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Stippvisite 16/12/12

Samplertipp:

Wenn Labels Compilations unter das Volk bringen, dann entlockt mir das oft ein Gähnen. Der Holiday Sampler der kanadischen Plattenfirma Dine Alone Records freilich erweist sich so freigiebig wie freizügig. Speziell die Lieder von The Jezabels und We Barbarians hatte ich ja bereits in den letzten Monaten mit Empfehlungen bedacht. Ebenfalls atmosphärisch dicht tönt Caveman’s Easy Water. Passend zur Jahreszeit drängt sich das winterliche Tracks In The Snow von The Civil Wars ins Ohr.

The Civil Wars – Tracks In The Snow by PurplePR

Es lohnt sich also in diesem Falle zweifelsohne, den Sampler auf Festplatte zu bannen. Zum Stream und Gratis-Download dieser Zusammenstellung geht es hier.

Bockmisttipp:

Neulich in der Redaktion von Visions schien man verzweifelt auf der Suche nach einer möglichst kruden These. Und wurde leider fündig. Alte Musik sei Bockmist, was vor der eigenen Geburt auf Tonträger gepresst, höchstens im Ausnahmefall von Interesse. Denn gestrige Musik habe einen begrenzten Horizont, sei höchstens von nostalgischem Wert. Aus sexistischen Gründen hat Visions diesen Unfug dann von einer weiblichen Redakteurin zu Papier bringen lassen. Denn Frauen sind ja für ihre Gefühle bekannt, der Mann jedoch mit Ratio gesegnet. Doch die irrige Meinung, wonach nur zu begreifen und erspüren ist, was in einer ähnlichen Realität zu der eigenen erschaffen wurde, verkennt den Umstand, dass Musik abseits aller Moden stets die selben Emotionen kultiviert. Unser Gefühlsrepertoire erweitert sich letztlich nicht, Fortschritt hin, Fortschritt her. Die Mittel zur Produktion von Musik mögen sich wandeln, die Inhalte jedoch nie. Liebeslieder sind im Jahre 2011 nicht tiefsinniger als vor 50 Jahren, Verliererballaden von heute nicht gesellschaftskritischer als manch traditierter Folk-Song. Wenn die Autorin des Artikels Früher war mehr oldschool tatsächlich allen Ernstes meint, dass Gegenwartsmusik auch deshalb im Vorteil ist, weil sie „aus allen vorhandenen Wegen wählen und noch neue suchen kann„, dann mag sie verkennen, ja verleugnen, dass alles schon einmal da gewesen scheint. Wo sind die neu tönenden Wege in der letzten Dekade?

Jeder darf seine Meinung vertreten. Aber wenn die Meinung ohne argumentatives Fundament geäußert wird, demaskiert sie sich letztlich selbst. Und zugleich auch die Musikzeitschrift, in welcher sie gedruckt wurde. Visions? Lächerlich.

Vorfreutipp:

Die schönsten Weihnachtsgeschenke sind nicht unbedingt die CDs, die im Dezember erscheinen, vielmehr schon die Pressemeldungen, welche die Highlights des nächsten Jahres verkünden. Als mich vor wenigen Tagen die Nachricht erreicht, dass Anfang März The Magnetic Fields via Merge Records eine neue Platte namens Love at the Bottom of the Sea unter die Leute bringen, kam große Freude auf. The Magnetic Fields stehen für reizend melodischen Pop für geschmackssichere Kenner und solche, die es werden wollen. Bleibt zu hoffen, dass die Veröffentlichung in Deutschland relativ zeitnah erfolgt.

Islandtipp:

So kurz vor knapp will ich natürlich noch eine im Wust meiner Bookmarks bereits angestaubte Empfehlung loswerden. Der wunderbare Polarblog hatte im Oktober mal die isländische Formation Vigri als schwerelosen Traumtänzerpop ans Herz gelegt. Und auch wenn ich mir die dieses Jahr erschienene Platte Pink Boats noch immer nicht gegönnt habe, so kann ich dem Song Sleep nur absolute Betörung abringen.

Und weil wir gerade bei Island sind: Eine der Platten, die 2011 verschönerten, habe ich leider aus Zeitgründen nie gebührend würdigen können. Sóley ist mit ihrem LP-Debüt We Sink ein sehr versonnenes, in pastellfarbener Fantasie gezeichnetes Werk geglückt. Unbedingt entdecken!

Das soll es für heute auch mal wieder gewesen sein. Demnächst mal wieder mehr.

SomeVapourTrails

Stippvisite 09/06/11

Hihihihihi, mein Hirn hat die Größe eines Mückenkleckses auf einer Windschutzscheibe, ich parke meine Gedanken stets nahe am Durchzug und bin mit der emotionalen Reife einer Krokodilschwanzechse bewaffnet. Ich versinke gern im Sumpf der Scripted Reality und hieve alles in die Charts, was Geschmack, Musik und Talent mit Füßen tritt. Ich wiesle als orthographisches Wildschwein durch die Niederungen des Internets, rülpse alles auf Facebook raus, was sich mir so auf die Zunge buchstabiert. Weil Degeneration nicht aussterben darf, pflanze ich mich fort. Ich bin völlig doof, ich glaube sogar den Versprechung der E-Mails in meinem Spam-Ordner. Bin der leibhaftige Grund, warum es der Spam-Industrie nie an Motivation mangelt. Ich zähle immer und überall zur Zielgruppe, rundum werberelevant, bin finster wie die Nacht blöd. Trash offenbart sich mir als Inbegriff von Hochkultur.

