Schlagwort-Archive: Rock

Wie Phönix aus der Asche – Strand of Oaks

Wenn ich die Biografie Timothy Showalters richtig deute, hat er unter dem Projektnamen Strand of Oaks bereits so manche in den Genres Folk und Americana beheimatete Platten veröffentlicht. Und dann kam eine persönliche Lebenskrise, eine Phase der Unzufriedenheit. Das Schreiben von Songs geriet zur Ka­thar­sis, an deren Ende nun die Veröffentlichung eines sinnigerweise HEAL benannten Werks steht. Dieses offenbart sich als Vintage-Rock-Album, das in vielerlei Hinsicht an das vor wenigen Monaten veröffentlichte, famose Lost In The Dream von The War On Drugs erinnert. Beide Platten sind bei verschwisterten Labels (Dead Oceans und Secretly Canadian) erschienen, das jedoch mag Zufall sein. HEAL stellt sich als kraftvolle musikalische Neuorientierung dar, welche von Stadion-Rock bis hin zu balladeskem Rock reicht. Mal dominiert ein kerniger, urtümlicher Gitarrensound, dann wieder Synthies samt Flair der Achtziger. Der Pressetext fasst die Chose folgerichtig so zusammen: „HEAL is a bold new beginning, with a thrilling full-tilt sound that draws on Showalter’s love of ’70s, ’80s and ’90s rock and pop, with the singer and guitarist playing the intense valedictory confessor.“

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Photo Credit: Dusdin Condren

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Die Jungs aus Leicester – Kasabian

Es existiert diese Demut und Bescheidenheit vorgaukelnde Phrase, wonach man sich noch ganz genau entsinnen könne, woher man komme. Das sagen gerne diejenigen, die bescheidenen Verhältnissen entstammen und es zu Ruhm und Ehre in der großen weiten Welt gebracht haben. Solch Menschen wollen zum Ausdruck bringen, dass sie den Aufstieg in elitäre Sphären aus eigener Kraft geschafft haben. Die britische Formation Kasabian kann sich nicht mit solch Worten schmücken. Sie ist noch immer die Band aus Leicester, einer nicht eben als musikalisches Zentrum verschrienen Stadt in Mittelengland. Die Mitglieder von Kasabian sind bei ihren Wurzeln geblieben, müssen somit nicht im Gedächtnis kramen, um sich ihre Ursprünge zu vergegenwärtigen. Die Gruppe um Sänger Tom Meighan und Songwriter Sergio Pizzorno ist auf der Insel mittlerweile eine feste Größe, besitzt Headliner-Qualitäten bei den größten Festivals. Kasabian hat in den vergangenen 10 Jahren von Leicester aus das Rockstartum kultiviert. Doch so erfolgreich sich die Formation auch in Großbritannien präsentiert, so wenig wird sie in Deutschland wahrgenommen. Hierzulande denkt man noch immer an permanente Minderleister wie Coldplay, wenn man erfolgreiche britische Acts nennen soll. Dabei ist Kasabian eine Entdeckung wert, weil mit jedem Album neue Qualitäten lässig unters Volk gestreut werden, während Coldplay der Arsch doch längst auf Grundeis gegangen ist und sich Chris Martin und Co. nur noch als Besitzstandswahrer verdingen. Meighan, Pizzorno und Konsorten dagegen sind die mit den Eiern in der Hose, wie auch die neue Platte 48:13 belegt.

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Photo Credit: Charlie Gray

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Kaffeekränzchen im inneren Ich – The War On Drugs

Wenn man ganz tief in sich geht und dort Besuch vorfindet, darf man zunächst vielleicht durchaus mit der Wimper zucken. Wenn das innere Ich jedoch gerade ein Kaffeekränzchen mit den Lichtgestalten der Musikgeschichte abhält, dann sollte man sich unbedingt hinzugesellen und staunenden Ohrs das Notizbuch zücken. So zumindest hat es Adam Granduciel gemacht. Der Kopf der US-Band The War On Drugs hat wohl seit Jahr und Tag den einen oder anderen Gast, der ihm so durchs Hirn geistert. Ein Bruce Springsteen scheint mittlerweile bereits zum Inventar zu gehören. Dass sich nun aber auch ein Mark Knopfler, Tom Petty und – weltexklusiv – die Dylansche Artikulationslegasthenie zu Kaffee und Kuchen einfinden, mag Granduciel vielleicht überrascht, sicher aber inspiriert haben. Das neue Album Lost In The Dream fegt das wirklich gute Vorgängerwerk Slave Ambient völlig vom Tapet, Lost In The Dream gerät dank all der Einflüsterungen besagter Heroen zur famosen, erinnerungswürdigen Platte. Denn Granduciel kennt zwar seine Pappenheimer, ein schnöder Kopist ist er freilich nie.

