Schlagwort-Archive: Psychedelic Rock

Schlaglicht 72: Carpet

Entspannten, geradezu sonnigen psychedelischen Rock, der oftmals wie eine an satten Farbe reiche Fotografie aus den guten alten Siebzigern anmutet, hat die Band Carpet auf ihrem neuen Album Secret Box anzubieten. Solch herrlich originärer Sound mag einige Assoziationen bezüglich seines Ursprungs wecken. Zumindest mir käme dabei Augsburg nun wirklich nicht in den Sinn. An dem heimeligen, angespacten, mitunter fusionhaften Album baumelt zumindest nach meinem Begriff das Etikett Kalifornien. Müsste ich den Wesenszustand dieser Klänge mit einem knackigen Slogan beschreiben, dann wäre das Motto „Utopia meets Comfort Zone“ nicht so verkehrt. Nostalgie umweht das Werk, es wirkt wie in einer Zeit entstanden, als die Zukunft noch voller romantischer Verheißungen und Träume war. Ersonnen in einem inspirierten Moment der Muße.

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Nymphe unter Derwischen – Heron Oblivion

Manch Album verstört mindestens in dem Maße, in dem es betört. Der aus San Francisco stammenden Formation Heron Oblivion ist solch ein auf Widersprüchlichkeit basierendes Werk gelungen. Das Genre freilich ist rasch geklärt. Wir haben es mit psychedelischem Folk-Rock zu tun, dessen ganze Wirkkraft durch die weltverlorene Stimme der Sängerin Meg Baird noch weiter gesteigert wird. Ihr Vortrag erweist sich als reinster Dream-Folk, von mythischen Anklängen geprägt. Um diese Geschichten von Sehnsucht und ewiger Vergänglichkeit wuchern verzerrte, oft dramatisch jaulende Gitarren. Das selbstbetitelte Debütalbum entwickelt eine fragile Ästhetik, die Mal für Mal von eben jenen Gitarren erschüttert wird. Wer mit dieser Prämisse etwas anzufangen weiß, wird die Platte lieben.

Schon Beneath Fields geizt nicht mit Atmosphäre. Wie von einem fernen Gestern her erschallt ein nymphischer Gesang, anfangs überwiegend von Ethan Millers Bass und Meg Bairds getragenem Schlagzeugspiel geleitet, ehe im Verlauf Noel Von Harmonson and Charlie Saufley mit mächtigen, verzerrten Gitarrensequenzen die Szenerie dominieren. Nymphe unter Derwischen – Heron Oblivion weiterlesen

Ein später Fang – Josefin Öhrn + The Liberation

Als eingefleischter Musikblogger ist man mit Fluch und Segen gleichermaßen konfrontiert, dem absoluten Überfluss nämlich. Eine Sturzflut der Neuerscheinungen ergießt sich Woche für Woche über mich. Im besten Fall erhascht man nur die fetteren Fische, selbst wenn man Netze spannt. Im Spätherbst letzten Jahres ist mir leider ein erstaunliches Album durch die Lappen gegangen. Das hätte allerdings nicht passieren müssen. Der werte Bloggerkollege Nico hatte auf Nicorola zu der Platte gleich mehrere Posts gemacht, Kollege Peter von Coast Is Clear hatte das Album sogar in seine Top 10 des Jahres 2015 aufgenommen, und natürlich hat auch die geschätzte Eva-Maria die Formation jüngst auf ihrem Polarblog vorgestellt. Endgültig darauf gestoßen bin ich jedoch erst zufällig via Spotify. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, weil ich eigentlich die These vertrete, dass irgendwelche Algorithmen in Form dahergelaufener Playlists den Instinkt und die Übersicht eines guten Musikblogs nie und nimmer ersetzen können. Die Geschichte unterstreicht freilich, warum Spotify und Co. so beliebt sind. Weil man auf niederschwellige Art und Weise neue Töne kennenlernt, sich nicht erst auf einen Blog begeben und mit Text auseinandersetzen muss. Auf Streaming-Portalen lässt sich en passant entdecken, Blogs fordern mehr Aufmerksamkeit, geben Deutungen vor. Die Band, die mir nach mehreren Anläufen nun endlich ins Netz gegangen ist, nennt sich übrigens Josefin Öhrn + The Liberation. Das Album, welches ich mit Nachdruck empfehlen möchte, trägt den seltsamen Titel Horse Dance – und beinhaltet eine geheimnisumrankte Mischung aus Electro-Pop, Krautrock und psychedelischen Klängen.