Wem diese Beschreibung auf den von Proll-Designern verhangenen Körper geschneidert scheint, der/die sollte nun keinesfalls mehr weiterlesen. Unser Blog nimmt für sich in Anspruch, unverkennbarer Fels in der Brandung zu sein. Geschmackssicher und verschleißfrei, von allerlei Promo-Mails herzlich unbeeindruckt, für Hypes höchstens ein Gähnen im Köcher habend. Doch weil kein Blog eine Insel ist, schauen wir gerne zu den geschätzten Mitstreitern, die manch Schätze heben und gehaltvollen Indie pflegen.

Albumtipp:

Ich will mit meiner Verwunderung nicht hinter dem Berg halten. Irgendwie wurde das Solodebüt von Efrim Manuel Menuck in hiesigen Gefilden beachtlich unbeachtet gelassen – zumindest wenn ich Googles Blogsuche Glauben schenken darf.  Dabei ist Menuck, das Mastermind von Godspeed You! Black Emperor und Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Mitbegründer des Post-Rock-Genres (man denke sich an dieser Stelle zwei Dutzend Ausrufezeichen). Sein Ende Mai auf dem Kultlabel Constellation erschienener Erstling High Gospel entfleuchte jedoch auch meinem Radar, ein diesbezüglicher Newsletter blieb fahrlässig ungelesen. Aber dafür gibt es ja das klienicum, der dankenswerter Weise die frohe Kunde verbreitete. Zudem gibt es auch den Song our lady of parc extension and her munificent sorrows als kostenlosen Download. Ein Gratisliedchen, welches sich in sich hat. Da wurde nicht einfach der langweiligste Track des Album einer allgemeinen Verbreitung zugeführt. Tiefschürfendere Gedanken zu High Gospel werde ich in den nächsten Wochen noch zum Besten geben.

Schwedentipp:

Schweden, mal wieder. Soll der Welt nichts Schlimmeres passieren, als dass schwedische Bands wie Unkraut aus dem Boden sprießen und gedeihen und gedeihen. Die Degrees zählen zu der Sorte Musikschaffender, die ein ausgeprägtes Händchen für flockige Pop-Melodien ihr Eigen nennen dürfen. Solcher Sorte, die es nicht nach zwei Hördurchläufen zerbröselt, weil es an jeglicher Substanz mangelt. Das im Mai veröffentlichte Album Dream On Dreamy werde ich an anderer Stelle nochmals ausführlicher darlegen. Für heute möchte ich Coast Is Clear für diesen Tipp ein Bienchen ins Heft kleben. Und auf ein rundum gutes Lied verweisen: Idiot Dreaming.

Authentizitätstipp:

Eine Empfehlung in eigener Sache. Beim Herumstrocheln durch die deutschen Musikblogszene ist mir unlängst ein Kollege begegnet, der auf laut.fm dem Erstellen eigener Radiosendungen huldigt. Das allein wäre keine besonders erwähnenswerte Sache, weil heutzutage wohl nicht wenige Programmchef spielen möchten. Verwundert hat mich da schon mehr, dass Sendungen die klingenden Namen Lie in the Sound und Some Vapour Trails trugen. Während sich ersteres wohl auch durch das gleichnamige Lied von Trespassers William herleiten lässt, sehe ich mein Alter Ego durch Leerzeichen ein bisschen deformiert. So sehr mich und die werte Mitbloggerin diese allzu offensichtlichen Anleihen ehren, Groupies wachsen bekanntlich nicht auf Bäumen, treten wir zugleich für eine Prise Originalität ein. Wer bloggerische Qualität sucht, kann sich seit 2008 auf uns verlassen. Wer musikalische Neuentdeckung ausforscht, wird dank unserer Mixtapes hier fündig. Aber vielleicht zimmern wir uns in Zukunft ebenfalls ein kleines Radio zusammen. Am Titel feilen wir noch, aber Shoegazr Sounds oder ähnliches klammern wir schon mal aus.

Entdeckertipp:

Der Blog von Secretly Canadian zählt zu den wenigen Label-Blogs, die ich öfter visitiere. Weil es nahezu wöchentlich etwas zu bestaunen gibt. Und auch mein letzter Besuch zählte zu den lohnenswerten. Secretly Canadians jüngster Neuzugang, Porcelain Raft, vermochte mir mit einem Vorgeschmack auf sein bald erscheinendes Debüt zu imponieren. Der kostenlose Track Amateur’s Feeling ist ein ruhiges, schnarrig-versponnenes Kleinod.

„Amateur’s Feeling“ by Porcelain Raft by DOJAGSC

Porcelain Raft gastierte letzte Woche auch bei Daytrotter.

Namenstipp:

Ich gehöre zu den großen Verfechter von Bandnamen, die im weiten Rund des Internets nicht völlig ungooglebar sind. Meine Co-Bloggerin scheiterte unlängst an dem Namen Home Video und hält auch Basement Apartment für nur bedingt karriereförderlich, während ich mir denke, das sich Bands wie James heute wohl nicht mehr so nennen würden. Der Name dieses Projekts freilich mag zumindest mitteleuropäischen Ohren ausreichend singulär klingen: Kordan nämlich. Entdeckt habe ich selbige auf Schallgrenzen, wo auch sonst? Kordans Mastermind, Arthur Eisele, werkt in Brooklyn, scheint jedoch ein Faible für Japan zu besitzen. Die Ende letzten Jahres erschienene, shoegazige Platte The Longing mag mich nicht umfänglich zu überzeugen, manch Stück allerdings sehr. Zum Beispiel Shinjuku, das mir seit einigen Tagen nicht aus dem Kopf geht. Sich gleich dem Bandnamen erfolgreich ins Hirn gepflanzt hat. Anhören!

Das soll es für heute auch schon wieder gewesen sein.

