Schlagwort-Archive: Post Rock

Ein klanglicher Blick auf mir vertraute Berge – Mountain

Ich hoffe, dass ich mir auf diesem Blog nicht zu oft anmaße, die Beweggründe und Motive eines musikalischen Werks genau zu kennen. Ich habe auch durchaus Zweifel, ob man ein künstlerisches Werk zum Beispiel dadurch ganz und gar begreift, indem man sich in dessen Schöpfer hineinversetzt. Im Falle der Villacher Formation Mountain meine ich allerdings schon, dass mir der Zugang zum Album Evolve auch dadurch gelingt, dass Mountain aus meiner Geburtsstadt stammen. Villach, im Süden Österreichs gelegen, ist von Bergen umgeben. Zum einen von der Gebirgskette der Karawanken mit dem Hausberg Dobratsch, und zum anderen von der Gerlitzen, einem Ausläufer der Nockberge. Die beiden Gipfel dominieren das Panorama, zahlreiche wunderbare Seen tun ihr Übriges. Landschaftlich hat diese Gegend viel zu bieten. Deshalb wundert es mich nicht, dass der Bandname einen Bezug zu dieser Natur hat. Noch weniger überraschend ist der Umstand, dass Mountain im Genre des Post-Rock zu verorten sind.

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Schatzkästchen 74: Mountain – Hawking

Vielleicht kennen das die Leser dieses Blogs ja! Das Gefühl nämlich, dass etwas fehlt, das das Leben bereichert. Manch Menschen werden nun mit dem Kopf nicken, an viel Geld oder die große Liebe denken. Aber das meine ich gar nicht. Mir geht es eher um ganz winzige Kleinigkeiten, die das Potential besitzen, das Wohlbefinden ungemein zu steigern. Dieser Tage fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich im Musikjahr 2016 noch praktisch keinen Post-Rock gehört habe. Irgendwie war in mir schon das unbestimmte Gefühl hochgekrochen, dass trotz viel toller Alben die letzten 8 Monate nicht die ganz große Erfüllung parat hielten. Wie konnten sie auch!? Ohne Post-Rock macht alles musikalische Sein nur bedingt Sinn. Die Formation, die diesen Missstand beseitigt hat, kommt noch dazu aus meiner Geburtsstadt Villach im zweifelsohne schönen, aber nicht eben für außergewöhnliche Musik verschrienen Kärnten. Mountain nennt sich die Band, angesichts der Villach umgebenden Gebirgskulisse ein naheliegender Name. Was mir an den Herren imponiert, ist der rustikale, durchaus altmodische Gitarren-Post-Rock, der in bester Tradition instrumental und beredt zugleich anmutet. Mal mächtig und herb, dann wieder hell und verträumt, Mountain beherrschen den rauen Bombast mindestens so wie die filigrane Stimmungen. Demnächst steht die Veröffentlichung des Albums Evolve an, über das ich nächste Woche noch ein paar Worte verlieren werde. Bis dahin jedoch möchte ich den Leser den Track Hawking ans Herz legen. Schatzkästchen 74: Mountain – Hawking weiterlesen

Schlaglicht 38: Explosions In The Sky

Die Rückschau trennt die Spreu vom Weizen. Auch in musikalischer Hinsicht. Was etwa die Charts vor 40 Jahren bewegte, ist heute oft nur eine Fußnote der Musikgeschichte. Was jedoch damals alternative, vielleicht sogar verpönte Strömungen waren, beeinflusst die Entwicklung von Musik bis heute. Und vielleicht wird man in 20 Jahren all das, was um die Jahrtausendwende Wellen schlug, in neuem Licht betrachten. Eine Bewegung wird dann zweifelsohne noch mehr Augenmerk erfahren, als sie das heute tut. Post-Rock ist als Genre eine höchst schwammige Angelegenheit, subsumiert man ihn als Versuch einer oft instrumentalen Querdenkerei wird jedoch ein Schuh daraus. Natürlich gibt es auch unter den zahllosen Post-Rock-Bands Pioniere, die Grenzen ausloten, und freilich jene, welche Ästhetik in Perfektion kultivieren. Die Texaner Explosions In The Sky fallen ohne Zweifel in letztere Kategorie. Sie sind keine Visionäre, dafür begnadete Handwerker, die schönste melodische Ausgestaltung beherrschen. Charakteristisch für die meisten ihrer bisherigen Aufnahmen sind erhaben flirrende Gitarren. Vielleicht haben sie sogar das eindringlichste Gitarrenspiel aller Post-Rock-Bands anzubieten. Mit Alben wie The Earth Is Not a Cold Dead Place (2003) und All of a Sudden I Miss Everyone (2007) haben sie sich in die Riege meiner Lieblinge gespielt. Deshalb freut mich die Nachricht, dass mit The Wilderness nun eine neue Platte angekündigt wurde. Die erste Hörprobe Disintegration Anxiety lässt sich freilich noch nicht recht in die Karten schauen. Schlaglicht 38: Explosions In The Sky weiterlesen