Horse Dance offenbart sich als Wundertüte, der Opener Dunes etwa gerät zum Inbegriff für verführerische, hypnotische Rhythmen, die vom Säuseln Öhrns kontrastiert werden. Wie die flirrende Electronica in magischen Krautrock übergeht, stellen einen der stärksten Momente des Werks dar. Ein später Fang – Josefin Öhrn + The Liberation weiterlesen

Wenn die Metzger keine armen Würstchen sind – xrFARFLIGHT

Wäre es doch so einfach, wie der schnelle Gang in den Supermarkt, wo man dem drohenden Heißhunger mittels einer Bockwurst von der Wursttheke Abhilfe schaffen kann. Wurstfachverkäuferinnen müssen unendlich beschäftigt sein, denn oftmals sieht die Wurst ein wenig vertrocknet aus. Gerade so, als hätte die Vielbeschäftigte keine Zeit zur Hege und Pflege der ihr anvertrauten Genüsse gehabt. Vielleicht chamäleonisieren sich die versammelten Würste auch nur mit dem Aussehen ihrer Aufpasserinnen, eine Solidarisierung nahe am Stockholm-Syndrom. Ab und an erspähe ich auch eine junge, pausbäckige Blondine hinter der gläsernen Vitrine, immer dann mutet auch jedwedes Würstchen schön und zart an. Doch ich schweife ab. Wäre es doch so einfach, das Bedürfnis nach guter Musik dadurch zu stillen, dass man dem Händler des Vertrauens ein 100 Gramm sonniger Emotionen entgegen schlendert. Selbige auch flugs erhält, unvergammelt, schlichtweg frisch. Während mein Gaumen lukullischen Experimenten gänzlich unaufgeschlossen gegegenüber steht, verbeiße ich mich beim Konsum von Musik in nahezu alles, leider mitunter sogar Unverdauliches. Leckere Wurst ist leichter zu erstehen, die Sinne kitzelnde Klänge viel schwerer. So wie man bei manch Diskontern abgepackte, geschmacklich im 08/15-Bereich angesiedelte Ware erhält, derart sollte man auch musikalischer Massenware abschwören. Die Hamburger xrFARFLIGHT freilich schlachten noch selbst, das hört man und schmeckt man. Das Album under the spell of the cyclops‘ view! ist ein echtes Pfund, welches man sich auf der Zunge zergehen lassen darf.

 

xrFARFLIGHT metzgern nicht etwa nur Hausmannskost, einige der servierten Lieder haben durchaus eine spezielle Note, den nötigen Pfiff. Das klingt mal fein geräuchert nach den goldenen Sixties, in eine psychedelische Pelle gepackt oder aber schlicht abgespeckt, mit Klampfe und Gesang im Vordergrund. Diese Fleischer sind wahrlich keine armen Würstchen, sie haben ihre Messer ordentlich gewetzt. Vorliegende Schlachtplatte bietet mit spacecramp eine fette Portion Rock für den deftigen Genuss ohne Reue. Ebenso lecker, die dampfende (Herz-)Blutwurst sun/moon sowie satellite, ein abwechslungsreich schräger, ungesülzter Synthie-Traum in Aspik. Oder das jazzige Appetithäppchen bluebottle, welches das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Keine Gaumenfreude ähnelt der anderen, da wird kräftig experimentiert, das Gewürzregal geplündert. Natürlich überlagern sich ab und an die Ingredienzien, riecht man den Braten zu intensiv. Bei manchem (zum Beispiel ditchwater) könnte man durchaus mehr Pfeffer beimengen, anderes (producing dust) erinnert an eine Currywurst, wie man sie kennt und vielleicht schon einmal zu oft verspeist hat. Aber solange Lieder wie drip („in this barcode is all that i am/ it just makes sense if someone takes you for a scan/ i’m formed by the tin i’m in & wasting time„) aus der Dose ausbüxen und den Gourmet erfreuen, solange will man um keinen Preis zum Vegetarier mutieren. Und auch wenn man a fat, ill-tempered baby durchaus auf die Schlachtbank führen möchte, so füttert gegen Ende des Mahl walkin‘ the snowman die Erinnerung daran, wie lecker die Wurst doch einst war, als Muttern noch täglich beim Fleischer vorstellig wurde, der Geschmacksverstärker nicht einmal vom Hörensagen kannte. Dies Album bringt allerlei nostalgische Aromaschwaden in die Nasenlöcher, schmeckt natürlich, aber eben auch nach spezieller Würze.

