Rappin‘ Bout a Revolution – Gedanken zum Aufstand in Ägypten

Dieser Tage wird Facebook, Twitter und Konsorten eine geradezu mystische Kraft zugeschrieben. Der ägyptische Aufstand scheint von der Generation Facebook getragen. Mit leuchtenden Augen berichten westliche Medien darüber, denn wer sich über Social Communities organisiert, der atmet den Geist der subversiven Einflüsse. Das Verharren in einem Steinzeitislamismus wirkt soviel mühseliger, wenn die Errungenschaften moderner Zivilisation nur ein Lol entfernt sind. Eben deshalb schwärmt die Presse von dieser Revolution. Eine Jugend, die ihr Geschnatter über Facebook kanalisiert, gerät nach dem Geschmack der hiesigen Medien. Dem ungezügelten Freiheitsdrang wird applaudiert. Jeder ägyptische Blogger mit eingewachsenem Zehennagel wird als Folteropfer des greisen Regimes präsentiert. All die Politiker und Journalisten, die Mubarak noch vor Wochen als Stabilitätsgaranten respektierten, feiern nun das Gespenst der Freiheit, das derzeit am Tahrir-Platz herumgeistert.

Wie schnell die Wahrnehmung doch kippt. Die Bilder des letztjährigen Ägypten-Urlaubs werden zum Solidaritätstrip umgedeutet, jeder gutmenschelnde Reisende will plötzlich mit seinen Devisen der Bevölkerung einen Dienst erwiesen haben. Im Gepäck auch ein Menschenrechte anmahnendes Transparent, welches es leider nicht bis auf die Pyramiden geschafft hat. Wir alle dürsten mittlerweile danach, Teil der ägyptischen Jugendbewegung zu sein. Richten unseren Blick auf Fernsehbilder eines Platzes, deren Aussagekraft darin besteht, dass sie nichts außer schierer Masse zeigen. Solch ein diffuser Menschauflauf lässt sich wunderbar mit Deutungen füllen. Und die Generation Facebook erwächst so zum Pars pro toto, auf das wir unsere Ängste und Hoffnungen projizieren.

Kann folglich ein Rap-Song US-arabischer Musiker den ägyptischen Aufstand mitbefördern? Das Internet penetrieren, dank Twitter, Facebook und YouTube die Massen innerhalb und außerhalb Ägyptens erreichen? Der von Amir Sulaiman, Omar Offendum, The Narcicyst, Freeway, Ayah und Sami Matar dargebotene Song #Jan25 will den Soundtrack zum Aufstand liefern. Mit Zeilen wie „I heard them say The Revolution won’t be televised/ Al Jazeera proved them wrong, Twitter has them paralyzed.“ wir die Macht der Bilder und des Internets beschworen. Der Ruf nach Freiheit erschallt. Ein Ruf, dem in der westlichen Welt de facto jedermann zustimmen kann. Eine Forderung, der sich nur Menschen mit despotischen Ambitionen verschließen werden. Doch wie alles, was breite Schichten bewegt und aufregt, scheint das klar formulierte Ziel an den Tücken der Details zu scheitern. Sowohl im Westen als auch in der arabischen Welt wird der Wandel hin zur Demokratie akklamiert, die sofortige Abdankung Mubaraks gefordert. Doch so einfach wie die Losungen präsentieren sich die Lösungen nie.

Ich würde mich gern der Vorstellung hingeben, dass eine Jugend auf der Höhe der Zeit den Sieg davonträgt. Ich möchte glauben, dass Musik einen Beitrag dazu leisten vermag, dass legitime Sehnsüchte prägnant auf den Punkt gebracht werden. Ich halte #Jan25 die Daumen. Ich will den vielen Spielarten der Kunst keinesfalls unpolitische Haltungen vorwerfen. Doch trägt ihr oftmals akademischer Zugang nur selten zu einer kollektiven Bewusstseinsschärfung bei. Im musikalischen Bereich wird gerne vom Grauen des Krieges und von Revolutionen geträllert, Freiheit und Frieden gefordert. Doch geschieht dies meist völlig naiv und weichgespült. Oder aber die Message ist dermaßen brachial formuliert, weshalb sie ohnehin nur von einer militanten Zielgruppe gehört und geschätzt wird.

