Am Scheideweg – Anders Enda Barnet

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Mit Anfang 30 auf der schlichten Schaukel aus Kindertagen sitzen, in vielen Erinnerungen schwelgen, dabei mit der eigenen Jugend abschließen, über das Wie des Weitermachens grübeln. Wer sich in dieser Szene wiedererkennt, sollte ohne langem Zögern dem Album I Was Quiet lauschen. Hinter dem Projekt Anders Enda Barnet verbirgt sich der Schwede Anders Göransson, dem mit dieser Platte ein melodisches Stück Slacker-Pop-Rock in der Ästhetik der Achtziger gelungen ist. I Was Quiet blickt zurück, nimmt Erinnerungen dabei aber nie als Ballast wahr, und zugleich schaut es voll Fragezeichen und Erwartungen nach vorn. Es ist ein Album am Scheideweg, dass sich von diesem Umstand allerdings nicht verrückt machen lässt, Lust und Laune nie verliert. Introspektives skandinavisches Singer-Songwritertum trifft hier auf jenen sympathischen Verve, zu dem Nordlichter nicht erst seit ABBA befähigt scheinen, der auch bei gegenwärtigen Indie-Kapellen oftmals auftaucht. Sehen wir uns also ein paar Titel kurz näher an.

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Schatzkästchen 50: Larkin Poe – Don’t

Hier auf diesem Blog behandeln wir ja eher selten gefälligen Radio-Pop. Und zwar nicht aus einem Geschmacksfetisch heraus, eher schon weil das meiste Gedudel schlichtweg langweilig ist. Einen guten Radio-Hit, den zu trällern man sich nicht schämen muss, schätze ich deshalb umso mehr. Und ein eben solcher ist mir in Gestalt von Don’t dieser Tage untergekommen. Für das Geschwisterpaar Larkin Poe scheint mit dieser Single und dem im März erscheinenden Album Reskinned der kommerzielle Durchbruch sehr wohl möglich. Don’t jedenfalls besitzt Ohrwurmpotential, kommt dabei wunderbar erdig produziert rüber.  Weiterlesen

Nicht immer im Schmuddel des Pop-Rock-Durchschnitts – Timo Räisänen

Die werte Kollegin Eva-Maria vom lesenswerten Polarblog hielt dieser Tage meiner ungestümen Lobrede auf Joel Alme einen weiteren schwedischen Singer-Songwriter entgegen, Timo Räisänen nämlich. Tatsächlich gehen deren Parallelen über die Herkunft hinaus, veröffentlichten beide ihre jüngsten Werke auf Razzia Records, teilen das Faible für gestrigen Pop – ohne dabei gängige Retro-Trends zu bedienen. Doch während Alme sein Album tatsächlich in den Anfängen der sechziger Jahre verortet, durchstöbert Räisänen den musikalischen Bestand mehrerer Jahrzehnte, meist ohne nennenswertes Resultat. Manche der Lieder gemahnen an Song Contest-Tracks vergangener Zeiten, denen der heutige Trash-Faktor fehlte und die als As im Ärmel eine flotte, aber belanglose Melodie aufzubieten vermochten. The Anatomy of Timo Räisänen dringt selten tief, kratzt überwiegend an der Oberfläche, kramt vornehmlich Abgedroschenes hervor.