SomeVapourTrails

Die andere Stippvisite

…führt mal wieder durch unser schönes Nord-Neukölln, diesmal aber anders. Auch die Bilder kredenzen wir heute in hip oder genauer gesagt Hipstamatic, natürlich aber, so viel Ehre haben wir noch im Leib, ganz ohne iPhone – wir sind ja schließlich keine Kiezkiller. Und genau hier sind wir schon beim Thema: Der Hype, die Gentrifikation und was am Tage davon übrig bleibt. Neuhochdeutsch könnte man auch titeln: „Self-fulfilling Prophecy does the trick.“ Zumindest was die Mietsteigerungen betrifft… und sonst so?

Die Aussicht von meinem Neuköllner Balkon jetzt ganz hip-stamatic.

Läuft man tagsüber durch den Szenemittelpunkt Reuterkiez sucht man das Trendviertel noch ziemlich vergebens, zwar sind viele Ladengeschäfte von Jungdesigner-Läden aller Art bezogen worden, doch das Publikum weilt noch in Mitte, Prenzlauer Berg oder flaniert gerade über die Bergmannstraße. Manch Jungunternehmer hat die Zeichen der Zeit erkannt und gleich ein „Bitte klingeln, wir sind in Neukölln“-Schild an die Tür gehängt. Ob die Klingel gerade in der nächsten jüngst eröffneten Espresso-Bar ertönt, wo sich die hippen Geschäftleute gegenseitig zur Großartigkeit gratulieren oder man im feindlichen Umfeld Überfälle von streunernden Jugendbanden fürchtet und sich untern Lasdentresen versteckt hält,  ich weiß es nicht. Gefährlich ist es jedenfalls, sich zu lange vor solch einem Schaufenster aufzuhalten. An „good hair days“ droht einem die Besitzerin auf die Pelle zurücken und als langersehnten Kunden in die Designerbude zu verfrachten  – an „bad hair days“  hingegen, wird man eines „Deine Armut kotzt mich an… (sonst würdest du bei mir kaufen)“ Blickes gewürdigt. Zu erstehen gäbe es vieles, besonders ein paar Katzen-Emaille-Ohrringe für 35 Euro. Mir in Erinnerung geblieben, da ich a) eine ebensolche Katze schon mal als Anstecker hatte, als Kind mit Mama im Bastelkurs gefertigt, weilte sie meine Jugend über auf Rucksäcken und Taschen bis diese und sie selber das Zeitliche segneten. Weil b) ich vor meiner Großstadtzeit aufs Land flüchtete, wo jedes Dorf zu jeder Gelegenheit einen Bazar für irgendeinen Zweck hat und die Emailekatzen dort für 3 Euro zu haben sind. Weil c) 35 Euro für solch Hausfrauenbastelstundenschund auszugeben, nur weil die „Schmuckdesignerin“ ein entsprechendes Diplom dafür erstudierte, ziemlich dämlich ist. Gleich neben den Ohrringen prangte eine Sammlung mit Stickern. Am besten gefiel mir „Dieser Sticker wurde nicht mit Hartz 4 bezahlt“. Wovon die Besitzerin des Ladens lebt, möchte ich lieber nicht fragen. Genauer nachgefragt hat Ivo Bozic bei den Betreiberinnen Co-Founderinnen der Wärmestube für Yuppies, auch Wostel genannt, in der Hobrechtstraße. Sein Co-Working im Selbstversuch liest sich sehr amüsant und bringt klar auf den Punkt, womit und mit wem wir es hier zu tun haben. Die Nischen des Kiezes füllen sich mit Menschen, die auf der Suche sind, wer’s wirklich geschafft hat, wohnt woanders und hat auch sein Geschäft im etablierten Mitte oder Kreuzberg. Was Neukölln abhanden gekommen ist, ist die Entspanntheit und der verspielt-naive Charme der Pionierzeit. Jetzt geht’s darum zu beweisen, schon zu sein, was man mal werden will.

"Fuck off Yuppie" mit Sicherheit extra falsch geschrieben.

 

Der Damensalon lädt zum Chillen.

Wirklich gut im Geschäft sind ein paar Kneipen in der Weserstraße, dem Epizentrum des Trends. Manche mögen es gar nicht sein und verfilmen ihre Beschwerde. So geschehen von den Betreibern des Freien Neuköllns. Bis Samstagabend hielt ich das Machwerk für vollkommen übertrieben. Hatte ich doch über mehrere Jahre einen großen Teil meiner Wochenenden im Reuterkiez verbracht, sollte sich in knapp einem Jahr nächtlicher Abwesenheit meinerseits so viel getan haben? Die Antwortet: Punktuell ja. Wo früher ein-zwei Tische vor der Tür standen, ist der Bürgersteig nun unpassierbar und von feierwütigem Volk besetzt. Generell haben viele neue Bars und Kneipen eröffnet, und einige warten noch auf den Hype oder dass dieser sie bemerkt und mit Gästen befüllt. Meine Lieblingskneipe war auch nachts um zwölf nur zu einem Drittel gefüllt, das kannte ich schon mal anders und jubel ein bisschen darüber, dass sie offensichtlich schon wieder out ist. Das ist das schöne an den Trends und Hypes, sie sind schnell vergänglich.

Leider nicht nur ironisch, sondern auch ernst gemeint ist die Publikumsbeschimpfung des Senders Freies Neukölln Offending the clientele:


Offending the Clientele from Retsina Film on Vimeo.