Lassen wir uns nicht von Facebook oder Rap-Songs als Fantasmen des Westens blenden. Wer Demokratie nie am eigenen Leib erlebt hat, mag nicht viel mehr als ein pures Verlangen in die Waagschale werfen. Und so wird das Schicksal Ägyptens wohl nicht auf dem Tahrir-Platz entschieden, wie uns vielleicht die Fernsehbilder glauben machen. Es wird von der Bereitschaft westlicher Regierungen abhängen. Wenn sie weiter nur Lippenbekenntnisse aufbieten, gleich Otto Normalbürger einfach nur die Daumen drücken, solange wird Ägypten mit Märtyrern gesegnet werden. Das Know-how der Etablierung rechtsstaatlicher Strukturen muss aktiv verbreitet und die herrschende Klasse ohne Zögern geächtet werden. Wer dem greisen Regime nur mit mahnendem Zeigefinger winkt, hilft nicht wirklich. So bleiben Demokratie und Freiheit lediglich nette Worte auf Transparenten und Facebook, in Zeitungen, Tweets oder beispielsweise Rap-Songs.

Links:

Produzent Sami Matar auf Facebook

SomeVapourTrails

Punk ist auch keine Lösung – Ein Essay über Musik und Gesellschaftskritik

Wohl bereits zu Zeiten des Urmenschen begann bei jeder neuen Höhlenmalerei eine rege in Grunzlauten geführte Diskussion untereinander, ob dies nun Kunst oder kitschvolles Geschmiere sei. Und dieser unversöhnlicher Gegensatz zwischen Unterhaltung und Niveau wurde bis in unsere Tage transportiert – wird nach wie vor im Brustton der Überzeugung grunzend mit Fallbeil anstelle einer feinen Klinge ausgekämpft. Aber spazieren wir einen kurzen Gedankengang lang der Vorstellung nach, dass jedweder Ausdruck in Wort, Bild und Ton ebenso Amüsement bescheren wie Sinne und Hirn anregend stimulieren darf. Wenn also Kunst einen höheren Anspruch an Betrachter, Leser und Hörer stellt, dann kann sie dies nur mit einem Mehrwert begründen. Zum Beispiel durch gesteigerte Komplexität, doppelbödige Chiffren, die eine näheren Untersuchung bedürfen, oder aber durch bis ins Detail ausformulierte Ästhetik. Ein weiteres Kennzeichen wäre auch eine Botschaft, die gesellschaftliche Relevanz generiert.

Nach der etwas trockenen Einführung will ich ohne Umschweife auf den Punkt kommen. Während der moderne Theaterbetrieb den künstlerischen Anspruch allzu gerne mit gesellschaftspolitischen Statements begründet, die Arthouse-Nische dies ebenso konsequent praktiziert, Schreiberlinge davor nie zurückschrecken, suche ich diese Haltung in der Musik meist vergebens. Wo nur sind die Komponisten und Texter, die raffinierte Melodien mit Inhalten versehen, die den Stachel ins Mark sozialer Lebenswirklichkeiten setzen? Sollte Musik wirklich nur auf der biedermeiernen Ebene tiefgründiger Erkundung des eigenen Gefühlskosmos funktionieren? Warum wirkt gegenwärtige Musik über weite Strecken so verdammt unpolitisch? War das nicht noch vor 20 Jahren besser?

Erinnern wir uns doch nur an Rap oder Hip-Hop, an eine Zeit von Public Enemy also, ehe Gangsta-Rap als prollig vorgeführte Attitüde den Mainstream erreichte und ein ganzes Genre mit fragwürdigen Klischees ausfüllte. Da war Anspruch sehr wohl an eine Haltung geknüpft. In hiesigen Breiten haben ein Sido oder Bushido mit dem Bekenntnis zu den Schattenseiten des Prekariats eine sozialromantische Vorstellung gepflanzt, dass der Weg aus der Gosse immer über Egomanie und Rücksichtslosigkeit funktioniert. Klare Feindbilder und der goldkettchenhaft zur Schau getragene Wille gar nicht erst zimperlich zu sein, die Verklärung des Aufstiegs um jeden Preis, prägen die fragwürdige Botschaft. Wo sind die Anliegen geblieben, welche nicht den Weg über Leichen sondern eine Solidarität predigen? Und warum kann von mir als minderwertig empfundene Musik so viel effizienter und eloquenter eine Wertehaltung und Anschauung vermitteln?