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Photo Credit: Dusdin Condren

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Lauschrausch LI: Tiny Fingers

Heute möchte ich ohne Umschweife einen deftigen Track empfehlen, der uns dieser Tage ins E-Mail-Postfach gerauscht ist. Nachdem wir in letzter Zeit viele Singer-Songwriter und auch die eine oder andere gehobene Pop-Kapelle auf dem Blog erwähnt haben, tut es auch mal gut, kernig jaulenden Rock um die Ohren gehauen zu bekommen. Die mir bislang unbekannte Formation Tiny Fingers stammt aus dem in musikalischer Hinsicht durchaus exotischen Israel, Ende April wird ihr Album Megafauna hierzulande veröffentlicht. Der Vorgeschmack Demands verspricht in seiner Wuchtigkeit so einiges. Laut Pressetext kombiniert die Band „die ungezügelte Intensität von Rockmusik mit dem Rausch von Electro-Raves“. Tja, wenn Raves tatsächlich dermaßen herb ablaufen, dann würde ich mich doch glatt noch auf selbige verirren. Doch mit welchen Genreetikett soll man nun Demands schmücken? Tiny Fingers nennen ihren Sound „Atomic Rock“. Verbirgt sich dahinter vielleicht Post-Rock? Trifft es psychedelischer Rock mit Verve besser? Lauschrausch LI: Tiny Fingers weiterlesen

Lauschrausch XXXVII: Hailer

Als ich unlängst über die australische Band Hailer gestolpert bin, wurde ich ein bisschen nostalgisch. Wo ist er hin, der gute alte Alternative Rock á la R.E.M.? Warum ist die Unmittelbarkeit des College Rocks heutzutage aus der Mode gekommen? Mir fehlt oft ein verkrachter, zugleich herzlicher Gitarrensound, der sympathisch-hymnisch durch die Boxen schwappt. Wenn ich mir das Hailers Album Another Way so anhöre, dann erinnert die Band in ihren stärksten Momenten durchaus an diese gute alte Zeit. Der (in obigem Widget als kostenloser Download erhältliche) Track Postcard etwa ist richtiggehend mitreißend, unbeschwert rockend, Spooky Claims dagegen wirkt düster, flackert wie Rauchschwaden durch eine verratzte Bar. Auch Holding Hands ist ein Song, der gute Laune macht. Es sind nur Kleinigkeiten, welche den guten Eindruck von Another Way trüben. Produktionstechnisch wirkt die Platte ein wenig sehr DIY, fast schon ins Mono abgleitend. Bisweilen streuen Hailer auch eher unauffällige Tracks mit ordentlich Luft nach oben ein, ein wenig mehr Konsistenz hätte dem Album nicht geschadet. Doch je öfter man sich den Song Postcard anhört, desto eher ist man gewillt, den Australiern sehr ordentliches Potential zu bescheinigen. Dieses Lied taugt definitiv für eine Lauschrausch!

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Kein Rückzug aufs Altenteil – Beady Eye

Oasis haben immer und stets an einem Minderwertigkeitskomplex gelitten. Die Gebrüder Gallagher konnten es selbst am Höhepunkt des Erfolges nicht verwinden, dass nicht sie die Musik erfunden haben und es Jahrzehnte zuvor bereits eine Band namens The Beatles gegeben hat. Aus dieser Mulmigkeit heraus mussten sich Oasis immer größer als das Leben geben, Gigantomanie mit flegelhafter Rockstarattitüde unterstreichen. Im Rückblick blieb daher oft der Eindruck hängen, dass die Gallaghers in ihrer kranken zwischenbrüderlichen Chemie eher legitime Erben von The Three Stooges waren, sich nur ab und an nebenberuflich als Beatles-Epigonen betätigten. Derart haben es sich Oasis über kurz oder lang mit Presse, Fans und der ganzen Welt verscherzt. Ihr mit Methode vorgebrachter Wahn hat den Fokus von ihren Songs genommen. Dabei haben Oasis Lieder aufgenommen, die in ihrer Genialität keinen Vergleich scheuen müssen. Keinen. Nun sind Oasis (vorerst) Geschichte und Liam Gallagher versucht mit seiner Band Beady Eye einen neuen Mythos zu kreieren. Sein Album BE verkennt somit einmal mehr Realitäten – und wird vielleicht deshalb auch verkannt.

