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Sein größter Feind – Richard Ashcroft

Man muss mit Kritik auch umgehen können! Ein Mesut Özil muss es sich gefallen lassen, dass seine Körpersprache auf dem Fußballplatz gerügt wird. Gerne und oft von „Fans“, die den Stinkefinger heben. Auch ein Musiker muss harte Worte aushalten. Von Hörern, deren einzige Befähigung in zwei intakten Ohren – Glückwunsch! – und einer mehr oder minder großen Plattensammlung besteht. Diese Voraussetzungen langen, um Melodien durch den Kakao zu ziehen oder Songtexte mangelnde Tiefe vorzuwerfen. Eine Kunst des Erfolgs besteht auf alle Fälle darin, Kritik nicht unter die Haut gehen zu lassen. Richard Ashcroft scheint damit so seine Probleme zu haben. Während kaum jemand bestreiten wird, dass er mit seiner Band The Verve den Britpop der Neunziger entscheidend mitgeprägt hat, sind seine seitdem veröffentlichen Solowerke nicht besonders gut angekommen. Nun kann man ja auf Feuilleton und Musikpresse unterschiedlich reagieren. Sie vielleicht nicht mal ignorieren, sie mit einem müden Lächeln abtun – oder aber meinen, es allen zeigen zu müssen. Das neue Album These People wird von letzterer Motivation angetrieben. Ein Fehler!

Ashcroft wurde United Nations of Sound von 2011 derart durch den Kakao gezogen, dass er sich wohl auf Beratungsresistenz versteift hat. Eigentlich hat der Bombast des letzten Albums nach gute Ergebnisse gezeitigt, wäre er nur konsequent weitergeführt worden. Stattdessen wartet Ashcroft stellenweise mit Dance-Beats auf, die vermutlich völlig hip gemeint sind, allerdings eher nach dem Beitrag Aserbaidschans beim Eurovision Song Contest 2017 anmuten. Der werte Herr macht den Fehler, den alle machen, die am Puls der Zeit sein wollen. Aufgedrehte Streicher für die Emotion und Eurodisco zum Abhotten sind leider das exakte Gegenteil, darüberhinaus ein gefundenes Fresser für Kritiker. Die guten Momente des Opener Out Of My Body finden genau dann statt, wenn der Song auf Gitarre und Gesang zurückfällt. Vier Personen sind in den Credits fürs Programming aufgeführt, darunter auch der bekannte Mirwais Ahmadzaï. So sehr diese Plastikekstase auch für eine auf Diva getrimmte Hochglanzhupfdohle aus Baku prädestiniert scheint, so unpassend und auch textlich oberflächlich lässt es sich für einen Mittvierziger an. Ashcroft kommt über eine starke Stimme, die in Balladen das imaginäre Gegenüber streichelt und bei Hymnen mit weltschmerzigem Schmelz punktet. Zu Tode produzierter Über-Pop steht ihm nicht zu Gesicht. Was er wirklich drauf hat, tritt beim zweiten Song zutage. This Is How It Feels zeigt Ashcroft in veritabler Bestform! Sein größter Feind – Richard Ashcroft weiterlesen

Schatzkästchen 52: Richard Ashcroft – This Is How It Feels

Als um die Jahrtausendwende die ganz große Britpop-Welle abebbte, gingen deren Protagonisten unterschiedlicheste Wege. Radiohead mutierten zum Alternative-Act schlechthin und erfanden die Musik ein bisschen neu. Blurs Damon Albarn wagte mit den Gorillaz einen fantastischen Neustart. Ein Jarvis Cocker nutzte das Ende von Pulp, um nun solo den zeitlosen Kauz raushängen zu lassen. Richard Ashcroft wiederum verbrachte seine Zeit nach The Verve ebenfalls nicht untätig. Seine Soloplatten zählen für mich noch immer zum Allerbesten, was in den letzten 15 Jahren von der Insel erschallt ist. Ashcroft hatte – und hat – nämlich die schönste, wärmste, eleganteste Stimme seiner Generation. Er mag vielleicht weniger Type als die eingangs genannten Bands und Musiker sein, nie an den Starkult der Marke Oasis heranreichen, von der gesanglichen Brillanz her gedacht kann ihm jedoch absolut niemand das Wasser reichen. Dass Ashcrofts Aufnahmen in der Vergangenheit von einigen Musikgazetten gern durch den Kakao gezogen werden, lässt sich vielleicht damit erklären, dass ein Melancholiker mit einer mächtigen Stimme und teils hymnischen Balladen selten ins Beuteschema der Musikpresse passt. Die krankhafte Abscheu, mit der gewisse Magazine sein Schaffen begleitet haben, wird Herrn Ashcroft dennoch wenig jucken. Sie wird wohl auch die für Mai angekündigte Soloplatte These People begleiten. Die erste Single This Is How It Feels jedenfalls knüpft da an, wo United Nations of Sound (2010) aufgehört hat. Im Refrain mutet sie pompös und bombastisch an, in den Strophen wirkt die gefühlvolle Charakteristik des Vortrag edel wie immer. Schatzkästchen 52: Richard Ashcroft – This Is How It Feels weiterlesen

