Schlagwort-Archive: Sun Kil Moon

Indie-Track-Auslese 2014 (Januar/Februar/März) – Teil 1

Hier eine Auflistung einiger Tracks, die wir in den ersten drei Monaten 2014 so gehört und für sehr gut befunden haben. Da sich noch die eine oder andere feine CD des jungen Musikjahres in unseren Regalen stapelt, wird es im April einen Nachklapp zu dieser Liste geben. Für den Moment jedoch gilt: Viel Vergnügen beim Anhören!

Mikko JoensuuLand of Darkness (Finnland) EP: Land of Darkness / Lake of Fire (VÖ: 07.03.2014 auf Fullsteam)

Doug PaisleyIt’s Not Too Late (To Say Goodbye) (Kanada) Album: Strong Feelings (VÖ: 24.01.2014 auf No Quarter)

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Stippvisite 09/10/2013 (Meine Strategie zur Erlangung der Weltherrschaft)

Die Welt wäre eine bessere, wenn mehr Menschen meinem geschmacklichen Beispiel folgen würden. Und natürlich frage ich mich, warum ich meine musikalischen Vorlieben nicht besser zu transportieren verstehe. Ein Blick in die Nachrichten des Tages hat mir gestern die Augen geöffnet. Denn ein Fünftel der Deutschen und Österreicher ist nur mit minimalen Lesekompetenzen ausgestattet, wie eine OECD-Studie besagt. Da wundert es mich kaum, dass unser textlastiger Musikblog nicht mehr Fans findet. Ich für meinen Teil werde daraus natürlich sofortige Konsequenzen ziehen und diesmal ganz langsam und schlicht schreiben. Man will ja niemanden unnötig verschrecken. Vielleicht klappt es ja so mit der Weltherrschaft meines Geschmacks!

Herzattackentipp:

Man wird älter – und morbid. Kramt Erinnerungen hervor, flüchtet sich in lange vergangene Dekaden. Begreift den Wandel der Zeiten, fühlt die Midlife-Crisis in den Knochen stecken. Die Ängste und Sorgen werden andere, da verkündet dubioses Herzklopfen nicht länger Liebesgefühle. Der amerikanische Singer-Songwriter Mark Kozelek, einer der chronisch unterschätzten Meister seiner Zunft, beschreibt all dies in seinem neuen Song Richard Ramirez Died Today of Natural Causes. Es ist ein Gedankenstrom aus Kleinigkeiten und Erkenntnissen, aus welchen Kozelek unter seinem Alias Sun Kil Moon dann das Damoklesschwert eines vorzeitigen Todes schmiedet. Dieser mächtige, Unbehagen forcierende Track bietet einen ersten Vorgeschmack auf das für Februar nächsten Jahres angekündigte Album Benji. Es dürfte wirklich groß werden! (Auf Pitchfork gibt es den Titel als Stream.)

Konzerttipp:

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Photo Credit: Ali Armfield

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Release Gestöber 26 (Sun Kil Moon, Bone & Bell, Sin Fang, The Blue Angel Lounge und mehr)

Einmal mehr ein paar Empfehlung zu gegenwärtigen Neuerscheinungen…

Sin Fang

Sindri Már Sigfússon ist ein umtriebiger Mensch, sowohl im Kollektiv Seabear als auch solo als Sin Fang wirkend. Als Sin Fang hat der Isländer 2011 das mal pittoresk-melancholische, mal angenehm flirrende Album Summer Echoes hervorgebracht. Auf diesen federleicht tänzelnden sommerlichen Tagtraum folgt dieser Tage die EP Half Dreams. Der Nachschlag greift die Magie der Vorgängerplatte auf, speziell der Song Walk With You darf sich eines sehnsuchtsseligen Refrains („Let me walk with you in my dreams/ let me talk with you in my dreams/ Look what you’ve done to me/ I only want to fall asleep/ So I can walk with you in my dreams„) rühmen. Half Dreams besticht als kreatives Pfund, das mehr als nur seichten, folkigen Indie-Pop im Köcher hat. Die in der zweiten Hälfte von Shine For Me auftretende pastorale Entrückheit trägt Elfenglanz im Haar, zeigt einmal mehr, warum es isländischer Musik nie an Großartigkeit mangelt.

