Schlagwort-Archive: She Keeps Bees

ITEOTWAWKI (II): She Keeps Bees – Head Of Steak

Eigentlich wollte ich gerade 2017 gesellschaftlich und politisch relevante Klänge unter dem Motto „It’s the end of the world as we know it“ ausgiebig beleuchten. Aber so sehr ich mir auch künstlerische Aufarbeitung des gegenwärtigen Irrsinns wünsche, so denke ich mir zugleich, dass es Momente braucht, in denen Terror, Krieg und Trump keine Rolle spielen. Können wir uns jedoch in Zukunft noch einen gesunden Eskapismus leisten? Wenn der ansteigende Meeresspiegel Küsten unbewohnbar macht, wenn vermüllte Ozeane und anhaltende Luftverschmutzung alles Leben bedrohen, kaum wiedergutzumachende Eingriffe in die Natur unsere Lebensqualität massiv beeinträchtigen? Und da wären wir wieder bei Trump und seinem Irrsinn, ein ohnehin dürftiges Klimaabkommen aus purem Trotz aufzukündigen. Musik und das, was uns die Nachrichten tagtäglich präsentieren, finden nicht in Paralleluniversen statt. Und deshalb möchte ich heute den Track Head Of Steak von She Keeps Bees vorstellen. Mastermind Jessica Larrabee hat bereits mit dem 2014 veröffentlichten Album Eight Houses zu imponieren gewusst, eine neue Platte soll Anfang nächsten Jahres erscheinen. Aber anscheinend brennen ihr die Vorgänge in den USA momentan gewaltig auf der Seele, weshalb es im August eine Charity-Single geben wird, deren Erlöse den Organisationen Planned Parenthood und Earth Justice gespendet werden. Angesichts von Trumps Plänen, die Gesundheitsversorgung für Millionen von US-BürgerInnen zu kappen und fossile Energie wieder zu fördern, braucht es NGOs, die diesem Irrsinn etwas entgegensetzen. Die B-Seite der besagten Single ist dieser Tage bereits streambar und nimmt kein Blatt vor den Mund. Mit Zeilen wie“It’s not a joke/ He aims to knock us over/ With his gall, his girth, his greed, his lawyers/ Lay it out, wrinkled suit, long ass tie/ Scotch tape on both sides/ Nowhere to hide/ From the emperor with no clothes on/ Walking around, bare ass in a crown/ Head of steak, you deal in snake oil/ Poison our water for a fucking dollar“ wird Trump heftig und deftig attackiert. So tönt der Zorn einer Gerechten, die sich mit einer skrupellosen und liederlichen Politik schlicht nicht abfinden will. Die es einfach nicht erträgt, dass Wahrheit relativiert und ideologisch gesponnen wird. Kritik an Trump und seinen windigen Spießgesellen richtet sich nicht bloß gegen eine Weltanschauung, sie ist das verzweifelte Pochen auf Gesetz und Moral. Es geht längst nicht mehr um das ewige Katz-und-Maus-Spiel zwischen konservativen und progressiven Kräften, es dreht sich vielmehr um die Verteidigung eines Mindestmaßes an Redlichkeit.

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Schlaglicht 12: She Keeps Bees

Das Dasein des interessierten Musikenthusiasten entpuppt sich als durchaus mühsam. Speziell bei einer Vorliebe für nicht dezidiert dem Mainstream huldigende Musik wird man von der Fülle überwältigt. Es ist wie auf einer Fete mit lauter feschen Menschen, wo man nicht weiß, mit wem man zuerst anbandeln soll. Und das netteste Lächeln, die schönsten Augen, die sich in einer Ecke des Zimmers verstecken, übersieht man vielleicht sogar ganz. Ein Stück weit ist es mir so mit dem Album Eight Houses von She Keeps Bees ergangen. Ich hatte es vor Veröffentlichung zwar auf dem Radar, aber irgendwie habe ich es dann in der Masse aus den Augen verloren. Mein Verlust. Denn Eight Houses entpuppt sich im Nachhinein als Platte zum Verlieben, getragen von der überwältigenden Stimme Jessica Larrabees. Ihre Intensität erinnert an eine Juliette Lewis oder PJ Harvey, sie wirkt so bluesig und hemdsärmelig einerseits und zart und nuanciert anderseits. Sie steht somit ganz in der Tradition mächtiger, selbstbestimmter, charismatischer Frauenstimmen, die ihre Weiblichkeit auch über Dynamik und Stärke definieren und eben nicht die eigene Fragilität bis zum Exzess überbetonen.

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Release Gestöber 56 (Malky, She Keeps Bees, Calypso Craze)

Malky

Gegen intensiven Soul-Pop und retroesken R&B mit dem einen oder anderen an Moby erinnernden Einschlag ist wirklich nichts einzuwenden. Man würde das Duo Malky allerdings nicht unbedingt in Leipzig ansiedeln. Aber vielleicht muss ein alle Fettnäpfchen umgehender Soul gerade aus dem unvermutetsten Winkel kommen. Denn Soul und R&B sind dieser Tage vielfach glatt und trivial produziert, mit überkitschter Emotion und überkandideltem Geträller unterfüttert. Das Album Soon fällt dagegen angenehm tiefgründig aus, kennt keinerlei Effekthascherei. Wo besagte Genres gerne vor billigem Glitzerstein-Bling-Bling nur so funkeln und blinken, behängen Malky ihre Songs mit Samt und Seide. Soon gefällt als edle Platte, die der sanften, versunkenen Stimme Daniel Stoyanovs einen geschmeidigen Sound aus dezenten Streichern und Bläsern sowie eine warme Orgel und jeder Menge Motown-Seligkeit zur Seite stellt. Als ein Highlight des Werks kristallisiert sich der Titeltrack Soon heraus, der wie eingangs bereits erwähnt an introspektive, verträumtere Songs von Moby erinnert. Showdown wiederum verkehrt sich ins Gegenteil, überzeugt als rhythmisch starkes, schmissiges Lied, das im Refrain Feuer fängt. So sieht gediegene Radiofreundlichkeit aus. Das folgende Diamonds trägt eine ordentliche Portion soulige, balladeske Wehmut auf. Mit diesen drei Titeln stecken Malky ihr Metier ab. In der Folge ist es etwa das durchaus inbrünstig intonierte, im Eifer des Gefechts auch mal in ein schönes Krächzen verfallende Trouble, das zu imponieren weiß. Das schleppende, aus tiefster Seele glühende Babylon Tree beschert ebenso Gänsehaut. In Deutschland produzierter Soul hat mit wenigen Ausnahmen einen klebrigen Betroffenheitscharakter oder wirkt so billig, als wäre er für Casting-Shows ersonnen worden. Malky hingegen bescheren uns integre, stimmige wie gefinkelte Arrangements. Einmal mehr bei Beautiful Vacation, welches samt pulsierendem Beat in eine zärtliche Sehnsucht entschwebt. Spätestens mit diesem Song haben sich die Herren Stoyanov und Michael Vajna als stimmungsvolle Zauberer erwiesen. Wenn es mehr Alben wie Soon gäbe, würde ich auf meine Tage auch noch zum Soul-Fetischisten mutieren. Anhören und entdecken, unbedingt!

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