Nach Sehens des Videos sollte man unbedingt die Erwiderung von KreativKiez samt Kommentaren lesen. Ein lustig zu lesender Rant, der beweist, dass Musikblogger nicht die Schlimmsten sind, wenn es um Daseins-Reflexion, Eierschaukeln und Cock Picking geht. Bedauerlicherweise ist es nicht allein die Grusel-Englisch-Performance, die uns Deutschen erneut Xenophobie bescheinigt. Eine besonders wehrhafte BI am Landwehrkanal auf Kreuzberger Seite beschickt zur Zeit die Massenmedien mit Hilferufen ob der feierwütigen Wilden, die da aus Italien, Spanien, England und Skandinavien bei uns wüten. Manche nennen sie auch einfach nur gehässig Erasmus-Studenten. Nicht nur, dass sie laut sind, sie nehmen uns auch die Wohnungen weg. Merkwürdigerweise beschwert sich niemand, sie nähmen uns die Frauen weg. Wahrscheinlich weil zu viele der Neukölllner Überlebens- und auch sonst so Künstler derweil mit den weiblichen Studentinnen die Betten teilen. Schlimm sind natürlich die Touristen, das ist immer so, zumindest solange man nicht selber irgendwo gerade einer ist. Aber dann wäre man ja auch im Urlaub und somit entspannt oder am Feiern oder beides zusammen.

Blätterte man bis vor kurzem in den großen Zeitungen oder informierte sich anspruchsvoll bei den Öffentlich-Rechtlichen, so wurde einem versichert, Neukölln, das ist Elendsgebiet, Depression, Arbeitslosigkeit, Gewalt. Ein Ort der Verlorenen und Vergessenen. Kurz nach meinem Eintreffen in dieser Welt am Rande Neuköllns, eine Straße von Kreuzberg entfernt, preschte die Zitty vor und rief das neue Trend und Szeneviertel aus bzw. man erklärte die Hobrechtstraße zur Now-Go-Area. Man versicherte den Kreuzbergern, dass es mit dem Mama und dem Raumfahrer nun zwei Kneipen  gäbe, in denen man hip und cool den Abend verbringen könne. Damit es nicht ganz so peinlich würde, ins Armen-und Elendsgebiet Neukölln zu schlendern, wurde das Gebiet in Kreuzkölln umbenannt. Echte Kiezbewohner achten natürlich peinlich genau darauf, niemals niemals Kreuzkölln zu sagen. Nach Berliner Art wird in Kieze unterteilt oder sachlich und politisch korrekt Nord-Neukölln als Ortsangabe verwendet. X-Kölln wurde plötzlich die Befreiung für viele, die es sich nicht mehr leisten konnten, in Kreuzberg, Mitte oder Prenzlauer Berg zu wohnen. Kein Naserümpfen mehr, sondern Stolz darauf, Trendsetter zu sein und irgendwie anders eben, nicht so etabliert. Mit viel Elan wurde Schönes und Neues geschafffen und der Kiez aufgewertet. Ganz im Ernst, dass ich mich um zu einer meiner Lieblingskneipen zu gelangen, nicht mehr durch Grüppchen von Freiern und Zuhältern zerschlagener Nutten schlängeln muss, die nachts an der Ecke Kottbusser Damm/Weserstraße auf Kundschaft warten – die Änderungen haben auch sehr viel Gutes. Interessant ist auch, wer im Moment am lautesten „Gentrifikation“ schreit. Es sind eben nicht die klassischen Vertreter der Unterschicht. Es sind die aus der Mittelschicht gefallenen Kinder des Bürgertums. Es sind diejenigen, die feststellen mussten, das gute Ausbildung nichts mehr wert ist, das viele Arbeitsstellen vernichtet wurden und nun ersetzt werden durch Praktikantenstellen oder noch schlimmer: Maßnahmen des Jobcenters. Seit der Agenda 2010 wurden vielen kulturellen und sozialen Einrichtungen die liquiden Mittel radikal gestrichen, stattdessen werden Kontingente und qualifizierte Maßnahmen-Teilnehmern und 1,50-Euro-Jobber zur Verfügung gestellt. Im Klartext heißt das, die Menschen arbeiten weiter auf den Stellen, die sie früher auf dem ersten Arbeitsmarkt besetzt hätten, nur sie werden nicht mehr dafür bezahlt. Neukölln war Rückzugsort und Oase für ebenjene, die lieber sterben würden, als sich öffentlich zu bekennen.

So wandern wir nun zu guter Ende raus aus Neukölln hin zur #GR11, ausgerufen vom Spreeblick, falls es klappt zumindest, sei versichert, die Deutsche Revolution wurde vom Alpha-Blog gestartet. Bisher haben vor allem die Piraten den Hashtag geentert und demonstriert wird unter Vermischtes für Weltfrieden, für echte Demokratie, gegen Atomkraft und diverse andere Sachen. Für echte soziale Markwirtschaft zu demonstrieren, wäre vielleicht keine so schlechte Idee gewesen.

Böse gesagt: Vom Aussterben bedrohte Bewohnerinnen. Paste-ups von Karl Addison

Vor der Änderung steht allerdings erstmal die (Selbst-)Erkenntnis, dann das Bekenntnis und somit solide und glaubhafte Argumente. Die Hose runterlassen, das will aber niemand. Man kennt nur jemanden, der betroffen ist und achja als der Nachbar zwangsgeräumt wurde, das war auch traurig. Alkoholiker er. Irgendwie kommt mir jetzt der Stern Artikel vom 6. Juni 1971 in den Sinn Wir haben abgetrieben!. Ich glaube, es fänden sich heute mehr Akademikerinnen, die öffentlich bekennen würden, sie hätten abgetrieben, als Akademiker, die öffentlich gestehen würden „Ich bin Hartz 4-Bezieher“. Es ist einfach leichter laut zu schimpfen: Die Yuppies, die da jetzt ne Designerbude aufgemacht haben, die leben doch von Mami und Papi. Böse Gentrifikation, trägst Katzenohrringe aus Emaille und doofe Buttons, schlürfst Bionade und verstellst den Bürgersteig mit Tischen und Bänken. „Gentrify This“ gibt’s jetzt für Touris als Postkarte zu kaufen…. Ich trink aus Protest nur noch Club Mate. Was? Das ist genauso schlimm!? Egal – wir sind uns auch noch nicht so sicher, wo genau wir stehen, auf der Seite der Verdränger oder der Verdrängten.