Setzen wir keinesfalls ein Statement mit künstlerischem Gehalt gleich. Sonst müssten wir die ungezählten Lieder mit dem Slogan Nazis raus als hohe Kunst postulieren. Doch Anhängern eines unmenschlichen Weltbildes mit puren Beschimpfungen zu begegnen, wie es zum Beispiel Nosliw tut, stellt einen auf die selbe Stufe dumpf artikulierter Intoleranz und behindert jede ernsthafte Auseinandersetzung. Nazis sind eben keine verfickten Wixer, vielmehr Gegner der Demokratie, denen man auf demokratische Weise begegnen muss. Verbindet etwa Samy Deluxe dank seinen Raps Anspruch mit Attitüde? Oder vergeht er sich nicht vielmehr in Vereinfachungen, wenn er die deutsche Befindlichkeit mit all ihren Problemen an den Nachwirkungen des Nationalsozialismus festmacht und den Schlussstrich unter die Vergangenheit fordert? Kann und darf das die gesellschaftspolitische Botschaft sein, die es braucht?

Freilich versagen auch andere, zum Beispiel die linke Liedermacherszene. Was bietet sie uns heute? Welche Texte entflammen einen Denkprozess, tragen zu einem Umdenken bei, stoßen gesellschaftliche Veränderungen an oder begleiten selbige? Es war schon in der Vergangenheit nicht einfach damit erledigt, die so lange instrumentalisierte Internationale zu intonieren – wie es etwa Hannes Wader tat. Wenn sich Kunst nur durch den althergebrachten Jargon einer Ideologie ausdrückt, fehlt die Glaubwürdigkeit und lacht das Phrasenschwein. Trotz aller Widersprüchlichkeiten, einen neuen Wolf Biermann sucht man derzeit vergebens.

Punk ist auch keine Lösung. War sie es denn jemals? Sich gegen Konformismus zu stemmen, strahlt unzweifelhaft einen gewissen Reiz aus. Die Rebellion gegen die Gesellschaft gerät indes zur Farce, wenn es an Konzepten und Visionen mangelt, die nicht nur den Gegenentwurf der Randgruppe mit Freiheit erfüllen. Hatte Punk irgendwann mehr im Köcher als das Postulat der Unangepasstheit? Überzeugt heute eine Botschaft, die irgendwann noch revolutionär als Weckruf agierte, um dann im Sumpf der eigenen Eindimensionalität zu versinken? Treten Die Ärzte mit ihrer humoresken Komponente nicht den schlagende Beweis an, dass Punk nur mit Augenzwinkern – aber ohne Inhaltsschwere – noch zu überleben vermag?

Punk ist auf eine vergessenswerte Attitüde zusammengeschrumpft...

Man konterkariere meine These bezüglich mangelnder musikalischer Botschaften bitte nicht mit irgendwelchen Friedensliedern, die während des Irak-Kriegs weltweit wie Primeln aus dem Boden sprossen. Gegen einen Krieg zu sein, dafür bedarf es keiner großen Worte. Die Lehren der Vergangenheit sind Grund genug. Wie man jedoch die Realitäten dahingehend verschiebt, dass er nicht zum zwingend notwendigen Übel wird, das wäre die eigentlich wertvolle Message, die es künstlerisch aufzubereiten gilt.

Wo also verstecken sich im neuen Jahrtausend sozialkritische Meisterwerke wie Animals von Pink Floyd? Wer verfrachtet Traditionen des britischen Folks mit seinem Fundus an Arbeiter- und Protestliedern in unsere Zeit? Es darf nicht länger Bob Dylan als Prototyp des inhaltsreichen Botschafter den Kopf hinhalten müssen. Warum fehlt es den von wirtschaftlichen Ängsten geprägten Zeiten an Sprachrohren? Wo sind die Künstler, welche den Terrorismus nicht als nebulöse Panik belassen? Und in Hinsicht auf die erbrachten Beispiele regt sich die Frage, wer in der deutschsprachigen Musikszene Haltungen präsentiert, die bei näherer Betrachtung nicht gleich wie ein Kartenhaus zusammenfallen.