xrFARFLIGHT haben mit under the spell of the cyclops‘ view! ein Platte kredenzt, die Gusto macht und nicht nach wenigen Bissen zur Seite geschoben wird. Sie ist Frischfleisch für diejenigen Gehörgänge, die sich einfach nicht an Fast-Food-Fraß gewöhnen wollen. Die Scheibe liefert einige gute Gründe, warum man industriell gefertigter Dutzendware entsagen sollte. Ein Kilo wonnige, sonnenfädenreiche Emotionen kann derart leicht verdaulich tönen, da sollte ein jeder auf den guten Geschmack kommen.

under the spell of the cyclops‘ view! wurde am 04.03.11 geschlachtet.

Verköstigungstermine:

05.03.11 Kassel – Haus
06.03.11 Göttingen – Pools
08.03.11 Magdeburg – Riff
09.03.11 Leipzig – DetektorFM Radioconcert
10.03.11 Chur (CH) – Werkstatt
11.03.11 Künten (CH) – Atelier
14.03.11 Zürich (CH) – Boschbar
16.03.11 Trier – Café Lübke Sounds
17.03.11 Düsseldorf – Brause
18.03.11 Aachen – Raststätte
19.03.11 Freudenberg – Festival
20.03.11 Hamburg – Astra-Stube
21.04.11 Hamburg – Silber
06.05.11 Oldenburg – Polyester
07.05.11 Bremen – Kurzschluss
01.06.11 Darmstadt – Frischzelle
04.06.11 Erfurt – Franz Mehlhose

Links:

Offizielle Homepage

Kostenloser Download der EP producing dust auf Bandcamp

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SomeVapourTrails

When You’re Strange – The Doors

Braucht es noch einen Film über The Doors? Ob Biopic oder Doku, man kennt Jim Morrison und Konsorten inzwischen hinreichend, so zumindest die vorherrschende Meinung. Und wenngleich am ikonischen Status der Band längst kein Zweifel besteht, höchstens die beiläufig eingestreute  Frage nach wie vor kursiert, ob sich der Kult nicht hauptsächlich auf die Exaltiertheit des Frontmannes stützt, wird der am 1. Juli in deutschen Kinos startende, von Tom DiCillo gestaltete Dokumentarfilm When You’re Strange (A Film About The Doors) mit Johnny Depp als Erzähler aufgemotzt. Natürlich wurde auch unveröffentlichtes Filmmaterial ausgegraben, welches einen neuen Blickwinkel auf die Band erlaubt. Kein Portrait darf heutzutage ohne jene Prämisse an den Start gehen. Nicht wieder und wieder gekaute Archivaufnahmen garantieren den Erfolg, es braucht stets neue Erkenntnisse und Bilder.

Meine Skepsis bezüglich dieser Doku vermag sich als berechtigt erweisen – oder einer Faszination weichen. Das wird ein Kinobesuch entscheiden. Zu dem vorliegenden Soundtrack hingegen möchte ich gerne einige Wort verlieren. Es besteht ja wahrlich kein Mangel an den Studioalben (selbstredend remastered), diversen Best-Of-Zusammenstellungen und vielen herausragenden Konzertmitschnitten. Unter diesem Aspekt durfte man durchaus gespannt sein, wie die Produzenten des Soundtracks das Dilemma lösen, dem geneigten Konsumenten eine weitere CD unterzujubeln ohne unveröffentlichte Songs im Köcher zu haben. Denn wenn dem so gewesen wäre, hätte man diese Jubelmeldung bereits vor Monaten in allen Gazetten vernommen.

Der Soundtrack hingegen geht auf Nummer sicher. Die exotischen, nicht in aller Ohren beheimateten Titel fehlen, dazu wurden nur wenige Live-Tracks eingepflegt, die eher durch den Kontext glänzen, in welchem sie entstanden, als durch eine besonders gedenkwürdige Performance der Formation. Wer ekstatische Aufnahmen von Light My Fire über die Länge von 11 Minuten oder mehr kennt, wird dem dreiminütigen Auftritt von 1967 in der The Ed Sullivan Show höchstens mit dem Wissen um damalige Zensurversuche Beachtung schenken. Und da man auch nur wenige Interview-Schnipsel von Jim Morrison, Ray Manzarek, John Densmore und Robby Krieger auf dieser Begleit-CD untergebracht hat, steht und fällt vorliegender Silberling tatsächlich mit Johnny Depp. Sein Vortrag von Lyrikfetzen aus der Feder Morrisons schafft die tragende Atmosphäre, welche in der Tat von Andacht und Stilsicherheit geprägt scheint. Depp beseelt die Zusammenstellung,  wahrt die Seriosität und macht When You’re Strange trotz der Kürze seines Vortrags zu einem Hörbuch, das die Ausstrahlung von The Doors ganz gut vermittelt.

