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50 Albumschmankerln 2012

Hier nun also der zweite Teil unserer Jahresbestenliste. 40 Alben und 10 EP haben wir als Empfehlungen ausgewählt. Wie schon für unsere 75 Lieblingstracks 2012 gilt auch in diesem Fall, dass diese Liste von Auslassungen lebt. Natürlich wären Get Well Soon oder auch Leonard Cohen heiße Anwärter auf einen Platz in dieser Aufzählung, wenn wir denn jenen Alben heuer mit der gebührenden Ausführlichkeit gelauscht hätten. Doch wenn uns der wöchentliche Veröffentlichungszirkus etwas anderes weismachen möchte, gute Alben werden nicht schnell ranzig. Können auch erst mit ein paar Jahren Verzögerung gefestschmaust werden. Ob ein Musikjahr also beweihräuchert werden darf, das entscheidet sich oft erst lange nach dessen Verstreichen. Das, was uns jedoch bereits jetzt nachdrücklich in Herz und Hirn haften geblieben ist, haben wir folglich hier zusammengetragen. Wir wünschen viel Vergnügen beim Durchstöbern!

Alben

Born To Die_ Lana Del Rey - CMS Source1. Lana Del ReyBorn To Die

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Release Gestöber 26 (Sun Kil Moon, Bone & Bell, Sin Fang, The Blue Angel Lounge und mehr)

Einmal mehr ein paar Empfehlung zu gegenwärtigen Neuerscheinungen…

Sin Fang

Sindri Már Sigfússon ist ein umtriebiger Mensch, sowohl im Kollektiv Seabear als auch solo als Sin Fang wirkend. Als Sin Fang hat der Isländer 2011 das mal pittoresk-melancholische, mal angenehm flirrende Album Summer Echoes hervorgebracht. Auf diesen federleicht tänzelnden sommerlichen Tagtraum folgt dieser Tage die EP Half Dreams. Der Nachschlag greift die Magie der Vorgängerplatte auf, speziell der Song Walk With You darf sich eines sehnsuchtsseligen Refrains („Let me walk with you in my dreams/ let me talk with you in my dreams/ Look what you’ve done to me/ I only want to fall asleep/ So I can walk with you in my dreams„) rühmen. Half Dreams besticht als kreatives Pfund, das mehr als nur seichten, folkigen Indie-Pop im Köcher hat. Die in der zweiten Hälfte von Shine For Me auftretende pastorale Entrückheit trägt Elfenglanz im Haar, zeigt einmal mehr, warum es isländischer Musik nie an Großartigkeit mangelt.

Half Dreams ist am 25.05.2012 auf Morr Music erschienen.

Made in Iceland V

Verweilen wir noch kurz in isländischen Gefilden. Island zählt knapp 320.000 Einwohner, bietet zugleich dutzende musikalische Acts mit Format auf. Allein Berlin darf die zehnfache Menge an Menschen innerhalb seiner Stadtgrenzen beherbergen. Doch hat es tatsächlich auch 300 Bands von Belang zu verantworten? Island hat sich zu einem außergewöhnlichen musikalischen Hotspot gemausert. Wer Island bislang nur mit Björk oder Sigur Rós assoziiert, der gehört ohnehin nicht zu den Stammlesern dieses Blogs. Doch selbst Experten mögen die eine oder andere musikalische Erscheinung der letzten 12 Monate verpasst haben. Hier kann die Compilation Made In Iceland V des IMX (Iceland Music Export) Abhilfe schaffen. Mit Helgi Jónsson, FM Belfast, For A Minor Reflection, Lockerbie oder Vigri präsentiert uns diese Zusammenstellung die Schokoladeseite isländischen Musikschaffens. Dieser Stream gewährt einen feinen Einblick. Anhören und die Bands auskundschaften!

