Schlagwort-Archive: The Jezabels

Schatzkästchen 47: The Jezabels – Come Alive

Dieser heutige Post kommt mit leisem Grummeln in der Magengegend daher. Denn leider hat es sich derzeit eingebürgert, dass ein Album immer öfter mit einem Stück Schicksal angeteasert wird. Kaum ein Pressetext kommt ohne mehr oder weniger dramatische Hintergrundinformation aus, die das künstlerische Werk in einen gewissen Kontext setzen und dadurch auch eine Art Deutungshoheit erlangen möchte. Die Biografie eines Sängers oder einer Band wird auf schicksalhafte Erlebnisse abgeklopft, deren Verarbeitung dann das Werk dominieren. Selbstverständlich ist ein Werk immer auch Produkt der Umstände, die zu seiner Entstehung geführt haben. Aber ein Album muss sich zunächst durch die eigene Qualität legitimieren, ehe das Wie und das Warum für tieferes Verständnis sorgen können. Ein mittelmäßiges Lied wird nicht besser, wenn der Hörer darum weiß, dass während der Aufnahme der Schwippschwager des Tontechnikers über den Jordan gegangen ist. Ein starker Song gewinnt freilich dazu, wenn man die Hintergründe kennt. Als bestes Beispiel dient ein Lied der Tindersticks, über das ich vor wenigen Tagen geschrieben habe.

Heute möchte ich den Song Come Alive der australischen Formation The Jezabels ans Herz legen. Die Band ist aufmerksamen Lesern dieses Blogs fraglos vertraut, bereits mehrfach habe ich in der Vergangenheit über sie geschrieben. Den neuen Track, im November 2015 als Vorgeschmack auf das kommende Album vorgestellt, hatte ich freilich völlig übersehen. Und vielleicht wäre in der überbordenden Newsletterflut auch das für Februar angekündigte Album Synthia untergegangen, wenn nicht eine Promo-Mail die Absage einer für März angekündigten Tour durch Deutschland verlautbar hätte. Schatzkästchen 47: The Jezabels – Come Alive weiterlesen

Indie-Track-Auslese 2014 (Januar/Februar/März) – Teil 1

Hier eine Auflistung einiger Tracks, die wir in den ersten drei Monaten 2014 so gehört und für sehr gut befunden haben. Da sich noch die eine oder andere feine CD des jungen Musikjahres in unseren Regalen stapelt, wird es im April einen Nachklapp zu dieser Liste geben. Für den Moment jedoch gilt: Viel Vergnügen beim Anhören!

Mikko JoensuuLand of Darkness (Finnland) EP: Land of Darkness / Lake of Fire (VÖ: 07.03.2014 auf Fullsteam)

Doug PaisleyIt’s Not Too Late (To Say Goodbye) (Kanada) Album: Strong Feelings (VÖ: 24.01.2014 auf No Quarter)

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Sophomore Slump? Jein! – The Jezabels

Im Englischen existiert der schöne Begriff „Sophomore slump“. Mir will für diesen Ausdruck jedoch keine passende Übersetzung einfallen. Im Kern definiert Sophomore slump eine Krise, die etwa ein Sportler im zweiten Jahr seiner Karriere erlebt oder mit welcher sich ein Musiker beim Zweiftlingswerk konfrontiert sieht. Doch definiert der Begriff auch die Apathie, die einen Studenten befällt, wenn die Euphorie und der Fleiß des ersten Jahres endgültig verfolgen sind. Falls man also an die anfänglichen Erfolge nicht mehr anzuknüpfen vermag, scheint man vom Sophomore slump erfasst. Und was immer ich in den letzten Tagen auch über das neue Album The Brink der australischen Band The Jezabels gelesen habe, mit Kritik wurde keineswegs gespart. Vor zwei Jahren noch vermochte die Formation rund um Sängerin Hayley Mary mit dem Debüt Prisoner für Furore zu sorgen. The Brink dagegen wird mit weniger Schmeicheleien bedacht. Leiden The Jezabels also einem veritablen Sophomore slump? Jein!

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Free Compilation: Dine Alone Records – Holiday Sampler

dine alone

Heiß erwartet, nun endlich angekommen. Das jährliche Weihnachtsgeschenk von Dine Alone Records. Hier bekommen auch Weihnachtsmuffel gehörig auf die Ohren. Mit dabei sind wieder die von uns sehr geschätzten The Jezabels. Eine sehr feine Sammlung, die euch übers Fest hinaus erfreuen sollte.

