Nelson Can – On Christmas Night

Heute wollen wir den werten Lesern eine große Pophymne zum Thema Weihnachten präsentieren. Freilich frei von Herzschmerz oder verlogenem Heile-Welt-Getue. Ja, das geht! Das dänische Trio Nelson Can macht es uns vor. Vor fünf Jahren hatte ich die Band schon mal lobend erwähnt, ihr neuer Track On Christmas Night freilich verdient mehr als eine lobende Erwähnung. Die Nummer ist derart stark, dass ich sie nach nur wenigen Hördurchläufen zum Allerbesten zählen würde, was mir in all den Jahren des Bloggens über Weihnachtsklänge ins Ohr gegangen ist. On Christmas Night hebt sich wohltuend von vielen, vielen Lieder zum Thema Weihnacht ab. Da wäre zum einen natürlich die thematische Schwerpunktsetzung. In skandinavischen Gefilden ist Weihnachten geradezu zwangsläufig an die Wintersonnenwende gekoppelt. Wo es (fast) gar nicht richtig Tag wird, spielen das weihnachtliche Meer der Lichter eine noch stärkere Rolle. Der Refrain „Solstice in sight! We don’t have to wait anymore. We will be bathed in light on Christmas night.“ kommt entsprechend frohlockend daher. Percussion und Drums bescheren dem Track einen archaischen Touch, musikalisch könnte man von einer aufgekratzten Version Feistscher Klänge schwärmen. Die getragen-schmalzige Festlichkeit vieler Weihnachtslieder wird hier durch freudvolle Lebendigkeit ersetzt. Die Band selbst erklärt die Motivation hinter dem Song wie folgt: „We wanted to make a Christmas song that combined the Christmas we know from modern day western culture with the old hedonistic celebration of the return of the sun.“

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Unser ABC der Nordlichter: Dänemark

Wenn man sich die Bevölkerungszahl der nordischen Länder Europas so ansieht, zählt man knapp 26 Millionen Köpfe. Island, Norwegen, Finnland, Dänemark und Schweden zusammen bringen es auf weniger als ein Drittel der deutschen Einwohner. Man sollte sich das öfter vergegenwärtigen, wenn man einmal mehr über eine Band aus dem Norden stolpert. Deutschland kann weder in puncto musikalischer Fülle noch im Bezug auf internationale Anerkennung mit all den Ländern mithalten, die im weitesten Sinne unter dem Begriff Skandinavien firmieren. Wir haben uns seit 2008 mit 90 Bands und Musikern aus nördlichen Breiten befasst, so manch Großartigkeit dabei entdeckt. Zeit also für einen kleinen Überblick. Diesmal: Dänemark! Ein Land, welches ich sehr lange gewaltig unterschätzt habe…

Alex Canasta (Facebook, Blogpost) – Hörproben: Let It Out (vimeo), Got It Coming:

Broken Twin (Facebook, Blogpost) – Hörprobe: Beaches (SoundCloud)

Choir of Young Believers (Facebook, Blogpost) – Hörprobe: Nye Nummer Et (SoundCloud)

Cody (Homepage, Facebook, Blogpost) – Hörprobe: Mirror (YouTube)

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Stippvisite 24/11/12 (XXL-Edition frisch von der Schlemmermeile)

Das Internet ist eine elendslange Schlemmermeile, auf welcher jeder Musikfan auf den Geschmack kommt. Man findet, wonach immer auch das Herz begehrt. Wo jedoch die kulinarischen Genüsse einer Schlemmermeile stets einen sofortigen Obulus erfordern, erwarten uns in den Weiten des Netzes jede Menge Kostproben gratis. Wo in manch Lokalen das Prinzip All-you-can-eat regen Zuspruch findet, die Besucher sich dies durchaus einige Euros kosten lassen, im Wissen das Harakiri keinen Teil einer gesunden betriebswirtschaftlichen Kalkulation darstellt, haben sich im Internet Streamingdienste etabliert, welche für ’nen Appel und ’nen Ei Millionen Tracks feilbieten. Der Stream ist längst eine allgemein akzeptierte Form des Musikkonsums. Wir würden uns in die eigene Tasche lügen, wenn wir tatsächlich glaubten, dass Musiker von Streams finanziell profitieren. Das Angebot eines Streams sieht den Künstler auf seinem desperaten Höhepunkt. Eine Band oder ein Singer-Songwriter tun dies, weil sie an die Chance glauben (wollen), dass das Hören eines Songs zu einem Kaufimpuls animiert. Doch ach, drei Dinge stehen diesem Verlangen im Weg. Zunächst einmal die eigene pekuniäre Situation. Wohnen wird teurer, Strom auch nicht billiger, Gebühren und Steuern steigen unaufhörlich, Essen sollte man freilich auch. Die gegenwärtige Krise definiert für viele Menschen das Wort Luxus neu. Zumal Werbung Prioritäten gewichtet. Wir gönnen uns besonders das, was heftig beworben wird. Ein David Garrett verkauft sehr viele Platten, bei der talentierten schwedischen Indie-Combo sieht die Sache schon anders aus. Der zweite Punkt ist die Halbwertszeit von Klängen. Was den Musikenthusiasten rund um den Veröffentlichungstermin in Mark und Bein fuhr, geradezu in den Ohren schmolz, das scheint zwei Monate später längst von Dutzenden neuen Platten aus der Erinnerung gedrängt. Lohnt sich also tatsächlich ein Kauf? Doch nur bei Alben, mit denen einige schöne Jahre verbringen will! Für einen One-Night-Stand wird man doch in der Regel auch nicht so tief in die Tasche greifen wie für die ausgeguckte Lebensabschnittspartnerin. Und letztlich verhindert als drittes Motiv die Gratis-Kultur einen Kauf. Wir wollen naschen, stibitzen, auf Rechnungen legen wir im digitalen Dschungel keinen sonderlichen Wert. (Mehr zum Thema Stream hat Nicorola hier zusammengetragen.)

Das Internet ist eine lange Schlemmermeile voll frischer Leckerbissen. Ein paar Köstlichkeiten will ich auch diesmal wieder kredenzen. Wenn heute der internationale Kauf-Nix-Tag begangen wird, dann sehe ich das durchaus ambivalent. Eine Überprüfung des eigenen Konsumverhalten erscheint immer mal wieder angebracht, aber als Resultat sollte keine plakative Konsumverweigerung stehen, vielmehr ein klares Ja zum bewussten Kauf. Denn gerade im Bereich der Musik haben wir es vielfach verlernt, eine von penetranter Werbung unbeeinflusste Kaufentscheidung zu treffen. Vielleicht sollten wir sogar viel öfter mal musikalisch schlemmen – und dann auch unsere Zeche zahlen.

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