Ungeniert Eier gezeigt – RPA & The United Nations of Sound

Yet for all of Ashcroft’s messianic posturing, these songs are all dressed up with nothing to say. (Pitchfork)

Life isn’t to be wasted. So, instead of devoting 56 minutes of yours listening to RPA & The United Nations Of Sound, why not watch two episodes of My Family back to back? (NME)

Too often Ashcroft descends into mawkish over-sentimentality (Life Can Be So Beautiful), empty sloganeering (America), or worse, cod philosophy (literally every other song). (The Guardian)

This is hugely conservative, risk-averse music. The melodies are plodding and unexciting. The lyrics are unimaginative. And it is so, so dull. Just like a regular Richard Ashcroft solo album, then. (musicOMH)

Vielleicht sollte Ashcroft es doch lieber als singende Ich-AG probieren. Für den Moment ist er wieder Teil einer Band, aber keinen Schritt weiter. (Plattentests.de)

Is that a falsetto we hear? No, that’s Ashcroft attempting a falsetto. (Slant Magazine)

Mensch, rüffel einer mal die Plattenfirma! Hat selbige als verspätetes Aprilscherzchen den ehrenwerten Kritikern die ersten Gehversuche einer Coverband, die sich Herrn Ashcrofts Schaffen verschrieben hat, untergejubelt? Fakt scheint jedenfalls, dass ich eine gänzlich andere CD in Händen halte. Ein Album nämlich, das Eier zeigt. Aber da sich Profirezensenten ja lieber auskotzen, als es beim Kleckern zu belassen, könnte man ihnen durchaus mit aller Böswilligekeit unterstellen, dass sie schlechterdings nicht mehr in der Lage sind, gut gemachte Musik zu erkennen, selbst wenn sie ihnen ganz und gar ins Auge springt. Pitchfork zumindest hat diesbezüglich verdammt viel auf dem Kerbholz.

Was RPA & The United Nations of Sound angeht, will ich gleich eines vorwegnehmen: Das Schlechteste an dieser Platte ist der Bandname, welchen Richard Ashcroft für sein neues Vehikel gewählt hat. Denn sonst besticht United Nations of Sound als zutiefst schmissige Platte, die ordentlich Rabatz macht und sich zugleich eine vertraute erhabene Opulenz gönnt.

Aber ich will gar nicht allzu viele Worte über dieses Album verlieren, es spricht für sich. Dekoriert Ashcroft mit einem weiteren Orden am Revers. Mit Verlaub, gibt es denn wirklich eine feinere, rundere  Stimme von der Insel? Ashcrofts gesanglicher Ausdruck schlägt sie alle. Von dem Händchen für exiquistes Songwriting ganz abgesehen. Aber dazu später. Vorerst seien nochmals die Schmähungen der Kritiker drangsaliert. Wenn Gavin Haynes auf NME.com Ashcrofts Solokarriere in der Mittelmäßigkeit verortet, dabei von Christopher Monk auf musicOMH.com unterstützt wird, der die Soloalben als matt einstuft, schrammen solch Urteile arschknapp am Tatbestand infamer Täuschung des Lesers vorbei. Denn in der letzten Dekade vermochte kein britischer Singer-Songwriter auf derart konstant hohem Niveau zu wirken. Michael Cragg mokiert sich im Guardian über die Menge an Streichern, allerdings behagt ihm auch endloses Gitarren-Geschrammel nicht. Huw Jones vom Slant Magazine lässt sich gar zu einem mit der Ironie des Fragezeichens aufwartenden Statement hinreißen, dass die Streicher Ashcrofts Musik so kultiviert wirken lassen, ehe auch er das Marathon-Gitarrensolo aufs Korn nimmt. Zudem gleichzeitig dem laienhaften Hörer vergibt, der Are You Ready? als starken Track einstuft. Gut, also besser keine Streicheruntermalung, Gitarre höchstens dezent eingesetzt. Sonst noch Wünsche? Na klar, in nahezu völliger Eintracht werden die Lyrics durch den Kakao gezogen, noch milde als Geschwafel deklariert. Wenn man schon mal austeilt, warum nicht gleich als Rundumschlag? Höchstens die Rezension auf Plattentests.de lässt ihm mit Einschränkungen Gerechtigkeit widerfahren. Selbstredend sind die massiv vorgetragenen Einwände meist völliger Mumpitz, bestenfalls Humbug.