Ich will zum Ausgangspunkt der Überlegung zurückschwenken. Wenn sich Kunst nicht nur, aber eben auch über den formvollendeten Ausdruck von Weltanschauungen und Überzeugungen definiert und damit eine Relevanz für die Gemeinschaft an den Tag legt, dann darf man auch darauf pochen, dass Musiker dieser Verpflichtung nachkommen. An Themen mangelt es nie und nimmer. Die Ausbeutung des Menschen erreicht eine neue Qualität deklamierten Tocotronic einst, ehe sie in Kapitulation verharrten. Doch solch ein Hochverrat führt zu L’art pour l’art. Und Weltflucht scheint mir auf Dauer und in der heutigen Fülle dann doch zu wenig.

SomeVapourTrails

Unterhaltung ohne Selbstverleugnung – Dizzee Rascal

Will ich einen Rap hören, bei dem wir weder Gehirnwindungen bluten noch nachhaltige Geschmacksschäden erwachsen, dann bleibt Dizzee Rascal eine sichere Bank für mich. Obwohl es in seinen Texten durchaus Anklänge an die gängigen Genre-Stereotypen gibt, sich jegliche Street Credibility schlicht und ergreifend stets ein wenig über Sex und Gewalt definiert, bleibt trotz der üblichen Prahlerei und anderen Mätzchen einfach mehr hängen, existiert eine Essenz in Vortrag, Lyrics und vor allem Musik. Wenngleich nahezu nichts auf seinem neuen Werk Tongue N‘ Cheek an den grimmigen Grime-Sound des Debüts erinnert und auch keine Beklemmung im Stile der Single Sirens auszumachen ist, so enttäuscht es dennoch nicht.

Dizzee Bild 02 2009 - CMS Source

Seit der Ernennung zum Wunderkind britischen Sprechgesangs im Jahre 2003, etablierte sich Dizzee Rascal als zuverlässige Konstante. Daran ändert auch die jüngst vollzogene Hinwendung zu mainstreamtauglichen Sounds wenig. Die Penetrierung breiterer Hörerschichten funktioniert auf der vor wenigen Wochen erschienen Scheibe bereits mit dem Opener Bonkers. Mit einem Rhythmus, der zum Bestampfen jeglichen Tanzbodens einlädt, und Textzeilen wie „And all I care about is sex and violence/ A heavy bass line is my kind of silence„, die eine wohl dosierte Portion Aggressivität durch die Boxen schubsen, flutschte er an die Spitze der UK-Charts. Der zusammen mit Armand van Helden geschriebene Track zeigt die Stärken der Platte auf. Dizzee Rascal will unterhaltende, eingängige Musik fabrizieren und dabei nie eine berechenbare Oberflächlichkeit hofieren. Und abgesehen von 2 Stücken, bei denen dieses Vorhaben kläglich scheitert, überzeugt mich das Konzept über weite Strecken. Holiday und Dance Wiv Me, beides Kollaborationen mit Calvin Harris, sind von einem unfreiwilligen Trash-Faktor beseelt. Besonders Holiday gemahnt an die schlimmsten Sünden, die Eurodance zu verbrechen vermag. Freilich verbleiben 9 Titel, die im bestmöglichen Sinne Unterhaltungsmusik bedeuten,  denen man sich wohlig hingeben mag. Der Flow des Raps ist so lässig wie flüssig. Bei Can’t Tek No More mündet dies in einen Reggae-Refrain, der so entspannt flirrt, dass sich die Tüte fast wie von selbst dreht. Besonders gut wirkt Dirtee Cash, mit hartem Beat und allerlei Firlefanz, und Money, Money, dass die typische Angeberei des Raps auf die Spitze treibt und zum hypnotischen Highlight mutiert. Hier besinnt sich der werte Herr seiner Wurzeln und vergisst auf eine etwaige Tauglichkeit für die Hit-Radios aller Länder. Rohe Wuchtigkeit – und dies ist die finale Erkenntnis von Tongue N‘ Cheek – steht Dizzee Rascal bestens zu Gesicht.

Dizzee Rascal Album Cover 2009 - CMS Source

Die Neuorientierung im Schaffen sollte keinesfalls als leichtgewichtiges Album abgetan werden, dazu sind besonders die zusammen mit Mentor Cage geschaffenen Tracks zu gut. Und solange der Einzug in die Gefilde der Single-Charts mit kreativer Leichtigkeit gelingt, spricht dies für Dizzee Rascal und sein talentiertes Näschen. Nichtsdestotrotz gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass einer der talentiersten Rapper der Gegenwart bereits mit der nächsten Veröffentlichung an die Relevanz von Boy In Da Corner anzuknüpfen vermag.