Wir sind Helden - Wir haben uns ein Denkmal gebaut ;-)

Indifferente Grüße von

DifferentStars

PS: Nette Hipstamatic Effekte bekommt ihr ganz ohne iPhone mit folgender Freeware hin:

Photoscape – Probiert einfach den Agfa und CrossProcess Filter + die Vignette

Gimp + Filter von elsamuko – Mein Favorit  ist der Photochrom Filter

PPS: Der Hipstamatic-Effekt war urspünglich rein als Metapher gedacht, gefällt mir jedoch so gut, dass ich künftig mehr damit zaubern werde.

PPPS: Hipster bleibt mein Lieblingsschimpfwort.

Spielplätze sind auch für doofe Yuppies, Streetart sowieso. Paste-up von Alias

Stippvisite 04/05/11

Noch vor einem Jahr habe ich eine Stunde pro Tag auf das Lesen von Musikmagazinen und Blogs verwandt. Mittlerweile jedoch selbstbeschränke ich mich auf wenige Minuten. Mir fehlt es schlicht und ergreifend an der Geduld. Ich fühle nicht länger die Notwendigkeit, die ungezählten Meinungen und Nachrichten aufzusaugen. Es wird zu oft geschnattert und zu wenig formuliert, es wird mit dem Fallbeil der eigenen Präferenzen gemetzelt oder in jungspundischem Übermut das nächste große Ding präsentiert. Der Mangel an besonnenen Abwägungen, verbunden mir einem sprachlichen Ausdruck, der über den Wortschatz eines Kaffeekränzchen hinaus geht, all das langweilt mich. Das Schreiben über Musik wird im deutschen Raum relativ humorlos vollzogen, ein weiterer Minuspunkt. Aber es existieren auch bloggende Lichtblicke, Leuchttürme im plätschernden Meer geschmacksbefreiten Tosens. In deren Lichtstrahlen tanzt die eine oder andere Entdeckung. Heute möchte ich – mal wieder – die jüngsten Erleuchtungen bündeln.

Schwedentipp:

Es gibt Songs, die sich geradezu unwiderstehlich ins Ohr schmiegen, sanft in die Gehörgänge betten. Das Lied The Catcher in the Rye trällert angenehm zurückhaltend, lieblich-frisch. Erinnert ein wenig an einen Stephin Merritt (The Magnetic Fields) zu Zeiten der 69 Love Songs. Mit dieser charmanten Debütsingle macht der unter dem Namen Azure Blue werkende schwedische Singer-Songwriter Tobias Isaksson auf alle Fälle Lust auf mehr. Was aus schwedischen Gefilden Jahr für Jahr hervorschallt, das imponiert mir zum Quadrat. (gefunden bei Coast Is Clear, wo auch sonst?)

The Catcher in the Rye by Azure Blue

Prophetentipp:

Bravestation – White Wolves from Humming Records on Vimeo.

Wenn ich anhand eines einzigen Titels das nächste große Indie-Dingsbums benennen sollte, dann käme mir derzeit Bravestation in den Sinn. Nach gefühlten 30 Hördurchläufen binnen der letzten Tage gewinnt der Song White Wolves beständig an Potential. Obwohl ich nicht eben mit übermäßiger prophetischer Gabe gesegnet bin, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass den Kanadiern Erfolg beschieden ist. Damit sich das feine Lied auch wirklich in den Ohren verfestigt, ist White Wolves auf bandcamp kostenlos verfügbar. (via Days Of Music)

Entdeckertipp:

Ab und an finde ich auch selbst ein Liedchen, dass mich mitseufzen oder mitträllern lässt. Seit über einem Jahr schon will ich den Song Fool’s Gold den Lesern ans Herz legen. Die kanadische Liedermacherin Leah Abramson hat 2010 unter dem Namen The Abramson Singers ein gleichnamiges Debüt vorgelegt, dass eine Handvoll wirklich gute, folkige Titel im Köcher hat. Speziell bezaubernd, zeitlos edel fällt eben besagtes Fool’s Gold aus. Wer gleich mir auf den Geschmack gekommen ist, darf es sich den kostenlosen Download hier zu Gemüte führen.

Kontrasttipp:

Mitten in dieser so hektischen Zeit, die uns alle zur Hast erzieht, trachtet auch die überwiegende Mehrheit von Musik danach, binnen einer Minute auf den Punkt zu kommen, ehe dem Hörer der Geduldsfaden reißt. Welch wohltuendes Kontrastprogramm doch der Post-Rock bietet! Wie sich gediegener Post-Rock geradezu aufreizend langsam entfaltet,  immer wieder Brüche in die epische Breite legt, das begeistert mich stets neu. Ein Paradebeispiel dafür liefern Annapurna, eine Band aus Belfast, mit ihrem Song I am a Leaf ab. 13 intensive Minuten, die das Genre in aller Pracht zum Schillern bringen. Famos. (natürlich via Schallgrenzen)

Balladentipp:

Wenn ich irgendwo lese, dass eine Sängerin in den besten Momenten an Joni Mitchell erinnert, dann regt sich in mir Widerstand und meine Augenbrauen bauschen sich nach vorn, begleiten einen finsteren Blick. Nur fürs Protokoll: Was Joni Mitchell mit dem Album Hejira erschaffen hat, das wird alle Jubeljahre höchstens mal annähernd erreicht. Julian von Die Kopfhoerer wagt die These, dass Yael Naim auf dem Zenit ihrer Kunst ähnlich magische Augenblicke vollbringt. Das sehe ich zwar nicht so, aber der Song Today ist von schlechten Eltern nicht. Das Album She was a Boy ist soeben erschienen.