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Free Christmas Compilation: PASTE HOLIDAY SAMPLER 2012

Es ist mir eine besonders große Freude, diese kostenlose Christmas Songs Compilation vorzustellen, sind doch unsere Lieblinge die Great Lake Swimmers mit dabei. Viele der Künstler, die ihr auf dem Holiday Sampler findet, waren schon in den Vorjahren in unserem Klingenden Adventskalender vertreten. Wie ihr wisst, dreht sich im Dezember hier auf unserem Musikblog (fast) alles um die schönsten neuen Weihnachtslieder, die die Pop/Rock-und Folk-Musiker und Labels gratis verteilen, das jährliche Geschenk des Paste Magazins ist uns immer eine ganz besondere Freude.

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Hier wird wahrhaftig Dreck gefressen – We Are Augustines

Wenn sich Außenseiter gegen ihr Scheitern aufbäumen, zählt das fraglos zu den spannenderen, mitfühlenden Geschichten, die es zu erzählen lohnt. Vor allem wenn man es nicht mit in philosophischen Elfenbeitürmen eingekerkerten Eremiten zu tun hat. Existenzialisitsches Nasebohren wirkt langweilig. Oft werden Eigenbrötler zu unverstandenen Heiligen verklärt, ein verkitschtes Paradies in all die vermeintlich tristen Unterschichtsgefilde platziert. Die New Yorker Band We Are Augustines stilisiert ihre Schicksalsträger nicht zu besseren Menschen hoch, macht aus an der Welt verzagten Zeitgenossen keine mitleidheischenden Opfer oder gar verkannte Genies. Das Album Rise Ye Sunken Ships hegt und pflegt einen Attitüde, die auf Schöngeistereien verzichtet, eher im Blue-Collar-Millieu angesiedelt ist. Bruce Springsteen lässt grüßen.

Wo Rockmusik den Ausgestoßenen in die große Freiheit fortschickt, sind Springsteen’sche Protagonisten meist auf der Flucht – vor den eigenen Träumen, vor allerlei desillusionierenden Alltäglichkeiten, vor dem eigenen Untergang. We Are Augustines fehlt es manchmal an lyrischer Wucht, ihr Ringen und Sehnen entwickelt jedoch oft eine lebensnahe Dynamik, von der sich viele College-Bubi-Bands mehr als nur eine Scheibe abschneiden sollten. Könnte die Bitterkeit des Verlierers tatenloser ausfallen als in der Szenerie von Chapel Song, wenn er während einer Hochzeitszeremonie sein Mädchen mit einem Anderen vor den Altar treten sieht? Headlong Into the Abyss beschreibt die Spritztour in einem gestohlenen Auto, den Nervenkitzel und Kick, der jegliche Konsequenzen negiert. Freiheit und Ekstase auf Zeit. Mit Book Of James erreicht die Band ihren Zenit. In diesem Song erzählt Sänger Bill McCarthy von der psychischen Erkrankung seines Bruders, die letztlich zu dessen Freitod führte. Zeilen wie “Guess you’re either headin’ somewhere or endin’ up somewhere/ I tried the bible, I tried the bottle, I tried the needle, I tried to love people/ In the end there ain’t nothing to say” sind ein galliger Drops, an dem man sich verschluckt, der im Halse stecken bleibt. Hier fehlt jegliche Paria-Romantik, das Lied mündet schließlich in unpathetisch lapidarer Vergebung. Juarez ist aus ähnlichem Holz geschnitzt, eine im salbungsvollen Refrain aufschwellende Hymne des Aufbruchs, welche die verbrannte Erde hinter sich lässt. We Are Augustines packen die Schicksale mit Vorliebe in einen kräftigen Rock-Sound, der sich schiere Betroffenheit verbietet, dennoch zu Emotionen drängt. Dessen Beschaffenheit vorwiegend ohne ausladende Gesten für große Bühnen taugt (New Drink For The Old Drunk).