Link:

Offizielle Homepage

Hörproben auf Last.fm

SomeVapourTrails

Eminem küsst Brünos Arsch bei den MTV Music Awards 2009

Wer über andere spottet – braucht fürs eigene Ungemach nicht zu sorgen. Sollte allerdings auch ein bisschen mehr Spaß verstehen.

Sacha Baron Cohens alpenländisches Alter Ego Brüno hat gestern Nacht geschafft, wovon viele Promis träumen. Unter vollstem Körpereinsatz vermochte er den Altmeister des Kollegen-Auf -Die-Schippe-Nehmens mit den eigenen Waffen zu schlagen und schleuderte diesem mit realen Tatsachen ein  „Kiss My Ass“ entgegen. Dass Brünos Arsch dann auch noch nackt war, war wohl zuviel für den harten Rapper.

Nicht gerade engelsgleich – aber eben im Gewande eines solchen, schwebte Brüno von der Decke und ließ sich mit seinem Gesäß auf Eminems Gesicht nieder. Dieser war not amused und verließ daraufhin erbost die Veranstaltung.

Wer andere verarscht, sollte ein bisschen mehr Humor zeigen.

Generell gilt Eminem als homophob und stand schon häufig wegen seiner schwulenfeindlichen Lyrics in der Kritik.

Da kommt Brüno gerade recht – hier ein paar Infos aus der Wikipedia:

Bruno (manchmal auch „Brüno“) stellt einen homosexuellen österreichischen Modejournalisten und Reporter für den fiktiven Fernsehsender OJRF (Österreichischer Jungen Rundfunk, eine Namensparodie auf den ORF, in deutschsprachigen Pressemeldungen manchmal auch als „österreichisches Jugendfernsehen“ gedeutet, welches dann Österreichischer Jugend Rundfunk heißen müsste), dem „Austrian Gay-TV“ dar (dt: „österreichisches Schwulenfernsehen“), der durch Suggestivfragen bei seinen Interviews peinliche Antworten provoziert. Thematisch drehen sich seine Interviews um Mode, Unterhaltung, Prominente und Homosexualität, wobei die Interviews in ihrem Verlauf gezielt auf das Thema der Homosexualität geleitet werden. Er trägt sein Haar als eine Art Irokesenschnitt oder gescheitelt und vollblondiert. Auch seine Kleidung ist extravagant und grell. Oft trägt er zu ärmellosen Schnürhemden weitere Accessoires wie Gürtel und Armbänder. Bruno spricht Englisch mit einem gespielten deutschen Akzent, benutzt erfundene deutsche Wörter, lässt aber auch echtes Deutsch einfließen. In den Interviews zeigt er stets eine positive Einstellung, so dass er Aussagen seiner Interview-Partner oft mit Kommentaren wie „that’s great“ („das ist großartig“) unterstützt und sie zum Fortsetzen der Interviews animiert.

Bruno war das erste von Baron Cohens Alter Egos, wobei eigene Erfahrungen als Model ihn zu dieser Figur inspirierten. Brunos Beiträge der Ali G Show laufen unter dem Titel „Funkyzeit mit Bruno“. Der zugehörige Titelsong „Crank it up“ entstammt Scooters Album „Our Happy Hardcore“. Ein Spielfilm mit Bruno in der Hauptrolle ist für Mai 2009 geplant.Century Fox aus.

DifferentStars amüsiert sich gerade sehr über dieses Video – SomeVapourTrails hat mit dem „armen“ Rapper Mitleid…

Berlin ist nicht länger aggro

Nicht jeder Messias feiert eine Wiederauferstehung. Und zumindest dem Heilsbringer deutschen Gossenraps, dem Label Aggro Berlin, wünsche ich eine solche nicht. Jetzt da das Ende der Plattenfirma offiziell verkündet wurde, stellt sich jedoch die Frage, wo Rapper mit schlechten Manieren und noch schlechteren Texten eine neue Heimat finden können. Keine Frage, wenn der Rubel rollt, dann nehmen Sony und Konsorten auch die provokantesten „Künstler“ unter Vertrag. Solange die Wortstammler dissen, was das Zeug hält, frauen- und allgemein menschenfeindliche Weisheiten aus den dunkelsten imaginären Ghettos als Wortspenden liefern, solange wird es trotz aller gesellschaftlicher Abgestumpftheit weiterhin Schlagzeilen geben. Und dieses mediale Echo schafft auch in Zukunft eine Subkultur, in der Migrantenkinder simple Parolen und abschätzige Gesten zu ihrer Lebenswirklichkeit machen. Auch nach dem Aus von Aggro Berlin wird der Bedarf an dummen Texten Texten und fetten Beats gestillt werden, folgt Empörung auf Empörung, bleibt die Beachtung groß, jubeln die Checker demjenigen zu, der allen den Stinkefinger zeigt. Dies ist die Zeit, in der ein verwahrloster Rowdy zum rotzigen  Sprachrohr der Straße verkommt und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt eine Aufblähung des eigenen Egos erfolgreich entgegenhält.

