Schlagwort-Archive: Rock

Musikvideo: Kasabian – You’re In Love With A Psycho

Dank sozialer Netzwerke kann man heutzutage Launen und Gemütslagen jederzeit mit der ganzen Welt teilen. Daran ist nichts weiter auszusetzen. Problematisch jedoch wird es, wenn die eigene Befindlichkeit zur alleinigen Argumentationsgrundlage wird. Wenn man also etwas furchtbar findet, weil man sich beleidigt sieht. Es wird in diesem Fall nicht nach der Intention des Tuns geforscht, es zählt ausschließlich die Wirkung am eigenen Leib. Das zeugt schon von Empathielosigkeit. Dass viele Menschen sich daraus einen Sport machen, die Weiten des Internets nach vermeintlich anstößigen Dingen zu durchforsten, die sie zusammen mit Gleichgesinnten als verletzend wahrnehmen können, schlägt dem Fass den Boden aus. Einen solchen Shitstorm hat vergangene Woche auch die britische Formation Kasabian erlebt, als sie das Video zum Song You’re In Love With A Psycho präsentierte. Ein britischer Interessenverband namens Time to Change stieß sich nicht nur an der Verwendung des Wortes Psycho, darüber hinaus fand man auch den Inhalt des Clips äußerst unpassend. Time to Change möchte der Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen den Kampf ansagen, versucht die öffentliche Wahrnehmung zu verändern. Prinzipiell löblich, aber nicht wirklich zielführend, wenn man vor lauter Verbissenheit jeglichen Sinn für Humor verliert. Denn Kasabians Parodie auf den Alltag in einer Irrenanstalt steht fraglos in der Tradition von Einer flog übers Kuckucksnest. Die Albernheit, die dem Schaffen der Jungs aus Leicester oft innewohnt, ist selbstironisch zu verstehen. Kasabian persiflieren gekonnt ihr Rockstar-Image. Ihr Faible für sehr schräge Inszenierung macht sie zu absoluten Sympathieträgern.

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Schatzkästchen 64: Manic Street Preachers – Together Stronger (C’mon Wales)

Fußballhymnen, da müssen wir nicht drüber diskutieren, sind überwiegend nur mit einem gewissen Alkoholpegel zu ertragen. Warum der Fußball sich so oft mit Tussis aus dem Pop oder Fuzzis des Schlagers zusammentut, bleibt ein ewiges Geheimnis. So wird ja der deutsche WM-Triumph 2014 bis heute davon überschattet, dass auf der Siegesfeier Helene Fischer durch die Landschaft hopste. Mit dem mit Makel behafteten Geschmack der breiten Masse sind mickrige Fußballlieder nicht völlig zu erklären, denn es gäbe genug erstklassige Musiker, die auch die Charts anführen. Das kleine, kleine Wales jedenfalls geht mit gutem Beispiel voran! Die großen Manic Street Preachers haben ihrer Heimat mit Together Stronger (C’mon Wales) einen WM-Song spendiert, dessen Refrain sich nicht erst nach einigen Pints zum Mitsingen eignet. Die Hymne lässt das knappe Scheitern in vergangenen EM-Qualifikationen Revue passieren, Fernsehkommentare früherer Tage vermitteln einstige Enttäuschungen. Gerade aus solch herzzerreißender Erinnerung erwächst aber eine ausgesprochen liebenswerte Euphorie über die erstmalige Teilnahme an einer Europameisterschaft. Der Song gerät zu einer rührenden Liebeserklärung ans Team rund um seinen Superstar Gareth Bale. Together Stronger (C’mon Wales) wirkt so selbstverständlich eingängig und sympathisch, dass man sich am Kopf kratzt und darüber wundert, warum nicht mehr Länder ihren Teams eine tolle Hymne spendieren. Die Antwort ist einfach. Schatzkästchen 64: Manic Street Preachers – Together Stronger (C’mon Wales) weiterlesen

