Konzerte, die man nicht verpassen sollte (III)

Wenn ich dieser Tage Ha anstimme, dann verbirgt sich hinter diesem Ausruf keine soeben getätigte musikalische Entdeckung, es folgt vielmehr ein schnödes tschi! Aus unsäglichen, erkältungstechnischen Gründen gibt es heute deshalb eine abgespeckte Variante unserer Konzertlichtblicke.

Scanners:

Eine der absoluten Lieblingsbands meiner werten Co-Bloggerin DifferentStars begibt sich soeben auf ausgedehnte Deutschlandtournee. Die Scanners haben wir ja schon mehrfach ins Rampenlicht gestellt, da und dort beispielsweise. Das aktuelle Album Submarine ist wahrlich nicht von schlechten Eltern und hat am 24.09. nun endlich auch seinen Deutschland-Release auf Unter Schafen erlebt.

Konzerttermine:

06.10.10 Berlin – Lido
08.10.10 Hamburg – Grünspan
09.10.10 Köln – Stollwerk
10.10.10 Stuttgart – Universum
11.10.10 München – Ampere Club
12.10.10 Leipzig – Sweat Club
13.10.10 Dresden – Beatpol
14.10.10 Frankfurt/Main – Batschkapp
15.10.10 Münster – Sputnikhalle
16.10.10 Kassel – Schlachthof
19.10.10 Köln – Blue Shell
20.10.10 Frankfurt/Main- Sinkkasten
21.10.10 Koblenz – Circus Maximus
22.10.10 Weinheim – Cafe Central
23.10.10 Freiburg – Swamp

Carla Bozulich:

Prince Of Truth

Carla Bozulich wurde vor mir vor kurzem von das klienicum empfohlen. Nun war mir ihr Name durchaus ein Begriff, aber Namen sind mitunter Schall und Rauch. Brav folgte ich seiner Empfehlung und habe mich in die letzte Platte Prince Of Truth eingehört, an der sie als Frontfrau der Band Evangelista mitgewirkt hat. Was soll ich sagen. Was soll ich sagen, außer dass ihre raue, markante, eindringliche Stimme dem anspruchsvollen Hörer Schauer um Schauer über den Rücken zaubert. Laienhaft formuliert, wie ich sie behelfsweise als sinister-experimentelle Inkarnation einer PJ Harvey titulieren. Aufgepasst: Frau Bozulich befindet sich auf Europa-Tour.

Prince Of Truth – EVANGELISTA by Constellation Records

Konzerttermine:

15.10.10 Schorndorf – Manufaktur
16.10.10 Delémont (CH) – S.A.S.
18.10.10 Genf (CH) – L’Usine
02.11.10 Graz (A) – Postgarage
06.11.10 Wels (A) – Music Unlimited Festival
07.11.10 Wels (A) – Music Unlimited Festival

Natureboy:

Über Natureboy habe ich bereits genügend Worte verloren, schone daher meine angekratzte Stimme und belasse es bei einem nochmaligen Ausrufezeichen bezüglich der anstehenden Tournee.

Na gut, einen Titel als Hörprobe will ich zur stärkeren Verlockung noch ins Feld führen:

Mardi Gras.bb

Über die im Frühjahr zur Welt gekommenen Platte Von Humboldt Picnic habe ich mich ja rundum positiv ausgelassen. An einer Erwähnung in den Top 10 meiner Jahresbestenliste besteht kein Zweifel. Mardi Gras.bb sind eine feine Gruppe. Von daher sei auch ein Konzertbesuch angeraten.

Konzerttermine:

08.10.10 Leipzig – Schaubühne Lindenfels
14.10.10 Köln – Stadtgarten
15.10.10 Koblenz – Café Hahn
30.10.10 Bern (CH) – Mahogany Hall
04.11.10 Hamburg – Knust
05.11.10 Bremen – Lagerhaus
06.11.10 Nürnberg – K4
20.11.10 Stuttgart – Merlin

Hundreds:

Und nochmals alte Bekannte, die ich zuletzt hier zur Live-Betrachtung ans Herz legte. Hundreds haben soeben auch ein neues Video zum Song Solace fabriziert.

Tour-Daten:

20.10.10 Essen – Zeche Carl
21.10.10 Bielefeld – Bunker Ulmenwall
22.10.10 Würzburg – Café Cairo
23.10.10 Wiesbaden – Schlachthof
26.10.10 Köln – Studio 672
27.10.10 Karlsruhe – Tollhaus
28.10.10 Tübingen – Club Voltaire
29.10.10 Lüneburg – Salon Hansen
30.10.10 Osnabrück – Glanz & Gloria
02.11.10 Neubrandenburg – Mixtape
03.11.10 Rostock – MS Stubnitz
04.11.10 Potsdam – Waschhaus
05.11.10 Weyer (A) – Bertholdsaal
06.11.10 Salzburg (A) – Rockhouse

Das soll es auf die Schnelle gewesen sein. Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails

Ein Mixtape gegen die irdischen Töne des Sommers

Meine Gedanken queren die sengende Straße und schweifen in den belärmten Park , wenn ich so vom Balkon aus das grelle Leben sichte. Die Wirklichkeiten Kreuzköllns sind von irdischen Tönen beschickt, so prall wie stereotyp. Schwarz-Rot-Gold ranken sich Kopftücher um die Häupter mancher Frauen, selbst die ächzende Hitze vermag den perfekt gegelten Haare der flanierenden Checker nichts anzuhaben. Dickliche, nahezu albinohäutige Mädchen stapfen mit kurzem Minirock und lilanen Strümpfen vorbei, die Gesichter schick alternativ mit Piercings bedacht. Drogendealer dealen in den weiten Grünanlagen, sogar Asoziale gehen ihrem Tagwerk nach, leicht vertrocknet scheinen sie alle. Prosaisch legt der schwelende Sommer überraschungsarme Szenarien blank, um letztlich in der Gesamtschau doch vielfältig zu bleiben. Dieser Tage kennt mich der Computer kaum, mein leidender Rücken mag kein Sitzen, vom nassgeschwitzten Bett aus zu schreiben verbietet die Vernunft. So diktiere ich Gedanken dem Notizblock, während sich das Hoppeln viel zu schnell über Kopfsteinpflaster fahrender Autos und munteres Kindergeschrei mit von mir gewählter Musikbeschallung mengen.

Dem Wüten des Sommers setze ich eine wohldefinierte Klarheit entgegen. Der Üppigkeit der Grelle kontere ich mit einem oft leisen, manchmal in eigentümlicher Verträumung ruhenden Sound. Es muss nicht immer ein hüftwackelnder Rhythmus sein, eine auf Sex getrimmte, brütende Aufdringlichkeit. Gerade die Noblesse einer Zeitlosigkeit, die Erfrischung einer Losgelöstheit, eben jene Nuancen fluten inmitten all des schrillen Treibens hervor, wehen die nötige Kühle über den Balkon, beschatten den dösenden Patienten. So jedenfalls verkommt der Sommer zu einer schweißverkrusteten Erträglichkeit.

Great Lake Swimmers – River’s Edge

Colapesce – Niente di più

Gem Club – Sevens (kostenloser Download)

Natureboy – Heart To Fool

The Innocence Mission – The Happy Mondays (kostenloser Download)

Gabby Young & Other Animals – We’re All in This Together

Lanterns On The Lake – Lungs Quicken

Sun Kil Moon – You Are My Sun (Stream)

SomeVapourTrails

Kein ätherisches Lippengeklimpere – Natureboy

Auf meiner Liste der Alben, die ich den geschätzten Lesern des Blogs empfehlen möchte, lagern derzeit mindestens 30 Veröffentlichungen und harren mitunter bereits Monate darauf, mehr oder minder ausgiebig besprochen zu werden. In den nächsten Tagen will ich mich auf einen neuen Vorsatz versteifen und vorrangig die CDs empfehlen, die aktuell gerade die Plattenläden befüllen. Das musikalische  Sommerloch naht ohnehin mit Riesenschritten, dann werde ich mich zu Unrecht vernachlässigten Werken widmen. Heute jedenfalls will ich Natureboy vorstellen, ein Projekt der in Brooklyn lebenden Sängerin Sara Kermanshahi. Das selbstbetitelte Debüt wird am 07. Juli auf Own Records das Licht der europäischen Öffentlichkeit erblicken.

Natürlich könnte man nun mit dem Meckern beginnen und die nicht unberechtigte Frage stellen, ob die Welt wirklich auf ein weiteres atmosphärisch versponnenes Album samt verhuschtem Gesang gewartet hat. Nun mögen die Stilmittel nicht eben einer innovativen Trickkiste entsprungen sein, aber letztlich zählt die Wirkung, also die Stimmung, welcher der Hörer verfällt. Und so penetriert die Scheibe dank solidem Songwriting, einnehmendem Gesang und elektronischen Einsprengseln wie Loops, die der Gitarre kräftig unter die Armee greifen, die Oberfläche, bleibt haften. Frau Kermanshahi hat zusammen mit den Herren Cedar Apffel und Rory O’Connor einen intimen, meist reduzierten Sound kreiert, der durchaus mit den Flügeln schnalzt und den Hörer hinweg trägt.

Herzstück der Platte ist das in der Tradition von Mazzy Star stehende Heart to Fool. Hierbei entlädt sich eine schlichte Magie. Der Track exponiert sich ungemein, obwohl er eine schüchterne Nuance behält. Mögen auch die meisten übrigen Titel dagegen ein wenig verblassen, so haben auch sie ihre Meriten. Pariah entwickelt eine deftige Note, gelingt rhythmischer und kraftvoller als die übrigen Nummern. Sonst trapst sanfter Dream-Folk durch die Songs, legt eine Verträumung frei, die viel bittere Süße verströmt. Famous Sons oder Over and Out gehören ebenso zu den Referenztracks, welche die Qualität des Werks unterstreichen, es zu einem echten Geheimtipp wachsen lassen.

Natureboy zeigt mit dem gleichnamigen Debüt, dass die werte Dame mehr im Köcher hat als bloß ätherisches Lippengeklimpere. Dies versuchen ja viele Stimmchen mit meist spärlichen Resultaten. Kermanshahi hingegen besitzt viel Potential, vermag in ihrem Vortrag erdig anzumuten, um dann nach einem vollzogenen Höhenflug auch zu einer Punktlandung anzusetzen.  Und eben das macht das Album so interessant.

Link:

MySpace–Auftritt

Kostenloser Download des Songs Curses Fired

SomeVapourTrails