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Sinistre Mär aus den Tiefen der Nacht – The Mount Fuji Doomjazz Corporation

Wenn den Mitgliedern der in den Niederlanden beheimateten Formation The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble der Sinn nach einer Steigerung der Verquerung steht, erklimmen und entern sie einen weiteren Gipfel und mutieren zu The Mount Fuji Doomjazz Corporation. Unter eben jenem Alter Ego erschien im Juni auf Ad Noiseam die CD Succubus, die als eine Art spontaner Soundtrack zu Jess Francos gleichnamigen (auch unter dem Titel Necronomicon firmierenden), Ende der Sechziger Jahre entstanden Film begriffen werden darf. Und eine spannende Versuchsanordnung scheint es allemal, wenn man zu den irgendwo zwischen Kunst und Schund verorteten, vor Erotik triefenden Bildern eine musikalische Improvisation gestaltet.

Succubus

Tatsächlich rumort die hochgradig fesselnde Atmosphäre über 70 Minuten lang und erschafft eine subtil bedrohliche, oftmals laszive Aura. Der in der Nacht umtriebige weibliche Dämon Succubus beehrt schlafende Menschen, paart sich mit ihnen, nuckelt dabei an deren Lebensenergie. Zurück bleibt lediglich beim Erwachen lediglich die vage Erinnerung an einen feuchten Traum. Eben jene kannibalistische Erotik wird von The Mount Fuji Doomjazz Corporation plastisch vorgeführt. Die aus der Wucht der Bilder inspirierten Klänge spielen perfekt auf der Gefühlsklaviatur des Hörers, evozieren eine Düsterheit, die aus einer beängstigend faszinierenden Stimmung schöpft. Verhuscht lockt von fern Charlotte Cegarras sirenenhafter Gesang, während das scheppernde, omnipräsente Schlagzeug die albtraumhafte Szenerie steuert. Jeglicher Becircung folgt eine schwermütige Wehklage in Form von Hilary Jefferys Posaune. Derart entstehen Klanggemälde, die ein gelungenes narratives Konzept transportieren,  eben nicht nur als Hintergrund-Tamtam auf die Tube der Emotionen drücken, sondern darüber hinaus einen Sog von Lust und Qual lostreten, der als assoziative Bilderflut durchs Hirn prescht.

The Mount Fuji Doomjazz Corporation – Succubus (preview) from Ad Noiseam on Vimeo.

Die unheilvoll erschallende, schwer einordbare Mixtur aus Ambient-Drone-Musik und Jazz-Elementen, welche von den Masterminds Jason Köhnen und Gideon Kiers kreiert wurde, erweist sich als außergewöhnlich. Die sinistre Mär aus den Tiefen der Nacht erwächst zu einem Horror-Trip einprägsamster Momente. Succubus ist mehr als nur ein Appetithappen für das in Kürze erscheinende neue Album des The Kilimanjaro Darkjazz Ensembles. Als Komposition, die extremste Vorstellungskraft provoziert und die Kunstfertigkeit der Improvisation hochleben lässt, begeistert und überzeugt sie völlig.

Links:

Label-Seite mit Hörproben

SomeVapourTrails