Sofia Talvik – When Winter Comes – A Christmas Album

Alle Jahre wieder! Die schwedische Singer-Songwriterin Sofia Talvik hat es sich als Tradition auferlegt, jedes Jahr zur Weihnachtszeit ein selbstverfasstes Weihnachtslied zu veröffentlichen und via Bandcamp zu verschenken. In mehr als 10 Jahren sind ganz wunderbare Lieder entstanden, die es sich längst verdient haben, auf einem Weihnachtsalbum zusammengeführt zu werden. Dieses Jahr ist es nun so weit. Frau Talvik hat alle Stücke neu aufgenommen und daraus When Winter Comes – A Christmas Album gemacht! Wie kaum eine andere Platte kann das Werk für sich in Anspruch nehmen, dem Thema Weihnacht voll Herzblut verbunden zu sein. Besonderen Applaus verdient Talvik dafür, dass sie nie auf die Idee gekommen ist, es sich einfach zu machen und sich aus dem Pool der gut zwei bis drei Dutzend angelsächsischen Weihnachtsklassiker zu bedienen. Talviks Beziehung zur Weihnachtszeit ist keine, die auf abgedroschene Coverversionen zurückgreifen muss. Ihr Blick auf das Fest der Feste ist keiner, der behaglich vor dem Kaminfeuer döst oder gelöst rund um den Tannenbaum feiert. Im Schaffen der Schwedin gerät Weihnachten zu einem Ereignis, an dessen Erwartungshaltungen man sich oft verschluckt. Wie etwa soll man Glück verspüren, wenn man gerade verlassen wurde oder noch einen weiten Weg heimwärts vor sich hat oder gar nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügt, seine Liebsten zu beschenken? When Winter Comes erzählt berührende Geschichten, die rein gar nichts mit der verbreiteten Illusion gemein haben, wonach an Weihnachten für einen kurzen Moment allen Menschen guten Willens Glückseligkeit zuteil wird. Sofia Talvik, das soll nochmals nachdrücklich betont werden, ist dem Fest keinesfalls in Hassliebe verbunden. Sie macht aber das, was gestandene Singer-Songwriterinnen halt tun sollten, nämlich jene Geschichten erzählen, die in dieser Weise vielleicht nicht so oft erzählen werden.

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 1

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Alle Jahre wieder widmen wir uns auf diesem Blog der musikalischen Ausgestaltung der Weihnachtszeit. Wollen die Tradition des Weihnachtslieds hochhalten und zugleich unterstreichen, dass neben feinen Neuinterpretationen Jahr für Jahr auch jede Menge wunderbarer neuer Lieder ersonnen werden. Weihnachten beschäftigt die Menschen rund um den Globus, rührt das Herz, wärmt die Seele. In ähnlichem Maße wie es entzückt, vermag es jedoch auch zu bedrücken. Weil Erwartungshaltungen unerfüllt bleiben, weil all die Gefühligkeit leider oft heuchlerisch ist und Konsum und Kitsch überhandnehmen. All den verschiedenen Stimmungen wollen wir im diesjährigen klingenden Adventskalender Rechnung tragen. Ob Fröhlichkeit oder Nachdenklichkeit, ob Rückbesinnung auf die Wurzeln des Fests oder schiere Opposition gegen den Feiertagswahn, all das soll auch 2016 mittels handverlesener Empfehlungen transportiert werden. Mögen diese Songs die kommende Adventszeit bereichern!

Hinter der ersten Tür des klingenden Adventskalenders 2016 verbirgt sich eine Musikerin, deren Tun wir seit vielen Jahren begleiten. Die schwedische Singer-Songwriterin Sofia Talvik hat es sich seit Jahren bereits zur Tradition gemacht, ein weihnachtliches Lied zu komponieren, dem allgegenwärtigen Klingeling nachdenklich bis traurige Klänge entgegenzusetzen. 2014 etwa griff A Long Way Home das oft bemühte Motiv der Autofahrt nach Hause auf. Häufig berichten Lieder, Bücher oder Filme vom Wettlauf mit der Zeit, von der Sehnsucht danach, Weihnachten mit den Liebsten zu verbringen. Talvik gibt der Geschichte jedoch einen Twist, einen Unfall nämlich, der alle Hoffnung zunichte macht. 2015 wiederum beschrieb Cold Cold Feet das Leid einer alleinerziehenden Mutter, die an Weihnachten arbeiten muss, damit sie ihren Kindern überhaupt Geschenke machen kann. 2016 beschenkt uns Talvik mit dem Song When It Rains On Christmas Day. Das Stück imponiert als edle, überaus gefühlvolle Pianoballade mit Americana-Akzent, wofür eine Pedal-Steel-Gitarre sorgt.  Weiterlesen

