Lie In The Sound präsentiert: Die 10 besten Tracks 2010

Oft scheint ja der eigene Horizont nur eine iPod-Länge entfernt zu sein. Um diese Begrenztheit im Keim zu ersticken, höre ich mir vielerlei Musik an. Beherzige Empfehlungen von Freunden, notiere das Rauschen in meinem RSS-Feed, leihe den Tipps der Fachzeitschriften ein Ohr,  sogar den Mätzchen von Micky-Maus-Bloggern widme ich Aufmerksamkeit. Irgendwie will sich jedoch Angesagtheit partout nicht in meinen Gehörgängen verankern, verheddere ich mich ebensowenig in Geschmacksverpflichtungen. So sind es letztlich die Dauerbrenner und Underdogs, die die Liste meiner liebsten Songs pflastern. Obwohl ich mindestens 100 Lieder präsentieren könnte, die mich 2010 begeisterten, sollen heute zunächst 10 hervorgehoben werden. Weitere 40 werden im Laufe der Woche noch lobende Erwähnung finden. Diese 10 Tracks, welche nun den Anfang machen, sind fraglos edel und ohne Ablaufdatum.

01. Clem SnideI Got High

Begründung: Mastermind Eef Barzelay kreiert einen Song, der hymnische Momente in einen sanften Sound bindet und textlich am Gemächt der amerikanischen Jugend sägt.

02. GrasscutThe Tin Man

Begründung: Weil das vielschichtige Experimentieren unabdingbarer Bestandteil von Musik ist, muss man vor Grasscut den Hut ziehen. Sie schmiedeten viele Versatzstücke zu einem meisterhaft gänsehäuternen Track.

03. Xiu XiuDear God, I Hate Myself

Begründung: Eine derart larmoyant wie augenzwinkernde Electro-Pop-Hymne hat es 2010 kein zweites Mal gegeben.

04. Sharon Van EttenDon’t Do It

Begründung: Mit dem Album Epic stieg sie vom Singer-Songwriter-Talent zur Könnerin empor. Den eindringlichsten, eingängigsten, hintergründigsten Track der Platte bekommt man nicht mehr aus dem Ohr. Warum auch sollte man dies wollen?

05. Fang IslandLife Coach

Begründung: Ein Song, zu dem es sich prima grölen und Bierdosen werfen lässt. Dass ausgerechnet der Auftritt der Band beim diesjährigen Berlin Festival zu den schwächer besuchten geriet, bleibt unverständlich, da die Herren live die reinste Wonne darstellen.

06. Damien JuradoArkansas

Begründung: Jurado könnte spielend 4 Tracks in meinen Top 50 platzieren, bescherte dieses Jahr Momente bestechenster Liedkunst. Das Sahnehäubchen Arkansas überzeugt durch seine sofortige Überwältigung des Hörers.

07. Johnny CashAin’t No Grave

Begründung: Der Auferstehungsgesang einer Legende.

08. SeligVon Ewigkeit zu Ewigkeit

Begründung: Eine schönere Liebeserklärung in deutscher Sprache habe ich 2010 nirgendwo vernommen. Jan Plewka darf sich zumindest meiner ewigliche Verehrung gewiss sein.

09. Jaga JazzistOne-Armed Bandit

Begründung: Startet funkig-sirenesk, flirtet zwischendurch mehrmals heftig mit minimalistischen Motiven, um doch wieder und wieder das Hauptthema aufzugreifen und derart zu forcieren, dass man sich in eine Zeit zurückfühlt, als allein schon die Erkennungsmelodie von Die Straßen von San Francisco vor die Glotze lockte.

10. Justin Townes EarleHarlem River Blues

Begründung: Ein Hochkaräter des Country. Mit einem nicht minder hochkarätigen Song aus dem gleichnamigen Album. In deutschen Gefilden nahezu unbekannt, warum eigentlich?

Fortsetzung folgt…

SomeVapourTrails

Bundesvision Song Contest 2010 – Eine unselige Veranstaltung

Einmal noch will ich mich mit dem BuViSoCo auseinandersetzen, ehe wieder mehr Indie und Internationalität durch den Blog weht. Den Bundesvision Song Contest 2010 zierten ein paar wirkliche gute Acts, denen jedoch mehrheitlich hintere Plätze zugewiesen wurden. Das schreit geradezu nach einer Analyse der Ereignisse – und einer Überprüfung meiner Prognose.