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Lauschrausch XLIV: The Jezabels

Wir mögen zwar schon vorweihnachtlichen Beschäftigungen frönen, gegen einen kleinen Ausblick auf 2014 ist allerdings nichts einzuwenden. Wenn eine Band, deren Albumdebüt ich vor 2 Jahren als sehr erfrischend wahrgenommen habe, für Februar ein Nachfolgewerk ankündigt, dann ist mir das durchaus jetzt schon ein Frohlocken wert. Lauschrausch XLIV: The Jezabels weiterlesen

2011 – Ein Mixtape der Kleinode

Jahresbestenlisten bereits Anfang Dezember? Nicht mit uns! 2011 ist noch lange nicht durch, es gilt noch viel gute Musik zu entdecken. Aber als besonderen Service bieten wir heute mal ein paar Clips und Streams an, die wir im laufenden Jahr mit Lob versehen haben und ohne groß propagiertes Ranking einfach noch einmal auf unserem Blog erwähnt wissen wollen. Lieder, mitunter noch aus 2010, aber die es erst heuer auf unseren Blog geschafft haben. Aber auch Songs, die 2011 noch keine Veröffentlichung in deutschen Landen erfahren haben und vielleicht auch deshalb zuwenig Aufmerksamkeit bekamen. Tracks eben, die wohl nicht jeder Leser oder Blogger-Kollege auf dem Zettel hat. Aber wenn dem so wäre, bräuchte es uns als Geschmacksinstanz auch nicht.

Evening Hymns – Dead Deer

Dieser Track stammt gar aus dem Jahre 2009, hat dieses Jahr freilich ein offizielles Video spendiert bekommen. Der Clip erinnert an eine andächtigere Version von Goobledigook.

Azure Blue – The Catcher in the Rye

Die erste Single vom soeben erschienen Debüt Rule of Thirds des unter dem Namen Azure Blue wirkenden schwedischen Singer-Songwriter Tobias Isaksson. Wir hatten erst gestern hier darauf verwiesen.

Milk Maid – Not Me

Das auf FatCat Records erschiene Album Yucca mag zwar ein ganz schlimmes Plattencover haben, musikalisch präsentieren sich die Briten Milk Maid jedoch geschmackssicher.

Still Corners – Cuckoo

Wer der Londoner Formation 2011 nicht begegnet ist, der hat die falschen Musikjournaillen gelesen.

mob – Ich träume auch so

Einen intelligenteren Song in deutscher Sprache habe ich 2011 kaum vernommen. Entstammt der selbstbetitelten Platte, die Ende 2010 veröffentlicht wurde.

Computer Magic – Running

Ein toller Track aus 2010,  der in diesem Jahr einen Clip verpasst bekam.

Ohbijou – Niagara

Kanadische Formation, die man sich merken sollte. Die Platte Metal Meets ist Ende September in Nordamerika erschienen, vielleicht gibt es ja noch eine Veröffentlichung hierzulande.

Other Lives – For 12

Die im August auf PIAS erschienen CD Tamer Animals lohnt wegen vieler Tracks, aber For 12 ist der beste.

We Are Augustines – Book of James

New Yorker Band voll hemdsärmeliger Klasse.

Sole and the Skyrider Band – Napoleon (feat Xiu Xiu)

Allein schon der Gast Xiu Xiu bürgt für Qualität. Doch lohnt das Album Hello Cruel World auch wegen anderer Titel.

The Jezabels – Endless Summer

Die australische Formation wird im Frühjahr 2012 ihr Album Prisoner mit ein wenig Verspätung auch in Deutschland (auf PIAS) veröffentlicht sehen.

Tiger Baby – Landscapes

Tiger Baby – Landscapes by Tiger Baby

Aus Dänemark. Synthie-Pop samt heiter gehauchtem Gesang.

Viel Vergnügen mit diesen Kleinoden!

SomeVapourTrails

Release Gestöber 13 (Veronica Falls, The Jezabels, Immanu El)

Mal wieder ein Augenaufschlag in Richtung gegenwärtiger und zukünftiger Veröffentlichungen. Feine Alben, die sich mir so aufdrängen, während ich eigentlich damit beschäftigt bin, über das neue, durch und durch famose Werk von Florence + the Machine ausgiebigst zu staunen. Doch dazu demnächst mehr…

