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Mit sich im Reinen – Noel Gallagher’s High Flying Birds

Lassen wir die Meriten aus der Vergangenheit einmal völlig außer Acht. Vergessen wir für einen Moment, dass Noel Gallagher mit Oasis eigentlich alles erreicht hat, was man als Musiker nur erträumen kann. Fokussieren wir uns ausschließlich auf das neue Album Chasing Yesterday, welches Gallagher nun mit seinem Projekt Noel Gallagher’s High Flying Birds aufgenommen hat. Ach, ich beliebe zu scherzen! Wie könnte man diese neue Scheibe ohne die glorreiche Vergangenheit auch nur denken. Trotzdem, der genialste Kopf des Britpop muss eigentlich nichts mehr unter Beweis stellen. Denn wer auch immer Zweifel hatte, ob Noel eine Platte ohne die Strahlkraft seines Bruders Liam schultern können würde, wurde bereits beim Debüt 2011 eines Besseren belehrt. Chasing Yesterday steht somit unter keinem besonderen Erfolgsdruck, das Werk muss eigentlich nur seinem härtesten Kritiker gefallen, nämlich Noel Gallagher höchstpersönlich. Denn wenngleich er sich für den größten Songwriter seiner Zeit hält, so ist er andererseits äußerst unerbittlich in der Reflexion des eigenen Schaffens. Im Grunde ist Chasing Yesterday sogar die unter den besten Voraussetzungen entstandene Platte der gesamten Karriere. Denn zu Beginn von Oasis strebte er in den Musikolymp, danach galt es den Platz auf dem Thron zu verteidigen. Und das war keinesfalls eine einfache Angelegenheit, wenn man das Aufnahmestudio mit einem hochgradig attitüdenhaften Bruder teilen muss. Als die Karriere dann vor knapp 15 Jahren eine leichte Delle erlitt, die Gallaghers längst zur Inkarnation von Beavis and Butt-Head zu verkommen schienen, war der Druck ebenfalls nicht gering. In den letzten Jahren vor der Auflösung von Oasis versuchte Noel dem immergrünen Britpop immer neue Relevanz einzuhauchen. Und als er dann die High Flying Birds aus der Taufe hob, wollte er sich – und ein bisschen auch der Welt – beweisen, dass er zum Frontmann taugte. Gerade deshalb hat er mit seinem jüngsten Wurf endlich nichts zu verlieren, solange er nur selbst damit im Reinen scheint.

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Photo Credit: Lawrence Watson

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Unsere musikalische Möbelnomenklatur

Unser Blog ist eine heimelige Rotunde, in der wir unsere Lieblingsmusiker namentlich einkerkern. Mag in der Welt da draußen auch noch so sehr die Post abgehen, wir riskieren nur selten einen aus dem Fenster gerichten Blick, der sich jedoch flugs vor Langeweile abwendet und schnell wieder die edle Inneneinrichtung überschweift. Ab und an klopft es an der gut gepolsterten Tür. Gemächlich kommen wir aus der Verschanzung gekrochen, gehen dem Pochen nach. Entriegeln die Sicherheitsschlösser, öffnen die Tür einen Spalt breit, spähen eher ungnädig über die Türkette hinweg. Wer uns da aller seine Visage entgegen hält! St. Vincent etwa. Rumms! Tür zu. Weiters Portugal. The Man. Denen würde ich zwar Obdach gewähren, jedoch unter der Bedingung, dass sie John Gourley, zweifelsohne mit einer der nervigsten, dünnen Stimmen der Gegenwart geschlagen, in die Wüste schicken. Und den ganzen Chart-Clowns und singenden Sex-Bömbchen wollte ich ohnehin nur mit Elektroschocker in der geballten Faust begegnen. So schnell könnte eine Beyoncé gar nicht die Laufmaschen in ihren Strümpfen zählen, ehe ich sie schon wutschnaubend vom Gelände jagen würde. Rihanna bekäme den geschwungenen Regenschirm zu sehen, verbunden mit der Ermahnung, dass ein einziges nettes Wölkchen noch kein Donnerwetter entfacht.

Im Inneren unseres Häuschens haben wir haben uns längst die eigenen Möbelnomenklatur gezimmert, die Gegenstände nur nach den verehrtesten Bands benannt. So lehnen in einer Ecke des Wohnraums einträchtig zwei wackelige Regale an der Wand, beide schon ein wenig ramponiert. Wenn man aus den Untiefen des einen etwas zu Tage befördern möchte, schlingert es, stößt unweigerlich gegen den anderen Schrank. Wir haben sie daher schlicht die Gallaghers getauft. Daneben an der Wand hängt ein Poster, eine mehrfach variierte Pietá in bester Tradition der Pop Art. Es kostete uns nicht einmal einen Gedanken, das Bild Madonna zu widmen. In der Mitte des Raumes steht ein Sofa ausgewähltester Behaglichkeit. Hier lässt es sich gemütlich fläzen, ein gutes Buch in den Händen oder einfach nur tagträumend den eigenen Gedanken hinterhergleiten. Solch wohliger Hort wurde von uns Mazzy Star tituliert.  Davor lümmelt ein Couch-Tischchen. Es neigt zu Eskapaden, steht umfallenden Weingläsern aufgeschlossen gegenüber. Seit eine gewisse britische Sängerin im Sommer verstorben ist, harrt das Tischchen einer abermaligen Namensgebung. Sollte wir uns doch noch zum Konsum von Kokain durchringen, wäre Doherty die erste Wahl. Der sich auf der einen Wand des Zimmers mächtig ausbreitende Schreibtisch schrie regelrecht danach, einem Singer-Songwriter die Reverenz zu erweisen. Der Poeten und Dichterinnen gibt es viele, aber Joni ragt hervor. Habe ich schon unseren überbunten Teppich gewürdigt? Sicher man tritt ihn Tag für Tag mit Füßen, doch lässt sich darauf auch abhotten, was das Zeug hält. Ähnlich ergeht es Moby. Mögen ihn Kritiker auch in Grund und Boden reden, für tänzerische Leibesertüchtigung hat der werte Herr einiges im Köcher. Selbst der übliche Nippes im Raum ist samt und sonders mit Namen versehen: Ob Placebo, Goldfrapp oder Travis, sie alle lächeln von Regalen und Kommoden herüber. Der kleine verschrumpelte Zinngartenzwerg mit dem langen Bart etwa, der auf dem Schreibtisch thront, was streichle ich Mr. E von den Eels nicht oft liebevoll über den Kopf.