Photo credit: Dean Chalkley

Wer nach derartiger Kritikerschelte nun meint, dass das Anhören der Platte schlimmsten Masochisten vorbehalten sein sollte, mag eine veritable Gehirnwäsche hinter sich haben. Gerne möchte ich unterstreichen, dass United Nations of Sound vielmehr eine Exit-Strategie aufzeigt, wie sich das zunehmend lahmarschig gewordene Gros an Britpop-Bands weiterentwickeln könnte. Der Meister holt sich die Inspiration jenseits des großen Teichs, lädt Black Music in sein Schaffen ein. Flirtet mit dem Blues, gibt die Kastratenversion eines Barry White (Life Can Be So Beautiful), inkludiert Hip-Hop-Beats. Ohne Berührungsängste werden nicht zuletzt dank des Produzenten No I.D. neue Einflüsse inkorporiert, dennoch haben wir es hier mit einem waschenechten Album Marke Richard Ashcroft zu tun. Nach dem in der Tat guten, aber nicht überragenden Comeback Forth von The Verve zeigt sich der Sänger von Zwängen und Erwartungshaltungen gelöst und schöpft durchaus großkotzig aus dem Vollen. Wer Eier hat, darf sie auch zeigen – dies Motto durchzieht die gesamte Platte. Solch ungeniert zur Schau getragenes Ego kann sich nicht jeder leisten, Herr Ashcroft jedoch stets und immer. Besonders im Bewusstsein, dass mit Steve Wyreman (Gitarre), No I.D. (Beats) und Benjamin Wright (Streicher-Arrangements) nun keine Nobodys zwecks Unterstützung zusammengekommen sind.


RPA and the United Nations of Sound – Born Again
Hochgeladen von EMI_Music. – Sieh die neuesten vorgestellten Musikvideos.

Neben dem Opener Are You Ready?, welcher noch die bewährte Ashcroftsche Schule pflegt, finden sich noch weitere Glanzlichter auf vorliegender CD. America sei in seiner gesamten hymnischen Beats-Herrlichkeit zu nennen, Beatitudes als rotzfrecher Rocker, How Deep Is Your Man? als tiefe Vorbeugung John Lee Hooker samt knackig ausladendem, inbrünstig intonierten Refrain, auch die die Tradition seines Soloschaffens exzellent fortführende Ballade She Brings Me The Music. Ebenso erwähnenswert This Thing Called Life oder Royal Highness.

Wenn Richard Ashcroft auf America  „The universal language/ This is music/ Are you tunin‘ in?“ fragt, scheint er dies in voller Kenntnis dessen zu tun, dass viele Musikkritiker vermutlich  zu den musikalischen Analphabeten zu zählen sind. Gerne wird versucht, ihm die Bürde seiner bisherigen Großtaten – speziell mit The Verve – um den Hals zu hängen und ihn im Ozean der Gescheiterten zu versenken. Wissen denn die Herrn Rezensenten nicht, dass ein Ashcroft über das Wasser zu wandeln vermag? Mit The United Nations of Sound hat er nun seine Jünger gefunden, weitere Wunderdinge sind zu erwarten.