Doch malen wir uns eine Sekunde lang aus, wie es wäre, wenn das Ende Aggro Berlins auch der Schlusspunkt der Karrieren von B-Tight oder Sido bedeutete. Dürften die dann abgehalfterten Rapper Unterschlupf im Unterschichtenfernsehen finden? Sido im Dschungelcamp 2010 als Gegenspieler von Marc Terenzi, der dem schönen Marc Haargel und Kamm versteckt? Und nebenbei der Ex von Oliver Kahn nonchalant ins Essen kotzt? Wie wohl würde sich B-Tight in der C-Promiriege von Das Perfekte Promi Dinner machen? Gäbe es als Dessert dann folgerichtig politisch unkorrekten Neger im Hemd? Würde die Maschinerie der pervertierten Unterhaltung auch die unangepasstesten Naturen fressen und verdauen?

Es bleibt abzuwarten – und zu hoffen, dass das Aus von Aggro Berlin eine echte Zäsur darstellt, eine Abkehr von menschenverachtenden Posen. Die Chance dazu würde sich nun bieten. Wenn fortan Rapper mit Inhalten überzeugten müssten und nicht immer nur von der Scheiße labern, könnte man deutschen Rap als Genre auch wieder ernster nehmen. Leider bringen derzeit auch die Gutmenschen der Branche hochgradig peinliche Alben raus. Ich will ja keine Namen nennen, aber Rap muss mehr bieten als es die neue Scheibe von Samy Deluxe tut. Rap scheint in diesem Land eine einzige Baustelle zu sein, wenigstens Aggro Berlin wurde nun endlich zugebuddelt.

SomeVapourTrails

Noels Ente, die grün mag – oder doch ernst gemeint?

Es gibt Dinge und Meldungen, die sind so eine Gratwanderung, da ist es schwer zu sagen, ob ernsthaft Realsatire oder ernsthaft so gemeint oder nur satirisch anmutend.

Der  neueste Streich: Dem Noel seine eigene Modelinie Pretty Green. Ist dies der viel diskutierte Mehrwert – dieses – Musik kauft niemand mehr, also müssen die Musiker etwas anderes verkaufen und ihre Musik als Werbeträger nutzen? Nein – sagt Noel, er mache es nicht aus Geldgründen, es gäbe einfach keine gute Mode für Männer, die müsse er schon selbst erfinden…

„Clothes and music are my passion. I’m not here to rip anyone off and I’m not doing it for the money either. I’m doing it cuz there’s a lack of stuff out there of the things I would wear“
Liam Gallagher 2009

Hm, der Rabauke als stylisches Männer-Model-Designer-Mode-Philosoph… Irgendwie kurios und fast zu… um wahr zu sein. Die Gallagher Brüder inszenieren sich gerne als Wahnsinnige und leben gut davon… Zuzutrauen ist ihnen alles. Vielleicht hüpft uns bald via Youtube ein Ätsch, war nur Verarsche entgegen… oder aber…

Hier mal das Präsentationsvideo, erinnert ein wenig an Zoolander:

Dem nicht genug. Fans dürfen via eigens gestarteter Pretty Green Community Fragen stellen, die der gute Liam prompt via Youtube beantwortet. Z.B. diese:

Frage: Welcher der  Beatles war am coolesten angezogen Antwort: George Harrison

Damit auch genug Journalisten drüber berichten, wird noch schnell der schlechte Modestil anderer Bands gedissed. Fertig ist die Kampagne.

