Man wird auch ab und an der Musik überdrüssig. Wer täglich einem neuen Kick entgegenstrebt, ein Lied zu finden trachtet, das die eigenen Emotionen verstärkt oder Gedankengänge mit Leben füllt, der muss sich durch Mittelmäßigkeiten wühlen. Wird vollgepropft mit angepriesenen Meilensteinen, nur um am Ende vor einem Haufen Schutt zu stehen. Mitunter freilich gabelt der Junkie die Droge auf, die es braucht, verfällt mit Haut und Haar. Im Falle von Nadine Khouri finden sich tatsächlich aufrichtig handfeste Versprechungen für wohlige Wonnen. Die am 13. Juli erscheinende EP A Song to the City enthüllt eine Singer-Songwriterin, die einerseits mit  grenzenlos samtenem Timbre punktet und auch das Einmaleins des Liedermachens beherrscht. Wer solch Voraussetzungen übererfüllt, beherrscht die hohe Kunst, weit ins Gemüt des Hörers zu schwingen.

5 Perlen reihen sich wie auf einer Schnur auf, beginnend mit dem elegisch-zärtlichem The Arms of Love, welches man salopp als kuscheligen Pop für Fortgeschrittene definieren möchte. Wie beflügelt hebt der Refrain ab und gleitet ohne Umweg in die Traumseligkeit. Unter den so sanften Schwingen findet sich dabei kein Schmalz, das gleich Achselschweiß tropft. Jede Art von Verkitschung scheint der Song fremd – und trotzdem entfaltet das Lied eine große Wirkung. Auch der Track A Song to the City bedient sich des städtischen Szenarios in all seiner Vielfalt, um persönliche Befindlichkeiten darin einzubetten. Nun ist das kein neuer virtuoser Ansatz, aber in der Manier wie ihn Nadine Khouri präsentiert, entfaltet er die volle Kraft, vermittelt ein Gefühl der Verlorenheit, welches gleichwohl nie in Schwermut versinkt. Rouge (True Love is Gonna Spill) hebt das Niveau nochmals, erweist sich mit jedem Wiederhören als durch und durch cleveres Lied, mit einem lasziven stimmlichen Vortrag und giftigen Lyrics. Nicht minder haucht Blue of Princes der EP eine verhuschte Exotik ein, just in dem Moment, wo man sich mit dem von Gezupfe begleitetem Sprechgesang zufrieden gibt, wuchtet sich eine hammerhart gitarrisierte Rockigkeit ins Bild. Das abschließende Invisible führt die Grundstimmung weiter fort, ohne jedoch dem Ganzen eine neue Note hinzuzufügen.

Die libanesische Singer-Songwriterin hat sich ihre Wahlheimat London wohl als Schablone für diese Scheibe genommen und die Songs als eine Art Zuflucht vor dem hektischen Treiben konzipiert, dabei aber nie die Neugier für die Außenwelt abgelegt. Basierend auf perfekt instrumentierten, weil so gut dosierten Arrangements bezaubert Nadine Khouri mit ihrer effektiv sinnlichen wie flauschigen Stimme, die den nach zündender Zärtlichkeit dürstenden Hörer fesselt. Solch Funde wie diese EP bescheren dem Musikfan behagliche Glücksmomente, lassen ihn in schwelgerischer Freude aufgehen, machen den Tagtraum rund, während der Lärm der Großstadt dumpf durch das Fenster klettert.

Links:

Offizielle Homepage

MySpace-Auftritt

Sehr gelungene Rezension der EP auf whiskey-soda.de

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