Bone & Bell

Zugegeben, ich bin durchaus von Ambition erfüllt, Künstler vorzustellen, die nicht bereits von Hinz und Kunz mit Worten bedacht wurden. Das ist mehr als schiere Eitelkeit des eigenen Geschmacks, eher schon der Versuch ein breites und hoffentlich rundes Bild des Musikschaffens zu zeichnen. Heute möchte ich Bone & Bell nicht unerwähnt lassen. Die am 25.05.2012 erschienene EP Organ Fantasies besticht durch die Stimme von Sängerin Heather Smith. Diese überzeugt nicht durch Oktavenreichtum oder besondere Charakteristik, vielmehr wegen der Fähigkeit sich in Songs zu schmiegen, den Liedern Seele einzuhauchen. Speziell beim Track Serpentside gelingt dies wunderbar. Diese folkige Ballade mit gespenstisch gehaltener Orgel und glockenklarem Gesang ist ein Kleinod erster Güte. Die restlichen Lieder der EP wirken dagegen wie nette Fingerübungen. Bone & Bell würde ich liebend gerne in Albumlänge erlauschen, die Organ Fantasies sind somit definitiv ein Versprechen auf mehr.

Sun Kil Moon

Viele Menschen weigern sich ihr eigenes Altern auch mit Reife zu verbinden. Das ist der Grund, weshalb auch Menschen in den Vierzigern noch Liebestralala lauschen oder sogar Greise in der Geriatrie noch die rockige Unbändigkeit beschwören. Wie wohltuend empfinde ich es daher ein nachdenkliches, humorvolles, erwachsenes, großartig geschriebenes Singer-Songwriter-Album wie Among The Leaves! Mark Kozelek zählt zu den besten Liedermachern seiner Generation. Aus mehrerlei Gründen. Da wäre zunächst eine ungemein sensible Stimme, die leise Töne mit unvergleichlicher Eindringlichkeit befördert. Auch sind Kozeleks Lyrics erzählerische Glanzlichter, die tief in die menschliche Seele scheinen. Wo Songwriting oft das Innere nach außen stülpt, geht Kozelek umgekehrt vor, dringt in Gefühl und Psyche ein, wahrt den intimen Rahmen. Ob zu Beginn seiner Laufbahn mit den Red House Painters, solo oder unter dem Projektnamen Sun Kil Moon, man darf stets über die große Seriosität staunen. Es ist das Erleben eines Werks, das den Hörer fordert und formt. Das sich nicht aufbauscht, weil es wahre Größe besitzt. Nehmen wir etwa den schnoddrigen UK Blues, der den Alltag auf Tour quer durch skandinavische und britische Gefilde erzählt. Neben einer lakonischen Beobachtung des jeweiligen Landes („Finland, Finland, so many trees/ John Denver would be pleased„) fällt der Fokus auf Konzerte bar jeder Groupieromantik. Dafür rückt das Hadern mit dem eigenen Vortrag in den Mittelpunkt. Sunshine in Chicago wiederum zeigt den Reisenden insgesamt zufriedener, dennoch Gedanken an Zeiten nachhängend, als noch süße weibliche Fans  seine Konzerte in dieser Stadt besuchten, während er nun Poster für Typen in Tennisschuhen signiert. Kleine Eindrücke verdichten sich, Kozelek schaut einem nicht mehr tauffrischen Musiker ins Gesicht, fühlt sich älter werden, nimmt es an. Among The Leaves ist ein fabelhaftes wie reifes Album, das man 2012 in jeder gut sortierten Jahresbestenliste völlig zurecht erspähen wird.

Among The Leaves ist am 01.06.2012 auf Caldo Verde erschienen. Drei kostenlose Downloads aus dem Album finden sich auf Stereogum.

The Blue Angel Lounge

Kommen wir nun zu einer EP, die gemischte Gefühle weckt. Weil sie rumpelt, so als würde über einen Acker voll Kraut und Rüben getuckert. Eine EP ohne Kohärenz! Das ändert jedoch nichts daran, dass Ewig keine uninteressante EP ist. The Blue Angel Lounge hatte ich nach ihrem gleichnamigen, sehr guten Debüt aus den Augen verloren. Die am 15.06.2012 auf 8MM Musik erscheinende EP zeigt eine Band auf der Suche nach dem eigenen Sound. Soll man sakralen, düster wavige Atmosphäre mit deutschem Text belegen (Ewig), langsam torkelndes Seemannsgarn strudeln (Inertia) oder doch dem letzten Album der Editors nacheifern (Melloch Halb & Halb)? Ich würde für letzteres plädieren. Fakt scheint mir, dass diese deutsche Formation durchaus das nötige Rüstzeug vorweisen kann, um international groß rauszukommen. Der markant-düstere Gesang in Verbindung mit einem stets bedeutungsschwangerem Sound sind als beste Vorzeichen zu werten. Auf die nächste LP von The Blue Angel Lounge bin ich mehr als nur gespannt. Die Kraut und Rüben dieser EP könnten auf der nächsten Platte bereits reiche Ernte einfahren. (In Distance Far Away From Me gibt es hier als kostenlosen Download.)