Half Dreams ist am 25.05.2012 auf Morr Music erschienen.

Made in Iceland V

Verweilen wir noch kurz in isländischen Gefilden. Island zählt knapp 320.000 Einwohner, bietet zugleich dutzende musikalische Acts mit Format auf. Allein Berlin darf die zehnfache Menge an Menschen innerhalb seiner Stadtgrenzen beherbergen. Doch hat es tatsächlich auch 300 Bands von Belang zu verantworten? Island hat sich zu einem außergewöhnlichen musikalischen Hotspot gemausert. Wer Island bislang nur mit Björk oder Sigur Rós assoziiert, der gehört ohnehin nicht zu den Stammlesern dieses Blogs. Doch selbst Experten mögen die eine oder andere musikalische Erscheinung der letzten 12 Monate verpasst haben. Hier kann die Compilation Made In Iceland V des IMX (Iceland Music Export) Abhilfe schaffen. Mit Helgi Jónsson, FM Belfast, For A Minor Reflection, Lockerbie oder Vigri präsentiert uns diese Zusammenstellung die Schokoladeseite isländischen Musikschaffens. Dieser Stream gewährt einen feinen Einblick. Anhören und die Bands auskundschaften!

Bone & Bell

Zugegeben, ich bin durchaus von Ambition erfüllt, Künstler vorzustellen, die nicht bereits von Hinz und Kunz mit Worten bedacht wurden. Das ist mehr als schiere Eitelkeit des eigenen Geschmacks, eher schon der Versuch ein breites und hoffentlich rundes Bild des Musikschaffens zu zeichnen. Heute möchte ich Bone & Bell nicht unerwähnt lassen. Die am 25.05.2012 erschienene EP Organ Fantasies besticht durch die Stimme von Sängerin Heather Smith. Diese überzeugt nicht durch Oktavenreichtum oder besondere Charakteristik, vielmehr wegen der Fähigkeit sich in Songs zu schmiegen, den Liedern Seele einzuhauchen. Speziell beim Track Serpentside gelingt dies wunderbar. Diese folkige Ballade mit gespenstisch gehaltener Orgel und glockenklarem Gesang ist ein Kleinod erster Güte. Die restlichen Lieder der EP wirken dagegen wie nette Fingerübungen. Bone & Bell würde ich liebend gerne in Albumlänge erlauschen, die Organ Fantasies sind somit definitiv ein Versprechen auf mehr.