Unsere liebsten Alben 2015

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur, adipisci velit… Moment, der Platzhaltertext ist natürlich ein Scherz. Sogar zwischen den Feiertagen fällt mir ein Gedanke zum Musikjahr 2015 ein. Ich meine nämlich, dass Musik zwar nach wie vor eine große Rolle spielt, sie zugleich weniger wahrgenommen wird. Wir hören Musik, aber wie viele Lieder könnten wir zumindest im Refrain tatsächlich mitsingen? Wären wir tatsächlich noch in der Lage, die Intention unseres liebsten Albums des Jahres in wenigen Sätzen zusammenzufassen? Ist es nicht fast erschütternd, dass die Texte, die sich den meisten Menschen einprägen, ausgerechnet aus schlimmen Genres stammen oder problematische Weltanschauungen verfechten? Zeilen aus Schlagern gehören zum Allgemeingut, auch die Protagonisten des Deutschrap haben genug Hörer, die an ihren Lippen hängen, selbst die Texte der völlig unsäglichen Frei.Wild finden willige Abnehmer. Wie aber sieht es mit den Heroen des Indie-Genres und den Kritikerdarlingen aus? Wer könnte Thees Uhlmann, Sufjan Stevens oder Julia Holter aus dem Effeff zitieren? Wir erleben eine Wahrnehmungskrise jener Musik, die für sich in Anspruch nimmt, wertvoll zu sein. Woran liegt das? Ich will es kurz machen, die Schuld teilen sich Künstler, Musikkritik und Hörer zu gleichen Teilen. Wenn Bands und Musiker soziale Netzwerke mit jeder Menge Fotos bespaßen oder mit allerlei Veranstaltungshinweise vollpropfen, dabei aber komplett vergessen, ihre Lyrics und/oder Gitarrentabulaturen zu verbreiten, dann dürfen sie sich eigentlich nicht wundern, wenn Hörer vielleicht lustige Schnappschüsse eher in Erinnerung behalten als die Inhalte der letzten Platte. Die Musikkritik wiederum wird sich mit Klickstrecken und der Ausrichtung auf Tablet und Smartphone zu Tode layouten. Dazu kommt noch die Facebook-Hörigkeit, die eine Platte mit wenigen knackigen Worten teasert. Rezensionen geraten oberflächlich, weil der Transport der eigenen Meinung über dem Verständnis einer Platte steht. Und dann wäre da noch der Hörer, dem Musik oftmals so wichtig ist, dass er sie gar nicht mehr käuflich erwerben muss. Nichts spricht gegen Streaming als Ergänzung zur CD-Sammlung. Ein Stream kann jedoch nie den Besitz einer Platte ersetzen, ihm fehlt jedwedes haptische Erlebnis, ihm fehlt der zeitliche Aufwand – ja generell der zielgerichtet Akt des Kaufs. Wir sehen also, die Krise ist umfassend! Und wird bestenfalls dort überwunden, wo die Musik Botschaften und Lebensgefühl mittransportiert. Das tut der Schlager, das tut leider auch Bushido. Wo also bleibt das Indie-Lebensgefühl? 2015 hat es trotz vieler toller Alben gefehlt. Doch genug geredet, hier nun unsere liebsten Platten!

1.) Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba – Ba Power

Bassekou-Kouyate-Ba-Power-Cover

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Free Mp3: Sofia Talvik – Cold Cold Feet