SomeVapourTrails

Unsere musikalischen Favoriten 2011 – Ein Zwischenstand und Vorausblick

Es gibt durchwachsene Jahre und grandiose Jahre. Bislang scheint 2011 noch einen schüchtern bescheidenen Eindruck zu hinterlassen, sich nicht voreilig entscheiden zu wollen. Natürlich verstecken sich feine Platten in den Tagen und Monaten des bislang so flugs verlaufenden Jahres. Aber zünftige Paukenschläge, welche das Herz in höchste Sphären katapultieren, fehlen bis dato mehrheitlich. Oftmals wird aus dem vermeintlichen Trommelwirbel dann doch ein Triangelgeklingel. Das gilt insbesondere für Alben, denen ich recht insbrüstig entgegen geharrt habe. Das neue Werk Take Care, Take Care, Take Care der mir ans Herz gewachsenen Post-Rock-Kulleraugen Explosions In The Sky wirkt ansprechend, aber nie völlig geniedurchblitzt. Die über alle Maßen verehrten The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble haben mich mit From The Stairwell zwar überzeugt, leider jedoch nicht derart enthusiasmiert, wie sie es mit ihren Vorgängerscheiben taten.  Ähnliches ließe sich auch über Joan As Police Woman oder The Low Anthem sagen. 2011 verlangt mir also Neuentdeckungen ab, zumal ich mit den gängigen Charts-Stürmern eher wenig anzufangen weiß. Herbert Grönemeyers Schiffsverkehr wirkt auf mich recht lustlos durchgewunken, die Foo Fighters etwa hatten auch schon mal distinktivere Hits im Repertoire. So sind es eben die jüngst aufgespürten Künstler, welche mir die erste Hälfte des Jahres speziell verzuckerten. Ein Ausblick auf demnächst zur Veröffentlichung anstehende Alben verspricht auch für den Rest des Jahres das eine oder andere Glanzlicht. Man darf gespannt bleiben, immer mit einem weit geöffneten Ohr den Neuerscheinungen begegnen…

Album-Favoriten 2011

Erland & The CarnivalNightingale

Joel AlmeWaiting For The Bells

Anna CalviAnna Calvi

Dark Dark DarkWild Go

Susanne SundførThe Brothel

Sin FangSummer Echoes

PapercutsFading Parade

Amon TobinISAM

Juliette CommagereThe Procession

Africa Hitech93 Million Miles

Lieder 2011:

Sin Fang – Two Boys

Sin Fang : Two Boys from morr music on Vimeo.

Low – Try To Sleep


Low – Try to Sleep (OFFICIAL VIDEO) von subpoprecords

Francesca Lago – On My Way Back From The Moon

Finde weitere Künstler wie Francesca bei Myspace Musik

Beady Eye – Wigwam (simfy)

Erland & The Carnival – Wealldie (simfy)

Dark Dark Dark – Something For Myself

Joel Alme – When Old Love Keeps You Waiting (simfy)

White Lies – Bigger Than Us


WHITE LIES – BIGGER THAN US (official music video) von elnino

Pat Appleton – Männer ohne Pferd

Lotte Kestner – Halo

Veröffentlichungsausblick:

Early Day Miners – Night People (VÖ 12.08.2011)
Beirut – The Rip Tide (VÖ 26.08.2011)
Tinariwen – Tassili (VÖ 02.09.2011)
Sóley – We Sink (VÖ 02.09.2011)
Dear Reader – Idealistic Animals (VÖ 02.09.2011)
Ladytron – Gravity The Seducer (VÖ 09.09.2011)
Cant – Dreams Come True (VÖ 09.09.2011)
dEUS – Keep You Close (VÖ 16.09.2011)
Ane Brun – It All Starts With One (VÖ 16.09.2011)
Shimmering Stars – Violent Hearts (VÖ 16.09.2011)
Laura Marling – A Creature I Don’t Know (VÖ 23.09.2011)
Björk – Biophilia (VÖ 30.09.2011)
Dum Dum Girls – Only In Dreams (VÖ 30.09.2011)
DJ Shadow – The Less You Know the Better (VÖ September 2011)
Noel Gallagher’s High Flying Birds – Noel Gallagher’s High Flying Birds (VÖ 14.10.2011)
Still Corners – Creatures Of An Hour (VÖ 14.10.2011)