Sun Kil Moon

Viele Menschen weigern sich ihr eigenes Altern auch mit Reife zu verbinden. Das ist der Grund, weshalb auch Menschen in den Vierzigern noch Liebestralala lauschen oder sogar Greise in der Geriatrie noch die rockige Unbändigkeit beschwören. Wie wohltuend empfinde ich es daher ein nachdenkliches, humorvolles, erwachsenes, großartig geschriebenes Singer-Songwriter-Album wie Among The Leaves! Mark Kozelek zählt zu den besten Liedermachern seiner Generation. Aus mehrerlei Gründen. Da wäre zunächst eine ungemein sensible Stimme, die leise Töne mit unvergleichlicher Eindringlichkeit befördert. Auch sind Kozeleks Lyrics erzählerische Glanzlichter, die tief in die menschliche Seele scheinen. Wo Songwriting oft das Innere nach außen stülpt, geht Kozelek umgekehrt vor, dringt in Gefühl und Psyche ein, wahrt den intimen Rahmen. Ob zu Beginn seiner Laufbahn mit den Red House Painters, solo oder unter dem Projektnamen Sun Kil Moon, man darf stets über die große Seriosität staunen. Es ist das Erleben eines Werks, das den Hörer fordert und formt. Das sich nicht aufbauscht, weil es wahre Größe besitzt. Nehmen wir etwa den schnoddrigen UK Blues, der den Alltag auf Tour quer durch skandinavische und britische Gefilde erzählt. Neben einer lakonischen Beobachtung des jeweiligen Landes („Finland, Finland, so many trees/ John Denver would be pleased„) fällt der Fokus auf Konzerte bar jeder Groupieromantik. Dafür rückt das Hadern mit dem eigenen Vortrag in den Mittelpunkt. Sunshine in Chicago wiederum zeigt den Reisenden insgesamt zufriedener, dennoch Gedanken an Zeiten nachhängend, als noch süße weibliche Fans  seine Konzerte in dieser Stadt besuchten, während er nun Poster für Typen in Tennisschuhen signiert. Kleine Eindrücke verdichten sich, Kozelek schaut einem nicht mehr tauffrischen Musiker ins Gesicht, fühlt sich älter werden, nimmt es an. Among The Leaves ist ein fabelhaftes wie reifes Album, das man 2012 in jeder gut sortierten Jahresbestenliste völlig zurecht erspähen wird.

Among The Leaves ist am 01.06.2012 auf Caldo Verde erschienen. Drei kostenlose Downloads aus dem Album finden sich auf Stereogum.

The Blue Angel Lounge

Kommen wir nun zu einer EP, die gemischte Gefühle weckt. Weil sie rumpelt, so als würde über einen Acker voll Kraut und Rüben getuckert. Eine EP ohne Kohärenz! Das ändert jedoch nichts daran, dass Ewig keine uninteressante EP ist. The Blue Angel Lounge hatte ich nach ihrem gleichnamigen, sehr guten Debüt aus den Augen verloren. Die am 15.06.2012 auf 8MM Musik erscheinende EP zeigt eine Band auf der Suche nach dem eigenen Sound. Soll man sakralen, düster wavige Atmosphäre mit deutschem Text belegen (Ewig), langsam torkelndes Seemannsgarn strudeln (Inertia) oder doch dem letzten Album der Editors nacheifern (Melloch Halb & Halb)? Ich würde für letzteres plädieren. Fakt scheint mir, dass diese deutsche Formation durchaus das nötige Rüstzeug vorweisen kann, um international groß rauszukommen. Der markant-düstere Gesang in Verbindung mit einem stets bedeutungsschwangerem Sound sind als beste Vorzeichen zu werten. Auf die nächste LP von The Blue Angel Lounge bin ich mehr als nur gespannt. Die Kraut und Rüben dieser EP könnten auf der nächsten Platte bereits reiche Ernte einfahren. (In Distance Far Away From Me gibt es hier als kostenlosen Download.)

SomeVapourTrails

Lie In The Sound präsentiert: Die besten Tracks 2010 (Platz 11-25)

Ich hänge irgendwie noch dem vergangenen Jahr nach, viele CDs liegen noch herum, einige Lieder schwirren noch im Ohr. Bevor die Veröffentlichungen des Januar endgültig den Blick auf vergangene Kostbarkeiten zu verstellen trachten, seinen die schönsten Tracks von 2010 nochmals kurz und eindringlich ins Gedächtnis gerückt – in das eigene und in das des Lesers. 2011 mag zwar bereits aus den Startlöchern geschossen sein, aber das Gute des letzten Jahres hat an Güte noch nichts verloren.  Feine Lieder besitzen ohnehin kein Ablaufdatum, darum lohnt die Entdeckung nach wie vor. Sofern vorhanden wurde deshalb eine Hörprobe verlinkt, um den nackten Namen und Titeln eine nachhaltige musikalische Erfahrung einzuverleiben.

