Schatzkästchen 61: Warhaus – The Good Lie

Die werte Kollegin Eva-Maria hat auf ihrem Blog Plan My Escape schon alles zu diesem tollen Lied notiert. Ich darf mich also kurz fassen. The Good Lie ist ein abgründiges, im Stile eines Film noir gehaltenes Duett, das natürlich ein Schwarz-Weiß-Video spendiert bekommen hat. Leonard Cohen und Serge Gainsbourg hat Eva-Maria als Einflüsse bereits genannt an, man darf durchaus noch Nick Cave und Kylie Minogue mit ihrem Where The Wild Roses Grow oder Lee Hazlewood und Nancy Sinatra mit Summer Wine anführen. Maarten Devoldere, seines Zeichens Frontmann der Indie-Rock-Kapelle Balthazar, scheint bei seinem neuen Projekt Warhaus um Chic, Ambiente und Laszivität bemüht. Zusammen mit seiner Partnerin Sylvie Kreusch glückt ein charmanter Song, der von erwähntem Video bestens ergänzt wird. In dem Clip trifft ein Mann in einer zwielichten Bar auf eine Blondine mit symbolträchtiger weißer Taube auf dem Arm. Man entbrennt füreinander, fährt zusammen heim, fraglos um sich die Kleider vom Leib zu reißen. Szenenwechsel. Zwei zerknautsche Kommissare begeben sich an den Ort eines Verbrechen, an dem eine weiße Taube herumflattert.  Weiterlesen

Free Mp3: Dengue Fever – Little Drummer Boy

Dengue Fever

Schon mal (was von) Cambodian-Pop gehört? Nein? Bitte sehr gern geschehen. In der langen Liste „Was-es-nicht-alles-gibt“ funkelt dieser psychedelische Popsong, gesungen in der Sprache der Khmer, heller als eine goldene Kugel auf dem Weihnachtsbaum.  Weiterlesen

Free Mp3: THE TIMBURTONS – Dr. Jekyll & Mr. Claus

pedale baroque xmas single 2012 FRONT resized

Ich präsentiere stolz und voller Vergnügen: Das wohl abgedrehteste Fundstück unserer Weihnachtsliste. The Timburtons klingen original so, als hätten Duran Duran unter Drogeneinfluss versucht, ihre Weihnachtswohlfühltätigkeiten zu kompensieren. 80ies-Retro-Pop, so cool, dass selbst die Hipster, die die 80er wiederentdeckten, bevor es cool war, vor Schreck zu Eis gefrieren. Das sehr tanz- und hörbare Dr. Jekyll & Mr. Claus ist jedoch nur der Gipfel des Eisberges.  Weiterlesen

Free Christmas Album: Ash Reiter – Christmas In California

ash reiter 2

Wenn sich mitten im Dezember wohlige Wärme auf unserem Blog breitmacht, müssen nicht unbedingt Kaminfeuer und Glühwein schuld sein. Ash Reiter lässt die kalifornische Sonne aufgehen und schafft das schier Unmögliche: Ich liebe Cover-Versionen von Weihnachtsklassikern, die ich sonst gerne links liegen lasse. Das ist so mit den Christmas Classics, in der Regel ertönen Neuinterpretationen gähnend längweilig bis ärgerlich schlecht. .Nur wenige Künstler vermögen es diesen Weihnachtsliedern neues Leben einzuhauchen, ohne deren Seele zu zerstören. Selbst River fand bei meinem Liebsten und Co-Blogger Gefallen, obwohl dieser sonst Coverversionen seiner Lieblingskünstlerin Joni Mitchell scheut wie der Teufel das Weihwasser. Eben jenes Lied ist das berührenste auf dem Album und in seiner Traurigekeit Ausnahme unter vergnüglichen Retro-Pop-Perlen.  Weiterlesen

Free EP: Paper City – Christmas Of Love

Wie ich schon früher erwähnte, verhält sich Twee-Pop zu Weihnachten wie Butterplätzchen mit  Streuseln zum bunt geschmückten Weihnachtsbaum. Besonders raffinierte Bäcker fügen natürlich noch die eine, ganz besondere Zutat hinzu. Paper City haben in ihrer Weihnachtsküche gezaubert, 60ies Beach Pop und Twee verbinden sich hier ebenso wunderbar wie Schokolade und Chili.  Weiterlesen