Die von uns sehr geschätzte schwedische Singer-Songwriterin Sofia Talvik hat es sich zur Tradition gemacht, jedes Jahr ein eigens komponiertes Weihnachtslied aufzunehmen und ihren Fans anzubieten. Diese können es ihr mit einer kleinen Spende danken, müssen jedoch nicht. Talvik ist bei ihren Weihnachtsliedern sowohl vom musikalischen Stil als auch von der Themenwahl her immer für eine Überraschung gut. Was die Lieder über die Jahre ausgezeichnet hat, ist der Umstand, dass die Schwedin keinerlei althergebrachten Stereotype bemüht. Vielmehr benutzt sie die weihnachtliche Szenerie und Stimmung, um sehr nachdenkliche Geschichten fernab von Klischees zu erzählen. Auch ihr diesjähriger Song Cold Cold Feet macht da keine Ausnahme, wenn er von einer alleinerziehenden Mutter berichtet, die zusätzliche Schichten einlegen muss, um ihren Kindern überhaupt ein Weihnachten zu ermöglichen. Zeilen wie „Tomorrow’s Christmas morning/ She wishes she could be around/ To see their smiles as they are opening their presents/ That she got at lost and found“ oder „And though she takes those extra shifts/ There never seems to be enough to warm those/ Cold cold feet“ machen Armut sehr anschaulich, rühren ungemein. Eine Armut, die sich inmitten der Fülle von Weihnachten wohl noch deprimierender anfühlt. Dieser Track führt uns vor Augen, dass die Zeit, die für viele Menschen wohl die schönste im Jahr ist, anderen Menschen jedoch schwer auf die Seele drückt.  Weiterlesen

Indie-Lieblingslieder 2015 – Ein Zwischenstand (Teil 1)

Ein wenig atemlos hechle ich stets der Musik hinterher. Irgendwann im Jahre 2016 werde ich vielleicht einmal den Jahrgang 2013 endgültig verdaut haben. Ich bin also vielleicht nicht der geeignetste Blogger, um in einer Art Zwischenstand meine ganz persönlichen Indie-Highlights des Musikjahres 2015 aufzulisten. Ich tue es dennoch, denn so einige Highlights habe ich in diesem Jahr bereits entdeckt. Und gute Musik kann man nicht oft genug erwähnen! Hier nun der 1. Teil der Glanzlichter:

Baden BadenÀ tes côtés (Frankreich) [Das Album Mille éclairs ist am 09.02.2015 auf naïve erschienen.] (Review)

My Brightest DiamondCeci Est Ma Main (Groundlift Remix) (USA) [Die EP I Had Grown Wild ist am 15.05.2015 auf Asthmatic Kitty Records erschienen.] (Schatzkästchen)  Weiterlesen

Empfindungen wie aus dem Tagebuch – Sofia Talvik

Kann man die Traditionen eines Kulturkreises verinnerlichen, so sehr sogar dass man schon Teil davon zu sein scheint? Kann man als deutscher Musiker einen Reggae machen, der jedem Jamaikaner wohlig in die Eingeweide fährt? Oder gar als schwedische Singer-Songwriterin ein Americana-Album basteln, dass nordamerikanische Musikerinnen vor Neid erblassen lässt? Ja, alles eine Frage der Neugier, mit welcher man einer Kultur begegnet. Die weltenbummelnde Schwedin Sofia Talvik etwa hat auf  ihrer neuen Platte Big Sky Country ihre 16 Monate dauernde, sich über 37 US-Bundesstaaten erstreckende Tour nochmals Revue passieren lassen. In diesem Werk schwingt neben ein bisschen rustikaler Patina eine stimmliche Engelsgleiche mit, wie man sie in den Sechziger und Siebzigern im Folk oft gehört hat. Talviks Gesang verströmt eine Sanftheit, ein im besten Sinne blauäugiges Staunen, ihr lyrisches Alter Ego wirkt nie cool, abgeklärt oder gar routiniert. Es ist vielmehr von Situationen, Emotionen überwältigt. So gewinnen ihre Songs an Unmittelbarkeit, Talviks Geständnisse, Sehnsüchte und Empfindungen gleichen mit zärtlicher Handschrift verfassten Tagebucheinträgen. Die Schwedin fängt ein Stück alltäglichen Sehnens und Bereuens ein, verpackt es in einen Sound des ruralen Amerikas, von den Rockies bis zu den Appalachen.

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In der Mache 1: Sofia Talvik

Unsere neue Rubrik „In der Mache“ will auf anstehende Projekte wie Alben und Tourneen hinweisen, auf Vorhaben, die noch nicht per Pressetext einmal um den Erdball getragen wurden. „In der Mache“ lädt zur Vorfreude ein.

