Frauenpower voll trockenem Humor – Half Girl

Eine angeblich unheimliche All-Girl-Super-Group, die sich als Rasselbande geriert, kann entweder verdammt keck oder unglaublich langweilig klingen. Auch Sixties-Garage und Singalong-Punkrock made in Berlin besitzen sowohl Potential für vergessenswerten Lärm als auch für eine kleine, feine Lo-Fi-Rebellion. Im konkreten Fall lohnt es sich freilich, die Ohren aufmerksam zu spitzen. Denn als Referenzen können die Mitglieder des Quartetts Half Girl unter anderem die Mitgliedschaft bei Formationen wie Britta, Die Heiterkeit oder Luise Pop vorweisen. Grund genug also, dem Album All Tomorrow’s Monsters sogar mit einer gewissen Erwartungshaltung zu begegnen. Bei beinahe allen Nummern der Platte wird diese mehr als nur erfüllt! Das Augenzwinkern der Texte und der oft parodistische Vortrag zählen zu den Stärken der Platte. Das Lied Narzissten mit Zeilen wie „Narzissten lieben mich. Soll das so sein? Ich glaube nicht. Ich glaub‘ an nichts.“ offenbart einen Humor, dessen Wurzeln man unschwer zur Hamburger Schule und zur NDW zurückverfolgen kann. Half Girl sind von der Attitüde her eher mit der Generation der Lassie Singers zu vergleichen als mit auf Krawall gebürsteten Hipster-Girl-Groups gegenwärtiger Prägung. Solch vermeintlich altmodischer Ansatz tritt auch bei fast naiven, herrlich harmlosen Melodien hervor, die von den vier Frauen jedoch gern genüsslich persifliert werden. Auf derart liebenswerte Weise jedoch, dass als Resultat eine launige Single wie Girl In A Band als Power-Pop zum Niederknien begeistert!

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Alles neu, alles aufregend – Fir Cone Children

Bereits mehrfach habe ich den pfiffigen Noise-Pop von Fir Cone Children an dieser Stelle über den grünen Klee gelobt. Das Ein-Mann-Projekt von Alexander Leonard Donat hat als Zielgruppe Babys und Kleinstknirpse auserkoren. Diese sollen zu den flotten Tönen herumwirbeln, durch die Gegend hampeln oder zumindest vergnügt aus dem Kinderbett grinsen. Die Musik von Fir Cone Children darf als Gegenentwurf zu handelsüblichen biederen, einlullenden Kinderliedern verstanden werden. War der Titel der letztjährigen Platte Everything Is Easy noch in jeder Hinsicht wörtlich zu nehmen, gibt sich das soeben erschienene Album Firconium vom Namen her kryptischer. Und doch hat sich an der Formel gar nichts geändert. Noch immer wird die Welt durch Kinderaugen erkundet, dieses Mal stehen die ersten Erfahrung eines Babys – und somit manch kleine Dramen und ganz viel großes Staunen – im Mittelpunkt. Alles ist neu, alles scheint aufregend!

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Musik, zu der sich wunderbar Bier verschütten lässt – Afterpartees

Pete(r) Doherty ist halt auch keine 20 mehr. Und darum war es nur eine Frage der Zeit, bis die Rotzlöffel, die sein Tun bei The Libertines oder Babyshambles als wildgewordene Teenager zum Mißfallen der gestrengen Eltern im Kinderzimmer lautstark nachgestellt haben, nun selbst im besten Alter sind, um die Sau richtig herauszulassen. Die Musik der niederländischen Formation Afterpartees schrammelt und rumpelt angenehm dahin. Zugegeben gesanglich kann man mit dem flegelhaften Charme von Herrn Doherty nicht mithalten. Und ja, punkiger und mit Hang zum College-Rock-Fun ist dieser Power-Pop sicher angelegt, aber die Intention des Debüts Glitter Lizard lässt am Vorbild wenig Zweifel. Diese Hauruck-Klänge versprühen eine Launigkeit und Ausgelassenheit, vor allem strahlen sie manchmal eine sympathische Unberechenbarkeit aus.

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Photo Credit: Nick Helderman

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