Free Mp3s: The Cornshed Sisters – A Very Cornshed Christmas

Wir läuten das Wochenende mit zwei sehr vergnüglichen Retro-Pop-Liedchen ein. Perfekt um nach den stressigen Weihnachtseinkäufen von den besseren, längst vergangenen Zeiten zu träumen, in denen noch herzzereißende Weihnachtsschnulzen in Technicolor gedreht wurden, Mama gutgelaunt frisch gebackene Plätzchen mit Kakao servierte, während Papa im Ohrensessel saß und Pfeife rauchend Gemütlichkeit versprühte. Ohne Augenzwinkern wäre das natürlich nicht zu ertragen, daher fügen The Cornshed Sisters gekonnt auch eine Prise Ironie hinzu. Besser noch als Have A Good Christmas Time gefält mir das a Capella vorgetragene It Smells A Lot Like Christmas. Poppiger Swing mit der perfekten Dosis Kitsch ausgestattet, einfach nur schön oder auch „urkeksi“. Passend zur verschneiten Winterwunderwelt hier in Berlin, von den meisten Hauptstädtern auch liebevoll Winterchaos genannt, liefert die britischen Damencombo Wohlfühlklänge, deren gute Laune ansteckend ist.

 Weiterlesen

Wurmt angenehm im Ohr – Oceana & Leon Taylor

Das Universum des Stefan Raab besteht aus beständigen Konstanten. Ob ein Max Mutzke oder eine Stefanie Heinzmann, wer seine Aufmerksamkeit gewonnen hat, der ist nicht schon nach wenigen Wochen für immer und ewig vergessen. Seine Schützlinge stellen sich freilich auch begabter an als das, was Castingshows Jahr für Jahr ausspucken. Nun, das ist keine Kunst, ich weiß. Aus besagten Gründen bezweifle ich einen puren Zufall, wenn der in Unser Star für Oslo aufgetretene Leon Taylor nun zusammen mit Oceana die Fahne Hessens beim Bundesvision Song Contest 2010 hisst. Das Duett Far Away darf in der Kategorie souliger Retro-Pop schubladisiert werden.

Bevor ich dem Lied zum allerersten Male lauschte, hatte ich brav Beruhigungstabletten in Reichweite positioniert. Denn in der überwiegenden Anzahl der Fälle, wenn mir eine Soulstimme aus den Boxen begegnet, bin ich über das Gejaule entsetzt, schimpfe rohrspatzig über das, was meinen Ohren da an überkandideltem stimmlichem Ausdruck zugemutet wird. Aber nein, Far Away übertreibt es nicht, wurmt angenehm im Ohr. Ein von A bis Z sauber entwickelter Song, der es mit den schmachtende Passagen nie über das Ziel hinausschießt, genügend Schwung mitbringt. Auch der Wechsel zwischen auf Deutsch gesungenen Passagen und dem in Englisch gehaltenen Refrain gerät unholprig. So stelle ich mir einen für das Radio kompatiblen Song vor, der zwar keinen Über-Hit darstellt, den man mehrmals täglich vernehmen mag, ohne dass man des Hörens schnell überdrüssig wird.

Wenn am 01. Oktober Oceana feat. Leon Taylor in Berlin die Wertungen der Zuschauer vernehmen dürfen, brauchen auch sie keine Beruhigungspillen in Griffweite. Das Lied Far Away wird weder für die ersten noch für die letzten drei Plätze in Frage kommen. Angesichts der sehr starken Konkurrenz ist ein Platz im Mittelfeld keine Schande oder Indiz für mangelnde Qualität. Man darf folglich dem weiteren Schaffen der beiden Sänger durchaus mit wohlwollender Neugier harren.

Die Single Far Away erscheint am 01.10. auf Ministry of Sound.

Termin:

30.09.10 – Köln – TV total

Link:

MySpace-Auftritt von Oceana

Offizielle Webseite von Leon Taylor

SomeVapourTrails

Dum Dum Girls – I WILL BE irgendwie dunkelfuzzibösspartanisch

Foto: Lauren Dukoff

SomeVapourTrails fragte vor kurzem die werten Blogger-Kollegen, auf welche Dark Horses sie für dieses Jahr setzen. Einer meiner heißesten Tipps sind die Dum Dum Girls, die frisch von Sub Pop gesigned, scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht, schon einen kleinen Hype innerhalb der Blog-o-sphäre erlebt haben und somit beste Startbedingungen vorfinden, zu  DER Girl-Combo des Sommers zu werden.