Stream: The Cave Singers – Christmas Night

Eines der höchst gelungenen Folkalben des Jahres 2015 war das Debüt des Duos Kodiak Deathbeds, über das ich hier bereits schon einiges zu sagen hatte. Derek Fudesco, seines Zeichens umtriebiger Gitarrist, ist aber auch bei The Cave Singers mit von der Partie. Die in der Indie-Szene gut beleumundete Band aus Seattle hat vor einigen Wochen ein neues Album names Banshee angekündigt, das für Februar 2016 avisiert ist. Und eine Kostprobe davon ist mit dem Song Christmas Night bereits als Stream erhältlich. Das Lied erfreut als mit Garage-Elementen und Americana durchsetzter Rock. Auch wenn ich beim Gesang mit gewissen Verständnisproblemen zu kämpfen habe, scheint der Christmas Night vor allem mit dem Versuch beschäftigt, das Leben zu verändern, ja gar umzukrempeln. Ob aber ausgerechnet Weihnachten dazu taugt, wage ich freilich zu bezweifeln. Stream: The Cave Singers – Christmas Night weiterlesen

Stream: The Drabs – Here Comes the Joy

Die im sonnigen Kalifornien beheimatete Band The Drabs hat sich laut Eigendefinition dem Slack Rock verschrieben. Und tatsächlich bietet die weihnachtliche EP Here Comes the Joy lässigen, den Siebzigern und Achtzigern verschriebenen Rock. Das auffälligste Merkmal ist der öfters fast ins Sprechen abgleitende Gesang von Frontmann David Bernat. Here Comes the Joy bezieht seinen Charme aus seinem bewusst altmodischen, straighten Zuschnitt. Da wäre beispielsweise das schmissige Santa’s Got Toys, welches ausgiebig darüber lamentiert, dass sämtliche Spielzeuge kaputt oder verloren gegangen sind („That kite just vanished in the air/ I checked the bag but there’s no marbles in there/ My superball bounced right outta town/ None of these hula hoops are still round„), sodass kein Zweifel daran besteht, dass Santa tief in seinen Sack greifen muss. Stream: The Drabs – Here Comes the Joy weiterlesen

Ein Album, mit dem man Pferde stehlen kann – Stereophonics

Kritikerlieblinge werden die Stereophonics in diesem Leben wohl nicht mehr. Aber auf diese Rolle schielen sie sicher auch nicht. Die Stereophonics machen Pop-Rock für die Massen, bescheren launige Alben, mit denen sich gut Pferde stehlen lassen. Die Waliser pflegen ohnehin nie das typische Stargehabe, sie gleichen mehr Kumpels von nebenan, die oft eine gute Idee, eine Aufmunterung im Köcher haben. Zugegeben, Frontmann Kelly Jones ist kein musikalisches Genie vom Schlage eines Noel Gallaghers, kein Posterboy des Alternativen wie Thom Yorke, kein Charismatiker im Stile eines Brian Molko und schon gar keine einschüchternde, exzentrische Erscheinung wie etwa Sergio Pizzorno. Und trotz dieser vermeintlichen Eigenschaftslosigkeit sind die Stereophonics eine feste Größe – vor allem auf der Insel. Auch beim neuen Album Keep The Village Alive müsste es eigentlich mit dem Teufel zugehen, wenn man nicht den einen oder anderen Song darauf findet, der in Alltag oder Freizeit das Herz höherschlagen lässt.

Als heißer Anwärter auf hunderte Hördurchläufe erweist sich die Pub-Rock-Hymne C’est la Vie. Das Lokal, in dem diese Nummer ohne jedwede Resonanz durch die Boxen dröhnt, muss erst noch eröffnet werden! Launigeres als C’est la Vie wird man 2015 kaum finden. Auch wenn Drowned In Sound es mit den Worten „It’s crap. Really crap.“ bedenkt. Mindestens ebenso erfreulich erschallt in meinen Ohren White Lies, über dessen unverwüstlichen Charme ich ein wenig gegrübelt habe, ehe ich vom Clash Magazine endlich erleuchtet wurde. Selbiges versucht sich mit dem Vergleich „Bon Jovi covering U2“ an der Lästerei – und trifft dabei versehentlich den Nagel auf den Kopf. Und zwar im positiven Sinne. Ein Album, mit dem man Pferde stehlen kann – Stereophonics weiterlesen