Was bitte soll an einer Compilation zu bekritteln sein, welche Moonlight Drive, The End, Riders On The Storm, Roadhouse Blues oder zum Beispiel When The Music’s Over feilbietet? Außer dem Umstand freilich, dass es sich um eine nicht sonderlich originelle oder ausgiebige Werksschau handelt. Welche Zielgruppe sollte sich den Soundtrack ins Regal stellen? Wahre Liebhaber – und zu jenen zähle ich mich – besitzen bereits mehr Platten als Finger an den Händen, diejenigen Zeitgenossen, denen immer eine Best-Of Genüge tut, werden eine solche ebenfalls lange schon ihr Eigen nennen. Und ob eben jene Doku eine große Schar neuer Enthusiasten auf den Plan ruft, das bezweifle ich ein wenig. Vermutlich würde eine auf 2 CDs aufgespreizte, mit mehr Live-Material aufgemöbelte Variante besser funktionieren. So hingegen muss ein feiner Johnny Depp den Kaufanreiz alleine schultern.

Ohne mit der Wimper zu zucken erachte ich die Formation für die wichtigste Band der Musikgeschichte. Ich ziehe einen Track von The Doors dem gesamten Katalog der Rolling Stones oder der Beatles vor und würde jedem Widerspruch mit Übereifer begegnen. Mich also kann kein Film oder Soundtrack tief im Mark erschüttern. Ich bin es lange schon. Dass vorliegende CD zu When You’re Strange anderen Hörern einen ähnlichen Effekt beschert, wünsche ich mir trotz manchen Zweifels sehr.

Link:

Offizielle Webseite zu When You’re Strange

Homepage von The Doors

SomeVapourTrails

Kakophonischer Futtertrog – Nice Nice

Wenn ein blubberndes Wummern aus psychedelischem Morast zombiehaft die Oberfläche durchboxt, Haudrauf-Rhythmen schaumgekränzte Electronica bestampfen, World Music in einem Anflug rektaler Ironie in die Mixtur eingeführt wird, dann wuselt Acid auf der Suche nach dem Rock. Jason Buehler und Mark Shirazi aus dem nicht eben als musikalischer Nabel der Welt verschrieenen Portland, Oregon nennen sich Nice Nice und haben mit über 10 Jahren Anlauf den Sprung zum vor Renommee strotzenden Label Warp Records geschafft. Das nun vorliegende Album Extra Wow schlägt mehr Haken als jedes Karnickel, hoppelt dabei nur selten vom rechten Weg ab.

Vordergründig schmelztiegelt die Scheibe, wirft alles Verwurstbare in einen Topf und kocht die Chose richtig hoch. Das kakophonische Resultat tingelt irgendwo zwischen hyperlärmigem Rock und piepsigen Electro-Kringeln, nahezu immer mit einer Idee zuviel im Gepäck. So schippert die Platte die Grenze zwischen Hörvergnügen und Ungenießbarkeit auf und ab,  um letztlich den Konsumenten doch an den Futtertrog zu locken.

Das Experiment ist die Mutter der Courage, die zwingende Umsetzung des Vabanquespiels der Vater des Erfolgs. Unter diesem Aspekt können Nice Nice keinen völligen Triumphzug starten, aber jede Menge Eindruck schinden. A Little Love packt die Ethno-Keule aus, flutscht in ein Beat-Mantra, um dann irgendwann in einen genölten 80er-Referenz-Gewimmer-Refrain zu verfallen, dabei noch schnell ein paar Scratches aus den Turntables zu pressen, ehe der Beat gemächlich ins Fade Out schlendert. Bei Big Bounce wird dem Hörer im Pyjama-Party-Proll-Takt-Ambiente ein protziges Humptata, begleitet von sphärisch entfleuchter Stimme,  vor den Latz geknallt. So kindisch und schräg, dass man es sogar ernst nehmen kann und sich im Geiste in die Wohlfühl-Polonaise einreiht. Die flirrenden Percussion-Loops machen See Waves zu einem nervenaufreibenden Track mit nachgerade hypnotischer Sogwirkung, hyperaktiven Zeitgenossen als besonderes Stück Hektik in die innere Unruhe empfohlen. Mit Make It Gold wird dem Psychedelic Rock die beste Aufwartung gemacht, da rieseln halluzinogene Stoffe nur so von den Gitarrensaiten. Auch One Hit wirkt drogenverqualmt, wie die komplette Platte zerfahren und von Gesang untermalt, der aus dem Studio nebenan zu hallen scheint. On And On zelebriert die Art hymnische Ekstase, die große, mit der Peitsche geschwungene Geste und deutet die Qualität der beiden Herren an, auch live eine schweißtreibende Verzückung zu verbreiten, während der verpixelte Sound von Double Head in ein Riverdance für schwererziehbare Disco-Dancer mündet.