Falsche Bescheidenheit einer stupenden Band – Maff

Wenn man über die Band Maff etwas weniger Schmeichelhaftes sagen will, dann dass die Formation aus der chilenischen Hauptstadt Santiago wohl nicht den formidabelsten Bandnamen ersonnen hat. An der stupenden Musik der gleichnamigen, vor wenigen Wochen veröffentlichten EP lässt sich dagegen kein Makel finden. Als ich über diese EP beim Kollegen Nicorola gestolpert bin, war es sofort um mich geschehen. Maff stehen für eine vielfältige Mischung aus Shoegaze, Post-Punk, Indie-Rock und Post-Rock. Bei praktisch jedem Track wird ein anderer Akzent gesetzt. Das acht Songs und einen Radio Edit umfassende Werk als EP zu bezeichnen, scheint ohnehin falsche Bescheidenheit zu sein.

Doch sehen wir uns die Stücke ganz kurz näher an. Beim grandiosen, majestätischen Walking On Fire etwa dominiert Post-Rock, der wie eine Mixtur aus And So I Watch You From Afar und Explosion In The Sky und einer sehr melodisch gestimmten Alternative-Rock-Kapelle klingt. Someday dagegen mutet nach einer shoegazigen Nummer aus den Neunzigern an, ein Konglomerat aus Low, Yo La Tengo und His Name Is Alive vielleicht. Falsche Bescheidenheit einer stupenden Band – Maff weiterlesen

Janusköpfig – Acorn Falling

Diesmal möchte ich ein ausgeprochen stimmungsträchtiges, intensives, abseits des Üblichen angesiedeltes Album erwähnen. Auf 2nd Plateau of Normalcy herrschen zum einen Schwermut und Unheimlichkeit vor, andererseits schwelgt die Platte in anmutigster Ästhetik und Schönheit. Post-Rock-Anflüge, kühler Chamber Pop, Ambient sowie Electro-Verschwurbelungen gestalten es formvollenedet aus. Lars Kivig, seines Zeichens in Kopenhagen ansässig und Hirn des Projekts Acorn Falling, ist ein Werk entschleunigten Erzählens gelungen, welches mit Atmosphären flirtet, allerlei Gemütslagen malt.

Sehen wir uns die Tracks kurz näher an. The Whistle at Tragedy Bay überwältigt als ein sich ganz allmählich aus einem repetitiven Piano heraus entwickelndes, zum Ende hin von groteskem Drama erfülltes viktorianisches Schauermärchen. Janusköpfig – Acorn Falling weiterlesen

Zurück ins Hier und Jetzt – Collapse Under The Empire

Das Hamburger Post-Rock Duo Collapse Under The Empire hat in den vergangenen Jahren unermüdlich Album um Album ertüftelt, es vergeht kein Jahr ohne neue Klänge. Die Markenzeichen der Herren Chris Burda und Martin Grimm sind futuristische Ästhetik und klirrende Kühle. Ihr instrumentaler Post-Rock schildert visionäre Sci-Fi-Märchen und kristallene Dystopien. Es sind ein Stück weit entmenschte, majestätische Klänge. Zu ihrem Album Sacrifice & Isolation (2014) kam mir folgender Vergleich in den Sinn: „Die Tracks türmen sich gleich gefrorenen Monolithen auf, ragen imposant und zeitlos empor. Oftmals wird der Hörer von den Ausmaßen und der Dynamik der Szenerie geradezu erschlagen. Denn die Stücke wirken wie durch den Sucher einer Kamera aufgenommen, die anfänglich in die Horizontale filmt, sich an Erhebungen festkrallt und dann Meter für Meter nach oben neigt.“. Collapse Under The Empire kreieren somit mit ihrem Zusammenspiel aus flirrenden Gitarren und elektronischen Klängen ein weltverlorenes, zivilisationsfremdes Ambiente, das die Abgeschiedenheit und Zeitlosigkeit unwirtlichster Landschaften heraufbeschwört.

Als mir vor ein paar Wochen die Nachricht ins Mail-Postfach flatterte, dass im April eine vier Tracks umfassende EP erscheint, auf welcher ein Filmkomponist und Remixer namens Cato Hand an ausgewählte Stücke des Duos legt, habe ich ein bisschen den Kopf geschüttelt. Collapse Under The Empire entwerfen bereits perfekt in Szene gesetzte Bilder, was also könnte die schlicht als The Remixes betitelte EP noch mehr bieten? Nachdem ich mir nun die betreffende Tracks im Original und in der remixten Version angehört habe, vermag ich darauf eine Antwort zu vermuten. Zurück ins Hier und Jetzt – Collapse Under The Empire weiterlesen

In einer unterdrückten wie rebellischen Zukunft – Warm Graves

Man nehme die Unangepasstheit des Krautrock, die ausufernde Imposanz von Pink Floyd, die rätselhafte Aura des Ambient, vermenge dies mit Ritualtanzästhetik und stelle diesem mächtigen Soundgewitter einen Chor entgegen, der seinerseits wie eine Mischung aus griechischer Tragödie und sakraler Inbrunst sowie einem die Internationale intonierenden Arbeitergesangsverein erinnert. Wem diese Beschreibung die Neugier in die Ohren treibt, der sollte die Formation Warm Graves für sich entdecken. Die Tracks des demnächst erscheinenden Debüts Ships Will Come funktionieren zwar allesamt fast nach dem selben Muster, jenes aber ist verdammt clever gestrickt.