Link:

Richard Ashcrofts offizielle Webseite

SomeVapourTrails

Stippvisite – 22/01/10

Da hat sich so einiges getan in der vergangenen Woche und wir waren zu beschäftigt, dies in gebührender Form auf unserem Blog zu präsentieren. Nachdem das Winterloch seinen jährlichen Dornröschenschlaf übte, damit zum Sommerloch hin alles gut geübt absolviert werden kann, sind nun langsam alle wieder auf dem Urlaub zurück und ein heißes Release jagt das andere. Feinste Musik kannibalisiert sich im Rennen hoch hinauf die Erfolgstreppe stolpernd oder stürmend. Wollen wir hoffen, dass nicht zu viele der verehren Künstler hinunter- und hinausfallen im plötzlichen Releaseprassel, dem kaum Herr zu werden ist.

1.via Richard Ashcroft Homepage

Starten wir mal mit einem dicken Britpop-Brett. Are You Ready – trumpft Richard Ashcroft auf, beweist, dass Totgesagte wie eben jener Britpop länger leben und klingt dabei wie die besseren Oasis. SomeVapourTrails nörgelt ein bisschen, ihm gefallen ja die Balladen des Meisters besser und Are You Ready findet er jetzt eher so vernachlässigenswert. Mir gefällts!

Die Single ist Vorbote auf das Ende März erscheinende Album Redemption – musikalisch firmiert das Projekt unter dem Namen United Nations Of Sound.

2. Schon reingehört – mit gemischten Gefühlen rezipiert: TindersticksFalling Down A Mountain – Review folgt in den kommenden Tagen. Nicorola verrät euch, wo ihr das komplette Album vorhören könnt. Soviel sei jetzt schon von meiner Seite gesagt: Das titelgebende Einstiegsstück find ich sehr nervig, bei Lied Nr. 3 verfall ich jedoch wieder ganz Stuart A. Staples Stimme und tanze im Geiste und auch so verzaubert mit.

3. Noch ein Album-Stream der via Nicorola Hör- und Einblicke in ein mit Spannung erwartetes Release gibt: TocotronicSchall & Wahn. Auf Deezer könnt ihr euch das aktuelle Werk der einstiegen Hamburger Schuljungs zu Gemüte führen.

4.npr music bietet einen weiteren hoch interessante Album-Stream: Beach HouseNorway.Wie hier schon erwähnt, Beach House ist eine der Lieblingsbands von Hope Sandoval, die erste Kostprobe gab’s gratis (bzw. gibt’s immer noch),  mal schaun ob ich mir vom Longplayer zu viel erwartet habe, oder gar himmelhochjauchzend das Duo mit Küssen und Sternen bewerfen werde.

5.  The Sunshine UndergroundNobody’s Coming To Save You. Bedauerlicherweise hat dieses Album noch nicht seinen Weg zu uns gefunden. Aber auch hier gibt’s ne feine Kostprobe nach Email-Abgabe frei Haus

We’ve Always Been Your Friends (Alt Version) könnt ihr euch hier abholen.

The Sunshine Underground – We’ve Always Been Your Friends (Acoustic video)

6. Nicht unerwähnt bleiben dürfen hier natürlich Massive Attack. Via RCRDLBL gibt’s den Girl I Love You (feat. Horace Andy) (She Is Danger Remix) für umme.

In voller Länge anhören könnt ihr euch Heligoland vom 1. bis 9. Februar auf npr music. Schon im vergangenen Jahr hatten Massive Attack auf ihrem Blog angekündigt, einige Tracks, die es nicht auf das Album geschafft haben, nach und nach als Free Download zu releasen. Es lohnt sich also, hin und wieder einen Blick auf ihre Homepage zu werfen.

7. Michael und Julian lästern auf den Kopfhörern über den neuen Song von Amy McDonald und tatsächlich klingt Don’t Tell Me That It’s Over ein bisschen wie ne sehr niedliche Variante der Ver-White Lies-iesierung. Hoffe mal, dass sie nicht jetzt auch noch ihre Hippie-Kleidchen gegen Lack und Leder austauscht und in Britney-Manier düster und böse wird. Ihr Erstlingswerk hat mir gut gefallen, auch wenn die männlichen Musikkenner rummäkeln, ist halt Mädchenmusik.

8. Noch ein Album-Stream via auf ein Neues: The Magnetic FieldsRealism. SomeVapourTrails stöhnt vom Krankenbett aus, noch ein Album, dass es unbedingt zu begutachten und besprechen gilt. Warum nur, kommt immer alles Gute und alles Schlimme auf einmal – kann das Leben nicht mal ein wenig ausgeglichener sein?

