Das Leid der Flüchtlinge und der Rat eines Afrobeat-Altmeisters

Ich kann den Bockmist schlichtweg nicht mehr hören. Ich bin es leid, ständig diese Leier zu hören, wonach Flüchtlinge deshalb zu uns kommen, weil sie hier das Schlaraffenland vermuten und dem indigenen Deutschen oder Österreicher das Brot von der Butter nehmen wollen. Natürlich verbirgt man derlei Fremdenhass unter dem Mäntelchen der Menschlichkeit, indem man sich zu Kriegsflüchtlingen bekennt, zugleich aber empört konstatiert, dass doch über 90% der Asylsucher schnöde Wirtschaftsflüchtlinge seien. Ich kann diese PEGIDA-Logik nicht länger ertragen. Weil sie bestenfalls die Krisenherde berücksichtigt, die ausgiebige mediale Erwähnung finden. Weil sie den Leidensdruck, der zu einer Flucht führt, und die Strapazen und Gefahren und Erniedrigungen dieser Odyssee völlig ignoriert. All die Migrationsfeinde nutzen natürlich existierende Einzelfälle von Asylmissbrauch, um daraus eine verbreitete Methode abzuleiten. All die rechten Hirne entdecken plötzlich ihre Liebe für bedürftige Deutsche und Österreicher, denen man doch zuallererst helfen müsse. Solch Solidarität ist fraglos vorgetäuscht. Denn sie widerspricht dem Egoismus und den Verdrängungsängsten der Protagonisten. Die vermeintlichen Sorgen von PEGIDA-Sympathisanten sind eine Mischung aus Panik und Geiz. Panik darüber, dass man Sozialleistungen mit Flüchtlingen teilen muss oder der Job durch Menschen gefährdet wird, die sich mit einem niedrigeren Stundenlohn zufriedengeben. Man will auch nicht teilen, etwa den Lebensraum. Ein Flüchtlingsheim in der unmittelbaren Nachbarschaft würde doch den Wert des eigenen Grundstücks schmälern und die eigene Lebensqualität massiv einschränken. All das nährt den Hass auf das fremde Andere. Gäbe es diese Flüchtlingsströme nicht, würde man eben Obdachlosen den Satz „Ich will deine Armut nicht mehr sehen!“ zurufen.

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Mit Musik gegen PEGIDA

Ich habe etwas gegen Kleingeistigkeit. Und gerade die montäglichen PEGIDA-Märsche machen deutlich, wie unter dem Deckmäntelchen der Empörung über Missstände die eigene Borniertheit regelrecht zelebriert wird. Mein Problem mit PEGIDA ist von grundsätzlicher Natur. Sie demaskiert sich als Bewegung, die außer schriller Hysterie (Lügenpresse!) und dem eigenen Anspruch auf einen Platz in den Geschichtsbüchern (Wir sind das Volk!) nichts anzubieten hat. Vor allem keine Argumente. PEGIDA steht für tumbe Unzufriedenheit, die sich brachial und pauschal gegen gewisse Gruppen der Gesellschaft wendet. Die Kaste der Politiker, die Medienclique, das linke Gutmenschentum und natürlich der Islam wurden als Feinde ausgemacht. In der Rhetorik folgt man altbekannten Mustern, ein Einzelfall wird zum Beispiel für die Verlottertheit des Systems umgedeutet. Aufgrund einzelner journalistischer Fehlleistungen, man denke an diese leidige Geschichte mit dem Undercover-Reporter von RTL, wird allen Massenmedien jedwede Objektivität abgesprochen. Nach dieser Logik rücken auch die vereinzelten Fälle sich bereichernder Politiker gleich alle Volksvertreter in ein schiefes Licht. Und eine kleine Gruppe von Islamisten reicht für einen Generalverdacht aus, nämlich dass der Islam das deutsche Wesen unterminieren will.

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