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Unsere liebsten Songs 2015 (1-25)

Nach dem ersten Teil unserer Lieblingslieder mit den Plätzen 26-50 folgt nun der zweite Teil unserer liebsten Songs des Jahres 2015. Samt Spotify-Playliste, die immer 47 der 50 Titel beinhaltet. Doch genug der Worte, stürzen wir uns ins musikalische Getümmel!

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1.) Radio Elvis – Goliath

Goliath ist nicht weniger als phantastisch, weil es markanten, durchaus an französischen Chansonniers orientierten Gesang mit melodischem und zugleich erstaunlich robustem Indie-Rock verbindet. Die Band ist für mich die Entdeckung des Musikjahres. Und Goliath ist das Lied, dass ich auf immer mit 2015 verbinden werde! (Die EP Juste avant la ruée ist am 09.03.2015 auf PIAS erschienen.)

Wanda Bussi Albumcover ©Vertigo Berlin

2.) Wanda – Bussi Baby

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Unsere liebsten EPs 2015

Ich räume gerne Fehleinschätzungen ein. Selbstkritik ist zwar nicht mein liebstes Hobby, aber auch meine Wenigkeit ist nicht frei von Denkfehlern. Lange – sehr lange sogar – hielt ich EPs für Schnickschnack, für bessere Fingerübungen. Wenn ich mir den Musikkonsum im Jahre 2015 so ansehe, könnte ich mir mittlerweile sogar vorstellen, dass die EP das Format der Zukunft darstellt. Sehen wir uns die Sache doch mal ganz nüchtern an. Als man noch ganze Alben gekauft hat, musste ein Album auch mit ungefähr 10 Liedern bestückt werden, zumindest eine gewisse Länge haben. Der Konsument wollte schließlich etwas für sein Geld. Nun freilich hat sich das Konzept des Albums als physischer Einheit durch die Digitalisierung fast überholt. iTunes und Spotify haben in der letzten 10 Jahren den einzelnen Track noch stärker in den Fokus des Hörers gerückt. Diese Problemstellung birgt jedoch auch eine Chance. Kreative können sich auf eine Kompaktheit besinnen, die einen Sound oder ein Thema auf eine Handvoll Songs zuspitzt. Die EP verliert dadurch ihr Lückenfüllerimage, die Möglichkeit zur Verdichtung wertet sie auf. Und vielleicht sorgt ihr niedrigerer Preis sogar für einen Kaufimpuls, den ein Album um 17 EUR immer seltener auslöst. Einen Haken hat die Chose allerdings. Wenn Musiker und Plattenfirmen EPs als gepimpte Singles verstehen, haben sie die Entwicklungen der letzten 15 Jahre samt und sonders verschlafen. Eine EP muss mehr bieten als einen guten Song. 2015 war aus meiner Sicht das Jahr umwerfender EPs. Unsere 10 Favoriten möchte ich den Lesern daher keinesfalls vorenthalten!

1.) Sharon Van Etten – I Don’t Want To Let You Down

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Indie-Lieblingslieder 2015 – Ein Zwischenstand (Teil 2)

Ein wenig atemlos hechle ich stets der Musik hinterher. Irgendwann im Jahre 2016 werde ich vielleicht einmal den Jahrgang 2013 endgültig verdaut haben. Ich bin also vielleicht nicht der geeignetste Blogger, um in einer Art Zwischenstand meine ganz persönlichen Indie-Highlights des Musikjahres 2015 aufzulisten. Ich tue es dennoch, denn so einige Highlights habe ich in diesem Jahr bereits entdeckt. Und gute Musik kann man nicht oft genug erwähnen! Hier nun der 2. Teil der Glanzlichter:

BinoculersWhere The Water Is Black (Deutschland) [Das Album Adapted To Both Shade And Sun ist 19.06.2015 auf Insular erschienen.] (Ankündigung)

East Cameron FolkcoreOur City (USA) [Das Album am 10.04.2015 auf Grand Hotel van Cleef erschienen.] (Review)

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Aus der Tragik der Realität in die Magie von Musik – Sharon Van Etten