Wie McCarthy seinem Bruder im Song Patton State Hospital die helfende Hand hinstreckt, solch ein Augenblick beinhaltet eine kämpferische und zugleich ohnmächtige Komponente. We Are Augustines lassen ihre Anti-Helden nie an den Banalitäten des Seins scheitern. Hier wird wahrhaftig Dreck gefressen, schwer bezwingbaren Dämonen getrotzt, Elend nie schöngefärbt. Dadurch gerät Rise Ye Sunken Ships zu einem konsequenten wie dezenten Befreiungsschlag, der sich nicht gegen den Hörer wendet, ihn keineswegs in eine Finsternis boxt. Die Platte versinkt nie in einem Tal der Tränen, obwohl sie tief in Abgründe blickt. Die geschilderten Außenseiter wirken vielleicht sogar vertrauter, als wir uns das wünschen würden.  Nicht zuletzt deshalb sollte man an dem Album nicht vorbeigehen.

Rise Ye Sunken Ships erscheint am 05.03.2012 auf Oxcart.

Link:

Offizielle Homepage

SomeVapourTrails

Den vielen Vätern wie aus den Gesichtern geschnitten – The War on Drugs

Aus dem Schoß der Rock-Geschichte mag dieser Tage oftmals Gonorrhoe hervorsprudeln, aber nach wie vor stellt sich auch putzmunterer Nachwuchs ein, gebiert aus dem Unterleib der Musik, den vielen Vätern wie aus den Gesichtern geschnitten. Während manch Papa den Sohn nur aus der Ferne durch ein kukidentschwangeres Glas erblickt, sind andere Väter noch mindestens so quicklebendig und fidel wie der Knirps selbst. Die Rockmusik hat viele Wechselbälger unter den Argusaugen der vermeintlichen Erzeuger an ihrem wogenden Busen genährt. Doch stets haben sich die Kuckuckskinder früher oder später verraten, wurden mit Schimpf und Schande verjagt, während die nicht weit vom Stamme gefallenen Äpfel liebevolles Getäschel erfuhren. Rock umspannt Generationen. Und die, welche heute huckepackig auf den Schultern der Giganten herumfuchteln, werden einst selbst mit großer Geste die Gitarre schwingen. The War on Drugs üben diese Attitüde auf dem neuen Album Slave Ambient bereits eifrig – und lassen viele Papis greis aussehen.

Photo Credit: Graham Tolbert

The War on Drugs „Come To The City“ from Secretly Jag on Vimeo.

Mastermind Adam Granduciel pumucklt keine abenteuerlustige, schrille Imitation auf CD, verklärt Rock nie zu einer Ideologie aus Schweiß und Gitarren, rebelliert ebensowenig mit pickelig-ödipaler Wut. Slave Ambient gerät zu einem wohldosierten, nachdenklichem Werk, das für das Amerika eines Tom Petty oder Bruce Springsteen mehr als nur einen Funken Ehrfurcht übrig hat. Manch Lieder dieses Werks durchpflügen das Oval riesiger Stadien, andere wiederum bescheiden sich mit Indie-Flair. Gebündelt ergeben sie ein Album, welches die Tugenden feinsten Rocks nicht aus den Augen verliert, darauf verzichtet, immer und öfter holterdiepolter mit Krawumm loszupreschen. Best Night beispielsweise schreddert keine Instrumente, erinnert ein bisschen an die lakonischen, zwischen Hymnen gepackten Reflexionen von Springsteens The River. Brothers macht das gelungene Bemühen Granduciels um einen angeknautscht Dylanschen Vortrag deutlich, bereitet den Weg zum ersten großen Highlight der Scheibe: I Was There. Feinmelodisches Understatement trifft auf ins Herz sickernde Lyrics, lässt den Hörer hastig nach einem Ehrenplatz in der körpereigenen Emotionskiste wühlen. Mit Come To The City wird im Stile von U2 ein Song auf Arenagröße hochgekocht, schrauben sich The War on Drugs gen gleißende Rockgefilde hinauf. Etwas aus dem Rahmen fällt der strudelteigig gedehnte, mit jeder Menge den Achtzigern zugeneigten Synthies ausgestattete Titel It’s You Destiny, ehe Baby Missiles quasi als Korrektiv fiebrig aus den Boxen wieselt. Ein Song, den auch der Boss auf der Höhe seines Schaffens nicht besser hätte schreiben mögen. Black Water Falls schließlich verdeutlicht mit dem Zaunpfahl winkend, dass die Band auch – und nicht gering – aus dem Americana schöpft.

The War on Drugs „Baby Missiles“ from Secretly Jag on Vimeo.