Platz 16 – Niedersachsen: Zäumen wir das Pferd von hinten auf. Dass Bernd Begemann und Dirk Darmstaedter mit dem mittelmäßigen Rockabilly-Track So geht das jede Nacht keine Bäume ausreißen, dies war so klar wie Kloßbrühe. Dennoch hätte ich erwartet, dass die treue kleine Fangemeinde der beiden Künstler die völlige Blamage zu verhindern trachtet. Wenn der gestrige Abend etwas lehrt, dann dass auch nicht im Mainstream verankerte, aber keineswegs unbekannte Namen letztlich nur Schall und Rauch sind.

Platz 15 – Saarland: Ich hatte wirklich kein gutes Gefühl hinsichtlich Mikroboy. Nichts ist umsonst gehört zweifelsohne nicht zu den Highlight ihres songwriterischen Schaffens. Da bietet die bereits 2009 veröffentlichte Scheibe Nennt es, wie Ihr wollt. ganz andere Kaliber auf. Unter diesem Aspekt war leider nie mit einem Platz unter den Top 10 zu rechnen. Auch hier lag ich mit meiner Prognose nicht wirklich falsch.

Platz 14 – Rheinland-Pfalz: Jugendlich flotter, ungestümer Indie-Rock wurde bei diesem Bewerb gnadenlos abgestraft. Dass nicht einmal ein lupenrein fabrizierter Titel wie Sommerdiebe Gefallen fand, durften Auletta am eigenen Leib erfahren. Sorry, aber unter die besten Zehn hätten sie es nach qualitativen Maßstäben schaffen müssen.

Platz 13 – Hessen: Inmitten des an Genres armen Contests haben Oceana feat. Leon Taylor souligen Retro-Pop ertönen lassen. Oceana versprüht zudem auch noch Charisma. Bei Far Away ist von A-Z  alles stimmig. Kein Song für die Musikhistorie, aber er wurmt angenehm im Ohr. Vielleicht haben Anhänger solcher Klänge den Abend in sicherer Entfernung des Fernsehgeräts gebracht, eine bessere Erklärung für das ungerechtfertige Resultat habe ich nicht zu bieten. Meine hellseherischen Fähigkeiten haben in besagtem Fall freilich völlig versagt.

Platz 12 – Sachsen: Krudem Humor bin ich aufgeschlossen. Im Vertrauen darauf, dass ein Witz nicht so platt sein muss, dass ihn selbst ein Mario Barth barsch von sich weist, hielt ich eine einstellige Platzierung für die Blockflöte des Todes für realistisch. Alles wird teurer mit dem Plädoyer für Fairtrade-Koks hat als Parodie auf das gegenwärtig grassierende, bürgerliche Bewusstsein für fairen Handel, dem sich weder die Lebensmittelindustrie noch die Bekleidungsbranche dauerhaft verschließen mag, leider wenig Gegenliebe gefunden. Schade, aber ProSieben war noch selten ein Ort, wo man mit dergestalten Spitzen Erfolg hat.

Platz 11 – Bremen: Die kleinstadthelden lieferten mit Osterholz-Scharmbeck ein ordentliches, rockiges Album, aber mit Indie Boys war nichts, absolut gar nichts zu gewinnen.  Dazu musste man kein Prophet sein.

Platz 10 – Mecklenburg-Vorpommern: Was Sebastian Hämer mit dem in jeder Hinsicht unauffälligen Is‘ schon ok ins Mittelfeld gespült hat, bleibt ein veritables Rätsel. Vielleicht wurde die Biederheit des Songs honoriert. Stefan Raab würde wohl sagen: Man weiß es nicht.

Platz 9 – Baden-Württemberg: Bakkushan treten immer auf das Gaspedal. Da bildet natürlich Springwut keine Ausnahme. Auch weil derartige Power zu speziell für die ganz breite Masse scheint, war mit solch einem Platz zu rechnen. Sehr solide.

Platz 8 – Hamburg: Natürlich, Selig wirkten indigniert, anscheinend haben sie die anfänglichen Tonprobleme aus dem Konzept gebracht. Aber Von Ewigkeit zu Ewigkeit besitzt soviel Klasse, dass auch eine schwache Performance das Abschneiden nie und nimmer erklärt. Sind Selig und deren Fans zu alt oder zu abgeklärt, um solch einem Wettbewerb den nötigen Enthusiasmus entgegenzubringen? Eine unselige Geschichte.

Platz 7 – Schleswig-Holstein: Eine positive Überraschung des Abends war das nicht überragende Abschneiden von Stanfour. Band und Song Sail On wirken viel zu glatt. Vielleicht habe ich die Popularität in Teenager-Kreisen überschätzt.