9. Zum Abschluss noch ein Blick jenseits der großen Straße. Auf Feld- und Umwegen plückt Benedikt gerne Blumen, die es nicht in prunkenden Flowershops der Fußgängerzonen gibt. Wer sich gern der Melancholie hingibt, wird mit Barzin eine Interpreten für den Soundtrack des Lebens finden.

Barzin _ Leaving Time from vincent moon / temporary areas on Vimeo.

Besprechung und Mp3s findet ihr auf den Schallgrenzen.

DifferentStars

Die großen Nullen – Singer-Songwriter deluxe

Die vergangene Dekade ist noch lange kein gestriger Schnee. Viele Musiker werden uns auch in den folgenden Jahren begleiten, manche als lästige Anhängsel – doch will ich nicht immer von den Fleet Foxes sprechen – und einige als Konstanten, die unseren Gefühls- und Gedankenkosmos in schönste Schwingungen versetzen. Doch wer waren die kleinen und großen musikalischen Helden der letzten zehn Jahre? Wir wagen eine rein subjektive Aufzählung – und widmen uns den Singer-Songwritern.

Foto: Nasrul Ekram

Ane Brun: Unter den zahllosen skandinavischen Vertretern niveauvoller Liedschmiederei ragt die Eindringlichkeit Bruns hervor. Nie zu sperrig, immer fokussiert und mit einem untadelig ergreifenden Vortrag gesegnet, vermochte noch jedes ihrer Alben zu zünden.

Anspieltipps: Rubber & Soul, The Fight Song

(Eine wundervolle Cover-Version von True Colors erschien dieses Jahr auf Daytrotter. Mehr dazu an dieser Stelle.)

Mark Kozelek: Ob als Solo-Performer oder als Mastermind von Sun Kil Moon, der entrückt wirkende Gesang paart sich mit überragender Erzählkunst. Die menschliche Seite eines Mörders in Worte zu fassen, wie es beim gänsehäuternen Lied Glenn Tipton der Fall ist, zeugt von Finesse. Einer der absolut besten Vertreter seiner Zunft.

Anspieltipps: Lost Verses, Walk All Over You

Tom Waits: Auch in den 2000ern war der Poet der Gosse über jegliches Klischee erhaben. Tief verwurzelt in den amerikanischen Mythen erschafft er mit jedem Album ein bedeutungsschweres, musikalisch anspruchsvolles und präzises Abbild gesellschaftlicher Wirklichkeiten.

Anspieltipps: Road To Peace (Download von Label-Seite), Hoist That Rag, Day After Tomorrow

(Hier haben wir weitere legale und kostenlose Downloads von der aktuellen Platte parat.)

Jason Molina: Ob unter dem Namen Magnolia Electric Co. oder Songs: Ohia, dieser Musiker hat ein Händchen für tolle Melodien und rustikalen Vortrag. Nach wie vor völlig unterschätzt.

Anspieltipps: The Dark Don’t Hide, Josephine (beide auf der offiziellen Homepage als kostenlose Downloads erhältlich)

(Über eine famose Daytrotter-Session haben wir bereits berichtet.)

John Frusciante: Er war nicht nur einfach der Gitarrist der Red Hot Chili Peppers, von welchen er sich kürzlich verabschiedete. Sein Solowerk ist imposanter und facettenreicher, vielschichtig aber nie aufgebläht.

Anspieltipps: The Days Have Turned, With No One

Richard Ashcroft: Wenn es um elegante Popsongs geht, kommt auf der britischen Insel nahezu niemand an Herrn Ashcroft heran. Und dies unterstreicht er sowohl im Alleingang als auch als Frontmann von The Verve. Dazu kommt diese unsagbar warme Stimme, die die Ohren umschmeichelt und keine Sekunde lang süßlich wirkt.

Anspieltipps: Science Of Silence, Words Just Get In The Way

Marissa Nadler: Ihre Stücke kann nur als Dream-Folk mit einer herrlich gespenstischen, zeitlosen Aura bezeichnet werden. Famos und in den Bann ziehend.

Anspieltipps: River Of Dirt, Diamond Heart, Days Of Rum

David Thomas Broughton: Wer die britische Folk-Tradition für sich entdecken möchte, sollte den in extremem Lo-Fi gehaltenen Lieder dieses Herren ein Ohr leihen. Reinste Beseeltheit, die mehr Fans erhalten müsste.