Photo Credit: Frans Fagerlund

Ehe meine Kritik nun die Eingeweide des werten Singer-Songwriters seziert, will ich mir Wohlwollen auf die Fahne heften. Zumindest drei Songs verraten das Potential Räisänens und verdeutlichen, dass die Erfolge in seiner Heimat nicht auf schiere Geschmacksbefreitheit schwedischer Musikfans zurückzuführen sind. Manch Lied der vorliegenden Platte jedoch offeriert allerfeinste schwelgerische Plattheit, die spätestens im Refrain selbst Mainstream-Gemütern sauer aufstoßen muss. Hollow Heart fällt in diese Kategorie. Diese Art von Harmonien hat man schon ungezählte Male serviert bekommen, der Zahn der Zeit hat an den letzten goutierbaren Resten genagt, nun wirkt das alles abgelutscht. Spätestens die Zeile „So leave, but save the innuendos.“ weckt meine Aversion. Innuendo zählt zu der Sorte von Wörtern, die man nur einer Formation wie Queen verzeiht.  In jedem anderen Kontext wirkt das Wort gestelzt, die Lyrics unter kräftiger Mithilfe eines Wörterbuchs zusammengepuzzlet. Sobald bei It’s Not New der Kehrreim „My love, though we’re not young/ I still feel like a seed born under the sun.“ losgeschmettert wird, sehe ich Räisänen im knallroten Zweireiher, bis in die Haarspitzen geschniegelt auf der Bühne des Eurovision Song Contests flanierend. Viel kantenbefreiter kann dieser samt und sonders auf die Hookline zugeschnittene Pop-Rock nicht mehr sein. Outcast wiederum vermittelt einen Hauch von Coldplay, wenngleich die Melodie ein wenig zu sehr mit Wohlfühl-Charakter ausgestattet scheint. Auch in dem Falle scheitert Räisänen, allerdings zugegeben auf höherem Niveau. One Day mit schlicht nervendem Gesang präsentiert ein rhythmisches Nichts Marke Einheitsbrei. Solch Tracks hatten vor ein paar Jahren ihre Blütezeit und zumeist hat sich die Gnade des Vergessens bereits über jene Lieder gebreitet. Ob der Fülle mäßiger Tracks möchte man fast schon das Handtuch werfen. Wäre da nicht der virtuose Opener Cocaine, der lediglich Gesang und Piano aufbietet. Diese reduzierte Ballade fährt satte Emotion auf. Wer möchte angesichts der Worte „I’ve got cocaine in my brain and it feels just fine. Almost the same, that’s the aim, as when I’m with you.“ nicht auf einen leise verlangenden Trip mitgenommen werden. Irgendwann zur Halbzeit der Platte erkämpft sich Bleeding Anerkennung. Ein komplexer Midtempo-Popsong, der speziell wegen des Refrains den Achtzigern gut zu Gesicht gestanden wäre. Auch das finale Lied We’re All Gonna Die setzt in seiner Folk-Pop-Manier ein Highlight. Als Prophet der Endzeit entfaltet Räisänen eine seltene, unaufgeregte Wahrhaftigkeit.

In der Gesamtschau versagt die Platte, wird die Fülle von Defiziten The Anatomy of Timo Räisänen zum Verhängnis, versinkt nahezu alles im Schmuddel des Pop-Rock-Durchschnitts. Wie er so den Kehrreim von Without You trällert, könnte er als Verschnitt eines wankenden Shakin‘ Stevens gelten. Letztlich sind drei sehr gute Titel eine allzu magere Ausbeute. So sehr ich dem Urteil von Nordische Musik in der Regel vertraue, kann ich im konkreten Fall die dort postulierten Qualitäten Herrn Räisänens nicht nachvollziehen. Zumindest das aktuelle Album geizt mit gehaltvollen Liedern. Die Finesse eines Joel Alme blitzt bei Räisänen selten auf. Abschreiben würde ich ihn dennoch nicht.

The Anatomy of Timo Räisänen ist am 24.09.10 auf Razzia Records erschienen.

Konzerttermine:

09.02.11 Münster – Amp
10.02.11 Hamburg – Molotow
11.02.11 Berlin – Rosi’s (Karrera Klub)
12.02.11 Dresden – Ostpol

Link:

Offizielle Homepage

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Der klingende Adventskalender: Türchen 23 – Door 23

The Young Romans – Disco Christmas

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Kurz bevor sich Christkind und Weihnachtsmann die Klinke in die Hand geben, wollen auch wir noch ein feines Geschenk hinter diesem Türchen platzieren. Ein Präsent nämlich, dass wir exklusiv präsentieren dürfen. The Young Romans, Brad Hooks (Piano und Gesang) und Sari Mellafe (Gitarre und Gesang) nämlich, haben sich 2010 in Los Angeles zusammengetan. Nun gründen sich gefühlte Millionen von Bands jährlich, nur um bald die Auflösung ins Auge zu fassen, ohne großartig Spuren hinterlassen zu haben. In vorliegendem Fall sehe ich jedoch nicht schwarz. Denn die beiden Protagonisten liefern einen wirklich sehr gefälligen Pop ab, der Charts-Hörer erreichen kann und auch vor Indie-Ohren Gnade findet. Ihre erste EP Yesterday Night sei den werten Lesern daher ausdrücklich ans Herz gelegt. Unseren klingenden Adventskalender veredeln The Young Romans mit Disco Christmas. Mit Disco hat dieser Track allerdings nichts am Hut, tendiert zu gefühlvollem Rock. Von uns gibt es die Empfehlung beim Schmücken des Christbaums heuer mal auf Weihnachtsschulzen zu verzichten und sich von Disco Christmas beschwingen zu lassen.