Fänd‘ ja toll, wenn auf der ersten Modenschau Joaquin Phoenix rapped 😀

Link: Pretty Green

DifferentStars

Hängt den Sündenbock

Jede Katastrophe und Tragödie führt zu einem gesellschaftlichen Rumoren und dem Ruf nach Konsequenzen. So auch der gestrige Amoklauf von Winnenden. Trauer und Sensationslust sind erst befriedigt, wenn man das trügerische Gefühl der Sicherheit zurückerlangt hat. Dazu freilich bedarf es zweiferlei: Das Dingfestmachen von Sündenböcken und die Ankündigung von Maßnahmen, die eine Wiederholung der Ereignisse erschweren sollen. Zumindest die Sündenböcke wurden im Zuge der gestrigen Bestandsaufnahme in der Sendung Hart aber fair bereits eruiert. Neben dem Computerspiel Counter-Strike sollen  es auch gewaltverherrlichende Lieder und Videos sein. So zum Beispiel wurde das Album Amokzahltag des Rappers KAAS als Verherrlichung eines Amoklaufs bewertet. Prompt wurde das gleichnamige Video von diversen Plattformen wie YouTube gelöscht. Eine offizielle Stellungnahme des Rappers oder seines Labels Chimperator steht noch aus. Ist damit die Jugend Deutschlands vor weiteren Amokläufen geschützt? Man darf dies bezweifeln. Drei Aspekte sollten wir uns kurz vergegenwärtigen.

1.)  Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein schlecht gerappter Track generiert noch keine Armee von amokwütigen Zombies. Menschen am Abgrund werden immer einen Auslöser für den finalen Schritt finden. Ob es vor über 200 Jahren Goethes Werther war, der suizidgefährdete Menschen in den Selbstmord trieb, oder Marilyn Manson ist, den die Amokläufer in der Columbine High School angeblich gerne hörten. Labile Menschen werden immer eine Möglichkeit finden aus der Ohnmacht heraus Allmachtsfantasien zu entwickeln und diese dann auszuleben. Ob dies nun das Ende des eigenen Lebens bedeutet oder ein Massaker an Mitmenschen, in keinem Fall sollte man das Augenmerk auf den letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, fokussieren.

2.) Jugendschutz ist eine wichtige Sache. Aber mehr noch als Altersbeschränkungen schützt soziale Wärme Menschen vor dem Abdriften in den Wahnsinn. Und diese fehlende Nestwärme – ob im Elternhaus oder in der Schule – mündet in Gewaltbereitschaft und Verrohung. Und bei Einzelnen dann in der Katastrophe. Nicht ein Rapper mit frauenfeindlichen Plattitüden (Bushido) verdirbt die Jugend, kein Liedtext über das Gefühlsleben eines Amokläufers (KAAS) wird einem gefestigten Charakter verderben. Dies sind lediglich Indikatoren, die eine orientierungslose Zielgruppe ansprechen und deren Innenleben auf den Punkt bringen. Insofern wird in dem gestrigen Lynchgeheul der Überbringer der schlechten Nachricht als Täter gegeißelt.

3.) Das Entfernen eines Videos oder das Verbot eines Videospiels wird Menschen, die sich durch die Thematik angesprochen fühlen, von gar nichts abhalten. Im Gegenteil. Warum wird eigentlich selten gefragt, wie oft solch Musik oder PC-Game schon erfolgreich für Aggressionsbewältigung gesorgt haben? Und warum werfen wir alle Konsumenten dieser angeblich „bösen“ Machwerke in einen Topf? Wenn jeder Hörer oder Spieler potentieller Killer wäre, dann könnte man sich nicht mehr auf die Straße wagen.

Die Sündenböcke sind wir alle. Eine grausame Gesellschaft, die Werte nur mehr durch Verbote vermittelt und egoistischen Individualimus als oberste Prämisse hat. Wenn die Verlierer des Systems austicken, sind sie von satanischen Mächten beseelt, denken wir. Dass es mangelnde Hilfe, Solidarität und Einfühlungsvermögen sein könnte, wird ausgeblendet. Da hängt man doch bevorzugt den Sündenbock in Form des zugegeben unbedarften Rappers KAAS.

Achja, noch ein Gedanke. Naziaufmärsche lässt man zu, obzwar jeder Bürger sich im Klaren ist, wofür diese Ideologie steht. Aber wehe, wenn auf fikitonale Weise Gewalt thematisiert wird. Dann spricht fast jedermann von Gewaltverherrlichung und schreit nach Verboten. Viel zu simpel gedacht.

SomeVapourTrails