Yael Naim – Today von Le_Live

Das soll es für heute auch schon gewesen sein. Viel Vergnügen mit den Empfehlungen.

SomeVapourTrails

Stippvisite – 16/03/10

Und wieder soll abgehandelt werden, was die werten Bloggerkollegen erwähnen, die Fachpresse mehr oder minder klug schwätzt und Musiker und Bands so abliefern…

Genusstipp:

Wenn Bonnie ‚Prince‘ Billy Daytrotter seine Aufwartung macht, darf man durchaus zentnerschwere Qualität erwarten. Freilich wird man dabei nicht enttäuscht.

Vorfreutipp:

James aus Manchester veröffentlichen im April ihr neues Album The Night Before. Dass es die Band in all den Jahren nie in die erste Reihe geschafft haben, liegt wohl auch am dümmstmöglichen Namen für eine Band. Aber die Musik ist mit das Beste, was Großbritannien so zu bieten hat.

Entdeckungstipp:

Foto: Bart Pettman

Aufgepasst, Freunde der deftigen Töne. Castrovalva schreien sich die Seele aus dem Leib – und das ist gut so. In wenigen Wochen erscheint das Album We Are A Unit. Und wer es auf die harte Tour mag, der sollte sich die kostenlosen Mp3s Donut und Pump Pump zu Gemüte führen. Wir werden die Herren demnächst noch ausgiebiger vorstellen. Und meine werte Co-Bloggerin DifferentStars wird mich angesichts des Lärms, den sie dann ertragen muss, wohl verfluchen…

Diktiertipp:

Seit einigen Tagen wollte ich schon Emit Bloch an dieser Stelle erwähnen, doch trotz interessanter Ansätze konnte mir der Herr nicht die absolute Begeisterung abringen. Nun hat sich das klienicum der demnächst erscheinenden Scheibe Dictaphones Vol. 1 angenommen. Dieser alternative Lo-Fi-Zugang zu Country und Bluegrass ist zweifellos nicht nach jedermanns Geschmack, sollte aber dennoch einer Entdeckung unterzogen werden.

Lesetipp:

Verkümmert das Gehör durch Mp3-Dateien? Was so reißerisch klingt, als wäre die Bild wieder investigativ tätig geworden, ist als ernste Frage in der Futurezone des ORF gestellt. Trotz des Versuchs einer wissenschaftlichen Unterfütterung der These bleibe ich skeptisch.

Hörtipp:

J Dilla mag gestorben sein, aber Material, welches es noch zu veröffentlichen gilt, scheint reichlich vorhanden. Via Prefix habe ich seine instrumentale Interpretation des 80er-Klassikers Safety Dance gefunden. Beste Hintergrund-Musik für die U-Bahn-Fahrt zur Arbeit!

Videotipp:

Julian von DieKopfhörer hat mich auf ein Video von Emmanuelle Seigner aufmerksam gemacht. Dingue ist ein wirklich feiner Song, und Frau Seigner anzusehen tut auch nicht weh.

Geheimtipp:

Eine Band, von der man noch viel hören wird, ist Pacific Theater. Als Appetithappen sei auf den Album-Stream von Animals At Night auf Last.fm verwiesen, wo es auch noch 2 kostenlose Downloads gibt. Insbesondere der Song Lions ist eine feine Nummer. (Gefunden bei The End of Irony)

Lions from Whale Heart Records on Vimeo.

Vorhörtipp:

Laura Marling bringt demnächst das Album I Speak Because I Can heraus. Und da ich das Talent der Dame nicht gering bemesse, waren meine Erwartungen durchaus hoch geschraubt. Der Album-Stream auf Times Online bestätigt die Ansprüche auch. Unbedingt zurücklehnen und lauschen!

SomeVapourTrails

Stippvisite – 08/03/10

Über die Woche hat es wieder einmal einiges an Treibgut in unsere gefühlten Tausenden von Bookmarks gespült. Daran wollen wir die werten Leser wieder einmal teilhaben lassen…

Hörtipp:

Long Grass

Peter von Schallgrenzen hat auf eine neue EP einer absolut famosen Band aufmerksam gemacht und ist nun sturzbesoffen vor Glück. Das kann ich nachvollziehen, denn Her Name is Calla hat ein Händchen für nachdenkliche wie intensive Stimmungen, in denen man aufzugehen vermag. Dass die EP nicht nur auf CD und Vinyl erscheint, sondern auch als kostenloser Download auf der Label-Seite verfügbar ist, verrät Peter ebenfalls. Unbedingt anhören.

Konzerttipp:

Die Liste der SXSW-Teilnehmer ist wie immer sehr lang – aber wie immer gilt es die Rosinen aus dem Kuchen zu picken. Dazu zählen zweifelsohne And So I Watch You From Afar und wer sich das Live-Video zu Set Guitars to Kill ansieht, erahnt sofort, warum die Nordiren mit ihrem Instrumental-Rock in Großbritannien bereits sehr angesagt sind. Die Jungs kommen im April auch nach Deutschland…

Tour-Termine:
21.04.10 Köln – Underground
22.04.10 Osnabrück – Kleine Freiheit
23.04.10 Hamburg – Grüner Jäger
28.04.10 Berlin – Privat Club
29.04.10 Oberhausen – Druckluft
09.05.10 Zürich (CH) – Club Zukunft
10.05.10 Wien (A) – Chelsea

Hörtipp:

Xavier Rudd veröffentlicht im April sein neues Album Koonyum Sun und hat als Vorboten bereits ein Video zu dem Song Time To Smile präsentiert. Nun muss man solch ein mit einer gehörigen Portion World Music versehenenes Good-Vibrations-Lied nicht unbedingt mögen, aber in meinem Fall zeigt es Wirkung.

