Schlaglicht 69: Son Volt

Es ist das ewige McCartney-Lennon-Dilemma! Wenn eine aus mehreren Masterminds bestehende Band ein nicht gerade amikales Ende findet, stellt sich für Fans unwillkürlich die Frage der Loyalität. Wessen Werdegang möchte man auch weiterhin enthusiastisch begleiten? Im Falle von Uncle Tupelo hat sich die Mehrheit für Jeff Tweedy und seine daran anknüpfenden Band Wilco entschieden. Über die Jahre wurde es sogar richtiggehend zeitgeistig, Wilco ganz toll zu finden. Auch wenn ich die Einschätzung der Co-Bloggerin nicht teile, die Wilco als Hipsterscheiße abtut, so erstaunt es mich dennoch, dass ein Jay Farrar nach dem Ende von Uncle Tupelo weitaus weniger Anklang gefunden hat. Seit über 20 Jahren nimmt er mit Son Volt absolut hervorragende Alben auf, denen jedoch die Anerkennung verwehrt bleibt. Hoffentlich ändert sich das endlich mit dem demnächst erscheinenden Werk Notes of Blue. Farrar hat nach einer die letzte Platte prägenden Hinwendung zum Honky Tonky einen neuen Sound gefunden. Notes of Blue glänzt mit Blues-Rock und großartigen Americana-Klängen, einige davon besitzen überraschend viel Verve. Sinking Down bietet neben deftig-lärmigem Blues-Rock auch Passagen voll Country-Seligkeit, die Verlierersehnsüchte wunderbar einfangen. Back Against The Wall ist Folk-Rock, der ein Lied davon singt, sich nicht unterkriegen zu lassen. Das Songwriting fällt authentisch und hemdsärmelig aus, ohne Klischees und ohne existentialistische Hirnwichserei. Lost Souls entpuppt sich sogar als veritabler Ohrwurm, rhythmisch kernig, mit mächtiger E-Gitarre und einem fein lamentierenden Gesang Farrars. Großartig!

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Unaufgeregter Freigeist – Son Volt

Folk wirkt jung, hip, gänzlich zeitgemäß, grummelt mitunter rebellisch-lieblich. Country hingegen erscheint überholt, gerne mit Kitsch glasiert, außerhalb der USA nicht selten Fremdkörper. Lediglich altersweise, vom Leben gezeichnete Country-Legenden vermögen auch in Europa zu reüssieren. Und natürlich werden auch manche Protagonisten des Alternative Country geschätzt, wenn sie in durchaus knatschiger Manier das vermeintlich Reaktionäre mit der Moderne versöhnen. Die Formation Son Volt rund um Mastermind Jay Farrar besinnt sich mit dem soeben erschienen Werk Honky Tonk einer längst abgehalfterten Tradition, taucht in eine Vergangenheit ein, die längst keine Zukunft mehr zu haben scheint. Widerstrebt somit dem Zeitgeist – und wird deshalb hierzulande keine besondere Erwähnung finden. Schade!

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Photo Credit: Emily Nathan

Seit sich die legendären Uncle Tupelo Mitte der Neunziger aufgelöst haben, sind die zwei daraus resultierenden Formationen sehr unterschiedliche Wege gegangen. Während Jeff Tweedy mit Wilco zum Kritikerliebling avancierte, sich einer riesige Anhängerschar rühmen darf, stehen Farrars Son Volt im Schatten. Der Rezensionsaggregator Metacritic errechnet für die letzten 3 Alben von Son Volt einen Durchschnittswert von 66 (von 100 Punkten), Wilco dagegen dürfen für die vergangenen 6 Platten sogar 80 Punkte eintüten. Auch wenn die besten Tage des Musikportals Last.fm bereits zurück liegen, erscheint es dennoch aussagekräftig, dass Son Volt im Lauf der Jahre 158.000 Hörer auf sich versammeln konnte, während Wilco rund 1.050.000 Millionen Hörer aufweisen. Wilco sind also im Indie-Olymp, Son Volt hingegen dudeln ein Nischenprogramm. Daran wird Honky Tonk nichts ändern.

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Americana meets Kerouac

Jack Kerouac steht als federführender Kult-Poet der Beat Generation für das Lebensgefühl des Aufbruchs. Einer gesellschaftlichen Überkommnung starrer Lebensmodelle einerseits und dem Eintauchen in alternative Lebenswirklichkeiten andererseits, wie auch in On The Road zu lesen. Freilich symbolisiert Kerouac mehr als ein Zeitgefühl. Das Nomadenleben in der Tradition amerikanischer Hobos und die stete Suche nach Glück mag gegenwärtig angestaubt und vergilbt wirken, der sprachliche Ausdruck freilich – zwische Ekstase und Nachdenklichkeit pendelnd – offenbart Zeitlosigkeit.

Ich nenne Jack Kerouac gerne und oft als Lieblingsautoren und Maggie Cassidy als favorisierte Lektüre. Und so freut es mich, wenn die Beschäftigung mit diesem Autor auch 40 Jahre nach seinem Tod anhält. Dieser Tage nun wurde bekannt, dass Ben Gibbard (Death Cab for Cutie) und Jay Farrar, Mastermind von Son Volt, an einem von Jack Kerouac inspirierten Projekt arbeiten. Und es macht durchaus Sinn, dass sich Farrar als ungekrönter König der Americana-Musik dem Kult-Autoren widmet. Wenngleich Keroauc dem Bepop huldigte, so ist seine durchaus tragische Biografie dazu angetan, in der Manier und Tradition des Roots Rocks erzählt zu werden. Die verbitterte Selbstaufgabe eines Missverstandenen ist ein großes Drama, das nur mit dem im Folk verhafteten Understatement beschrieben werden vermag. Und die Ausgelassenheit auf dem Zenit des Wirkens könnte sich in rockigen Tönen gut spiegeln. Man darf also gespannt auf die für Oktober geplante Veröffentlichung des Albums warten.

Bis dahin sei den Banausen, die Jay Farrar und Son Volt nicht kennen, ein kostenloser Download von der soeben erschienen Platte American Central Dust angeboten.

Son Volt

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Spin-Artikel über das Kerouac-Projekt

SomeVapourTrails