Auf den Straßen und in den Clubs von Berlin sieht’s man schon überall. Der Punk ist zurück, zumindest so irgendwie klamottentechnisch. Also so irgendwie halt, ne Mischung halt von New Wave und Punk. Nicht für Dogmatiker, die wird’s grausen und beleidigt schauen ein paar ewig wahre Vertreter dieser (einstigen!?) Jugendkulturen um die Ecke, dem Alter entsprechend eigentlich der Subkultur entwachsen, dem frühren Wahren und Echten hinterher trauernd. Die Generation heute remixed – nimmt hier und da, sieht dann ein bisschen so aus wie die Dum Dum Girls klingen: Sixties Girl Group-Sound gemischt mit Punk und Noise Pop + entsprechend blondieesquer New Wave- Attitüde. Mit ein bisschen Glück das alles noch im Second Hand um die Ecke ergattert, oder schon teuer als Vintage erstanden.

Gut getarnt mit Sonnenbrille, ist Dee Dee, Mastermind der Dum Dum Girls, eine gute alte Bekannte der Indie-Szene. Dee Dee aka Kristin Gundred feierte schon mit Grand Ole Party Achtungserfolge und war durchaus umtriebig. So darf man sich nicht wundern, dass Track Nr. 3 Oh Mein M, plötzlich auf Deutsch erschallt – lebte sie doch einige Jahre in unseren Landen.

So, fast so, wie frisch aus der Garage klingen die Dum Dum Girls und beziehen aus der DIY-Appeal erwachsenen Authentizität ihren besonderen Charme. Das Besondere ist natürlich, dass sie nur fast so klingen, als hätten sie im Hobbykeller gewerkelt. Wohlaustariert und arrangiert schepperts immer wohlklingend. Ähnlichkeiten mit den Raveonettes oder Blondie sind NICHT zufällig, sondern u.a. dem Produzenten Richard Gottehrer (Blondie, Go-Go’s, The Ravonettes) zu verdanken.

Das Album I Will Be gehört für mich in die Kategorie: Macht wirklich Spaß zu hören – mag ich! Songs wie Jail La La sogar sehr.

Mp3: Dum Dum Girls – Jail La La

Frisch, versurrt und irgendwie dunkelfuzzibösspartanisch . Hier liegt jedoch der Hase im Pfeffer vergraben – oder wie ich das Haar in der Suppe fand 😉

Denn: Hört man erst der Dum Dum Girls-Cover von  Heart Of Stone , gefällt’s sehr. Hört man dann das Original von The Raveonettes – findet man dieses grandios und denkt sich „way to go“ Dum Dum Girls.

Free Mp3: Dum Dum Girls – Heart Of Stone

Zum Vergleich The Raveonettes:


The Raveonettes – Heart of Stone
Hochgeladen von orchardmusic. – Sieh die neuesten vorgestellten Musikvideos.

Hm – Never mind! – wobei jetzt hab ich doch glatt die falsche Punkband zitiert. Es wird kolportiert, Dee Dee habe eine Frauenband schaffen wollen, die so klänge, wie die Girls, die mit den Ramones abhingen (wenn diese denn selbst Musik machten). Der Bandname zollt gleich zweien ihrer Vorbilder Tribut und bezieht sich sowohl auf das Vaseline Album Dum-Dum, als auch den Iggy Pop Song Dum Dum Boy. Wie schon oben erwähnt: I Will Be macht Spaß und die Dum Dum Girls gehören definitiv zu den Bands-to-watch 2010. Musiksnobs (wie ich) werden trotzdem immer auch schreiben, dass The Raveonettes viel grandioser sind. Soll euch am Gefallen der Musik nicht hindern.

Highlight des Albums ist der erste Song It Only Takes One Night, der druckvoll, mit sirrenden Gitarren wie gemacht scheint, um verrauchte Kellergewölbe zum Kochen zu bringen. Mehr davon und ich hör auf herumzukritteln und werde nie wieder in Zusammenhang mit den Dum Dums das böse „The R“-Wort nennen.  Außerdem wein‘ ich gerade, dass ich einst meine schöne schwarze Boy-Lederjacke an meinen jüngeren Bruder vermachte – die würde so toll passen, zur Musik, zur aktuellen Stimmung und so.