Platz 6 – Thüringen: In meiner Vorhersage bildeten Norman Sinn & Ryo das Schlusslicht. Zu vergessenswerte war die dargebotene Fahrstuhlmusik, zu uncharismatisch die Protagonisten. Was im konkreten Fall zum Achtungserfolg von Planlos führte, vermag ich mir trotz Haareraufens  nach wie vor nicht zu erklären.

Platz 5 – Brandenburg: Zugegeben, ich mochte Du, Es und Ich von der allerersten Sekunde nicht leiden. Das Gezeichnete Ich wirkt auf mich ebenso wenig einnehmend. Aber es war die Veranstaltung, in der man mit dem Griff in den Schmalztopf nichts verkehrt machte.

Platz 4 – Bayern: Blumentopf ziert ein Schönheitsfehler: Sie können nicht rappen. Diesen Makel teilen sie mit mir, aber ich malträtiere mit meinen Versuchen auch nicht die Masse. Dabei wären die Texte völlig in Ordnung, aber der Vortrag nervt – gewaltig. So aufgesetzt locker, dass es schmerzt. SoLaLa schlug sich mehr als ordentlich. Habe ich unterschätzt, wie sehr besonders bestenfalls durchschnittlicher Rap im Mainstream-Geschmack angekommen scheint?

Platz 3 – Berlin: Ich + Ich zählten zu den Favoriten, aber mit dem Ethno-Gedudel Yasmine wachsen eben keine Bäume in den Himmel. Die treue Fanbase verzeihte den Murks ohne zu murren und votierte kräftig mit.

Platz 2 – Sachsen-Anhalt: Klar, Silly sind Kult. Aber Alles Rot befördert die enttäuschte Wut einer Frau, die wegen einer Jüngeren verlassen wurde. Damit punktet man eigentlich nicht in der jugendlichen Zielgruppe des Senders. Umso erfreulicher das Resultat. Ein Spitzenlied erlangt ein Spitzenresultat. Der Lichtblick des Votings.

Platz 1 – Nordrhein-Westfalen: Unheilig – der unselige wie erwartete Gewinner. Zugegeben ich attestiere dem sogenannten Grafen, dass er sympathisch über den Bildschirm wischt. Dies mag einen Teil der Popularität definieren. Aber Unter deiner Flagge zählt zur Kategorie einer pathetischen Schlagerherrlichkeit, die zwar aufgepeppt, aber dennoch sowohl musikalisch als auch textlich diejenigen Geschmäcker bedient, welche eigentlich keine sind.

Eine kleine Randnotiz: Sieht man sich die Labels an, deren Künstler beim Bundesvision Song Contest an den Start gingen, merkt man rasch, dass Universal hier einen überwältigenden Sieg davon tragen konnte. Die Vertreter kleinerer Labels landeten ohne Ausnahme auf den hinteren Plätzen. Es sind halt noch immer die Riesen unter den Plattenfirmen, die den Geschmack der breiten Masse bestens bedienen.

SomeVapourTrails

Bundesvision Song Contest 2010 – Die Prognose

Link: SomeVapourTrails bloggt LIVE zum BuViSoCo

Zur Ursachenforschung, warum der Abend so verlief, wie er verlief, sofern dies nicht bloß der bösscherzige Traum eines geschmacksresistenten Musikgottes war, zu den Gründen findet man unter folgendem Link Erklärungsversuche.

Heute mal Klartext. Welcher Song rockt, welcher Titel floppt. Ich hab mich an eine Prognose für den Bundesvision Song Contest 2010 gewagt. Wie richtig ich mit meiner Einschätzung liege, kann man 01.10. auch in Echtzeit auf diesem Blog nachlesen, wenn ich mich ans Live-Blogging wage. Schaut vorbei…

Baden-WürttembergBakkushan – “Springwut”

Energetisch wie man es von der Band erwarten kann und darf. Eine wirklich gute Nummer.

Prognose: Platz 7

Persönliche Wertung: 7 von 10 Punkten

BayernBlumentopf – “SoLaLa”

Blumentopf gehören zu den großen Missverständnissen der deutschen Hip-Hop-Szene, hätte ich ihren Flow, würde ich an Verstopfung leiden.

Prognose: Platz 13

Persönliche Wertung: 4 von 10 Punkten

BerlinIch + Ich – “Yasmine”

Hier geht es zur Live-Präsentation des Lieds bei TV total.

Ich + Ich stehen für erfolgsverwöhnten, eingängig wie intelligenten Pop, da können die Kritiker sich noch so sehr wie Rumpelstilzchen aufregen und gegenteiliges verkünden. Dieses Lied gehört jedoch in die Kategorie Ausschuss. Aber die breite Fanbase wird dennoch kräftig votieren.