Geheimtipp:

Manchmal weiß ich, warum ich mich jeden Tag während des Morgenkaffees durch unzählige Blogs und Musikmagazine wühle. Weil es noch immer – wenn auch seltener – den Aha-Effekt gibt. Bei Alternativmusik.de habe ich Birch Book entdeckt und sofort für gut befunden.

SomeVapourTrails

Stippvisite – 01/03/10

Über die Woche hat es wieder einmal einiges an Treibgut in unsere gefühlten Tausenden von Bookmarks gespült. Daran wollen wir die werten Leser wieder einmal teilhaben lassen…

Hörtipp:

Ich gestehe gerne, dass ich mit der griechischen Musikszene nicht vertraut bin. Unter dem Aspekt war ich angenehm überrascht, als ich zum ersten Male der in Athen ansässigen Band Night On Earth gelauscht habe. Klingt gut, hat Hand und Fuß und wird beim diesjährigen SXSW-Festival zu hören sein.
Night On Earth – Hotel (live@Gagarin, 19.03.09)

Night On Earth | MySpace Music Videos

Hörtipp:

Apropos SXSW! Eine kanadische Folk-Sängerin namens Catherine MacLellan, über die ich schon lange ein paar Worte verlieren wollte, wird dort ebenfalls auftreten. Ihr puristischer Zugang ohne Schnickschnack erfindet das Rad nicht neu, verfehlt aber auch nicht seine Wirkung.

Ausgiebige Hörproben sind auf der Labelseite von True North Records verfügbar. Das 2009 erschienene Album Water In The Ground ist ein durch und durch hörenswertes Kleinod.

Konzerttipp:

Unseren Konzertkalender haben wir für März aktualisiert. Und einmal mehr möchte ich allen die deutsche Band Mariahilff ans Herz legen, die in diesem Monat wieder ein paar Gigs spielt. So clevere Lyrics wünschte ich mir öfters. Ein absolut famoses Album, dass die Herren um Lars Rudolph im vergangenen Jahr veröffentlicht haben – wie ich hier bereits ausgeführt habe.

Live-Termine:
11.03.10 Hamburg – Golden Pudel Club
12.03.10 Hannover – Silke-Arp-Bricht
18.03.10 Jena – Rosenkeller
19.03.10 Erfurt – Museumskeller
20.03.10 Stuttgart – Wagenhallen

Webtipp:

Die Sendung Breitband von Deutschlandradio hat SoundCloud porträtiert. Möge sich diese Idee durchsetzen!

Lesetipp:

Wenn die deutsche Kritikerzunft Johny Cashs Ain’t No Grave auf das Niveau eines Ausverkaufs reduziert, zeigt sich doch deutlich, dass das deutsche Feuilleton auch schon mal niveauvoller war. Jan Kühnemund für ZEIT ONLINE, Michael Pilz für WELT ONLINE und Thomas Winkler für die Frankfurter Rundschau haben ihr Urteil abgegeben, doch so richtig hat keiner der Herren die Platte verstanden. (via ByteFM Magazin)

Immerhin hat Johannes Waechter auf dem SZ-Magazin Musikblog sinnigere Worte gefunden.

SomeVapourTrails

Stippvisite – 06/02/10

Auch heute wollen wir auf Fundstücke verweisen, die sich in den letzten Tage so angesammelt haben…

Hörtipp:

Die in Brooklyn lebenden Sharon Van Etten gehört zu den derzeit aufstrebenden Talenten im  Singer-Songwriter-Bereich. Ihr 2009 erschienenes Album Because I Was in Love vermag aufgrund der emotionalen Dichte nicht nur Lo-Fi-Folk-Anhängern zu gefallen.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, findet bei Eardrums Music einen Verweis zum kostenlosen Download eines neuen Tracks namens Love More. Es bestehen eigentlich keine Zweifel, dass diese junge Frau für höhere Weihen bestimmt ist und den Status des Geheimtipps bald endgültig hinter sich lassen wird. Weitere überzeugende Argumente kann man sich auf der MySpace-Seite Sharon Van Ettens anhören.

Lesetipp:

Wenn man als deutschsprachige Newcomer-Band Erfolg haben will, darf man durchaus versuchen, die hiesige Blogger-Szene und Online-Magazine um den Finger zu wickeln. Die Wiener Band mob wurde in den letzten Wochen und Monaten für ihr Album Mich kriegt ihr nicht mehrfach gelobt. Und zwar hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch ich werde in der kommenden Woche noch meinen Senf beisteuern. Die Band ist schlicht und ergreifend zu gut, um unerwähnt zu bleiben.