Wie The War on Drugs ihre Lieder ins rechte Licht rücken, große wie kleine Instrumentalstücke als Brücken zwischen den einzelnen Nummern errichten, die Fähigkeit der Zuspitzung perfektionieren, das geschieht derart überzeugend, dass man die Formation nie in die Liga laienhaften Indie-Rocks einsortieren möchte. Hier kaspern keine naseweisen Knirpse herum, reißen sich keine Büschel vom Wuschelkopf, um die Brust mit Haaren zu bekleben. Slave Ambient ist in seiner Pfiffigkeit den Windeln schon längst entwachsen, den putzigen Kinderschuhen entschlüpft und halbstarkem wie besserwisserischem Getue abgeneigt. In den hervorstechenden Moment komprimiert vorliegendes Album Musikgeschichte, hängt voll Ernsthaftigkeit eine eigenständige, unverkennbare Note daran. Entwickelt einen viele Temperamente pflegenden Charakter. The War on Drugs entpuppen sich als würdige und clevere Erben des Rocks. Die Ahnen dürfen auf Finesse und Veranlagung dieser Formation ungemein stolz sein.

Slave Ambient ist am 12.08.11 auf Secretly Canadian erschienen.

Konzerttermine:

19.09.11 Berlin – NBI Club
23.09.11 Hamburg – Reeperbahn Festival
24.09.11 Köln – King Georg

Links:

Offizieller Blog

Konzert von The War on Drugs (NPR)

Free Mp3s: Baby Missiles (Label-Seite) und Come To The City (Soundcloud)

SomeVapourTrails

Die schnelle Rocknummer: Blind / One Fine Day

Heute hole ich mir einmal zwei CDs aus dem Stapel der Promo-Exemplare, die sich unangekündigt in meinen Briefkasten verirrten, mich schon eine Weile aus der Ferne anglubschen und mit herausforderndem Blick einiger Worte harren.

Keine Badewannenkapitäne – Blind

Was dem Gitarristen zur hellen Freude gereicht, bereitet dem Seemann Angst und Schrecken: Das Riff. Doch auch der Musiker sollte den Kurs halten, nie blindlings auf Grund laufen und absaufen. Die deutsche Rockband Blind hat mit der Platte The Fire Remains Kurs gen Mainstream-Gefilde aufgenommen. Nun tummelt sich in diesen Gewässern bereits die eine oder andere Band. Ob man also ein nettes Plätzchen zum Ankern findet, bleibt fraglich, obwohl die Lieder nicht abgetakelt klingen. Wer unspektakulären Rock mag, der angenehm aus dem Radio tönt, trotz prinzipiell eingängigem Sound nicht zu Luftgitarrenexzessen verleitet, die wiederum die Nachbarn aufbringen könnten, wer also eine bunte Mischung aus flotten Songs und Balladen sucht, die zwar keine Experimente wagen, aber eben deshalb auch nicht in die Hose gehen, dem wird Blind die eine oder andere Stunde versüßen.

Eigentlich hatte ich auf den ersten Blick eher üble Musik erwartet, zumindest aber Lieder, die mich in etwa so vom Hocker hauen, wie es zum Beispiel Nickelback tut. Da ich seit meiner Jugend keinen Rock mehr höre, der nicht von dem Begriff Alternative an die Leine genommen wird, paarte sich meine Skepsis mit einer gewissen Unbeleckheit. Umso erfreulicher werte ich daher Songs wie Room Without A View oder Teenage Dreams, die zwar meine Genre-Klischees bestätigen, zugleich jedoch auch vor Augen führen, wieviel besser am Mainstream orientierter Rock im Vergleich zu anderen populären Stilrichtungen klingt. Blind krempeln mit The Fire Remains keinesfalls die Rock-Historie um, sie fügen aber auch kein düsteres Kapitel hinzu. Down als guten Midtempo-Track vermag ich mir mehrmals hintereinander anzuhören, ohne dass zarten Geschmacksknospen auch nur ansatzweise verwelken. Zum Highlight der Scheibe gerät der Opener Don’t Think So, dessen altmodische Intensität durchaus imponiert. Solange die Band die Finger von Balladen lässt, gerät alles gut. Mit Moving On freilich greifen mir die Koblenzer Herren dann doch zu tief in softe Mottenkiste des Rocks.

Blind werden sich nie in mein Herz spielen, aber zumindest das aktuelle Album The Fire Remains bietet auch keinen Grund schreiend das Weite zu suchen. Solides Handwerk sucht das Rampenlicht. Warum auch nicht? Sie sind gut genug, um nicht nur in der Badewanne Kapitän zu spielen.

The Fire Remains ist am 17.09. auf Blind Records erschienen.

