Gezündeter Turbo – Sofia Härdig

Sich ganz neu zu erfinden, die Lust darauf verspürt man ab und an sehr. Manchmal äußert sich der Wille zur Veränderung in Kleinigkeiten wie einem neuen Haarschnitt oder einem Klamottenwechsel, ab und an jedoch wird umgekrempelt, was sich alles umkrempeln lässt. Dann wird der Job gewechselt, ein brandneues Hobby gesucht, vielleicht sogar der Lebensabschnittspartner in die Wüste geschickt. Ob man nun Sport, Müßiggang oder Tinder für sich entdeckt, all die Korrekturen im Lebenswandel sind meist Ausdruck von aufgestauter Unzufriedenheit. Auch die schwedische Singer-Songwriter Sofia Härdig scheint diesbezüglich auf den Geschmack gekommen zu sein. Ihr Album And The Street Light Leads To The Sea wühlt sich durch das bisherige Schaffen und interpretiert Songs radikal neu. Sie hat den Schlüssel gefunden, der sie aus der dunklen Abgeschiedenheit ihres letzten Werks The Norm Of The Locked Room nun auf die illuminierte Bühne treten und zur Rampensau mutieren lässt. Bereits zuvor konnte man sich den Verweis auf eine PJ Harvey nicht verkneifen. Nun da sie aus dem verwunschenen Kämmerlein gekommen ist und in sattem Bandsound die Bühne rockt, scheint der Vergleich noch angebrachter.

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Indie-Track-Auslese 2013 (Januar/Februar)

Heute wollen wir nochmals ein paar Songs hervorstreichen, die bei uns in den ersten beiden Monaten von 2013 für Enthusiasmus gesorgt haben. Eine kleine Indie-Track-Auslese eben, die hoffentlich die eine oder andere Empfehlung bereithält!

Big HarpYou Can’t Save ‘Em All (USA) Album: Chain Letters (VÖ: 08.02.2013 auf Saddle Creek)

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Lauschrausch IX: Sofia Härdig

Wenn das Wonnevolle in eine Düsterbarkeit diffundiert, wird jedewede Sinnesfreude durch das Prickeln von Laster und Gefahr gesteigert, geradezu gepimpt. Der Schwedin Sofia Härdig ist dies mit ihrem neuen Album The Norm Of The Locked Room geradezu vorzüglich gelungen. Sie gleicht einer aus der Archaik entstiegenen und zu alten Zauber der Verlockung mächtigen Göttin, die lustbeseelt in den Gehörgängen des elektrisierten Hörers herumhuscht. Die Platte ist ein krautiges Ritual, mit großem Kalkül enthemmt, fragil und zugleich dominant. Über weite Strecken umweht diese Singer-Songwriterin eine kraftvolle Aura, die Geheimnisse gleich Schmetterlingen flattern lässt. Härdig ist so sperrig wie nötig und so sinister wie möglich. Das Resultat sind verstörende wie bannende Lieder, beispielsweise Streets, The Girl In The Window oder das an PJ Harvey erinnernde It’s A Man. Dieser Tage mag so einiges von Belang in die Regale deutscher Plattenläden trudeln, wer freilich das aufregend Obskure sucht, ist nirgendwo besser bedient als mit Sofia Härdig. Auf in den Lauschrausch!

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