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In Zeiten wie diesen – Tiny Fingers

Es mag bessere Tage als die derzeitigen geben, um über eine israelische Band zu schreiben. Und auch wenn die im Folgenden vorgestellte Musik keine Rückschlüsse auf die Herkunft zulässt, keinerlei politisches Statement beinhaltet, kommt man an der israelischen Provenienz nicht vorbei. Israel ist wie praktisch kein anderes Land mit positiven wie negativen Assoziationen aufgeladen. Israelis nimmt die Weltöffentlichkeit in erster Linie als Staatsbürger und Mitglieder einer Religionsgemeinschaft wahr, erster in zweiter Linie wird er oder sie als Individuum mit Befähigungen angesehen. So wichtig ich es gerade im Bereich der Kunst finde, dass etwa Musiker (gesellschafts-)politische Positionierung vornehmen, so notwendig erscheint es mir im konkreten Fall, dass man bei israelischen Künstler nicht zuerst Botschaften oder Standpunkte wittert, sondern das Ohr an den Puls der Kreativität legt. Und davon hat beispielsweise die Formation Tiny Fingers durchaus einiges zu bieten. Das endlich auch in Deutschland erscheinende Album Megafauna imponiert durch seine hochenergetische Mischung aus Prog-Rock und Post-Rock.

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In der Wüste gefrorener Monolithen – Collapse Under The Empire

Dem Hamburger Post-Rock-Duo Collapse Under The Empire habe ich schon so manche Zeile auf diesem Blog gewidmet. Und dies fast immer zum Anlass genommen, ein geradezu flammendes Plädoyer für jenes Nischengenre zu halten. Dieser Musikrichtung mangelt es nicht an vielfältigen Darreichungsformen, doch eint alle Musiker und Bands ein Ernst, ein Wille zur Vision, eine besondere handwerkliche Ausgestaltung. Der oftmaligen Flüchtigkeit von Musik wird hier Zement um die Füße gegossen, der Kleinteiligkeit des Lieds eine theatralische Inszenierung entgegensetzt. Aber machen wir uns nichts vor, Post-Rock in seinen ästhetischen Höchstgefühlen bleibt dennoch meist eine Sache für Puristen. Speziell das neueste Werk von Collapse Under The Empire vermag dem geschulten Hörer die Wonne in die Ohren zu treiben. Sacrifice & Isolation lässt die Vorzüge des Duos einmal mehr leuchten. Es verzettelt sich nicht, besticht durch ungeheure Kompaktheit. Tracks werden wie bereits bei früheren Alben auf durchschnittlich fünfeinhalb Minuten verdichtet, kommen ohne viel Pipapo auf den Punkt. Dazu gesellt sich noch eine futuristische Eisigkeit, die den Sound durch eine weite, kühle, von kristallinen Strukturen dominierte Wüste schweben lässt. Den visionären, entmenschten Klängen wohnt eine Ferne inne, eine brachiale Distanz, die man als Hörer kaum zu überwinden vermag.

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Lauschrausch LI: Tiny Fingers

Heute möchte ich ohne Umschweife einen deftigen Track empfehlen, der uns dieser Tage ins E-Mail-Postfach gerauscht ist. Nachdem wir in letzter Zeit viele Singer-Songwriter und auch die eine oder andere gehobene Pop-Kapelle auf dem Blog erwähnt haben, tut es auch mal gut, kernig jaulenden Rock um die Ohren gehauen zu bekommen. Die mir bislang unbekannte Formation Tiny Fingers stammt aus dem in musikalischer Hinsicht durchaus exotischen Israel, Ende April wird ihr Album Megafauna hierzulande veröffentlicht. Der Vorgeschmack Demands verspricht in seiner Wuchtigkeit so einiges. Laut Pressetext kombiniert die Band „die ungezügelte Intensität von Rockmusik mit dem Rausch von Electro-Raves“. Tja, wenn Raves tatsächlich dermaßen herb ablaufen, dann würde ich mich doch glatt noch auf selbige verirren. Doch mit welchen Genreetikett soll man nun Demands schmücken? Tiny Fingers nennen ihren Sound „Atomic Rock“. Verbirgt sich dahinter vielleicht Post-Rock? Trifft es psychedelischer Rock mit Verve besser? Lauschrausch LI: Tiny Fingers weiterlesen