11. Betty and the WerewolvesDavid Cassidy

12. Philipp Poisel – All die Jahre

13. Her Name is CallaPour More Oil

14. BlockheadTricky Turtle

15. RPA & The United Nations of SoundAre You Ready?

16. SambassadeurDays

17. Kyrie KristmansonOh, Montmartre

18. Nina KinertDown On Heaven

19. Massive AttackParadise Circus

20. Tired PonyNorthwestern Skies

21. And So I Watch You From AfarSet Guitars to Kill

22. SillyAlles Rot

23. Sun Kil MoonAustralian Winter

24. Get Well SoonWe Are Ghosts

25. The KabeediesJitterbug

SomeVapourTrails

Ein Mixtape gegen die irdischen Töne des Sommers

Meine Gedanken queren die sengende Straße und schweifen in den belärmten Park , wenn ich so vom Balkon aus das grelle Leben sichte. Die Wirklichkeiten Kreuzköllns sind von irdischen Tönen beschickt, so prall wie stereotyp. Schwarz-Rot-Gold ranken sich Kopftücher um die Häupter mancher Frauen, selbst die ächzende Hitze vermag den perfekt gegelten Haare der flanierenden Checker nichts anzuhaben. Dickliche, nahezu albinohäutige Mädchen stapfen mit kurzem Minirock und lilanen Strümpfen vorbei, die Gesichter schick alternativ mit Piercings bedacht. Drogendealer dealen in den weiten Grünanlagen, sogar Asoziale gehen ihrem Tagwerk nach, leicht vertrocknet scheinen sie alle. Prosaisch legt der schwelende Sommer überraschungsarme Szenarien blank, um letztlich in der Gesamtschau doch vielfältig zu bleiben. Dieser Tage kennt mich der Computer kaum, mein leidender Rücken mag kein Sitzen, vom nassgeschwitzten Bett aus zu schreiben verbietet die Vernunft. So diktiere ich Gedanken dem Notizblock, während sich das Hoppeln viel zu schnell über Kopfsteinpflaster fahrender Autos und munteres Kindergeschrei mit von mir gewählter Musikbeschallung mengen.

Dem Wüten des Sommers setze ich eine wohldefinierte Klarheit entgegen. Der Üppigkeit der Grelle kontere ich mit einem oft leisen, manchmal in eigentümlicher Verträumung ruhenden Sound. Es muss nicht immer ein hüftwackelnder Rhythmus sein, eine auf Sex getrimmte, brütende Aufdringlichkeit. Gerade die Noblesse einer Zeitlosigkeit, die Erfrischung einer Losgelöstheit, eben jene Nuancen fluten inmitten all des schrillen Treibens hervor, wehen die nötige Kühle über den Balkon, beschatten den dösenden Patienten. So jedenfalls verkommt der Sommer zu einer schweißverkrusteten Erträglichkeit.

Great Lake Swimmers – River’s Edge

Colapesce – Niente di più

Gem Club – Sevens (kostenloser Download)

Natureboy – Heart To Fool

The Innocence Mission – The Happy Mondays (kostenloser Download)

Gabby Young & Other Animals – We’re All in This Together

Lanterns On The Lake – Lungs Quicken

Sun Kil Moon – You Are My Sun (Stream)

SomeVapourTrails

Stippvisite – 22/05/10

Schon wieder viel Stoff und so wenig Zeit alles mit Genuss aufzuschnupfen…

Schwedentipp:

Die schwedische Band Symfoniorkestern hatte ich ja bereits in einer Stippviste im April trotz Sprachbarriere uneingeschränkt empfohlen. Und dabei bleibe ich, gerade jetzt erst recht, da eine zum freien Download verfügbare EP namens Den lilla flykten auf der MySpace-Seite der Band wartet, wo man auch erfährt, wie man eine physische Kopie ordern kann. Ich für meinen Teil bin von den Liedern Västra Berga Brinner und Dagar För Dig sehr angetan. (gefunden bei Eardrums)

Vorfreutipp:

Ich hatte ebenso vor 3 Wochen bereits mit Ausrufezeichen mitgeteilt, dass Mark Kozelek mit seinem Projekt Sun Kil Moon im Juli die CD Admiral Fell Promises präsentieren wird. Allerdings hatte ich zu meiner Schande völlig übersehen, dass man bereits eine erste Kostprobe erhaschen darf. Australian Winter besticht durch einen reduzierten Sound und dem bewährt prägnanten Ausdruck Kozeleks. Man darf sich freuen, einfach nur vorfreuen… (erspäht bei auftouren)

Sun Kil Moon – Australian Winter by pitchfork

Entdeckertipp:

The Quarry (2010)

Über Ora Cogan haben ich bereits hier einige Worte fallen lassen. In den vergangen Wochen war sie nun wieder in deutschen Landen unterwegs. Und so komme ich zwar für eine aktuelle Konzertempfehlung zu spät, möchte aber dennoch auf ihr aktuelles Album The Quarry verweisen. Fans von Marissa Nadler werden auch diesem Singsang eine Verzauberung abgewinnen, wenngleich Cogan die Dichte und Entrücktheit von Frau Nadler noch nicht ganz erreicht.  Ein paar Lieder der im Februar erschienen Platte sind hier dem Download preisgegeben.

Hörtipp:

Reflection Eternal – Ballad Of Black Gold by Sneakattackmedia

Es gibt Tracks, die hört man und findet sie stark.  Dazu gehört Ballad Of Black Gold von Reflection Eternal. Das Album Revolutions Per Minute erschien soeben in Deutschland. Wer wirklich feinen Rap mit entspanntem Beat und feinen Samples sucht, wird es lieben. Ich jedenfalls zeige mich enthusiasmiert. (via Blogrebellen Kreuzberg)

Downloadtipp:

Ich suhle mich zwar ab und an in Obskuritäten, aber verfechte nicht die These, dass Musik dadurch an Wert gewinnt, dass sie nur eine Handvoll Menschen hören und für gut befinden. Unbekannte Musiker und Band werden meist berechtigterweise von Hörern mit Ignoranz bestraft. Ausnahmen bestätigen freilich die Regel, das verdeutlicht Zach Lipkins unter dem Alias Rio Blanco mit dem Album  Air Whales. Die feine Electronica-Attitüde klingt unheimlich organisch und mit entspannter Liebe zum Detail ausformuliert. Mit der Grandezza eines Großmeisters wird agiert, einfach absolut fein gemacht. Ich werde das überdurchschnittliche Album nochmals ausführlicher würdigen, heute soll es mit einem Link zum kostenlosen Album-Download getan sein. Weitere Infos gibt es auf dem Label-Blog von analogsoul.

Videotipp:

Club 8 „Western hospitality“ from Labrador Records on Vimeo.

Wir schwanken ja noch ein wenig in der finalen Beurteilung der Scheibe The People’s Record von Club 8. Schlecht ist die Musik keinesfalls, aber ganz tauffrisch auch nicht. Der einfachste Check, ob man sich dem Album annehmen soll, besteht im Ansehen des Videos zu Western Hospitality. Wem der Song gefällt, wird nichts verkehrt machen, der gesamten Platte sein Ohr zu leihen.

Das soll es für heute mal wieder gewesen sein, viel Vergnügen mit den Tipps!

SomeVapourTrails

Stippvisite – 30/04/10

Und wieder einmal haben sich einige Links angesammelt…

Diskutiertipp:

Peter von Schallgrenzen wundert sich über einen Artikel, in dem der Tonspion wieder einmal kräftig schwadroniert – und dabei des Pudels Kern nicht wirklich trifft. Musikblogs per se Verletzung des Urheberrechts vorzuwerfen, legale Quellen als rar zu deklarieren und das eigene, kommerziell betriebene Online-Magazin als Hort der alleinigen Seligmachung anzupreisen, all das ist schon recht verzerrend. Wenn ich mir Mp3-Kategorien von nicht-kommerziellen, bekannten Indie-Blogs wie das klienicum so ansehe, dann sind die Fundgruben Label- und Künstler-Webseiten. Warum soll solch Verhalten nun Labels in den Abgrund stürzen? Im deutschen Raum gibt es viele seriöse Musikblogs, die Labels Tag für Tag mit Herzblut helfen wollen, ohne finanzielle Interessen. Kann man das auch vom Tonspion behaupten? Solch kritische Hinterfragung verdient so ein Eintrag allemal.

