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Lie In The Sound präsentiert: Die besten Tracks 2010 (Platz 11-25)

Ich hänge irgendwie noch dem vergangenen Jahr nach, viele CDs liegen noch herum, einige Lieder schwirren noch im Ohr. Bevor die Veröffentlichungen des Januar endgültig den Blick auf vergangene Kostbarkeiten zu verstellen trachten, seinen die schönsten Tracks von 2010 nochmals kurz und eindringlich ins Gedächtnis gerückt – in das eigene und in das des Lesers. 2011 mag zwar bereits aus den Startlöchern geschossen sein, aber das Gute des letzten Jahres hat an Güte noch nichts verloren.  Feine Lieder besitzen ohnehin kein Ablaufdatum, darum lohnt die Entdeckung nach wie vor. Sofern vorhanden wurde deshalb eine Hörprobe verlinkt, um den nackten Namen und Titeln eine nachhaltige musikalische Erfahrung einzuverleiben.

11. Betty and the WerewolvesDavid Cassidy

12. Philipp Poisel – All die Jahre

13. Her Name is CallaPour More Oil

14. BlockheadTricky Turtle

15. RPA & The United Nations of SoundAre You Ready?

16. SambassadeurDays

17. Kyrie KristmansonOh, Montmartre

18. Nina KinertDown On Heaven

19. Massive AttackParadise Circus

20. Tired PonyNorthwestern Skies

21. And So I Watch You From AfarSet Guitars to Kill

22. SillyAlles Rot

23. Sun Kil MoonAustralian Winter

24. Get Well SoonWe Are Ghosts

25. The KabeediesJitterbug

SomeVapourTrails

Lie In The Sound präsentiert: 30 Alben, die 2010 bereicherten

Endjahresbestenlisten verkörpern neben dem Geschmack des Erstellers vor allem eine blogpolitische Message: Sie möchten triftige Gründe liefern, warum der Leser auch im kommenden Jahr das eine oder andere Mal dem Blog oder Magazin seine Aufwartung machen soll. Nun kann die Strategie dahinter in der Platzierung bekannter Namen und Alben liegen, welche ins Auge springen und dem Besucher das Gefühl geben, sich auf vertrautem Terrain zu bewegen. Eine andere Verfahrensweise besteht in der Nennung des Obskuren und Außenseiterhaften, was wiederum den Entdeckerdrang des Lesers besonders anregt, zugleich eine Underdog-Romantik bedient. Oder aber der Lister packt die Last der Musikwelt auf seine Schultern, filetiert einen allumfassenden Querschnitt, der sämtliche Genres und Stile berücksichtigt, die nicht ausschließlich von moldawischen Entenzüchterchören betrieben werden. Einfach um seinen Kunden zu suggerieren, dass man musikalisch alles, schlichtweg alles geboten bekommt, was nur irgendwie ein Instrument in den Händen zu halten vermag.

All die aufgezählten Zugänge winken verheißungsvoll. Und würden mir dennoch ein Gähnen entlocken, da der unter die Oberfläche tauchende Leser bereits ohnehin erkannt hat, wie es um die Grundausrichtung des Blogs bestellt ist. Warum also nicht eine Auflistung, welche auch dem, der handverliest, einen Spannungsmoment beschert? Aus besagtem Grunde will ich die 30 Lieblingsalben unseres Blogs, davon wurden ja bereits 10 vor 2 Wochen genannt, nach Provenienz sortieren. Welche Aussagekraft lässt sich aus der Herkunft unserer Favoriten ableiten? Einerseits könnte man ihr Hotspots entnehmen, an den von uns verehrte Musik entsteht. Ein weiterer Zugang würde die Weite unseres Horizont determinieren. Und eine dritte – allgemein gültigere – Betrachtung könnte skizzieren, dass auch in Zeiten des ach so globalen Internets gewisse kulturelle und sprachliche Barrieren dazu führen, dass dem neugierigsten Zeitgenossen – nämlich mir – Musik von ganzen Kontinenten de facto verschlossen bleibt. Doch seien nun ohne längere Umschweife die 30 Platten des Jahres präsentiert:

