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Release Gestöber 57 (Alvvays, Erasure, PHOX, O)

Alvvays

Für ein wenig lärmigen, genüsslich versponnenen Indie-Pop samt melodischem Lieblichkeitsfaktor steht das aus dem kanadischen Toronto stammende Quintett Alvvays. Der niedliche Esprit ihres gleichnamigen Debüts Alvvays beschert dem Hörer ein Genre-Highlight des Jahres. Die Band um Sängerin Molly Rankin besticht durch einen von warmer Melancholie und gedämpfter Sonnigkeit verklärten Sound, dessen DIY-Flair irgendwo zwischen der Unbeschwertheit kalifornischer Strände und vorwitzigem, britischem Gitarrenpop verortet ist. Die Platte strotzt vor Songs, die Dopamine ausschütten, freilich ohne dabei zombiehaft-selige Dauergrinsen zur Schau zu stellen. Das Album besticht durch eine Jugendlichkeit, der man voller Lob in die Wange kneifen möchte. Als Highlight imponiert etwa das in wunderbarem Lo-Fi angeschrammelte Archie, Marry Me, auch Ones Who Love You lässt das Herz höher springen. Das Zusammenspiel aus Rankins juvenilem Fühlen und der wie durch einen nostalgischen Schleier hervorquillenden Gitarre Alec O’Hanleys macht den Zauber des Werks aus. Weitere Glanzlichter eines durch die Bank famosen Erstlings sind Party Police oder auch das shoegazig angehauchte The Agency Group. Alvvays besitzen ein Händchen für Hooklines, für eingängige Refrains, die auch schon mal in Richtung Twee-Punk schielen. Diese Platte hat Pfiff, versprenkelt retroesken Charme, kann sich stets auf einen patenten bis kecken Gesang verlassen. Sogar das in fahle Synthies gehüllte, gemächlich-nachdenkliche Red Planet steht der Platte gut zu Gesicht. Wo manch Band ein Schema F auf Albumlänge auswälzt, wartet der gewitzte Sound von Alvvays mit Ideen quer durch den Gemüsegarten auf. Wer ein lebendig-sommerliches Album mit dem einen oder anderen melancholischen Ornament sucht, wird an diesem Werk nichts, rein gar nichts auszusetzen haben!

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