Schatzkästchen 58: Black Honey – All My Pride

Seit Tagen schon habe ich einen tollen Track im Ohr, den ich den werten Lesern auf keine Fälle verschweigen möchte. Die geschätzten Kollegen Nico und Peter haben auf ihren Blogs Nicorola bzw. Coast Is Clear zwar schon darauf hingewiesen, aber eine so pfiffige, erfrischende Nummer wie diese kann gar nicht oft genug erwähnt werden. Die Rede ist vom Song All My Pride der britischen Formation Black Honey, die damit auf ihre Ende des Monats erscheinende EP Headspin einstimmt. All My Pride besticht durch westernhaften, garagigen Power-Pop, klingt wie ein Roadmovie durch staubige Weiten. Thelma & Louise meets Quentin Tarantino, so würde ich den rohen, intensiven Sound zusammenfassen. Die Sängerin Izzy Baxter entpuppt sich als hauchend-laszive und energetische Röckröhre.  Weiterlesen

Dringliche Nächte – Francesca Lago

Stell dir vor, dass überall Wunder und allerorts Bedrohungen lauern. Dass der scheinbar schnöde Wechsel der Tageszeiten plötzlich Aufregung und Schicksalhaftigkeit versprüht. Mal dir aus, wie eingedöste Emotionen mit einem Mal von Dringlichkeit und Fiebrigkeit angeschubst werden. Wie Geister durch Szenerien gespenstern, die vertraute Umgebung aufmischen. Tauche einen Moment lang in eine Fantasie ein, die jede Abenddämmerung mit Geheimnissen durchsetzt, die jeden Sonnenaufgang als einschneidend erlebt. Und die Naturgewalten voll archaischer Kraft wahrnimmt. Wenn man sich auf all das einlassen möchte, wird man vom Album Mirrors Against the Sun sehr angetan sein. Die in der Schweiz lebenden Italienierin Francesca Lago überzeugt mit einer mal verträumten, oft ruhelosen Platte, die eine nähere Entdeckung fraglos lohnt. Also ran ans Werk!

Schon der Opener Where do we go gibt die Stimmung des Albums vor. Electro-Pop im Stile von Ladytron wird mit der Unwirklichkeit des Dream-Pop gekreuzt. Die Zeilen „Where do we go/ Tell me a story while the sun is setting low/ At dusk we float/ Hear your story while the sun is setting low“ lassen erahnen, dass es keineswegs um irgendwelche niedlichen Gutenacht­ge­schich­ten geht. Dem Wechsel von Tag zu Nacht haftet hier eine mystische Kraft an. Lagos enigmatischer Text wird von einem in nervöser Schönheit flirrenden Sound bestens unterstützt.  Weiterlesen

Musik, zu der sich wunderbar Bier verschütten lässt – Afterpartees

Pete(r) Doherty ist halt auch keine 20 mehr. Und darum war es nur eine Frage der Zeit, bis die Rotzlöffel, die sein Tun bei The Libertines oder Babyshambles als wildgewordene Teenager zum Mißfallen der gestrengen Eltern im Kinderzimmer lautstark nachgestellt haben, nun selbst im besten Alter sind, um die Sau richtig herauszulassen. Die Musik der niederländischen Formation Afterpartees schrammelt und rumpelt angenehm dahin. Zugegeben gesanglich kann man mit dem flegelhaften Charme von Herrn Doherty nicht mithalten. Und ja, punkiger und mit Hang zum College-Rock-Fun ist dieser Power-Pop sicher angelegt, aber die Intention des Debüts Glitter Lizard lässt am Vorbild wenig Zweifel. Diese Hauruck-Klänge versprühen eine Launigkeit und Ausgelassenheit, vor allem strahlen sie manchmal eine sympathische Unberechenbarkeit aus.

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Photo Credit: Nick Helderman

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Schlaglicht 16: Mammút

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Bei isländischer Musik muss man gar nicht lange über Qualität nachgrübeln, sie ist in der überwältigenden Zahl der Fälle mehr als nur vorhanden. Bei Klängen von dieser Insel stellt sich eher schon die Frage, ob jener Künstler, jene Musikerin oder auch jene Band vielleicht sogar in die Fußstapfen einer Björk oder von Sigur Rós treten kann. Sich im Indie-Bereich einen Namen machen ist eine Sache, zu den herausragenden Acts einer Epoche zu zählen, das ist freilich eine andere Hausnummer. Bei der Formation Mammút aus Reykjavík – woher aus sonst? – bin ich noch am Grübeln. Diese 3 Frauen und 2 Männer zählende Band darf man eigentlich nicht als Newcomer bezeichnen, schließlich existiert sie schon seit über 10 Jahren, veröffentlichte bereits 3 Alben. Alexandra Baldursdóttir, Andri Bjartur Jakobsson, Arnar Pétursson, Ása Dýradóttir und Katrína Mogensen haben auch schon einige nationale Weihen erhalten. Nun freilich wollen sie am großen Rad drehen, haben ihre erste EP in englischer Sprache aufgenommen. River’s End ist melodischer wie intensiver Indie-Rock mit Post-Punk-Finesse, der durch Mogensens oft geradezu aufopfernden, poppigen Gesang immens gewinnt.  Weiterlesen

Mit leichter Hand und voller Verve – Rah Rah

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„Prairie indie rock“ nennt das kanadische Magazin Exclaim! jenen Sound, als „Slacker-Power-Pop“ preist der Pressetext die aktuelle Platte der kanadischen Formation Rah Rah an. Die Band aus der ruralen Provinz Saskatchewan hat ein ausgesprochenes Händchen für supergefälligen Indie-Pop-Rock, für mitreißend-quirlige Melodien. Der fantastische Song Chip Off The Heart etwa erscheint mir wie eine äußerst quietschfidele Mischung aus Scanners und Ladytron, ein bisschen Blondie schimmert ebenfalls durch. Be Your Man wiederum ist gitarriger Indie-Rock mit einem Hauch von Springsteen’schem Machismo. Diese beiden Titel eröffnen das im März erschienene Album Vessels. Rah Rah sind nicht leicht auf eine Spielweise festzulegen, denn neben der Rock-Instrumentierung klassischen Zuschnitts flippen immer wieder auch Synties in den Vordergrund. Dazu teilt sich die Band das Mikrofon, hier tritt kein Mitglied speziell hervor. Rah Rah sind im positivsten Sinne schwer auszurechnen. Worauf man sich jedoch ohne Zweifel verlassen kann, ist die Verve des Vortrags.

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