Alte Liebe rostet nicht – Cowboy Junkies

Es wird irgendwann im Herbst 1994 gewesen sein, ich war gerade in die große Stadt gezogen, machte mich mit jugendlichem Leichtsinn ans Studium und genoss nebenbei in vollen Zügen die Annehmlichkeiten einer eigenen Wohnung samt Kabelfernsehen. MTV lief bei mir oft, hatte noch Stil und tatsächlich musikalischen Wert. Eines Nachts flimmerte ein Video über den Schirm, welches ich davor und danach nie mehr auf MTV erhaschte. Trotz aller Gebanntheit vermochte ich den Bandnamen nicht auszumachen und so stiefelte ich in den darauf folgenden Wochen durch die Plattenläden Wiens und suchte. In Vor-Internet-Zeiten machte man das. So fahndete ich, und als ich schon das Lied geträumt zu haben meinte, nach einer halben Ewigkeit kam plötzlich ein Heureka aus meinem Munde. Die Band nannte sich Cowboy Junkies und sollte mir seitdem viele Jahre versüßen. Es hat etwas mit der Passion des Findens zu tun, dass das Gefundene so überaus schimmert – und den Glanz auf den Entdecker überträgt.

Auch nach weit über 20 Jahren sind die Cowboy Junkies mit ihrer je nach Album verschiedentlich ausgeprägten Mischung aus Alternative Country, Folk und Rock ein Fixstern am kanadischen Musikhimmel. Wenngleich ich mit den Veröffentlichungen der letzten Dekade weniger anzufangen weiß und vielmehr die ersten 6 Platten als das Nonplusultra ihres Schaffens ansehe, so kann ich nicht umhin, das Lebenswerk der Formation abgöttisch zu verehren. Bereits das 1986 erschienene Debüt Whites Off Earth Now!! präsentierte intensive, fast schon verstörend bluesige Coverversionen von Bruce Springsteens State Trooper oder John Lee Hookers Decoration Day samt virtuos arrangierter Gitarre, die ein veritabel düsteres Gegengewicht zum Gesang von Frontfrau Margo Timmins darstellte. Das eigentlich Magnum opus gelang der Band bereits zwei Jahre später mit The Trinity Session, in der Church of the Holy Trinity in Toronto aufgenommen. Von lullend-ausdrucksstarker Engelsgleiche getragen entfalteten sich in beseelter Atmosphäre getragene Klänge, die von Sehnsucht, Abschied und Verlust kündeten und deren Lyrics mit der Feder eines reinen Herzens geschrieben wurden. To Love Is To Bury oder Misguided Angel gerieten zu wundersamen Eigenkompositionen, Sweet Jane wurde auf ewig Lou Reed gestohlen. Und über allem die Ummäntelung des Klassikers Blue Moon in ein eigenes Gewand: Blue Moon Revisited (Song For Elvis).

Wie vermag man ein Überwerk, welches vielleicht sogar das Vorstellungsvermögen der Band übersteigt, mit einem Danach zu versehen, das nicht in blanke Enttäuschung bei Fans und Kritikern mündet? Daran hatten auch die Cowboy Junkies zu knabbern, vermochten auf The Caution Horses (1990) und Black Eyed Man (1992) jedoch Antworten zu finden, die zwar nicht mehr über die komplette Länge einer Platte überzeugten, aber Highlights wie Neil Youngs Powderfinger oder Sun Comes Up, It’s Tuesday Morning vollbrachten das Kunststück, den Charme der Band weiter zu auszuprägen. Black Eyed Man vermochte auch mit einem zärtlich countryesquen Duett mit dem heillos unterschätzten John Prine zu entzücken, If You Were The Woman And I Was The Man lautete der Titel. Townes Van Zandt widmete den 3 Geschwistern Michael, Margo und Peter Timmins sowie Bassist Alan Anton das Cowboy Junkies Lament, dem sie einen standesgemäßen Spirit einhauchten. Die folgende Platte Pale Sun Crescent Moon verlor ein wenig an Eindringlichkeit, es mangelte besonders an zum Staunen anregenden Covern. Die Songs Crescent Moon sowie White Sail freilich setzten die große Tradition gebührend fort.

Wenn es einen Wendepunkt gab, an dem sich die Gruppe kurzzeitig in die Gefilde des Mainstreams vorwagte, dann darf dieser mit 1996 angesetzt werden. Lay It Down klang direkter, die Stimme von Sängerin Margo Timmins wurde stärker in der Musik verankert, schwebte endgültig nicht mehr in einer eigenen Verfasstheit. Die Ballade Angel Mine bildete den fast schon heiteren Höhepunkt eines wenig schwermütigeren Werks. Wie auch Hold On To Me Hoffnung versprühte, das Blei der Schwere ins Bockshorn jagte.  Die letzte Veröffentlichung der Cowboy Junkies benannten sie Miles From Our Home (1998). Und in der Tat hatten sie sich von den Anfängen emanzipiert, waren aufwändiger produziert, ohne jedoch die Magie des frühen Schaffens vollends zu behalten. Das beste Lied des Albums stammte einmal mehr aus der Feder des damals eben erst verstorbenen Townes Van Zandt: Blue Guitar.