Anspieltipps: Weight Of My Love, Unmarked Grave

Weitere Nennungen im illustren Kreis der Genies verdienen sich:

Pete Doherty: Keine Widerrede, was er macht, hat Hand und Fuß. Seine Skandale sind nichts im Vergleich zu seinen herausragenden Fertigkeiten.

PJ Harvey: Einem schwächeren Album stehen drei wundervolle, sehr unterschiedliche gegenüber. Vor allem Stories From The City, Stories From The Sea war eine Offenbarung.

Stuart A. Staples: Im Alleingang atemberaubend, mit den Tindersticks über jeden Verdacht erhaben.

Bruce Springsteen: Nach einigen schwachen Alben hat er mit Magic und Working On A Dream wieder an Glanzzeiten angeknüpft.

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„England“ – Richard Ashcrofts neuer Song für „The Journey“

container

Neues gibt’s vom The Verve Frontmann Richard Ashcroft, meiner Meinung nach einer der genialsten und talentiertesten Köpfe der britischen Musikszene. Kaum jemand schafft es so sehr, Intelligenz mit Emotionen in seiner Musik zu verbinden. Einige seiner Solo-Songs gehören zu meinen absoluten Lieblingssongs für immer und ewig.

Nach dem Comeback von The Verve im vergangenen Jahr wurd’s ne zeitlang stiller, nun meldet sich Richard Ashcroft mit einem neuen Song zurück, den er für ein besonderes Projekt geschrieben hat. The Journey ist ein Kurzfilm von Richard Jobson und Emma Thompson, der den harten Alltag einer Straßenhure behandelt. Alle Erlöse aus dem Film und dem Song gehen zu Gunsten der Menschenrechtsorganisation Helen Bamber Foundation. Den Film und ein Interview mit Emma Thompson findent ihr auf The Guadian. Die Szenen sind heftig und nicht für Minderjährige geeignet.

Das Video zu Richard Ashcrofts Song England (The Journey Soundtrack) könnt ihr hier sehen.

Oder… solange Youtube es nicht löscht (auch das Musikvideo enthält Szenen, die nicht für Kinder geeignet sind) hier:

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500 essentielle Songs der Dekade – Teil 2

Auch dieses Mal wollen wir eine bunte Mixtur an bekanntem und unbekanntem, wichtigem und besonders wertvollem Liedgut vorstellen. Und obzwar Listen immer den Geschmack des Erstellers widerspiegeln, haben wir doch versucht über den Tellerrand zu lugen. So mag ob des Haareraufens nun das eine oder andere davon in der Suppe schwimmen. Dennoch wollen wir uns ans  Servieren machen – umso mehr, da wir der bloggenden Nachbarschaft mit dampfender Terrine und gutem Vorbild voranschreiten. Teil 1 offerierte bereits jede Menge Leckerbissen, jetzt folgt der Nachschlag.

500Tracks(Teil2)

wallofarmsThe Maccabees – Love You Better (2009)

someofmybestfriendsaredjsKid Koala – Skanky Panky (2003)

ghostsofthegreathighwaySun Kil Moon – Glenn Tipton (2003)

kidaRadiohead – The National Anthem (2000)

whateveryouloveyouareDirty Three – I Offered It Up To The Stars & The Night Sky (2000)

keystotheworldRichard Ashcroft – Words Just Get In The Way (2006)

siberiaEcho & The Bunnymen – In the Margins (2005)

championsoundJaylib – Champion Sound (2003)

lostchannelsGreat Lake Swimmers – Everything Is Moving So Fast (2009)

zMy Morning Jacket – Dondante (2005)

Reise ins Gehirn von Richard Ashcroft

Auch wenn Forth von The Verve zu meinen Lieblingsalben 2008 zählt. Für ihr Comeback bin ich aus anderen Gründen dankbar: Dies ist und bleibt Richard Ashcroft als Solokünstler – diesen habe ich dann auch wiederentdeckt und mich neu verliebt.

Richard Ashcroft – Words Just Get in the Way

Sein eigenwilliger Webauftritt verlangt ein gewisses Mass an Affinität zu Exzentrik und öffnet ein Türchen zu Richard Ashcroft’s Brain. Hier tummeln sich viel Weltfrieden, die Beatles, Kunst, Kitsch und alles Mögliche im Grenzgebiet von Genie und Wahnsinn. Viel Spass damit!

Links: Offizielle Homepage, BRAIN

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