Eigentlich möchte ich Knall auf Fall von einer der besten EPs, die ich je gehört habe, erzählen, von einem Stück Musik, welches Beziehungskummer mit eindringlichster Empfindung adelt. Doch bevor ich das tue, muss ich einen kleinen Schwenk auf die Metaebene vollziehen. Künstler wollen uns nämlich in Interviews gerne eine Lesart ihres Schaffens vermitteln. Wenn während eines Filmdrehs, während dem Schreiben eines Buches oder während Plattenaufnahmen ein enges Familienmitglied stirbt, dann soll der Seher, Leser und Hörer dieses Werk gefälligst unter dem Aspekt der Trauer wahrnehmen. Noch schlimmer sind Promofirmen und ihre Pressetexte. Sie liefern quasi Gebrauchsanleitungen zur Rezeption eines Werks aus und hoffen, dass Feuilleton und Fachpresse jene nicht mit allzu vielen eigenen Gedanken verwässern. Kurzum, sobald ein Werk nur einen Funken Tiefgang besitzt – oder besitzen will, wird dem Publikum die Wahrnehmung diktiert. Schade, denn bei den besten Filmen, Büchern und Platten braucht es keine erklärenden Ausführungen, um den Wesenskern für sich zu entdecken und zu verinnerlichen. Als ich die EP I Don’t Want To Let You Down zum ersten Mal gehört habe, sprangen mir Beziehungsschmerz, sämtliche Kämpfe und Verluste, alles Hadern und Bereuen sofort ins Ohr. All das, was Liebe mit uns macht und machen kann, wird hier mit geradezu unsagbarer Intimität und Verletzlichkeit ausgebreitet. Diese EP ist ein famoser Moment persönlichsten Singer-Songwritertums. Kurz darauf las ich auf der Webseite von NPR, einem Zusammenschluss öffentlicher Hörfunksender in den USA, einen Artikel, in dem die Liedermacherin die Hintergründe und Motive der einzelnen Songs erläuterte. Und siehe da, diese Track-by-Track-Beichte vermochte der Emotionalität des Werks nichts hinzuzufügen, was meine Empathie nicht ohnehin bereits erfasst hatte. Die US-Amerikanerin Sharon Van Etten hat in einer wahren Sternstunde die Tragik der Realität in die Magie von Musik verwandelt.

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Photo Credit: Laura Crosta

Jeder Schmerz ist lange schon empfunden, jeder Zweifel längst gefühlt, über Liebe jedes Wort gesagt. Sharon Van Ettens Art des Vortrags, ihr Zaubergesang, macht all das vergessen. Frustrationen, Ambivalenzen, Reue, Erinnerungen, alles klingt so, als hätte es dringend gesungen werden müssen. Zeilen wie „I was something that you just couldn’t feel/ I was something that you couldn’t feel that was real/ I believed you when you shut your eyes and dreamed a dream without me“ legen eine Bitterkeit bloß, der man sich schlichtweg nicht entziehen kann. Aus der Tragik der Realität in die Magie von Musik – Sharon Van Etten weiterlesen

Unsere Lieblingslieder 2014

Heute wollen wir den werten Lesern unsere 30 Lieblingslieder des Jahres 2014 vorstellen. Diese 30 Tracks sind uns ans Herz gewachsen und werden auch 2015 nicht aus dem Gedächtnis purzeln. Natürlich hätten wir locker 100 Songs nennen können, der Übersichtlichkeit halber haben wir uns auf diese Liste beschränkt. Weiters gilt: Nummerierungen sind Schall und Rauch, höchstens die Top 5 sind mit einem besonderen Ausrufezeichen versehen. Viel Vergnügen beim Erlauschen!

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1. Wanda – Bologna

Schon das erste Lied der Platte gerät zum Volltreffer. Bologna gefällt als verhinderte Inzest-Hymne (“Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen/ Obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht“), lässt Italien als Sehnsuchtsort für Amore und Dol­ce­far­ni­en­te wiederauferstehen. All den Irrungen und Wirrungen des Fühlens steht ein kehlig geschmettertes, die Liebe bejahendes Lebensgefühl entgegen.

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2. Andreas Dorau – Reden wir von mir

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Unsere Lieblingsalben 2014

Wir haben auch 2014 wieder so einiges an Musik gehört und vieles davon auf dem Blog vorgestellt. Hier sind die 20 Platten, die meine Co-Bloggerin und mich in diesem Jahr fasziniert haben. Wir hätten sicher auch mindestens ein Dutzend weitere wunderbare Alben nennen können, der Übersichtlichkeit halber wollen wir es bei 20 Stück belassen. Vielleicht schaffen wir es ja, das eine oder andere Werk dem werten Leser doch noch ans Herz zu legen!

1. Wanda – Amore

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Fazit: Es lässt das Kulturgut Austropop in der Moderne ankommen. Wanda sind so robust wie feinsinnig, so euphorisch wie wehmütig, so schlawineresk wie direkt. Mehr noch, Wanda sind die, die all der Heurigenseligkeit und dem ganzen Walzerflair ein Stückchen Wien abtrotzen, es wieder auf der Landkarte des Pop-Rock verorten. (Review)

VÖ: 17.10.2014 (Problembär Records)

2. Kasabian – 48:13

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Unsere Lieblingslieder 2014 – Ein Zwischenstand

Wir haben uns auch dieses Jahr die Ohren wund gehört und so manch Lied hat sich als Balsam für die Gehörgänge entpuppt. Und was wir erst alles (noch) nicht erlauscht und erfühlt haben, weil gut Ding halt Weile braucht und die Zeit ohnehin verrinnt! Nun also zwanzig in loser Unordnung zusammengetragene Songs, die mich und die derzeit schweigsamere Co-Bloggerin in den letzten 6 Monaten bewegt haben.