Mit diesem Album endete auch meine Amour fou mit der Band. Trotz vereinzelt an alte Größe anknüpfende Songs vermochten mich die Aufnahmen der letzten 10 Jahre nicht mehr so in den Bann zu ziehen. Doch alte Liebe rostet nicht. Bis zu diesem Tag zaubern mir die Lieder ein Glitzern in die Augen, stellen auch nach Jahren des steten Hörens eine fokussierte Ästhetik dar, die sich nicht abnutzt, ein lebenslanges Begleiten verspricht. Und natürlich springen meine Sinne stets wieder einer neuen Platte der Band entgegen. Das am 15. Juni erscheinende Renmin Park streckt seine Fühler aus – und schleicht sich näher ans Zentrum meines Herzens, als dies die unmittelbaren Vorgänger durften. Noch will ich mich zu keinem Urteil aufschwingen, zu frisch wirkt der Eindruck, aber so ein klitzekleinwenig lodert und brodelt es wieder vermehrt in mir, erscheinen die Songs der Cowboy Junkies wie Küsse samt vorwitziger geführter Zunge. Dem mag ich mich gar nicht erst entziehen.

Zwei kostenlose Downloads des neuen Werks, die Songs Stranger Here und Cicadas finden sich hier.

Link:

Offizielle Webseite

SomeVapourTrails

Pre-Listening – Placebo – Battle For The Sun

Update 2: Unsere Review könnt ihr hier lesen.

Update: Hier gibt’s den Stream jetzt ohne Registrierung. Viel Spaß!

Die Spannung steigt, wie schon auf anderen Seiten berichtet  – war ich ja schon ganz aus dem Häuschen 😉 und bin es irgendwie immer noch. Geht ja auch um eine der besten Bands der Welt. Glaubt man Peters Frau, sogar der allerbesten. Da lechzte nicht nur ich danach, dass neue Werk endlich auf die Ohren zu bekommen. Daher werden diese News gleich weitergereicht: Ab Freitag, dem 29. Mai (9 Uhr) gibt’s Battle For The Sun im Pre-Listening exclusiv auf der Placebo Homepage. Eine kleine Mühe (die sich lohnen sollte) muss man allerdings auf sich nehmen. Gegen Email-Registrierung bekommt ihr einen Code zugesandt, mit dem ihr euch in den exclusiven Fanbereich einloggen könnt. Die Aktion endet am 31. Mai.

Brian Molko ist sich (zu Recht) seiner  Wichtigkeit und historischen Relevanz innerhalb der Popkultur bewusst und hat schnell mal einen neuen Genre-Begriff erfunden, um  das neue Album angemessen beschreiben zu können:

„…nicht Hardrock und nicht Pop, es ist möglicherweise Hardpop. Ich denke, es ist ein Album entstanden, das fast das Gegenstück zu ‚Meds’ ist.

Wir haben ein Album darüber gemacht, sich für das Leben zu entscheiden, dafür, wirklich zu leben, ein Album über das Heraustreten aus der Dunkelheit mitten hinein ins Licht. Es geht nicht zwingend darum, der Dunkelheit den Rücken zuzudrehen, denn sie ist da, sie ist essenziell, sie ist ein Teil dessen, was du bist. Es geht mehr darum, sich stattdessen bewusst für einen Platz im Sonnenlicht zu entscheiden.“

Nach dem zur Zeit alles, was nur annähernd so klingt, als ob des von der Insel kommt, gnadenlos als Britpop getagged wird – wurd’s aber auch mal Zeit für ein neues Etikett.

Gemixt wurde Battle For The Sun von Alan Moulder (My Bloody Valentine, Smashing Pumpkins, Nine Inch Nails). Die 3-monatige Aufnahmen fanden im  Botrills Studio in Toronto statt.

Der Promotext verspricht: „eine sprühende, lebendige, vitale und grenzüberschreitende Placebo-Platte. Vom scheuernden Rock eines „Kitty Litter“ bis zum epischen Titelsong, vom New Order-haften „Happy You’re Gone“ über das Stadion-taugliche „Speak In Tongues“ bis zu „Bright Lights“, dem hitzigesten Placebo-Song, der je aufgenommen wurde, ist dieses Album ebenso eingehüllt in Streicher und Bläsersätze, wie es gewaltig ist in seiner rockigen Dringlichkeit.“

Bei musikalischen Referenzen bin ich immer vorsichtig, Placebo klingen für mich immer ganz nach Placebo,  gehören ebenso  wie die Manic Street Preachers zu den Bands, die ihren ganz eigenen Sound entwickelt haben und sich nicht wirklich mit einer anderen Gruppe vergleichen lassen. Ab dem 29.5 wissen wir dann mehr…

Die erste Single-Auskopplung For What It’s Worth erscheint am 29.5.

Placebo – For What It’s Worth – Video

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Hier der Originalpost von der Placebo Homepage:

EXCLUSIVE! ‘Battle For The Sun’ Fan Playback

21.05.2009

Hi Everyone,

PLACEBOWORLD are pleased to announce details of an exclusive ‚Battle For The Sun‘ Fan playback.

The playback will be happening Friday 29th May at 9am (GMT)

If you haven’t already, sign up to PLACEBOWORLD.co.uk, and on Thursday next week you will be sent a special code that will allow you access to the ‚Battle For The Sun‘ playback site.

You will have to login with your email address and the code, then you will have access to listen to the entire album before anyone else and even before the album is released!

The playback will end Midnight on the 31st May.

Peace & Love

PLACEBO

Link: Placebo Homepage

DifferentStarsup