Konzerttermine:

21.11.10 Köln – MTC
03.12.10 Witten – Werk°stadt
04.12.10 München – Backstage Club
06.12.10 Köln – Underground
09.12.10 Frankfurt/Main – Nachtleben
10.12.10 Greven – Kesselhaus
11.12.10 Wilhelmshaven – Pumpwerk
12.12.10 Hamburg – Logo
13.12.10 Koblenz – Circus Maximus

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Die abgesagte Rebellion – One Fine Day

Jaha, heute ist nichts mit Singer-Songwriter-Elfenklängen oder kirgisischen Electronica-Künstlern. Wir bleiben beim Rock – und in deutschen Gefilden. Da sieht der werte Leser einmal, was so alles den Weg in mein Postfach findet. Die Hamburger Gruppe One Fine Day beschert uns die Platte The Element Rebellion. Noch so eine Rockband also, die nicht erst seit gestern existiert, welche ich aber bis dato nicht wahrgenommen habe.

Auch bei wiederholter Betrachtung fällt die propagierte Rebellion doch ein wenig kleinwüchsig aus. Meist liefert die Band Dutzendware ab, obzwar man ihr die Ambition wohl anmerkt. Sie will keinesfalls ideenlos zur Tat schreiten, aber letztlich bedient sie doch nur musikalische Stereotypen. Wenn zumindest ordentlich gebolzt würde, könnte man darüber noch hinwegsehen, aber auch dies passiert zu selten. Im Grunde vermögen One Fine Day dann zu überzeugen, wenn sie aus der Rolle fallen. Zum Beispiel bei Feel Again, das weitaus subtiler ausfällt als die bereits im Titel halsbrecherisch direkten The Rebel und No Hero. Dieses wahrhaft lichte Feel Again entblößt die Herren als befähigt nicht einfach nur mit Bass, Gitarre und Schlagzeug im Nirvana des 08/15 zu versinken. Wenn das Plakative zur Seite tritt und den Blick freigibt, kommen gute Ansätze hervor. Doch weia, es geschieht zu selten. Ansprechende Song wie Dare The World, welches im Refrain ordentlich losfetzt, oder New Horizons, das wenigstens druckvoll zum Bierdosenwerfen einlädt, stehen zu simpel gestrickte Lieder mit Zeilen wie „Cause I am no hero / But I’m me/ And I am no hero / But I have a dream“ gegenüber. Da fehlt dem ausladenden Gestus die Substanz. Und sogar der an sich mit gutem Pathos getränke Satz „We need to explode/To feel moments like these“ wird durch die übrigen Lyrics von Explode konterkariert. Denn natürlich, so verlangt es die Plattitüde, ist der ärgste Feind man selbst.

Von meiner Warte – und ohne das bisherige Schaffen von One Fine Day zu kennen – verbleiben der Band zwei Möglichkeiten. Entweder legt sie textlich eine Schippe drauf und schwingt weniger die holzhammerne Keule auf sämtliche bekannten Gemeinplätze oder aber die Herrschaften werden musikalisch interessanter, agieren weniger routiniert, dann gerät der Text zweifellos zur Nebensache. The Element Rebellion bietet von 51 Minuten 17 sehr gelungene Minuten. Da können die Fotos im Booklet einen noch so sympathischen Eindruck von den Bandmitgliedern vermitteln, aber sorry, dass muss so klar gesagt sein, ein feines Drittel eines Albums mag den schwächeren Rest fast aufwiegen, vergessen macht es ihn jedoch nicht. Zumindest vorläufig ist die Rebellion abgesagt.

Konzerttermine:

20.10.10 Düsseldorf – Zakk (mit Donots)
21.10.10 Wiesbaden – Schlachthof (mit Donots)
22.10.10 Paderborn – Kulturwerkstatt (mit Donots)
24.10.10 Heidelberg – Halle 02 (mit Donots)
25.10.10 Bremen – Halle 7 (mit Donots)
27.10.10 Braunschweig – Meier Music Hall (mit Donots)
28.10.10 Chemnitz – AJZ Talschock (mit Donots)
04.11.10 Köln – Underground
05.11.10 Hamburg – Markthalle
11.11.10 Kiel – Max
25.11.10 Rostock – Mau Club
27.11.10 Erfurt – Unikum
30.11.10 Oberhausen – Zentrum Altenberg
01.12.10 Frankfurt/Main – Nachtleben
02.12.10 Stuttgart – Universum

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