Prognose: Platz 2

Persönliche Wertung: 5 von 10 Punkten

BrandenburgDas Gezeichnete Ich – “Du, Es und Ich”


Das Gezeichnete Ich – Du, Es Und Ich – MyVideo

Ziemlich nerviger, säuselnder Herzschmerz-Pop ohne Erbarmen.

Prognose: Platz 11

Persönliche Wertung: 3 von 10 Punkten

Bremenkleinstadthelden – “Indie Boys”

Das schlechteste Lied des neuen Albums Osterholz-Scharmbeck ausgerechnet beim BuViSoCo zu präsentieren – keine gute Wahl. Mit dem Titel Winter im Juli wäre eine weit bessere Platzierung möglich gewesen.

Prognose: Platz 10

Persönliche Wertung: 4 von 10 Punkten

HamburgSelig – “Von Ewigkeit zu Ewigkeit”


Selig — Von Ewigkeit zu Ewigkeit – MyVideo

Die unterschätzteste deutsche Rockgruppe steuert einen in jeder Hinsicht absolut edlen Song zum Wettbewerb bei. Die Lyrics geraten zu einer wundervollen Absichtserklärung, selten habe ich ein ähnlich kräftiges Liebeslied gehört.

Prognose: Platz 4

Persönliche Wertung: 10 von 10 Punkten

HessenOceana & Leon Taylor – “Far Away”

Fein-souliger Retro-Pop, ein sauber produzierter Track. Eine gelungene Überraschung, die die übrige Teilnehmerliste auch stilistisch bereichert.

Prognose: Platz 8

Persönliche Wertung: 7 von 10 Punkten
Mecklenburg-VorpommernSebastian Hämer – “Is‘ schon ok”

Hier geht es zur Live-Präsentation des Lieds bei TV total.

Ein absoluter 08/15-Song, nicht brechreizverursachend, aber nicht wirklich gut. Derart gewöhnlich, dass einem die Worte für Lob oder Kritik fehlen. Hämer kann es aber besser.

Prognose: Platz 14

Persönliche Wertung: 4 von 10 Punkten

NiedersachsenBernd Begemann & Dirk Darmstaedter – “So geht das jede Nacht”

Rockabilly ist ein Minderheitenprogramm in Deutschland, die werten Herren liefern keinen triftigen Grund, warum sich dies ändern sollte.

Prognose: Vorletzter Platz

Persönliche Wertung: 5 von 10 Punkten

NRWUnheilig – “Unter Deiner Flagge”


Unheilig — Unter Deiner Flagge – MyVideo

Das Getue um den Grafen ist albern, musikalisch und textlich hingegen hat der Song immerhin Schlager-Niveau.

Prognose: Unverdienter Sieger

Persönliche Wertung: 2 von 10 Punkten

Rheinland-PfalzAuletta – “Sommerdiebe”


Auletta — Sommerdiebe – MyVideo

Ein flotter, mit launigem Kehrreim versehener Indie-Rock-Track. Alles im grünen Bereich.

Prognose: Platz 9

Persönliche Wertung: 7 von 10 Punkten

SaarlandMikroboy – “Nichts ist umsonst”

Mikroboy sind wesentlich klüger – musikalisch wie textlich – als die meisten vergleichbaren Acts. Leider stellen sie es bei diesem eher sperrigen Titel nicht zwingend unter Beweis.

Prognose: Platz 12

Persönliche Wertung: 7 von 10 Punkten

Sachsen-AnhaltSilly – “Alles Rot”

ALLES ROT I from sillychannel on Vimeo.

Zusammen mit Seligs Von Ewigkeit zu Ewigkeit das beste Lied der Veranstaltung. Thematisch jedoch für die Zielgruppe des BuViSoCo denkbar ungeeignet. Wie soll man Teenies die Bitterkeit einer verlassenen Frau erklären, deren Mann seine zweite Jugend mit einer Kindsfrau erleben will. Das schert sie – verständlicherweise – einen Dreck.

Prognose: Platz 5 und damit völlig unterbewertet.

Persönliche Wertung: 10 von 10 Punkten

SachsenBlockflöte des Todes – “Alles Wird Teurer” (Details)


Blockflöte des Todes-Alles Wird Teurer (BuViSoCo Sachsen)
Hochgeladen von Revolver_Promotion. – Sieh mehr Musikvideos, in HD!