Famose griechische Slacker-Hippie-Rebellen – The Noise Figures

Es gibt nichts, was es nicht gibt! Beispielsweise famosen psychedelischen Desert-Garage aus Griechenland! Das Duo The Noise Figures macht ihren abgetakelten Van startklar, klappert und holpert über die sandigen bis schottrigen Nebenstraßen dieser Welt, nimmt uns mit auf eine dreckige Zeitreise durch die späten Sechziger und frühen Siebziger. Aphelion ist ein Album, das die Vergangenheit nicht einfach imitiert, sondern sie ohne spleenige Verklärungen oder ironische Brechungen beinahe wiederauferstehen lässt. Wer der urtümlichen Kraft von Rock verfallen ist, wird von Aphelion schlicht begeistert sein! Allerdings sorgt die Herkunft des Duos für im Rock eher ungewöhnliche Untertöne.

2012 haben sich die Jugendfreude George Nikas und Stamos Bamparis zusammengetan und in der Musik ein Mittel zur Bewältigung der tristen Krise im Lande gefunden. Dennoch frönt die Platte keinem reinen Eskapismus zu. Das in Musik und Text gewählte Außenseitertum bietet sowohl die Scheißegal-Attitüde von Slacker-Hippies als auch reichlich rebellisches Außenseitertum. Famose griechische Slacker-Hippie-Rebellen – The Noise Figures weiterlesen

Schlaglicht 22: Stereophonics

Wäre Großbritannien so wie Deutschland, es würde jede neue Platte von Chris Norman oder Engelbert Humperdinck die Spitze der Charts erklimmen. So wie das jedes neue Album von Peter Maffay in unseren Breiten tut. In Deutschland verstopft langgedientes Mittelmaß die Charts, vom üblen Schlager gar nicht erst zu reden. In Großbritannien gestaltet es sich anders, dort etablieren sich Bands, die hierzulande keinen Fuß auf den Boden bekommen würden. Britpop und Alternative Rock blüht auf der Insel wohl auch deshalb, weil weniger Bockmist die Charts füllt. Das Album einer Band wird außerhalb der Zielgruppe besser wahrgenommen, wenn man auf einen vorderen Platz in den Verkaufshitparaden verweisen kann. Platz 5 oder Platz 50, das ist ein beträchtlicher Unterschied. Selbst Recken wie Tocotronic haben hier bislang erst einmal den Sprung nach ganz oben geschafft. Und auch eine derzeit angesagte Band wie Revolverheld muss froh sein, wenn es für die deutschen Top Ten langt. In Großbritannien ist dies – wie gesagt – anders. Zum Beispiel auch bei den Stereophonics. Die Waliser haben in den letzten 20 Jahren mit fünf Alben die Charts angeführt. Auch wenn die Formation mittlerweile natürlich ein wenig in die Jahre gekommen ist, darf man dennoch davon ausgehen, dass ihre für September angekündigte Platte Keep The Village Alive nicht im Nirvana der Charts versauern wird. Die Stereophonics sind aus deutscher Sicht gesehen ein echtes Mysterium. Hierzulande war ihnen nie ein breites Publikum vergönnt. Verstehe das, wer will! Selbst dieser inselaffine Blog unterschlägt bei der Aufzählung toller Bands aus Großbritannien die Stereophonics allzu oft. Zu Unrecht! Denn wenn man sich den bereits im Mai veröffentlichten ersten Vorgeschmack zum neuen Werk anhört, wird man an der Single nichts aussetzen können. C’est La Vie ist eine Gute-Laune-Nummer, die holterdiepolter durch die Boxen scheppert. Der Song zählt wohl zu den aufgewecktesten Rockhymnen der letzten Jahre. Schlaglicht 22: Stereophonics weiterlesen