Hörtipp:

Noch mag der Name Hannah Georgas auch musikalischen Insidern kein Begriff sein. Die Kanadierin wird im Frühjahr ihr Debüt veröffentlichen. Nach der EP The Beat Stuff darf man vielleicht kein Meisterwerk, aber sicherlich ein feines Stück Musik erwarten. Wer sich vorab mit ihrem Schaffen vertraut machen will, kann sich die Hörproben auf MySpace zu Gemüte führen. Oder bereits das Video zu Thick Skin, einem neuen Song, als optischen Appetithappen ansehen:

Lesetipp:

Owl City ist das völlig überschätzte Projekt von Adam Young. Der BBC-Review von Ocean Eyes kann ich nur zustimmen. Doch auf jedes schwache Album kommt ein famoses. Jaga Jazzist haben mit One-Armed Bandit eine prima Scheibe gezaubert. Zu dieser Platte werde ich demnächst auch noch das eine oder andere Wort verlieren. Bis dahin sei auch in diesem Fall die Einschätzung der BBC geteilt.

Konzerttipp:

Auf dem Blog von Analogsoul entdeckt und für gut befunden, habe ich trio.Schmetterling. Und auch wenn mir die Label-Definition von „instrumental-jazz-pop-kammermusik-experimental-große-geste-miniaturen“ eine Falte auf die Denkerstirn zaubert, so klingt die Musik doch sehr angenehm und nicht überexperimentell. Ein Erlauschen via MySpace wird empfohlen!

06.02.10 Jena – Kunsthof
07.02.10 Leipzig – Galerie KUB
08.02.10 Berlin – Hause der Sinne
09.02.10 Görlitz – Stille Post
11.02.10 Dresden – Blue Note
12.02.10 Erfurt – Franz Mehlhose (Löberstr. 12)
13.02.10 Stuttgart – Kiste

SomeVapourTrails

Stippvisite – 02/12/09

Wir sind ja gerade mit dem Basteln unseres Adventskalender durchaus beschäftigt, weiters tippt meine Co-Bloggerin gerade fleißig die Tonbänder der in den letzten Tagen geführten Interviews ab. Einige bislang in der deutschen Blogosphäre noch recht unbesprochene Veröffentlichungen harren ebenso einer lobenden Erwähnung unsererseits. Und doch haben wir in den letzten Tagen auch über den Tellerrand geguckt und auf auf diversen Blogs und in Magazinen einige interessante Beiträge gefunden.

Adventskalender:

Viele Webseite erfreuen derzeit mit kleinen Geschenken, kostenlosen Mp3s oder Gewinnspielen. Auch das Netlabel analogsoul verschenkt derzeit Musik – wie Peter von Schallgrenzen entdeckt hat. Und die ersten 2 Tracks sind für Anti-Mainstream-Apostel durchaus eine Offenbarung.

Hörtipp:

Die Band Rodeo Massacre wurde vorgestern auf HeyTube als rockröhrenhart beschrieben. Und wenngleich man die Vorbilder sehr deutlich raushört, so klingt die Chose doch recht frisch. Die Single The Game ist beim Label Smoky Carrot erschienen.

Hörtipp:

Ebenfalls durch den geschmacksicheren Blog HeyTube bin ich auf Cory Chisel aufmerksam geworden und werde Euch den Herren in den nächsten Wochen noch ausführlicher präsentieren. Vorerst soll ein Radio-Mitschnitt ein wenig Einblick in das Denken und Werk des Songwriters geben.

Lesetipp:

Ein interessanter, auf die Nutzung neuer Medien abzielender Vergleich zwischen Bon Jovi und John Mayer findet sich bei Lefsetz Letter. Des Englischen Mächtige werden vielleicht nicht gänzlich zustimmen, aber vom Ansatz her stimmt die Analyse.

Hörtipp:

Von den Großmäulern als neueste Supergroup präsentiert, bei uns bereits vor über einem Jahr erwähnt: Apparatjik. Nun kann man gegen Bekanntgabe seiner E-Mail-Adresse hier einen kostenlosen Download erhaschen.

SomeVapourTrails

Stippvisite – 18/11/09

Heute mal wieder bei den Kollegen vorbeigeschaut und sowohl feine, als auch abstruse Sachen gefunden.

Sehtipp:

EELSLittle Bird Video. Auf die kostenlose Mp3 haben wir ja schon hingewiesen. Felix von Beautifulsounds hat jetzt das Video dazu gefunden:

Hörtipp:

Peter von den Schallgrenzen ist ganz begeistert von Helgi Hrafn Jonsson, kürt das Album For The Rest Of My Childhood schon jetzt zu seinen „grossen Favoriten 2009“, obendrauf gibts bei ihm noch den Gratis-Download von Lay It Down.

Lesetipp:

Erfolgreich angesteckt haben wir Michael von Småstad – womit, könnt ihr hier lesen: Achtung Baby!

Wegsehtipp:

Pubertärer Scheiß. Rote Raupe rät ab: AMOS XXXmas

Und wir versprechen, so was kommt nicht in unseren Adventskalender.

Schmunzeln oder ernst nehmen?

Pretty-Paracetamol wartet mit Nerdkram auf und findet ne Grafik, die den Zusammenhang zwischen der Ölfördermenge und den “Rolling Stone 500 greatest songs of all time” beweist.

Noch mal Wegsehen!

Wer obiges XXXmas-Video gesehen hat und mehr von so Kram vertragen kann. Gibt’s bei die Kopfhörer in „noch schlimmer“. Der Ugly Dance Contest (real existierendes Grauen). Das Video war mir aber zu gruselig, um es hier einzubauen.

Hinhören:

Eben erscheint die amerikanische Deluxe-Version des gleichnamigen Albums von Fever Ray. Und diese beinhaltet auch eine Live-CD: Live At Lulea. Der Stream ist für kurze Zeit auf NPR verfügbar.

Gegen Herbstdepressionen…

sind schwungvollere Töne mitunter hilfreich. Selbige habe ich hier entdeckt. Cumbia Ya! nennt sich die Formation und zu wohltuendem Erlauschen lädt ihre MySpace-Seite ein.

DifferentStars