England

Her Name is CallaThe Quiet Lamb

ScannersSubmarine

RPA & The United Nations of SoundUnited Nations of Sound

Grasscut1 Inch / ½ Mile

BonoboBlack Sands

The Strange Death of Liberal EnglandDrown Your Heart Again

Betty and the WerewolvesTeatime Favorites

Exit CalmExit Calm

Allo Darlin‘Allo Darlin‘

Wales

Tom JonesPraise & Blame

USA

Clem SnideThe Meat of Life

Damien JuradoSaint Bartlett

The PostmarksMemoirs At The End Of The World

Sharon Van EttenEpic


EelsEnd Times

BlockheadThe Music Scene

InterpolBroken Bells

Broken BellsBroken Bells

Island

Pascal PinonPascal Pinon

Schweden

SambassadeurEuropean

Nina KinertRed Leader Dream

JunipFields

Norwegen

Jaga JazzistOne-Armed Bandit

Deutschland

Mardi Gras.bbVon Humboldt Picnic

Get Well SoonVexations

Philipp PoiselBis nach Toulouse

HundredsHundreds

Österreich

Francis International AirportIn The Woods

Kanada

Thee Silver Mt. Zion Memorial OrchestraKollaps Tradixionales

Mali

Ali Farka Touré & Toumani DiabatéAli and Toumani

Welche Blöße gibt sich diese Liste? Außer dem bereits erwähnten Umstand, dass sie ganze Kontinente zu weißen Flecken erklärt, Asien, Australien und Südamerika mangels Angeboten negiert. Weiters enthüllt sie, dass nur eine Handvoll Alben nicht die englische Sprache als Mittel des Ausdrucks wählen. Als zusätzliche Information sei erwähnt, dass uns 11 der 30 Platten aktiv von Promotoren angepriesen wurden, während wir bei 19 selbst schon lange mit dem Fernrohr Ausschau haltend harrten oder Breschen durch den Veröffentlichungsdschungel schlugen, um sie zu entdecken. Von den 30 Interpreten waren 13 darunter, von denen wir zum ersten Male ein Platte erlauschten, 8 davon können sich ihres Albumdebüts rühmen. Die Bandbreite der vertretenen Stile reicht von Post-Rock über Twee, Indie-Rock, Downtempo und ähnlichen elektronischen Spielereien hin zu Pop, Folk und gar World Music.

Natürlich kann man nicht jedes 2010 publizierte Werk in Augenschein nehmen. So lebt die Auflistung auch von schmerzhaften Auslassungen. Die aktuelle Scheibe der Manic Street Preachers fehlt ebenso wie Gisbert zu Knyphausens jüngster Release. Auch Sun Kil Moon blieb noch ungehört oder sogar Fran Healys  Alleingang. Daher bedeutet eine etwaige Absenz keinesfalls, dass wir ein Album verdammen. Xiu Xiu fabrizierte einen der besten Track des Jahres und glänzt doch durch Abwesenheit, ähnliches gilt für Johnny Cashs posthume Auferstehung. Vielen davon wird bei unserer Reihung der besten Songs Gerechtigkeit widerfahren. Für heute jedoch gilt, mögen unsere Lieblinge des Jahres beim Leser auf fruchtbaren Boden fallen.

SomeVapourTrails

O-Töne – Nina Kinert

Über Musik zu palavern – alles schön und gut. Heute wollen wir eine Singer-Songwriter zu Wort kommen lassen, ihr mittels eines Fragebogens auf den Pelz rücken. Einfach einen unverkrampften Eindruck vermitteln, wie die werte Dame tickt. Die Rubrik nennen wir O-Töne. Damit der unverfälschte Eindruck gewahrt bleibt, werden wir diese O-Töne auch unübersetzt lassen. Diesmal haben wir der schwedischen Liedermacherin Nina Kinert Antworten entlockt. Ihr Anfang November in deutschen Breiten erschienenes Album Red Leader Dream gehört unserer bescheidenen Meinung zu den besten Veröffentlichungen des Jahres. Warum dem so ist, haben wir hier begründet. Doch nun quetschen wir Frau Kinert 14 Fragen lang aus…

Foto Credit: Anders Widlund

1.) Tell us two things we should know about you.

I love science fiction and fantasy and good music, I try to combine it.
I´m charming, but if I don´t get breakfast in the morning I become a monster.

2.) Is there any vice or passion worth neglecting music?

Nope!

3.) If a good fairy offered you the Nobel Peace Prize or a Grammy, what would you choose?

The Nobel Prize, do you know I´d get like 10 million swedish bucks, so it´s a no-brainer!

4.) If your music turned into colors, which colors would that be?

Red, purple and blue, and a mix between pink and yellow, silver…

5.) Is there any instrument you despise?

I don´t like melodica very much.

6.) None of your fans would consider you a fan of this artist. Who is it?

Mariah C!

7.) You’re hanging out in a pub, all of the sudden they are playing one of your songs. How do you react?

I like it, but pretend I don´t.

8.) What’s you favorite line from your recent album? And why?

„see you now all wrapped up in honey, where the shores are white“.

It sounds sticky and warm.

9.) Is there any oldie you would love to get credit for?

I wish I had written Blue Bell Knoll by Cocteau Twins.

10.) Who have you been in your past life?

I was a male carpenter living in Alaska around the year 820. Maybe, I don´t remember…

11.) How would you start a conversation with a major label boss, if you were trapped with them in an elevator?

Going down, hey? (you saw that one coming right!?)

12.) Which sites do you visit to stay up-to-date with music?

I like booooooom.com, but they write more about all kinds of art.

13.) You’re returning home after a tour, what did you miss the most?

Waking up in my bed.

14.) What plans regarding music do you have for the next 6 months?

Evolve and have fun with it, as always.

Wir danken für die Antworten.