Eine morbid-satirische Ballade, die Fairtrade-Koks zum neuen Schick erklärt. Tolle Idee, genial umgesetzt. Und für nen Lacher „Hihi, der Heini hat Koks gesagt“ auch bei weniger subtilen Gemütern gut.

Prognose: Ein Achtungserfolg erscheint möglich. Platz 6 wäre famos.

Persönliche Wertung: 9 von 10 Punkten

Schleswig-HolsteinStanfour – “Sail On”


Stanfour — Sail On – MyVideo

Ein Track, den man so oder sogar besser bereits ungezählte Male gehört hat. Für mehr als feuchte Teenager-Träume taugt die Band wohl kaum.

Prognose: Ein geschmacksbefreiter Platz 3

Persönliche Wertung: 2 von 10 Punkten

ThüringenNorman Sinn & Ryo – “Planlos”

Nun ja, das Lied ist so sehr um beliebige Gefälligkeit bemüht, dass es noch während des Hörens aus dem Ohr flutscht.

Prognose: Letzter Platz

Persönliche Wertung: 4 von 10 Punkten

SomeVapourTrails

Bundesvision Song Contest 2010 – Die Teilnehmer

Zur Ursachenforschung, warum der Abend so verlief, wie er verlief, sofern dies nicht bloß der bösscherzige Traum eines geschmacksresistenten Musikgottes war, zu den Gründen findet man unter folgendem Link Erklärungsversuche.

Link: SomeVapourTrails bloggt LIVE zum BuViSoCo

Zu den Musikclips und zum Erfolgsaussichten der Teilnehmer geht es hier.

Nun also wurde fast en passant im Trubel der Nachwehen des Eurovision Song Contest bekannt gegeben, wer sich beim Bundesvision Song Contest 2010 am 01. Oktober 2010 in Berlin miteinander messen darf. Man kann Stefan Raab durchaus wieder dazu gratulieren, sowohl hochbekannte Top-Stars als auch junge und sehr aufstrebende Bands unter einen Hut zu bringen. Dieser Mix mutet vielversprechend an. Nach dem virtuosen Peter Fox, der den Contest 2009 souverän gewonnen hat, darf man auch dieses Jahr von einem würdigen Sieger ausgehen. Besonders freut uns, dass es auch einige Acts gibt (zum Beispiel auch Blockflöte des Todes) gibt, die noch abseits der großen Bühnen tingeln, aber ein breiteres Publikum nicht nur verdienen, nein auch zufriedenstellen können. Und dass es Bakkushan bereits geschafft haben, ist verdienter Lohn für wirklich quirlige Musik. Die Liste jedenfalls erscheint mir bunt.  Meinen Lieblingen Selig drücke ich natürlich besonders die Daumen. Wir jedenfalls werden in Vorfreude auf einen feinen Abend am 01. Oktober den einen oder anderen Künstler sicher noch genauer unter die Lupe nehmen.

Baden-WürttembergBakkushan – „Springwut“
BayernBlumentopf – „SoLaLa“
BerlinIch + Ich – „Yasmine“
BrandenburgDas Gezeichnete Ich – „Du, Es und Ich“ (Details)
Bremenkleinstadthelden – „Indie Boys“ (Details)
HamburgSelig – „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“
HessenOceana & Leon – „Far Away“ (Details)
Mecklenburg-VorpommernSebastian Hämer – „Is´ schon ok“
NiedersachsenBernd Begemann & Dirk Darmstaedter – „So geht das jede Nacht“
NRWUnheilig – „Unter Deiner Flagge“
Rheinland-PfalzAuletta – „Sommerdiebe“ (Details)
SaarlandMikroboy – „Nichts Ist Umsonst“ (Details)
Sachsen-AnhaltSilly – „Alles Rot“
SachsenBlockflöte des Todes – „Alles Wird Teurer“ (Details)
Schleswig-HolsteinStanfour – „Sail On“
ThüringenNorman Sinn & Ryo – „Planlos“

Link:

Teilnehmerliste auf tvtotal.prosieben.de

SomeVapourTrails

Musikalischer Quartalsbericht 2009 (I)

Januar, Februar und März liegen nun hinter uns. Eine kurze Zusammenfassung der Highlights, Neuentdeckungen und natürlich auch der kakophonischen Katastrophen bietet sich folglich an.

