Von melodiöser Zärtlichkeit, grundanständiger Traurigkeit und poetischer Rastlosigkeit – Night Beds

Nach all den Jahres des Bloggens über Musik juckt mich ein gewisses Erstaunen nach wie vor gleich Ausschlag auf der Seele. Dass sich Legionen von Musikern nämlich mit ihren Kreationen tagtäglich einer Öffentlichkeit stellen, trotz der lediglich vagen Hoffnung Anerkennung zu finden, das erscheint mir ein ausgesprochen mutiger Schritt. Die Masse der Konsumenten nimmt künstlerische Produktivität mit derselben Selbstverständlichkeit wahr, mit der man eine Dose Tomaten aus dem Supermarktregal holt. Diese Zeiten kennen keinen Mangel an Lebensmittel und auch die Verfügbarkeit musikalischer Werke wurde längst zur Selbstverständlichkeit. Doch ist unsere Herzensbildung leider so ausgerichtet, dass wir Alltäglichkeiten schlichtweg akzeptieren und bloß das Außergewöhnliche verehren. Das erscheint verständlich, allzu menschlich. Doch lauert darin auch die Gefahr. Was erleben wir noch als eminent spektakulär? Hinsichtlich der Musik befinden wir uns in einem Spannungsfeld zwischen den steten Lobeshymnen des Marketings und dem verzopften Denken der Musikrezension, die möglichst viel auf Durchschnittsniveau trimmt, um Ausreißer nach oben und unten dann mit dem Sabber der Sensation zu bedenken. Welche Tönen können uns aber noch wirklich becircen? Wie viele Popowackler brauchen wir als optischen Anreiz? Dazu gibt es leider keine Antworten. Ich will aber an dieser Stelle ein Plädoyer für Night Beds halten, möchte begründen, weshalb die Platte Country Sleep Aufsehen erregen sollte, obwohl sie aus keinerlei Sensationen gestrickt ist.

Photo Credit: Jarrod Renaud

Photo Credit: Jarrod Renaud

 Weiterlesen

Free Sampler: The Muse January 2013 Sampler

Auch 2013 schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits sehe ich mich nicht in der Tradition von Schnäppchenseiten, die Dinge für lau oder noch billiger anbieten, andererseits ist eine kostenlose und vollständige Kostprobe der beste Weg, um neue Hörer zu gewinnen. Daher werden wir wieder öfter auf kostenlose Downloads oder gar Sampler verlinken, in der Hoffnung, dass es den von uns geschätzten Künstlern neue Fans einbringt.

Nach ein paar Jahren des Bloggens glaube ich zu meinen, dass mir keine Musikmagazine mehr fremd sind. Ich weiß, welche ich genauer beobachte, ebenso vermag ich im Brustton der Überzeugung einige Webseiten zu benennen, die man höchstens alle Jubeljahre mal besuchen muss. Das Magazin American Songwriter war mir bis dato allerdings gänzlich unbekannt. Diese Bildungslücke hat meine werte Co-Bloggerin jedoch gefüllt, als sie mir unlängst den aktuellen kostenlosen Sampler von American Songwriter empfahl. Tatsächlich tummeln sich darauf jede Menge Acts, die wir entweder gerade erst oder aber demnächst mit jeder Menge Lob überträufeln werden. Beginnen wir mit der wundervollen Country-Stimme von Lindi Ortega. Erst am Wochenende habe ich hier ihr jüngstes Album Cigarettes & Truckstops über den grünen Klee gelobt, weil es Schmachten, Leiden und Verruchtheit wunderbar zelebriert. Schön, dass der Titeltrack ihrer Platte auf dieser Zusammenstellung vertreten ist!

 Weiterlesen

Release Gestöber 34 (Samantha Crain, Pure Bathing Culture, Night Beds, Foyn Trio!)

In Zeiten allgegenwärtiger Hiobsbotschaften liefern sich die Medien ein Wettrennen, jede Nachricht mit möglichst viel Depri-Touch zu versehen. Der Einzelne hat gar nicht mehr die Möglichkeit, sich in ein biedermeiernes Idyll zu flüchten. Weil uns die Außenwelt dank Internet und Fernsehen schon längst in den eigenen Wohnräumen auflauert. Natürlich ist die Mehrheit zu dumm, um dieser Belagerung mit der nötigen Psychohygiene zu begegnen. Man ergibt sich, wird Teil der Hysterie. Musik jedoch ist eine der wunderbarsten Möglichkeiten, den alltäglichen Wahnsinn auch einmal Wahnsinn sein zu lassen. Doch natürlich befördert manch Art von Musik auch den Irrwitz. Nicht jedoch jene, die wir dem werten Leser auch heute wieder gern ans Herz legen.

Samantha Crain

Die aus Oklahoma stammende Singer-Songwriterin Samantha Crain ist eine der faszinierenden jungen Stimmen der Americana- und Folk-Szene. Nicht zuletzt deshalb haben wir im Rahmen unseres diesjährigen Weihnachtsspecials bereits zwei ihrer vorzüglichen Tracks vorgestellt. Selbstredend lohnt sich die Beschäftigung mit Crains Schaffen zu jeder Jahreszeit. Für Februar ist die Veröffentlichung ihrer dritten LP angekündigt. Kid Face wurde von John Vanderslice, seines Zeichens selbst ein über die Maßen begabter Liedermacher, produziert. Die Voraussetzungen für ein starkes Album scheinen somit fraglos erfüllt. Als erster Beleg für die fruchtbare Zusammenarbeit dient der mit countryesker Violine akzentuierte Track Never Going Back. Einen kostenlosen Download dieses Tracks gibt es auf dem Rolling Stone. Wer Samantha Crain noch nicht kennt, sollte diese musikalische Bildungslücke schleunigst nachholen.

 Weiterlesen