Schlagwort-Archive: Synthie-Pop

Schlaglicht 19: Farao

Der unter dem Künstlernamen Farao wirkenden norwegischen SingerSongwriterin Kari Jahnsen habe ich in den letzten Jahren schon die eine oder andere Zeile spendiert. Nun freilich scheint das, was lange währt, endlich gut. Es gibt ein Albumdebüt zu vermelden – und dies sogar noch mit konkretem Veröffentlichungsdatum! Im September soll Till It’s All Forgotten das Licht der Welt erblicken. Zwei Tracks der anstehenden Platte zeigen Faraos Qualitäten deutlich auf. Sie vermag die makellose Elfe zu geben, die in einer Mischung aus Folk-Pop und Synthie-Pop sehnend, leidend, fieberhaft und melancholisch lustwandelt. Ihre Songs widerstehen gängigen Mustern, sind Experiment, sind Rätsel, sind Sirenenklang. Bei Bodies etwa dominiert eine verpeilter Rhythmus, der dem Song verquer, verlangend und verschroben tönen lässt. Hier wird Kammermusik – man höre nur die Bläser! – mit einem Synthie-Gewitter überzogen. Schlaglicht 19: Farao weiterlesen

Schatzkästchen 1: lohaus – overwhelm

Viele Songs verlieren sich im Kuddelmuddel der Posts, die auf einem Blog im Laufe eines Jahres so zusammenkommen. Das soll 2015 jedoch ganz anders werden. Tolle Tracks stecken wir fortan ins Schatzkästchen!

In den Flausch gemeißelter Dream-Synthie-Pop, verziert mit der andächtigen Ästhetik von Downtempo, dergestalt bestrickt die belgische Gruppe lohaus. Schatzkästchen 1: lohaus – overwhelm weiterlesen

Endlich Wunderwuzzis? – TV on the Radio

Stell dir, du wärst ein guter Zauberer mit einigen spannenden Tricks und Kniffen. Stell dir weiter vor, dass das Publikum jedoch dermaßen Bauklötze staunt, so als ob du tatsächlich Naturgesetze außer Kraft setzen könntest. Du würdest dir zunächst verhohnepiepelt vorkommen, dann dein Glück kaum fassen wollen und in der Folge sehr entspannt Abend für Abend vor den Vorhang treten. Denn eigentlich hast du nichts mehr zu verlieren, du hast nur eine kleine, feine Illusion gestrickt. Warum bei den Zusehern die Münder gleich Scheunentoren offenstanden, das kannst du dir noch immer nicht erklären. Ungefähr so muss es auch der Indie-Formation TV on the Radio ergangen sein. Der ganze Kritikerkult um die Band beruht ein Stück weit auf einem Missverständnis, dass hier Wunderwuzzis am Werk sind. Dabei waren TV on the Radio seit Bestehen eine bisweilen sehr ordentliche Band, die ganz und gar hochgejazzt wurde. Das wiederum hätte leicht zu übersteigerter Ambition führen können. Die New Yorker dagegen haben sich für den entspannten Zugang entschieden und mit Seeds ein sehr launiges, richtiggehend fröhliches Album vorgelegt, welches in dieser Machart eigentlich nicht dazu taugt, die Musikwelt in den Grundfesten zu erschüttern. Wenn es das dennoch tut, sei es ihm freilich gegönnt.

Endlich Wunderwuzzis? – TV on the Radio weiterlesen

Die neuen Achtziger – The Dø

Ein frankophones Achtziger-Synthie-Dancefloor-Pop-Kuddelmuddel gefällig? Dann sollte man sich schleunigst das Album Shake Shook Shaken des französisch-finnischen Duos The Dø besorgen. Die von ABBA über futuristischen Electro-Soundtrack vergangener Tage bis hin zu gegenwärtigen Protagonisten wie den Chromatics reichenden Einflüsse sind gut gewählt. Die angeschwülte, oft sogar fiebrige Note des Werks beschert ein zum Mitsteppen anregendes Album. Es ist eine angenehm rückwärtsgewandte Platte, die sich durch die Musikgeschichte zitiert und auch darum zum Besten zählt, was uns 2014 an Klängen beschert hat. Vor allem entzückt es als Lebenszeichen aus französischen Breiten. Dabei müssen The Dø gar keinen lasziven Akzent aus der Mottenkiste kramen, um Shake Shook Shaken mit Charme zu verbrämen. Eigentlich scheint der glorreiche French Pop vergangener Dekaden längst vergessen, in der internationalen Wahrnehmung haben französische Acts in den letzten 20 Jahren massiv an Bedeutung verloren. Diese Platte aber trotzt dem Trend!