Beginnen wir mit dem in jeder Hinsicht durchschnittlichsten Album des noch jungen Jahres. Man hört die einzelnen Songs an, nur um sie mit dem nächsten Wimpernschlag dem Vergessen preiszugeben. Sie tun nicht mal weh, sonst würde sich zumindest diese Erinnerung ins Hirn prägen. Die Rede ist natürlich von U2s neuer Platte No Line On The Horizon. Aber natürlich hat sich auch diese CD von Bono und Kumpanen verkauft. Die Herrschaften könnten wohl auch die Platte „Live aus dem Trappistenkloster“ aufnehmen und damit Kohle verdienen. Ein weitaus größeres Ärgernis ist da schon der Hype um Glasvegas. Aber das Hochloben langweiliger Bands von der Insel hat ja mittlerweile Tradition, in vorangegangenen Jahren wurde man mit den Arctic Monkeys oder Franz Ferdinand beglückt. Apropos Franz Ferdinand, selbige sind auch 2009 noch keinen Deut interessanter geworden. Es gibt eben doch Konstanten im Musikbusiness. Eine dieser bedeutete immer auch, dass Johnny Cash als unantastbares Gütesiegel galt. Die Scheibe Johnny Cash Remixed jedoch darf getrost als schlechtestes Album der letzten drei Monate gewertet werden. Wenn sich Snoop Dogg über den Altmeister hermacht, ist dies Grabschändung der übelsten Sorte. Wann kommt endlich die Gefängnisstrafe für zweitklassige Remixer, die sich an formidablen Liedern vergehen?

Wenden wir besser den schönen Dingen zu. Pete Doherty bewies mit Grace/Wastelands, dass er zu mehr als nur Skandalgeschichtchen taugt. The View fragten Which Bitch? und lieferten frische, verrotzte Mucke ab. Die Tradition allerfeinsten Songwritings hielt Little Hells von Marissa Nadler hoch, dessen entrückte Stimmung gefiel und gefiel und gefiel. Dass Antony and the Johnsons mit The Crying Light einen weiteren Meilenstein setzen würden, war abzusehen – und sollte dennoch nochmals erwähnt werden. Das Comeback von Selig rief jede Menge Kritiker auf den Plan und dies völlig zu Unrecht. Wer allerfeinsten deutschen Rock nicht mag, der sollte bei Peter Maffay bleiben. Und Endlich Unendlich ist famos.

Das Jahr ist jung, die Zahl der Newcomer hingegen groß. Abgefeiert wurde Soap & Skin und es erscheint zwecklos das Potential zu leugnen. Noch wenig bekannt in Deutschland ist der Songwriter Mike Bones, welcher mit seinem zweiten Album A Fool For Everyone ein Meisterwerk geschaffen hat. Hier harrt ein Ausnahmetalent einer breiten Wahrnehmung. Auch deutschsprachiger Pop kann abseits jedweden nervtötenden Gebarens stattfinden, wie Lalah mit dem Debüt Ich wär so weit unterstrich. Und The Glam versprachen mit Escapism, dass man auch von Deutschland aus die Musikwelt erobern kann.

So vielfältig sich dies erste Quartal auch musikalisch präsentiert, einige brilliante Alben tummeln sich bereits in der Veröffentlichungswarteschleifen und garantieren keinerlei Abflauen an allerschönstem Nachschub.

SomeVapourTrails

Fabchannel ist tot – lang lebe Selig

Unser liebster Konzert-Kanal segnete dieser Tage leider frühzeitig das Zeitige. Trotzdem gibt’s für für alle, die vom heimischen Rechner aus gerne Bühnenperformances verfolgen,  auch sehr Erfreuliches zu berichten. Selig sind zurück, SomeVapourTrails vom neuen Album ganz begeistert. Und:

Am kommenden Montag dem 23.03.2009 könnt ihr Seligs Konzert in der Live Music Hall Köln live im Internet anschauen.

Das Konzert in Köln wird auf diversen anderen Plattformen live gestreamt unter anderem auch direkt auf der Selig Homepage. Das Konzert beginnt ca. um 21.15 Uhr.

Hier gehts zum Stream

Mehr Infos: Offizielle Homepage

DifferentStars

Vorwärts in die Vergangenheit – Seligs Comeback

Lediglich zwei Platten deutschen Rocks der 90er gelang die perfekte Vermengung poetischer Ausdruckskraft mit hochenergetischem Gitarren-Rock. Eine davon war Tocotronics K.O.O.K., die andere stammte von Selig und hieß Hier.