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Photo Credit: Jonas Westin

Die Schwedin Sofia Talvik präsentiert sich als untypische Vertreterin der skandinavischen Singer-Songwriterinnen-Zunft. Das kopflastig-verhuschte, düstere Element ist nämlich ihre Sache nicht. Talviks Storytelling wirkt vielfach nordamerikanischen Traditionen verpflichtet, wie auch ihr Faible für Country-Einflüsse belegt. Diese Liedermacherin zieht sich nicht ins Schneckenhaus instabiler Emotionalität zurück, sie scheint immer unterwegs, mit einer natürlichen Neugier für Land und Leute gesegnet. Auch aufgrund dieser Attitüde ist sie gern gesehener Gast auf diesem Blog. Ihre Lieder haben das gewinnende Etwas, einen Charme, dem man gerne verfällt, ob er sich nun in folkiger oder poppiger Manier zeigt. Dieser Tage nun hat Talvik ihr neuestes Album Big Sky Country angekündigt – und eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um all das Tamtam um eine Platte herum zu finanzieren. Big Sky Country ist für den April dieses Jahres angekündigt und bis dahin ist noch die ganze Ochsentour zu bewältigen: Mixing, Mastering, Artwork, Musikvideo, Presswerk – und natürlich Promotion. Wer dieser begabten, sympathischen Sängerin etwas Gutes tun möchte, kann sich an der Finanzierung auf PledgeMusic beteiligen. Die bereits vorliegende erste Hörprobe, der Titeltrack Big Sky Country nämlich, nimmt Bezug auf Talviks ausgiebige Touren durch die USA.  Weiterlesen

Free Mp3: Sofia Talvik – A Long Way Home

English/Deutsch

Christmas is all about longing. More often than not life seperates you from your family, work takes you far away. These days it’s the yearning for meeting the loved ones that mostly defines Xmas. The holidays are one of the rare opportunities to come together. Coming home is what this years Christmas single by Swedish Singer-Songwriter Sofia Talvik is all about. Talvik cherishes her tradition of giving her fans a free original Christmas song each year. Her efforts prove that great storytelling will always be the key to a good song. This year’s tune is called A Long Way Home and it describes a car ride home on Christmas Eve while „snowflakes dancing in my headlights„. And there’s the promise: „And honey I will find a way/ To get home till Christmas day/ I’ll fight the snow if it’s the last thing that I do/ But it’s a long way home„. This song’s message offers a wish most people can relate to. And somehow you’d expect that by the end of the song the main character will make it in time. But smart storytelling often misleads expectations. A Long Way Home has no happy ending: „And it feels like I am flying/ Tires slipping on the ice/ And those lights came out of nowhere/ I tried to shield my eyes„. An accident on Christmas Eve!  Weiterlesen

Indie-Track-Auslese 2014 (Januar/Februar/März) – Teil 1

Hier eine Auflistung einiger Tracks, die wir in den ersten drei Monaten 2014 so gehört und für sehr gut befunden haben. Da sich noch die eine oder andere feine CD des jungen Musikjahres in unseren Regalen stapelt, wird es im April einen Nachklapp zu dieser Liste geben. Für den Moment jedoch gilt: Viel Vergnügen beim Anhören!

Mikko JoensuuLand of Darkness (Finnland) EP: Land of Darkness / Lake of Fire (VÖ: 07.03.2014 auf Fullsteam)

Doug PaisleyIt’s Not Too Late (To Say Goodbye) (Kanada) Album: Strong Feelings (VÖ: 24.01.2014 auf No Quarter)

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Hinreißende Verbeugung vor der Tradition – Sofia Talvik

Die Schwedin Sofia Talvik ist quasi Stammgast auf unserem Blog. Mindestens einmal pro Jahr wenden wir uns ihrem Schaffen zu. Das liegt speziell daran, dass sie mit uns die Leidenschaft für Weihnachten gemeinsam hat. Jedes Jahr aufs Neue beschenkt sie ihre Fans – und generell alle Apostel der Weihnachtszeit – mit einem eigens komponierten Weihnachtslied, das wir dann auch gleich im Rahmen unserer alljährlichen Fundgrube zauberhafter und charmanter Lieder zum Fest weiterempfehlen. Doch nicht nur im Dezember ist Talvik ein offenes Ohr wert. Die umtriebige, vor allem im Folk und Pop beheimatete Singer-Songwriterin ist ständig auf Achse, mindestens alle paar Monate mit einer neuen EP oder gar einem neuen Album im Gepäck. Sie zählt zu der Sorte Künstlerinnen, die eben nicht Musik machen und dann fast trotzig darauf warten, dass Hörer von sich aus Rosen streuen. Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, kommt der Prophet halt zum Berg. Eine lobenswerte, unprätentiöse Einstellung!

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Photo Credit: Gustaf Waesterberg

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