Ohne Übermut ins Gestern – See Through Dresses

Wir kaufen Produkte von Knorr, weil die Firma für die Würze aus der Tüte steht. Wir greifen zu Nudeln von Barilla, da sie uns einen Hauch Italien in die Küche wehen. Unsere Waschmittel sind seit Generation von Henkel. Die breite Masse gibt sich markenbewusst. Jedoch nicht bei Musik. Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller kämen kaum auf die Idee, ein bestimmtes Label mit einem Vertrauensvorschuss auszustatten. Der Satz „Schau, die CD ist von Universal, dann wird die Musik wohl ganz ordentlich sein.“ ist mir noch nie zu Ohren gekommen. Warum eigentlich nicht? Weshalb spielt im Bereich der Musik die Plattenfirma höchsten bei absoluten Fetischisten eine gewisse Rolle? Ich für meinen Teil vertraue dem Label Ninja Tune in puncto Electronica blind. Und in deutschen Breiten mausert sich das Münsteraner Label This Charming Man zu einer Marke, der man bedenkenlos höchst Indie-Qualität zugestehen darf. Das bestätigt auch die jüngste Veröffentlichung, die gleichnamige Platte der See Through Dresses. Die Band aus Nebraska liefert ein nostalgisches Album ab, welches seine Inspiration überwiegend aus den Jahren von 1990-1995 bezieht. Dabei wird ein College Rock eingefangen, dazu gesellt sich die eine oder andere Dosis Shoegaze, weiters stößt man auf sepiahafte Popmelodien. Die See Through Dresses versetzen sich mit größter Selbstverständlichkeit – aber ohne Übermut – in jenes Gestern, wagen sogar das eine oder andere Experiment. Der Track You Get Sick Again etwa klingt nach einer in quirligem Noise-Pop gehaltenen Version eines Songs von The Cure.

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