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SomeVapourTrails

Kryptisch-dekorative Gehörgangtapete – Nina Kinert

Heute wähne ich mich in der behaglichen Position, ein Album erwähnen zu dürfen, das mir einfach so in den Schoß fiel (erstens), so unerwartet, wie sonst nur Widrigkeiten hereinbrechen, in Form von herabzischenden Dachziegeln zum Beispiel, welches (zweitens) schlechthin makellos tönt, dass man es vor Freude nur zu knuddeln wünscht, weil die werte Künstlerin einen wunderbar eigensinnigen Sound über die gesamte Länge der Platte durchhält, die Songs mit Liebreiz spickt, der die Gehörgänge dauerhaft tapeziert, und, drittens, Erinnerungen hervorkramt, die vor Augen führen, dass nicht alles an der Achtzigern zum Fürchten war. Ich plaudere gerade über Nina Kinert, eine schwedische Singer-Songwriterin, und ihr neues Werk Red Leader Dream, dem man getrost die Schöner-Wohnen-Plakette 2010 verleihen darf. Mit derart viel Wohligkeit wurde das Ohrinnere dieses Jahr noch selten überzogen.

Wer eine Kuckucksuhr an der Wand und mit Intarsien verzierte Einrichtungsgegenstände präferiert, den mag Kinerts futuristisches, unenträtselbares Dekor im ersten Moment überfordern. Ihr praktizierter Dream-Pop schneit nicht ätherisch von der Zimmerdecke herab, räkelt sich lieber fiebrig im Schatten einer Lampe. Die von Synthies geschwängerte Luft wird von der rastlosen Stimme der Sängerin durchdrungen. Vulkanisch brodelnd sprenkelt Glut in ihrem Ausdruck, genau so, wie es die Heldinnen der Achtzigern vorexerzierten. Eine Tugend, die bei all dem heutigen Retro-Gedöns meist auf der Strecke bleibt. Den metallisch-spiegelnden Klängen werden Emotionen aufgesetzt, die eine steril-kühle Atmosphäre verhindern, vieles geheimnisvoll verzerren. Dieser Pop flüchtet sich keine Sekunde lang in Electro-Beliebigkeiten, statt Hochglanz flackern Neonlichter, welche das Halbdunkel nicht verscheuchen.

Die fernöstliche Ästhetik von Moonwalker bildet den traumhaften Auftakt zu einem mondwandlerischen Eintauchen in eine unscharfe Szenerie voller Liebesbeteuerungen, Imaginationen und Leid. Schwer greifbar, eine Fata Morgana, die sich über das verheißungsvolle Play The World senkt. Mit Down On Heaven perfektioniert die Künstlerin eine Entschwebung, deren Feurigkeit jedoch etwaige Engelsflügelchen sofort zu Asche verkohlt. „I see it all, I like it all, I see it all, I’m looking down on heaven“ verortet sich Kinerts lyrisches Ego hier in unantastbaren Sehnsuchtsgefilden, nur um sich bereits  im nächsten Lied schlafend in die Klauen eines Tigers zu versenken. Tiger You hält das hohe Niveau der Gefühlstrance, ehe Push It den bislang konventionellsten Track darstellt, wieder fester mit beiden Beinen auf der Erde steht, sich die Augen reibt und einen desperat-flehenden Unterton nicht verkneift. In immer tiefere Liebesirrungen verheddern sich die folgenden Lieder, My Girl und Wings, letzteres mit dem schnörkellosen Refrain „He put my hand upon his heart, and it went boom boom boom boom boom boom„. Hoffnung und schützender Wärme steht jedoch auch die Leugnung von Herzschmerz entgegen. Doch richtig dingfest kann man dies alles nicht machen. Original Sin liefert sich gar an das Ungemach aus, begibt sich sehenden Auges in die Hände des vermeintlich gefährlich Geliebten. 25 verkündet letztlich mit den Worten „We’ll have a baby“ dann doch ein Happy End, das in seiner unzweideutigen Verkündigung erst recht verdächtig wirkt.

Selten vermag man Nina Kinerts Kryptik zu erhaschen, baumeln ihre Worte im Ohr gleich einem aufreizend dekorativen Muster, welches man nicht durchblickt, das nur in den Augen des Schöpfers scharfe Konturen annimmt. Und so folgt man von wie eine Motte den schimmernden Lichtern, taumelt händeringend durch das Album, das meist wie ein Vexierspiegel funktioniert, mächtig nebulöse Gefühle zurückwirft. Red Leader Dream erinnert daran, dass die schönste Musik oft die ist, deren Sinn man nur erahnen darf. Man glaube mir, dies Album ist eine wahre Zierde für jegliche Plattensammlung.

Red Leader Dream ist am 05.11. auf Ninkina Recordings erschienen.

Konzerttermine:

22.11.10 Köln – Studio 672
23.11.10 Hamburg – Prinzenbar
24.11.10 Berlin – Privatclub
25.11.10 München – 59:1
27.11.10 Steyr (A) – Röda
28.11.10 Wien (A) – B72
30.11.10 Zürich (CH) – Papiersaal
01.12.10 Basel (CH) – Parterre

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