Fleisch an den Knochen – Cold Specks

Ein nächtliches Zimmer, das von einer einzigen Lichtquelle erhellt wird, zum Beispiel einer gedimmten Tischlampe, kann sehr behaglich wirken. Ein Raum, gegen dessen Dunkel nur die Flamme einer einzelnen Kerze anbrennt, kann dagegen Beklemmung hervorrufen. Mit Fool’s Paradise, dem mittlerweile dritten Album der Kanadierin Cold Specks, verhält es sich ähnlich. Manchmal wirkt es wie eine mitternächtliche Beichte in intimem Rahmen, zumindest aber sind es Reflexionen in einem heimeligen Ambiente. Ab und an freilich entwickelt das Album eine Düsterkeit, durch die Ängste und Zweifel schemenhaft geistern. Ladan Hussein beschert uns smoothen Soul-Pop, der Gefühle eher analysiert als sie in Herz-Schmerz-Manier auszuleben. Es ist Musik aus dem stillen Kämmerlein, mit all jenen existentiellen Sehnsüchten, Zweifeln und Fragen, die in der Einsamkeit so auftauchen.

Wie man es mit dem Album hält, entscheidet bereits die erste Minute des Albums. Die gedämpfte Grundstimmung des Titeltracks Fool’s Paradise wird von Lyrics wie „All the love flowed feverishly/ Until it was as dry as dust“ eingefangen. Aus diesem Moment der Resignation heraus, erwächst der Wunsch sich selbst Mut zuzusprechen, die Lage schonungslos zu beurteilen. Was bei oberflächlicher Betrachtung womöglich als fragiles Seelenleben abgetan werden könnte, entpuppt sich bei genauerem Hinhören als ein Ringen um die eigene Stärke.  Weiterlesen

Angedunkelter Retro-Soul-Pop mit Stil – Kovacs

In diesem Herbst gilt es so manches unterschätztes Album zu bestaunen und einige überschätzte Platten zu belächeln. Aber Musik muss sich ja nicht immer über Meilensteine und schon gar nicht über unerträgliches Radiogedudel definieren. Ein Lied darf – ja, soll – gern unterhaltsam aus den Boxen tönen, das Herz erfreuen und das Hirn dabei nicht beleidigen. Mit Retro-Soul-Pop macht man da eigentlich nichts verkehrt. Er ist selten mies oder fade, verbindet Gefühl mit ansprechendem Schwung. Und deshalb möchte ich auf die aus den Niederlanden stammende Sängerin Kovacs hinweisen, die dieser Tage mit ihrer EP My Love durch Deutschland tourt.

Der Pressetext legt Vergleiche mit Portishead oder Amy Winehouse nahe. Die sehe ich zwar nicht, aber ihr angedunkelter, mit Bondschem Charme orchestrierter Pop fällt allemal reizvoll aus. Kovacs gelingt ein durchaus hintergründiges Timbre, man möchte ihren Gesang hin und wieder an einer Shirley Bassey messen. Und vermutlich ist dieser Vergleich auch stimmiger, als wenn man sie zusammen mit Winehouse oder Duffy in einen Topf wirft.  Weiterlesen