Andreas DorauReden wir von mir

Begründung: Dorau liefert mit dem famosen Reden wir von mir eine großartige Parodie auf die gegenwärtige Selbstbezogenheit und bewahrt sich dabei eine Naivität, die man einfach knuddeln möchte. (Kurzrezension) [Album: Aus der Bibliothèque / 17.01.2014 / Bureau B]

Mikko JoensuuLand of Darkness

Begründung: Da ich momentan noch zu enthusiasmiert bin, überlasse ich die Einschätzung der werten Eva-Maria vom Polarblog, wo ich auch auf dieses wunderbare Lied gestoßen bin. Sie konstatiert: “Der Track ist ein feines, krautrockig ausuferndes Meditationsstück, dass den üpppigen 70er-Synthiewelten von Vangelis nahesteht. Aber Mikko Joensuu wäre nicht er selbst, wenn der Track nicht in eine Auseinandersetzung mit Glaubensfragen wäre und der liebe Gott mit kindlichem Vertrauen angerufen würde.“ (Hörtipp) [EP: Land of Darkness / Lake of Fire / 07.03.2014 / Fullsteam]

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Die Droge Liebe – Sharon Van Etten

Es ist wahrlich kein Geheimnis, dass sich in der Popmusik nahezu alles um die Liebe dreht, denn schließlich ist sie es, die unserem Dasein Sinn verleiht. Und da Musik generell unsere Emotionen abbildet, Gefühle verstärkt, oftmals sogar anstiftet, wird es Lieder über die Liebe geben, solang es Menschen gibt. Über die Euphorie der Verliebtheit zu singen, gehört zur dankbarsten Beschäftigung mit Liebe. Über Abschied oder Verlust zu sinnieren, wirkt sich wiederum verlässlich auf die Tränendrüsen derer aus, die nahe am Wasser gebaut sind. Liebe zwischen ihrem Anfang und ihrem Ende zu betrachten, sie im Alltag, im Zweifel und in der Hörigkeit näher zu beäugen, das bedarf fortgeschrittener Reflektion. Die US-Singer-Songwriterin Sharon Van Etten widmet sich auf ihrem neuesten Album Are We There dieser Sichtweise, interpretiert Liebe als Abhängigkeit, oft sogar als physischen Schmerz. In ihren Texten wird Liebe zur Droge, die alles bestimmt und sämtliche Gedanken bündelt. Im besten Fall eine Hoffnung, ein Paradies verspricht, vielfach aber eben auch Angstreaktionen zeitigt. Are We There gerät speziell in solch Momenten großartig, wo Van Ettens unvergleichliche Stimme dramatisch hochschnalzt, einige Töne lang ganz und gar im Sentiment erblüht. Ihre Artikulation, dieser spezielle gesangliche Ausdruck der Inbrunst mit Resignation und Leiden mit Erwartungen verbindet, verfehlt die Wirkung nicht.

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Photo Credit: Dusdin Condren

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Release Gestöber 49 (Sharon Van Etten, Hanggai, Miraculous Mule)

Sharon Van Etten

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Photo Credit: Dusdin Condren

Meiner bescheidenen Meinung nach ist die amerikanische Singer-Songwriterin Sharon Van Etten die herausragendste Vertreterin der jungen Liedermachergarde. Die Grunde für diese Einschätzung habe ich in unzähligen Einträgen bereits ausgebreitet. Für Mai wurde dieser Tage ihr neues Album Are We There avisiert. Ein wenig wundert es mich doch, dass ob dieser Ankündigung die Erde nicht gebebt hat und die Dinge weiter ihren gewohnten Gang gehen. Sharon Van Etten bringt ein neues Album heraus! Ich für meinen Teil bin jedenfalls enthusiasmiert und schon vorab mit Dankbarkeit erfüllt. Warum? Darum: Taking Chances.


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Lauschrausch III: Sharon Van Etten

Wenn eine überhypte Band ein Lied wie „Alle meine Entchen“ covert, tratschen das das hunderte Online-Magazine und Blogs aufgeregt weiter. Wenn ein im Sinkflug befindlicher Altmeister ein Lied wie „Alle meine Entchen“ covert, tratschen das hunderte Online-Magazine und Blogs aufgeregt weiter. Der werte Leser merkt also schon, dass ich der Überzeugung bin, dass heutzutage natürlich auch im Bereich der Musik der Nachrichtenwert zuallererst darin besteht, dass etwas getan wurde. Warum es gemacht wurde, das wird weniger thematisiert. Ein Paradies für Minderleister! Die Aktion allein rückt in den Vordergrund, die Frage nach der Qualität dackelt weit hinterher. Doch gibt es jedoch Ausnahmen. Coverversionen, die eine breite Berichterstattung rechtfertigen. Ob diese eben darum verbreitet werden oder als eine von unzähligen Nachrichten mal kurz durchs Netz flitzen, das spielt in solch Fällen dann auch keine Rolle. Wenn die begnadetet Singer-Songwriterin Sharon Van Etten im australischen Radio eine Version von Nick Caves People Ain’t No Good darbietet, darf man dieser atemberaubenden Stimme gerne lauschen – und darüber schreiben. Zumal diesem Song die nötige Wertschätzung widerfährt. Gedanken zu dem Lied hatte ich bereits in einem Beitrag zu meinen 100 Songs ausgiebig geäußert. Daher will ich gar keine weiteren Worte verlieren und mich angesichts einer gelungenen Interpretation in den Lauschrausch stürzen.

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