Die neuen Achtziger – The Dø weiterlesen

Altersstarrsinn lohnt! – Erasure

Erasure sind sehr lebendige Relikte. Ihr überwiegend für den Tanzboden ersonnener Synthie-Pop hat sich in der mittlerweile fast 30 Jahre währenden Karriere als ausgesprochen konsistent erwiesen. Sie sind meist bei dem geblieben, was sie ohrenscheinlich am besten können. Auch als der Zahn der Zeit die großen Chartserfolge weggenagt hat, haben die Herren Andy Bell und Vince Clarke nicht an der eigenen Attitüde gezweifelt. Kontinuität – verbunden mit einer gewissen geistigen Frische – lässt Erasure vergleichsweise gut altern. Bells Organ tönt noch immer glockenklar wie am ersten Tag und auch Clarke sind die zündenden Ideen nicht ausgegangen. Dem mittlerweile 16. Studioalbum The Violet Flame gelingt es somit einmal mehr, leidenschaftlich übers Tanzparkett zu fegen. Viele der Acts von vor 25 Jahren haben das Pferd lange schon totgeritten, dieses Duo hingegen schafft es noch immer, ein Ja zum Leben, weltumspannende Verbundenheit sowie Liebesleid und Liebesfreud zu zelebrieren.

Altersstarrsinn lohnt! – Erasure weiterlesen

Der große Sprung nach vorn – Hundreds

Seit Tagen schon möchte ich darauf hinweisen, dass das Hamburger Duo Hundreds mit ihrem neuen Album Aftermath durch deutsche Gefilde tingelt. Die Geschwister Milner haben 2010 mit ihrem selbstbetitelten Debüt für ein bisschen Indie-Furore gesorgt. Jener entrückte, mit einer ordentlichen Prise Electro gewürzte Pop fand Anklang. Wer dunkler Schönheit zugewandt war, kam damals um das Erstlingswerk nicht herum. Vier Jahre später folgt mit Aftermath nun endlich der Ton und Klang gewordene Beweis, dass Hundreds keineswegs Eintagsfliegen waren. Zwischen balladeskem Piano und elektronischen Becircungen entfaltet sich ein Songwriting, welches zum großen Sprung nach vorn nicht bloß ansetzt, ihn vielmehr mutig vollzieht. So geschieht eine Platte, die sich einerseits im Detail verliert, in zärtlicher Tüftelei ergeht, dabei zugleich mit bestimmtem Strich Lieder vorwärtsspinnt. Solch Entschlossenheit gibt den Songs Seele, lässt sie opulent, charakterfest wirken. Eva Milners Gesang verströmt unantastbares Charisma. Ausdruckskraft trifft bei ihr auf Integrität, dieser Stimme scheint jedwede billige Gefühligkeit fremd. Philipp Milner fällt die angesichts jener geschwisterlichen Präsenz doch recht dankbare Aufgabe zu, mit all den Instrumenten (Piano, Synthies) die Ästhetik weiter auszugestalten, Atmosphären zu verdichten.

Der große Sprung nach vorn – Hundreds weiterlesen

Ätherisch-mausgraue Trance voll Unglück – Lyla Foy

Es gibt so Tage, an denen sich eine junge Frau alle Illusionen abschminkt, an denen die Widerwärtigkeiten des Alltags im Minutentakt auf sie niederprasseln. Wenn in aller Frühe schon die Kaffeemaschine den Geist aufgibt, sie auf dem Weg zur Arbeit wegen irgendeines dahergelaufenen Selbstmörders ewig in einem muffigen U-Bahn-Waggon feststeckt, in der Arbeit vom schmierigen Chef mit Anzüglichkeiten überhäuft und dabei nur so durchs Büro gescheucht wird, weil die Kollegen allesamt krankfeiern, sie am Ende eines üblen Tages schließlich in die leere Wohnung kommt und den geliebten, schon drei Tage abgängigen Kater sehr vermisst. Es gibt so Tage, in denen Frau dem Sein mit Siebenmeilenstiefeln entfliehen möchte. Und wenn Frau stimmliches Talent besitzt, klingt das im Idealfall dann so ätherisch-mausgrau, geschunden-zärtlich, entrückt-leidend wie bei der Londoner Singer-Songwriterin Lyla Foy. Sie träumt sich auf ihrem Debüt Mirrors The Sky in eine sanfte Trance voll Unglück.