SomeVapourTrails

Eine Wiese, zwölf Grashüpfer – Sin Fang

Ein gutes Album ähnelt dem Mikrokosmos einer Wiese. Bunt sprießen Ideen wie Gräser und Blumen hervor, bahnen sich Instrumente gleich Käfern und Würmern ihren Weg durch das Dickicht der Noten. Im Idealfall vermag eine Platte schillernd aufzublühen und den Betrachter in lange andauerndes Staunen zu bannen. Dies gelingt weniger durch eine einzelne, in voller Blüte stehende Blume inmitten dürrer Flora, eher schon faszinieren eine Vielzahl verschiedener Gewächse und allerlei Insekten, die sie bestäuben, an ihren Blättern knabbern oder in ihnen Netze spinnen. Das Werk Summer Echoes gewährt Einblicke in ein lebendiges Panoptikum, in welchem zwölf Songs wie Grashüpfer durch ein mild sommerlich sirrendes, ab und an unbeschwert tänzelndes Idyll hopsen. Der als Sin Fang agierende Sindri Már Sigfússon, seines Zeichens Gründer der isländischen Formation Seabear, hangelt sich durch eine bestens choreographierte Szenerie der Leichtigkeit mit melancholischen Tupfern.

Besonders weite Sprünge macht der vor Einfällen regelrecht triefende Mittelteil der Platte. Was mit Rituals beginnt und in Two Boys mündet, ist ein begnadet ausstaffiertes Songwriting, das gleich Tautropfen über die Wiese perlt. Irgendwo zwischen Folk-Rock und Indie-Pop, liebevoll dargebotenen elektronischen Spielereien und Rhythmen, die Einflüsse von Weltmusik verraten,  liegt der Fluchtpunkt, der den Betrachter in den Bann zieht, dem muntren Treiben eine Struktur verleiht. Bereits Rituals scharwenzelt durch den Pflanzenwald, schnuppert schwelgerisch an einer sonnenbeseelten Ringelblume, nicht ohne davor Pirouetten zu drehen und danach im Lendenschurz von dannen zu stapfen. Sing From Dream gönnt sich einen Beat, so aufdringlich als würde ein Grashüpfer mit Goldkettchen aufmarschieren, um dann mit tagträumerischerem Blick durch das Gestrüpp zu säuseln. Nineteen macht die Wiese zur klanglich angekifften Kommune, in welcher fiepende Mistkäfer, engelsgleiche Libellenflügelschläge kreuchen und fleuchen. Lo-Fi echot aus allen Winkeln, der Widerhall bricht sich an den Blättern, die längst schon die Beine in die Hand genommen haben und darauf los schunkeln. Choir führt dies Treiben weiter aus, malt das Fleckchen Gras zur kunterbuntigen Bühne aus, wo anfänglich erhabene Schwelgereien vom Gewimmel ins Groteske verzerrt werden. Wie aus dem Nichts taumelt Two Boys in die Dämmerung, schenkt zwei heilige Minuten balladesker Entrückung, in der sich alle ehrfürchtig in den Armen liegen und der Erlösung harren. Ein Heer von Glühwürmchen wogt im sanfte Wind, beleuchtet die Andacht.

Sin Fang – Because Of The Blood from Máni M. Sigfússon on Vimeo.

Sin Fang – Summer Echoes (2011) from Máni M. Sigfússon on Vimeo.

Sin Fang: Always Everything by morrmusic

Sing Fang koloriert Summer Echoes stimmungsvoll, schräg und wunderbar detailliert. Man mag sich daran nicht satt hören. Es gleicht einer Pusteblume, deren verblasene Samen im goldenen Licht des Sommers durch die Luft flattern. Ein Schauspiel, dem man Mal für Mal begeistert nach starrt. Von dem man sich nicht leichtfertig abwendet. Etwas, das als dauerhafte Erinnerung nachschwingt.

Summer Echoes ist am 04.03.11 auf Morr Music erschienen.

Link:

Offizielle Homepage

Sing Fang auf Tumblr

Label-Seite von Morr Music

SomeVapourTrails