Vormerktipp:

Songwriter-Genie Mark Kozelek wird mit seinem Projekt Sun Kil Moon im Juli eine neue CD namens Admiral Fell Promises veröffentlichen. Ein absolutes Muss, ohne Wenn und Aber. Kozelek ist der Gott der gegenwärtigen Vertreter dieser Zunft und wer seinem Song Glenn Tipton einmal gelauscht hat, muss dieser Einschätzung zustimmen. Auch seinen letztes Studio-Album April zeigte den Meister in großartiger Form. Man sollte sich daher den 13. Juli dick im Kalender anstreichen. (via Paste Magazine)

Hörtipp:

Hinter Chapelier Fou verbirgt Louis Warynski, ein französischer Violinist mit ausgeprägtem Faible für Electronica. Das Album 613 erscheint am 30. April 2010 auch in Deutschland. Ein Anhören lohnt sich, ich werde das Album nächste Woche ausgiebiger besprechen. Bis dahin sei auf einen kostenlosen Download verwiesen:

Chapelier Fou – Secret handshake (radio edit) by Ici d’ailleurs

Rechentipp:

Was verdienen Musiker eigentlich so im Online-Dschungel? Wenn man den Zahlen des britischen Blogs Information is Beautiful Glauben schenken darf, dann sind auch Spotify und Konsorten keine Garanten für kräftig plätschernde Tantiemen. Der Eintrag How Much Do Music Artists Earn Online? sollte die Mär des in Saus und Braus schwelgenden Durchschnittsmusikers endgültig ins Reich der Fabeln befördern.

Verlosungstipp:

Unsere Verlosung zweier Alben von Pacific Theater läuft noch, einfach hier einen Kommentar hinterlassen. Die Band ist eine absolute Offenbarung, wie wir ja in den letzten Wochen mehrfach unterstrichen haben.

SomeVapourTrails

500 essentielle Songs der Dekade – Teil 2

Auch dieses Mal wollen wir eine bunte Mixtur an bekanntem und unbekanntem, wichtigem und besonders wertvollem Liedgut vorstellen. Und obzwar Listen immer den Geschmack des Erstellers widerspiegeln, haben wir doch versucht über den Tellerrand zu lugen. So mag ob des Haareraufens nun das eine oder andere davon in der Suppe schwimmen. Dennoch wollen wir uns ans  Servieren machen – umso mehr, da wir der bloggenden Nachbarschaft mit dampfender Terrine und gutem Vorbild voranschreiten. Teil 1 offerierte bereits jede Menge Leckerbissen, jetzt folgt der Nachschlag.

500Tracks(Teil2)

wallofarmsThe Maccabees – Love You Better (2009)

someofmybestfriendsaredjsKid Koala – Skanky Panky (2003)

ghostsofthegreathighwaySun Kil Moon – Glenn Tipton (2003)

kidaRadiohead – The National Anthem (2000)

whateveryouloveyouareDirty Three – I Offered It Up To The Stars & The Night Sky (2000)

keystotheworldRichard Ashcroft – Words Just Get In The Way (2006)

siberiaEcho & The Bunnymen – In the Margins (2005)

championsoundJaylib – Champion Sound (2003)

lostchannelsGreat Lake Swimmers – Everything Is Moving So Fast (2009)

zMy Morning Jacket – Dondante (2005)

Die 10 Lieblingsalben des Jahres 2008 (ausgewählt von SomeVapourTrails)