Ein Modell, das - wie ich meine - nur The Boss heißen kann. (Photo Credit: Uwe Besendörfer aus de.wikipedia.org / Lizenz: CC-BY-SA-3.0 von Wikimedia Commons)

Natürlich existiert auch problematischeres Mobiliar. Welcher Künstler möchte etwa seinen Namen mit einem Bücherschrank assoziiert sehen, wenn darin Kaliber vom Schlage eines Kafka oder Rilke die Feder schwingen? Welchen Liederschreiber überfällt dann nicht das Muffensausen? Ich habe den Bücherschrank guten Gewissens Nick Cave verehrt. Oder der chromglänzende, filigran von der Decke baumelnde Kronleuchter. Den will man nur einer wahren Lichtgestalt zuschreiben. Keinesfalls einem sinister gestimmten Persönchen. Darf man solch einen Leuchter mit dem Etikett Röyksopp behängen, ohne dass Ikea sein Monopol auf skandinavisch klingende Einrichungsgegenstände gefährdet sieht? Zu guter Letzt, der Papierkorb. Ein unverzichtbares Accessoire, zweifelsohne. Zugleich aber kaum zu Ehrungen taugend. Eben jene hätten die Papercuts freilich mehr als verdient.

Was fühlt man sich den Möbeln nicht gleich inniger verbunden, wenn sie weder Billy, Ivar noch Klippan heißen. Würde man eine mit verträumtem Motive versehene Vase namens Sigur Rós jemals versehentlich vom Tisch fegen? Niemals, das würde sich nicht mal die ungeschickte Co-Bloggerin trauen.

SomeVapourTrails

Breaking News: Oasis-Reunion

Nach qualvoll langer Zeit der Trennung kommt es nun doch zu einer Versöhnung der britischen Ausnahmerüpel. Liam und Noel Gallagher wollen nun wieder gemeinsam auftreten und mit Oasis an alte Erfolge anknüpfen. Dass Noel in die offenen Arme seines Bruders zurückkehrt, freut vor allem meine Co-Bloggerin DifferentStars. Wenngleich er für sie zwar wie ein Schluck Wasser in der Kurve aussieht, sind seine Meriten als Songwriter für sie jedoch unbestritten. Der erste Auftritt der wiederformierten Band geriet sofort zu einer Demonstration alter Stärke und unterstreicht, warum man die legendären Gallagher-Brüder für ihre rohe, wahnsinnige, großkotzige, pubertäre, raufsüchtige, charismatische, geniale Art einfach mögen muss.

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Foto: Will Fresch (http://www.flickr.com/people/freschwill/)

Es gibt eben doch gewisse Konstanten, auf welche man sich noch verlassen kann: Klimawandel, Herpes und Oasis. Alle nicht unterzukriegen. Doch hier nun das erste Video der versöhnten Kampfhähne:

SomeVapourTrails

Noels Ente, die grün mag – oder doch ernst gemeint?

Es gibt Dinge und Meldungen, die sind so eine Gratwanderung, da ist es schwer zu sagen, ob ernsthaft Realsatire oder ernsthaft so gemeint oder nur satirisch anmutend.

Der  neueste Streich: Dem Noel seine eigene Modelinie Pretty Green. Ist dies der viel diskutierte Mehrwert – dieses – Musik kauft niemand mehr, also müssen die Musiker etwas anderes verkaufen und ihre Musik als Werbeträger nutzen? Nein – sagt Noel, er mache es nicht aus Geldgründen, es gäbe einfach keine gute Mode für Männer, die müsse er schon selbst erfinden…

„Clothes and music are my passion. I’m not here to rip anyone off and I’m not doing it for the money either. I’m doing it cuz there’s a lack of stuff out there of the things I would wear“
Liam Gallagher 2009

Hm, der Rabauke als stylisches Männer-Model-Designer-Mode-Philosoph… Irgendwie kurios und fast zu… um wahr zu sein. Die Gallagher Brüder inszenieren sich gerne als Wahnsinnige und leben gut davon… Zuzutrauen ist ihnen alles. Vielleicht hüpft uns bald via Youtube ein Ätsch, war nur Verarsche entgegen… oder aber…

Hier mal das Präsentationsvideo, erinnert ein wenig an Zoolander:

Dem nicht genug. Fans dürfen via eigens gestarteter Pretty Green Community Fragen stellen, die der gute Liam prompt via Youtube beantwortet. Z.B. diese:

Frage: Welcher der  Beatles war am coolesten angezogen Antwort: George Harrison

Damit auch genug Journalisten drüber berichten, wird noch schnell der schlechte Modestil anderer Bands gedissed. Fertig ist die Kampagne.

Fänd‘ ja toll, wenn auf der ersten Modenschau Joaquin Phoenix rapped 😀

Link: Pretty Green

DifferentStars