[audio:DiscoChristmas.mp3|titles=Disco Christmas|artists=The Young Romans]

Free Download: The Young Romans – Disco Christmas

Right before Santa Claus is going to burgle your house in order to bring you tons of presents, right before you get stuff you never ever wanted, right before the whole Xmas madness starts, we want to make a gift which will still please you way past the 25th of December. The Young Romans, formed by Brad Hooks (classically trained pianist and vocalist) and Sari Mellafe (accomplished guitarist and vocalist), are a new band from Los Angeles. And I’m pretty positive they really have a chance to succeed. Their EP Yesterday Night offers the sort of pop music that can make the charts without being a red rag for indie lovers. The contribution to our Advent calendar is a soulful rock tune called Disco Christmas. And no, there’s no disco music in it, despite the title. The Young Romans are a band to watch in 2011 and a band you should listen to while decorating the Christmas tree in 2010.

Mehr News und Goodies von der Band gibt es, wenn man sich hier im Newsletter einträgt./ Stay up-to-date for band news and treats by signing up for the mailing list here.

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Live schlichtweg fetziger – Er France

Anfang dieses Jahres hat die werte Co-Bloggerin DifferentStars bereits der deutsch-französischen Formation Er France auf den Zahn gefühlt, die CD Pardon My French, Chéri! von der Wurzel aufwärts behandelt. Nun wird mir die Ehre zuteil, dem soeben veröffentlichten Livealbum Live At Open Source, Chéri! die Aufmerksamkeit zu widmen, welche ich der vorangegangen Platte noch nicht eingeräumt habe. Es dünkt mir zwar ein wenig eigenartig, warum eine noch nicht mit den Weihen von Charts-Platzierungen gesegnete Band einen Konzertmitschnitt auf CD veröffentlicht. Zumal Er France auch auf Pardon My French, Chéri! keine aalglatte Studioatmosphäre aufkommen ließen. Nun, ich muss ja auch nicht immer in die Köpfe von Bands klettern. Die Aufnahmen wurden auf dem Open Source Festival 2009 mitgeschnitten und fassen die Qualitäten der Band nochmals zusammen, vertiefen sie sogar.

Foto Credit: Mathias Holzapfel

Vintage-Flair mit sympathisch rotzigem Gehabe, welches durch den aufreizend französischen Akzent noch verstärkt wird,  dominiert vorliegende Platte. Roh und herb, aber nicht ohne den Charme einer allgegenwärtigen Schrägheit des Ausdrucks. Auf der Bühne wird Pop durch satte Rockigkeit ersetzt, gnadenlos drauflos geschrammelt. Den Lieder wohnt jedoch genug Exzentrik inne, dass diese Attitüde nicht in Humorlosigkeit abdriftet. Au contraire, möchte man sogar einwerfen. Der ruppigere Sound wirkt meist einnehmender als die Studioproduktionen.  In The Cheapo Bar wuselt live schlichtweg fetziger und das bereits ohnehin im Original schmucke Sing Song Girl steigert sich ebenso. Mit vor Karacho strotzender Freude am Spiel wird auf Schnickschnack verzichtet und die Seele der Lieder freigelegt. Das mögen auch Isabelle Frommer (Gesang), André Tebbe (Gitarre), Janosch Brenneisen (Schlagzeug) und Daniel Decker (Bass) ähnlich sehen – und für kommende Scheiben ihre Lehren daraus ziehen. Denn mangelhaftes Songwriting ist keinesfalls für die bislang mangelnde Rezeption verantwortlich. Es fehlt den meisten Tracks nicht am gewissen Etwas. This Is Not A Test hat schlichtweg einen feinen Rhythmus, zählt zu den wenigen Lieder, in denen Studio- und Live-Performance einander um nichts nachstehen, während Two To Tango der verschmirgelte Bühnenklang weitaus mehr schmeichelt. Mit I Came To Get My Due führt die Band auch einen älteren, gediegen grobkörnigen, mit superbem Gitarrensolo ausgestatteten Titel im Programm.

Live At Open Source, Cheri! erfüllt aus bereits benannten Gründen seinen Zweck. Zeigt Er France in all der ungebremsten Pracht. Würden doch alle Livealben ihre Existenzberechtigung dadurch unterstreichen, dass sie die wahren Stärken der Band derart hervorkehren, wie es diese Platte tut. Auf alle Fälle eine Entdeckung wert!

Live At Open Source, Chéri! ist am 01.10. auf lolila erschienen.