Wenn ich über Selig spreche, muss ich vorab den Textmagier und Sänger Jan Plewka schelten. Er ist meines Erachtens einer der begabtesten seiner Zunft. Und doch konnte er dies weder auf Solopfaden noch mit den Bands Zinoba und TempEau wirklich bestätigen. Seine traurig-balladeske Schreibe funktionierte nie besser als mit Selig. Nun sind Selig wieder vereint und mir sprießen sogleich wieder Pickel, wie ich sie haufenweise mein Eigen nannte, als ich Hier erstmals hörte. Doch die Abgeklärtheit einer aufkeimenden Midlife Crisis hindert mich an Jubelschreien. Zu zynisch wird man mit dem Alter und erschnuppert einen armseligen Versuch der Reanimation einer einstmals tollen Formation zwecks Brieftaschenauffüllung. Der Fluch der Skepsis scheint freilich auch Segen, denn die Erwartungshaltung tümpelte in Richtung vorprogrammierter Enttäuschung. Nun kuscheln sich 12 neue, selige Lieder durch die Boxen und suchen ein Zuhause. Werden sie sich in mein Herz einnisten wie einst Kleine Schwester, Du kennst mich nicht, Halber Freund und An einem Morgen?

Selig

Foto: (c) Mathias Bothor

Ja, sie tun es. Und Endlich Unendlich verströmt Genialität. Die Pfundskerle räumen bereits mit der ersten Handvoll an Liedern jedwede Zweifel aus dem Weg. Von wegen noch einmal Reibach machen oder musikalischer Offenbarungseid! Die Hamburger Musiker liefern ein Werk ab, welches den Sound ihrer Geniestreiche atmet, frisch und saftig klingt. Sie brauchten sich nicht neu erfinden, weil die hämmrige Leidenschaft gepaart mit Plewkas großem poetischen Staunen noch immer – und vielleicht mehr als je zuvor – fasziniert. Unter den feinen Stücken perlt Wir werden uns wiedersehen hervor. Hoffnungsfroh und hymnisch strudelt das Lied mit dem pompösen Refrain („Wir werden uns wiedersehen, vielleicht nur um zu verstehen, dass das Leben an sich manche Wunder verspricht, ob du’s glaubst oder nicht ich vergesse dich nie.„) einer abgeklärten Zuversicht entgegen. In Schau Schau („Ich schau, schau, schau in den Morgen, aus so vielen Welten zusammengewebt.“) hat die Gruppe eine formidable erste Single gefunden, welche als das beinhaltet, was den besonderen Charme Seligs formt. Dass auch die Intensität langsamerer Stücke ungebrochen scheint, demonstriert Der schönste aller Wege. Plewkas von benebelter Leichtigkeit getragener Gesang besticht besonders auf Ich bin so gefährdet – endlich ein deutsches Liebeslied, welches nicht mit dem Angstschweiß der Naivität dahertropft. Das bluesige Ich dachte schon („Ich dachte schon, du wärst ausgezogen aus den Kammern meiner Erinnerung, doch durch irgendeine Lücke kriechst du immer wieder rein. Lass mich allein.„) bringt durch kraftvolles Spiel und händeringendes Gewimmer meine Zimmerwände zum Bröckeln – und das ist gut so, soll doch mein Nachbar auch gute Musik hautnah genießen dürfen.

Und Endlich Unendlich

Und Endlich Unendlich

Die alten Haudegen begeistern mich nach wie vor. Ihr Schritt vorwärts, welchen sie mit der neuen CD vollziehen, ist eine Besinnung auf eine glorreiche Vergangenheit. Die Mannen um Jan Plewka reanimieren erfolgreich den Esprit der Vorgängerplatten und lassen die jungen, wilden, deutschen Bands allesamt verdammt alt aussehen. Selig sind zurück und selig sind deren Fans.

Link:

Offizielle Homepage

SomeVapourTrails

Liebe Grüße an Musiktipps24…mal schauen ob’s ankommt 😉

Nicht nur Papst, jetzt sind wir auch Selig ;-)

Wiederauferstehen und Zurück-Kommen können nicht nur die Briten. Nach Portishead, Oasis, Travis, The Verve und den anderen von der Insel, freut uns in diesem Jahr das Comeback einer der einflussreichsten deutschen Bands der 90er Jahre: Selig

Selig – „Schau Schau“

Heute erscheint die Single Schau, Schau und ist Vorbote auf das Album Und Endlich Unendlich. Als Selig-Kenner werde ich SomeVapourTrails mal vorschicken und berichten lassen, ob diese alte-neue Liebe hält was sie verspricht:

So verfügen Selig über die Gabe uns weicher und empfänglicher zu machen für die Magie des Augenblicks. Für jene Reise ins Glück, die das Gelingen des Albums auch für die Band selber darstellte. Für Jan Plewka, Christian Neander (Gitarre), Leo Schmidthals (Bass), Malte Neumann (Keyboard) und Stephan „Stoppel“ Eggert (Schlagzeug) fühlt es sich so an, „als würden wir zum zweiten Mal heiraten.“ Ein kleines Wunder!