Wundertüte von einer Rockoper – His Name Is Alive

Wenn ich den Inhalt von Tecuciztecatl richtig begriffen habe, dreht sich die Geschichte um eine junge Frau, der bei einer Ultraschall-Untersuchung mitgeteilt wird, dass sie mit Zwillingen schwanger sei. Statt Freude kommt jedoch Entsetzen auf, weil ein Zwilling wohl abgrundtief böse scheint. Die Frau wendet sich daraufhin an einen Bibliothekar, der sich nebenbei als Dämonenjäger verdingt. Zusammen mit ihm versucht sie, den bösen Embryo in ihrem Bauch zu töten, ohne dabei dem anderen Kind Schaden zuzufügen. Klingt wie aus einem billigen Horror-Trash-Movie entsprungen? Das ist zweifelsohne so beabsichtigt. Tecuciztecatl will eine psychedelische Rockoper sein, die den Hörer irritiert und fesselt. His Name Is Alive, das schon seit 25 Jahren bestehende Projekt von Mastermind Warren Defever, hat sich in all den Jahren vorwiegend in der Indie-Nische versteckt und der Unberechenbarkeit gefrönt. His Name Is Alive ist eigentlich eine Misserfolgsgeschichte, weil die unzähligen Sängerinnen der Band, die immer wechselnden stilistischen Ausrichtungen jedwede Wiedererkennung stets torpedierten. Defever war und ist ein einfallsreicher Kopf, der seinem Schaffen jedoch nie ein Mindestmaß an Kohärenz einzuhauchen vermochte.

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Geerdeter Nonkonformismus – Federal Lights

Heute sei der kanadischen Formation Federal Lights ein Ohr geliehen, die Roots Music mal mit Pop und dann wieder mit Rock verquickt und daraus ein ansehnliches Debüt namens We Were Found In The Fog strickt. Bei Folk und Americana existieren ja unter anderem zwei sehr beliebte Zugänge. Entweder man zieht sich in die Einöde zurück, um im Schoß der Wildnis über das Sein der Dinge zu grübeln. Dann klingt der Folk getragen und der Selbsterkenntnis verpflichtet. Oder aber man fabriziert Wohlfühlklänge, die zum Schunkeln einladen und das Flanell gehörig ins Schwitzen bringen. Die Federal Lights rund um Mastermind Jean-Guy Roy versuchen das Beste aus beiden Temperamenten mit angenehm eingängigen Pop-Rock zu kombinieren. Als Resultat steht eine radiowonnige Platte mit ungewohnter Authentizität zu Buche.

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Wie Phönix aus der Asche – Strand of Oaks

Wenn ich die Biografie Timothy Showalters richtig deute, hat er unter dem Projektnamen Strand of Oaks bereits so manche in den Genres Folk und Americana beheimatete Platten veröffentlicht. Und dann kam eine persönliche Lebenskrise, eine Phase der Unzufriedenheit. Das Schreiben von Songs geriet zur Ka­thar­sis, an deren Ende nun die Veröffentlichung eines sinnigerweise HEAL benannten Werks steht. Dieses offenbart sich als Vintage-Rock-Album, das in vielerlei Hinsicht an das vor wenigen Monaten veröffentlichte, famose Lost In The Dream von The War On Drugs erinnert. Beide Platten sind bei verschwisterten Labels (Dead Oceans und Secretly Canadian) erschienen, das jedoch mag Zufall sein. HEAL stellt sich als kraftvolle musikalische Neuorientierung dar, welche von Stadion-Rock bis hin zu balladeskem Rock reicht. Mal dominiert ein kerniger, urtümlicher Gitarrensound, dann wieder Synthies samt Flair der Achtziger. Der Pressetext fasst die Chose folgerichtig so zusammen: „HEAL is a bold new beginning, with a thrilling full-tilt sound that draws on Showalter’s love of ’70s, ’80s and ’90s rock and pop, with the singer and guitarist playing the intense valedictory confessor.“

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Photo Credit: Dusdin Condren

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