Dum Dum Girls I Will Be

Tracklist:

1. It Only Takes One Night
2. Bhang Bhang, I’m a Burnout
3. Oh Mein M
4. Jail La La
5. Rest of Our Lives
6. Yours Alone
7. Blank Girl
8. I Will Be
9. Lines Her Eyes
10. Everybody’s Out
11. Baby Don’t Go

Label: Sub Pop
VÖ: 3.4.2010

Album-Stream:

Link: MySpace

DifferentStars

Review: The Postmarks – Memoirs At the End Of the World

Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis die Erinnerungen vom Ende der Welt den Ozean überquerten und nun auch in unseren Breiten offiziell veröffentlicht wurden. Das Offensichtlichste wurde schon im vergangenen Sommer und jetzt im eisverkrusteten Deutschland geschrieben: Die Platte klingt genauso wie das Album-Cover verspricht und die Songs erscheinen wie vertonte Szenen aus James Bonds Agentenleben. Namen von großen Filmkomponisten werden fallen gelassen: John Barry (James Bond), Henri Manchini (Frühstück bei Tiffany) und last but not least Ennio Morricone (Spiel mir das Lied vom Tod), großes Kino also. Was allerdings nicht allein dem cinematografischen Sixties-Sound zu verdanken ist.

The Postmarks vollbringen das Kunststück locker flockig zu klingen, den Moment in eine Großleinwand zu verwandeln und dabei in die Untiefen der menschlichen Seele zu tauchen. Wie im Spionagethriller ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Fühlen wir uns zum Mitwippen verführt und wähnen uns nach Bondgirl-Art lasziv an der Bar die Beaus verführend, so lauert im Hinterhalt die Gefahr und der schmerzvolle Abgrund. Genau dies rettet Memoirs At the End Of the World davor, einfach nur nett zu sein. Der Opener No One Said This Would Be Easy klingt, als sei er Shirley Bassey für den Vorspann der neuen 007-Abenteuer auf den Leib geschrieben worden und erzählt von Freundschaft und Verrat.

[…] No one said
that this would be easy
with each step
the ground disappears
and its not dead
but you can’t seem to reach it
once a friend
turns into a thief
you have got to find the key[…]

Das Böse lauert nicht in Gestalt eines Dr. No oder Blowfeld, sondern im alltäglichen Gesicht eines Vertrauten. Der Song erzählt davon, wie es einem den Boden unter den Füßen wegzieht und man in einen Abgrund zu stürzen glaubt, wenn man von einem geliebten Menschen verraten wird.

Memoirs At the End Of the World bietet eine schön vielfältige Stilmischung. Twee-Pop (My Lucky Charme, Go Jetsetter), Spy- und Space-Sound (Don’t Know Till You Try), schwelgerischer FlipFlopGaze (I’m In Deep), Westernsound (Thorne In Your Side (Reprise)), und vieles mehr… Gone wird als New Wave beworben und wenn’s ne Mischung aus Sixties-Sound und New Wave gibt, dann Gone 😉

Besonderes Highlight neben dem Eröffnungssong No One Said This Would Be Easy ist Thorn In Your Side, jedem Kinofan ist sofort klar, bei dieser Musik ist Gefahr im Anmarsch,  Tim Yehezkely haucht wie die Stimme aus dem Jenseits einer dunkel lockenden Sirene gleich. Wer ihr folgt, wird ertrinken. Ironisch verspricht sie das Happy End am Ende der Welt.

So wie die Wunderwaffe der Postmarks in jedem Moment die Fähigkeit ihrer Sängerin ist, immer die Gratwanderung zu meistern, zwar lieblich und betörend, nie aber überzuckert zu klingen. Ein Balanceakt, der nur wenigen Interpretinnen gelingt. Ihre Bandkollegen Jonathan Wilkins und Christopher Moll verschaffen die perfekte musikalische Kulisse, vor deren Hintergrund Tim Yehezkely als Hauptdarstellerin zwischen Opfer, Heldin und Schurkin agiert.

Memoirs At the End Of the World das Album mit der Lizenz zum Begeistern. Kopfhörer auf, Augen zu und den Film zur Musik selbst erfinden!

Tracklist:

01. No One Said This Would Be Easy
02. My Lucky Charm
03. Thorn In Your Side
04. Don´t Know Till You Try
05. All You Ever Wanted
06. Run Away Love
07. For Better…Or Worse?
08. I´m In Deep
09. Thorn In Your Side (Reprise)
10. Go Jetsetter
11. Theme From “ Memoirs “
12. The Girl From Algenib
13. Gone

Label: ADA
VÖ: 05.02.2010

Das Album komplett als Stream gibt’s auf 3voor13

Links: MySpace, Homepage

DifferentStars