(Universal Musik/News)

DifferentStars

Sinn und Unsinn des Liedermachens – Gedanken über zu Knyphausen und die Rezeption

Was soll man über den Liebling der musikkritischen Zunft noch schreiben? Wie den Liebesschwüren der Blogging-Szene noch ein Sahnehäubchen aufsetzen? Ein Zugang scheint in der unprätentiösen Betrachtung des Genres „Liedermacher“ zu liegen. Eine Option liegt im scharfen Blick auf die Rezeption Knyphausenschen Wirkens. All dies klingt trocken, nahezu langweilig. Versuchen wir es dennoch, schustern wir mit Chuzpe angereicherte Gedanken zusammen.

Die guten Liedermacher sind die Poeten unserer Tage. Sie schnüffeln nicht den Lockstoff des Kommerzes. Sie transportieren Gefühle mit ungefilterten Emotionen, hemmungslos direkt und oft mit grottig realistischen Bildern. Die Ansätze können gesellschaftliche Relevanz ebenso umfassen wie auch die individuelle Befindlichkeit des Menschen greifbar machen. Der klassische Songwriter ist in erster Linie ein Schreiber, Chronist der Zeit, dadurch oft mit zeitlosen Wahrheiten bewaffnet. Musik ist das Mittel der Message, aber nie die Botschaft selbst. Ob Bob Dylan oder Leonard Cohen, in deutschen Gefilden Wolf Biermann, für Österreich etwa Georg Danzer, alle eint die Unterwerfung von Melodien und Harmonien unter die Macht des Wortes. Die Reduktion von Musik auf eine nahezu vernachlässigbare Größe erlaubt Liedermacher und Hörer den unbeschränken Fokus auf die Botschaft.

Gisbert zu Knyphausen hat sich mit seinem gleichnamigen Debüt nun in Windeseile in den elitären Zirkel relevanter Liedermacher gedrängt. Die Ehrung ist Fluch zugleich. Jede Silbe, jeder Akkord wird auf bedeutungsschwangere Passagen abgeklopft. Wenn es nicht gefällt, wirft der Ankläger den Texten pathetische Melancholie vor. Wem die Texte aus der Seele sprechen, dem entgleiten gefühlsechte Superlative. Einer nüchternen Einschätzung entzieht sich ein Songwriter ohnehin, zu groß sind die emotionalen Barrikaden, welche die Meister mit ihren direkt präsentierten Anliegen auftürmen.

Welche Bilanz kann man über Herrn zu Knyphausen ziehen? Welche halbwegs objektiven Charakteristika erlauben eine kritische Würdigung? Kehren wir nochmals zum Stichwort Poesie zurück. Selbige funktioniert meist auf zwei Arten: Ausladende Breitbild-Szenerie oder auf Realismus reduzierte Wortgewalt. Und hier offeriert Gisbert zu Knyphausen die Alltagssprache als Motor für knappe Fantasien von Liebe und Glück („Doch irgendwann ist auch der tiefste Rausch vorbei. Dann wird es hell, dann fängt das wundervolle Leben und der ganze blöde Scheiß von vorne an.„)  Traurigkeit wird von humoresken Formulierungen flankiert („Ich hab gute Nachrichten für die unter euch, die schlechte Neuigkeit so gerne mögen. oder „Das Leben ist ein Kopfschmerz und es wird Zeit, dass du ihn spürst, hab keine Angst, er ist schnell wieder vorbei.„), Sentimentalitäten sabbern nicht („Ich bau ein wunderschönes Grab für jeden neuen Tag.„) und Tränen tropfen leise. Resümieren wir kurz und knapp. Seit dem Album „Hier“ der Band Selig gab es keine solch authentischen deutschsprachigen Texte mehr. Und eben jene Authentizität beschert den Erfolg, weil sie nicht glattgebügelt oder geschönt wirkt, keine Belanglosigkeit verbreitet. Er sprich in Zungen von den Dingen, die man selbst gerne artikulieren will.

Muss man dem Hype erliegen oder wie Spex trotzig Schwachstellen mokieren? Angesichts der mauen Konkurrenz (ja, Tomte! Und Kettcar!) und der auf hohem Niveau stattfindenden Stagnation von Element Of Crime erscheint zu Knyphausen als feiner Impuls. Wer sonst fickt Melancholie ins Knie?

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