Das Jahr neigt sich mit Riesenschritten dem Ende zu und wir beginnen nun mit den überfälligen Rückblicken auf schöne und schlimme musikalische Momente des Jahres. 2008 zählt eher zu den Jahren, in welchen sich eben nicht Highlight an Highlight kuschelt. An gruseligen Momenten mangelte es hingegen nicht. Doch werden wir diese in den nächsten Tagen auch noch abhandeln…

1. Silver Mt. Zion – 13 Blues for Thirteen Moons

2. Sun Kil Moon – April

3. Lotte Kestner – China Mountain

4. Portishead – Third

5. Gisbert zu Knyphausen – Gisbert zu Knyphausen

6. Nine Inch Nails – Ghosts I-IV

7. Sigur Rós – Með suð í eyrum við spilum endalaust

8. Travis – Ode To J. Smith

9. xxx

10. Joan As Police Woman – To Survive

Wer sich am Ende des Jahres noch etwas Gutes tun will, soll in die Alben hineinschnuppern. Ich behaupte mal, dass es sicher lohnen wird. Mit Joan As Police Woman ist zum Beispiel mein ganz persönlicher Lieblingstrack des Jahres vertreten: To Be Lonely. Travis wiederum haben ihre Stagnation auf höchstmöglichem Niveau fortgesetzt und mit Before You Were Young ein weiteres Sahnehäubchen draufgesetzt. Gisbert zu Knyphausen hat der maroden deutschen Liedermacherzunft neues Leben eingehaucht und bewiesen, dass Melancholie kitschfrei beschrieben werden kann. Sigur Rós erschufen einen bemerkenswerten leichtfüßigen, sommerlichen Soundtrack, Nine Inch Nails hingegen eine mehr als gespenstische Atmosphäre. Mit einem opulenten Comeback haben Portishead die definitive Wiedergeburt des Trip-Hop eingehämmert und sich selbst übertroffen. Lotte Kestners sperriger, kammermusikalische Abgesang an die Liebe ist der Geheimtipp des Jahres. Sun Kil Moon bedarf keiner weiterer Erklärung, Mastermind Mark Kozelek ist der beste Songwriter der Gegenwart. Bleiben noch Silver Mt. Zion, die mit ihrem bis dato schwächsten Album dennoch ein fulminantes Lebenszeichen von sich gaben und erneut bewiesen, dass sie den Post-Rock letztlich definieren.

SomeVapourTrails

10 Songs, die 2008 überdauern

Jeden Dezember wieder werden wir mit Bestenlisten und Jahresrückblicken vollgedröhnt. Ob unwichtiges Käseblatt oder Mini-Blog, alle werden vom missionarischen Eifer gepackt die Ereignisse des Jahres in viele Schubladen zu packen. Warum also sollte sich Lie In The Sound von der Masse abheben, Tradition negieren?

Heute wollen wir 10 mehr oder minder bekannte Lieder ins Rampenlicht rücken, die 2008 unsere Gehörgänge verschönerten. Die Auswahl freilich ist rein subjektiv, erhebt eben keinen absoluten Anspruch, ist vielmehr von der Hoffnung getragen, dass man mit dieser Meinung nicht ganz alleine steht.

Hier leuchten die Perlen – in willkürlicher Reihenfolge.

Portishead – Magic Doors

Travis – Before You Were Young

The Verve – Love Is Noise

Goldfrapp – Clowns

Joan As Police Woman – To Be Lonely

Sun Kil Moon – Lost Verses

Sigur Rós – Festival

3-11 Porter – Surround Me With Your Love

R.E.M. – Until The Day Is Done

Schöne Songs dabei, nicht wahr? Demnächst werden wir auch die Newcomer des Jahres  und die überflüssigsten Alben des Jahres unter die Lupe nehmen – natürlich wird zum Beispiel AC/DC dort nicht fehlen!

SomeVapourTrails