Und doch sind auch zwei Stücke vorhanden, die jeglicher Beschreibung spotten, dem Album das Prädikat eines unausgegorenen Meisterwerks verleihen. Der Esoterik-Stuss New Cascade fällt in diese Kategorie, auch das abschließende It’s Here als psychedelische Lärmschleife funktioniert nicht wirklich. Insgesamt dürfen Nice Nice jedoch mit ihrem Einstand bei Warp sehr zufrieden sein. Extra Wow steht für einen kakophonischen Futtertrog, dessen Inhalt von Wildsäuen zubereitet wurde, aber von Gourmets verzehrt werden kann.

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Lang lebe der MP3-Download – The Brian Jonestown Massacre

Eine Handvoll Songs, die mehr als nur ordentlich tönen, kann mitunter jedoch nicht aufwiegen, was die restlichen Stücke eines Albums an Bockmist bergen. So – und nur dergestalt – muss das Fazit zu dem neuen Werk Who Killed Sgt. Pepper? von The Brian Jonestown Massacre lauten. Dabei möchte man Mastermind Anton Newcombe keinesfalls ein komplettes Desaster ans Revers heften, wenn jedoch die Tiefpunkte des Albums fast genauso penetrant in Erinnerung bleiben, wie es die gelungensten Tracks der Scheibe tun, dann wirkt das Ergebnis letztlich schnöde. Dabei beginnt die Chose so verheißungsvoll.

Tempo 116.7 (Reaching For Dangerous Levels Of Sobriety) entwickelt verschroben psychedelische Klänge, unterlegt von kräftigen Beats. Das pulsiert voll Klasse und Stil. Und Þungur Hnífur ist eine traditionell rockende Nummer mit dominanten Gitarren und Drums, so zeitlos wie druckvoll. Spätestens die Derbheit von Lets Go Fucking Mental und seinem mantrahaften Refrain lässt auf großes Kino schließen. Eine Song wie aus dem Bilderbuch, schräg, eingängig, ein vierminütiger Trip, hochgradig gelungen. Der Frontalangriff auf mein Gehörkostüm gelingt bis This Is the One Thing We Did Not Want To Have Happen, welches nochmals all die erwähnten Tugenden einer starken ersten Hälfte der Platte wunderbar auf sich vereinigt. Irgendwann jedoch nutzen sich die Beats ab, bleibt das Feuerwerk ungezündet, tönt alles zu berechnend und blutleer, haben Inspirationen zugunsten von Irrsinn die Segel gestrichen. Someplace Else Unknown kann noch ansatzweise überzeugen, ehe mit Detka! Detka! Detka! einer der übelsten Tracks des Jahres erklingt. Sprechgesang mit Ethno-Flair im Korsett eines eiernden Rhythmus, eine echte Beleidigung für die Ohren. Auch das Retro-Geknartsche von Super Fucked klingt gleichsam abgekupfert wie ausgelutscht. Irgendwann sind die Referenzen an die 80er-Jahre nur noch nervtötend, ohne eigene Seele und banal.

Selten habe ich so einen eklatanten Abfall im Laufe eines Albums erlebt, wie man dies auf Who Killed Sgt. Pepper? verfolgen darf. Was anfangs in jeder Phase trancehaft fassbar, roh wie abwechslungsreich, oftmals auch fremdartig anmutet, also genau das bietet, was man von einem Anton Newcombe erwarten darf, ertrinkt im zweiten Teil im Pathos der Referenzen und Reminiszenzen oder watet in aufgedunsenen Mätzchen. Lang lebe der MP3-Download, denn knapp die Hälfte der Tracks sind jeden, absolut jeden Cent wert. Über den Rest hingegen breite man den Mantel des Schweigens.

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Tolles Lego-Video zu Lets Go Fucking Mental

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