Links:

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LENZ – Augen auf und durch

Ich versuche mal mich zu diziplinieren und   diese Review nicht mit Wortspielen à la „der Frühling schickt…“ oder „Ohren auf…“ zu beginnen. Was schwer fällt, da a) ich mir nichts sehnlicher als den Lenz herbei sehne, b) immer auf der Suche nach guter deutschsprachiger Popmusik bin (zu selten fündig werde) und last but not least: c)  es sich hier wirklich lohnt, nicht nur die Augen – sondern vorallem beide Ohren aufzumachen.

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Foto: Frank Eidel

Das Berliner Trio LENZ ist  für mich eine der Neuentdeckungen des Jahres und ihr Album Augen auf und durch gehört zu den CDs, die mir bei jedem Hören besser gefallen. Eingängige, kunstvoll arrangierte Pop-Meldodien mit der richtigen Dosis  Rock. Intelligente – angenehm unangestrengte Texte, die Englisch als einstige Musiksprache Nr. 1 vergessen lassen.

Die drei haben sich meine kleine Lobhudelei hier schon verdient. Iss halt so – je besser mir Musik gefällt, desto schwerer fällt es mir, im fachsimpelten Jargon eines „seriösen“ Rezensenten meine Kenntnis unter Beweis zu stellen.

So geht an dieser Stelle lieber ein großes Kompliment an Markus Jütte (Bass, Gesang), Richard Putz (Gesang, Piano, Gitarre), Christoph v. Knobelsdorff (Schlagzeug) und das Produzenten-Team Oja Tunes.

Erste Single-Auskopplung ist das Lied Gib mir Bescheid. Meine Favoriten und Anspieltipps sind: Weiterziehn , (Leih mir dein) fehlerfreies Leben und Leinen Los. Besonders schön für euch – den dritten Track im Bunde gibt’s im Bereich Musik auf der Lenz Hompage als Gratisdownload.

LENZ – Gib mir Bescheid

LENZ – Weiterziehn

Live erleben:

Samstag, 07.03.2009
Roter Salon (am Rosa-Luxemburg Platz)
ab 22 Uhr
Special Guest: Mein Mio


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Augen auf und durch

VÖ: 06.03.2009 (digital)

VÖ: physisch Mai 09

Label/Vertrieb: Noteworks / Alive / Zebratlution

Links: Offizielle Homepage, Myspace, Roter Salon

DifferentStars

Sonntags Musik Present: The Hush Now – kostenloser Album Download

Den perfekte Soundtrack für sonnige Sonntage liefern The Hush Now mit dem gleichnamigen Album. Ihr Debüt klingt dann auch ein wenig wie die Indie-Twee-Songs, die wir aus  Serien wie O.C. California, Grey’s Anatomy und Co kennen….perfekter Wohlfühl-Sound, nett, unspektakulär und doch irgendwie zum Liebhaben.

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Spektakulär klingt hingegen die Gründungslegende von The Hush Now und erinnert ein bißchen an Luthers Initiationsblitz. Ich hab ja so in beiden Fällen so meine leichten Zweifel ob des Wahrheitsgehalts. Obwohl sie einiges gemeinsam haben. Unter anderem wütende Priester, Unwetter und die Kirche.

Es begab sich in Los Angeles, die Nacht war stürmisch und Sänger Noel Kelly versuchte mit gebrochenem Handgelenk sein Auto durch das Unwetter zu navigieren. Zuspät reagierte er auf einen herabfallenden Fahnenmast – während aus den Lautsprechern Queen’s “Don’t Stop Me Now” dröhnte, durchbrach dieser die Windschutzscheibe. Der arme Noel sah sich alsdann einem wütendem Priester gegenüber, dessen wütende Stimme Sturm und Queen übertönte.  Noels  missglücktes Ausweichmanöver hatte sein Auto die Kirche krachen lassen und eine rießen Delle hinterlassen…

Nach dieser Nahtod-Erfahrung packte Noel seine Sachen und zog nach Portland. Dort schrieb er die Songs für The Hush Now…weiter in Bosten traf er auf seine heutigen Bandkollegen: John Carpentier, Barry Marino, Mike Wittrien und John Millar.

Tracklist:

  1. The Man From Galway
  2. Bedtime Stories
  3. Vancouver
  4. Sadie Hawkins Dance
  5. Pining
  6. Ashes
  7. Subtle Like Bombs
  8. Traditions
  9. Roleplay
  10. The Landlord and the Tenant
  11. Hiding In Corners

Entdeckt habe ich die Bostener auf  Rock Sellout – dort gibt es auch das komplette Album als kostenlosen Download.

Link: www.myspace.com/thehushnow

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