Lyla Foy Artist Photo Photo Credit: Veanne Tsui
Photo Credit: Veanne Tsui

Ätherisch-mausgraue Trance voll Unglück – Lyla Foy weiterlesen

Raus aus der Komfortzone der Indie-Konsens-Tracks – Chinese Silk and Videotape

Namen sind Schall und Rauch, besagt eine althergebrachte Weisheit. Diese würde ich jedoch mit Nachdruck beeinspruchen. Denn spätestens seit Google sind Namen die halbe Miete. Man kann noch so ein talentbeseelter Songwriter sein, wenn man vom Schicksal mit dem Namen John Smith gebeutelt wurde, scheint ein Künstlername Pflicht. Bands haben es da naturgemäß leichter. Doch auch einstige Größen wie The Who, The Smiths oder James würden sich dieser Tage zweifelsohne anders benennen. Man ist also gut beraten, einen hervorstechenden Bandname zu wählen. Diese Vorgabe hat die Münchner Formation Chinese Silk und Videotape mit Bravour erfüllt. Erfreulicherweise hat das Ersinnen dieses formidablen Namens nicht alles Hirnschmalz in Anspruch genommen, wie das im Juni erschienene Debüt Exit Direction belegt.

Raus aus der Komfortzone der Indie-Konsens-Tracks – Chinese Silk and Videotape weiterlesen

Subtile Erinnerung – Lightning Dust

Die Fantasie des Menschen ist ein Schutzwall gegen die Wirklichkeit. Musik stimuliert jene Fantasie, sorgt dafür, dass unsere Seele nicht dauernd in Runzeln liegt. Das kanadische Duo Lightning Dust hat ihr mittlerweile drittes Album schlicht Fantasy getauft. Und wenngleich die ästhetische Finesse dieser Platte unser Vorstellungsvermögen zu streicheln vermag, so wirkt der Synthie-Pop samt sacht unterschwelligem Drama in der Stimme doch eher als eine Art Erinnerung an die bittersüße Unschuld der Achtziger. Damals gab es im Glanz der Synthie-Klänge oft auch eine Fiebrigkeit des Sehnens. Lightning Dust ähneln in ihrem Zugang ein wenig an das letztjährige Album Kill For Love der US-Formation Chromatics, wenngleich Fantasy luftiger, reduzierter schwingt. In der Gesamtschau ist es somit ein Werk, welches die Achtziger nicht einfach – wie oft üblich – auf Posertum reduziert.

Subtile Erinnerung – Lightning Dust weiterlesen

Lauschrausch XXIX: Lightning Dust

Mitunter passiert es mir bereits, dass ich ob eines Bandnamens stutze, mich vage zu erinnern vermag. Und wenn sich allmählich die Erinnerung Bahn bricht, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Die letzte Platte der Band habe ich doch reichlich dufte gefunden. Wie schade, dass man nun ewig nichts mehr von der Band gehört hat, denke ich mir. Und dann blättere ich in den Archiven des Blogs und finde tatsächlich einen Eintrag von Januar 2010. Irgendwie doch bereits eine gefühlte Ewigkeit alt! Das kanadische Duo Lightning Dust hat mit dem im Sommer 2009 veröffentlichten Album Infinite Light ein von düsterem Flitter umkränztes Kleinod geschaffen. In wenigen Wochen nun gilt es, das Nachfolgealbum Fantasy gebührend zu bestaunen. Denn wenngleich ich Lightning Dust aus den Augen und Ohren verloren habe, hat doch bereits der erste Vorbote der neuen Platte, der vorzüglich wabernde Synthie-Track Diamond nämlich, mir Amber Webber und Joshua Wells sofort wieder ins Herz geholt. Ich zweifle nicht daran, dass Fantasy ein atmosphärisch dichtes, von Webbers anbetungswürdigem Gesang getragenes Album wird. Das Schöne am Bloggerdasein ist wohl, wenn man wirklich feinen Dingen früher oder später wieder begegnet. Sich in einen wahren, diesmal dauerhaften Lauschrausch stürzen darf! (Auf der Facebook-Seite des Duos gibt es den Song als kostenlosen Download, sofern man Lightning Dust mit einem Like beschenkt.)

Lauschrausch XXIX: Lightning Dust weiterlesen