Veronica Falls

Oh, ich kann Twee-Pop leiden. Hab fast gar nichts gegen ein niedliches Frauenstimmchen und sympathische bis kecke Melodien einzuwenden. Jenem quirligen Indie-Pop mangelt es nur selten an Unterhaltungswert, auch weil nur größtmögliche Tollpatschigkeit ein ansprechendes Ergebnis zu verhindern vermag. Eine knuffig lärmende Gitarre, dazu tänzelnde Drums und Tamburingerassel – auf diesem Fundament lassen sich selbst mit überschaubarem Songwriter-Talent nette Lieder bauen. Die Londoner Formation Veronica Falls katapultiert mit ihrem gleichnamigen Debüt (VÖ: 21.10.2011 auf Cooperative Music) das Genre keineswegs in ungeahnte Höhen, beschert aber eine liebliche Kurzweil, an der nichts zu bemäkeln ist. Gutes Songwriting, fluffige Umsetzung und eine untranige Stimme, kurzum eine saubere Leistung ohne Fehl und Tadel. Als Glanzlichter des Albums wären The Box, Misery, Bad Feeling sowie Come On Over zu nennen. Die Band gastiert derzeit in Deutschland, heute in Berlin, das schreit förmlich nach einer zweifelsohne feinen Abendgestaltung! (Mehr zu dem Album findet sich bei AUFTOUREN.DE)

Bad Feeling by Veronica Falls

Come On Over by Veronica Falls

Konzerttermin:

06.11.11 Berlin – Roter Salon

The Jezabels

Australische Bands werden von mir nur selten wahrgenommen, das Land ist für mich ein so weit entfernter, riesiger blinder Fleck mit vielen Kängurus. Unlängst freilich fiel mir eine Band auf, deren Sound mir unheimlich imponiert. Die in Syndney beheimateten The Jezabels haben in der Heimat ihr Debüt Prisoner im September veröffentlicht, dieser Tage nun wird Nordamerika in Angriff genommen und für Frühjahr 2012 ist auf PIAS ein Release hierzulande geplant. Ich prophezeie einen veritablen Erfolg, weil dieser aufgewühlte Rock zu großen Emotionen anschwillt, wohlkalkulierten Höhepunkten zusteuert, sich in Refrains ergeht, in denen die Ohren der Hörer freudig planschen dürfen. Der poppige Track Endless Summer ist nicht zuletzt aufgrund des dazugehörigen Videos mit einer guten Portion Drama behaftet, Trycolour steht für üppigen, unrauchigen Female Fronted Rock, der nicht nur Genre-Fetischisten aus den Socken wirft. Sehr vielversprechend!

Immanu El

Irgendwo im Pressetext zum Album wurde mir die Scheibe In Passage als Post-Rock angepriesen. Nun möchte ich der schwedischen Formation Immanu El durchaus schöne Klänge unterstellen, aber Post-Rock radaut doch weitaus opulenter. Atmet tief ein, bläst ordentlich aus. Wenn man sie also um jeden Preis in dieses Genre sortiert, tut man der Platte damit keinen Gefallen. Denn In Passage steht für ein kontemplatives Werk, welches den Blick in die Weite gleiten lässt, vereinzelte Wolken am Himmel eines kühlen Tages abmisst, und sich doch hauptsächlich den matten Sonnenstrahlen zuwendet. Das Album plätschert im sachtem Takt von Meereswogen dahin, im Fluss atmosphärischen Pops und gedeckten Indie-Rocks. Nur selten türmen sich die Wellen ein wenig höher, doch Kaventsmänner sind weit und breit nicht in Sicht. Das jedoch wäre lediglich dann ein Makel, wenn man seine Erwartungshaltung partout auf Post-Rock versteifen möchte. Der Eröffnungstrack Skagerak erfüllt die Anforderungen noch am ehesten, aber bereits The Treshold ist ein watteweich gesäuseltes Lied von nahezu übermäßiger Entspanntheit.

Immanu El „In Passage“ (2011) by Immanu El

Mitunter nämlich entwickeln sich die Lieder einfach nicht, schwelgen so beschaulich wie schön vor sich hin, glucksen meditativ ans Ufer (While I’m Reaching For You). Ab und an freilich spritzt auch Gischt, beispielsweise bei On Wide Shoulders. Das sind die Momente, wo das Stilleben in Bewegung gerät, dahinschaukelt. Wenn Songs wie Comforting Dawn das behagliche Idyll mit Regung füllen, verdichtet sich die Atmosphäre des Albums. Derart entwickeln Immanu El viel Charme und Flair – auch ohne ausgeklügelte Post-Rock-Attitüde.

In Passage ist am 28.10.11 auf And The Sound Records erschienen.

Konzerttermine:

16.11.2011 Münster Amp
17.11.2011 Bielefeld – Falkendom
22.11.2011 Hannover – Chez Heinz
23.11.2011 Hamburg – Kulturhaus III&70
24.11.2011 Stuttgart – Zwoelfzehn
25.11.2011 Berlin – Lovelite
26.11.2011 Offenbach – Hafen 2
27.11.2011 Lahr – Blue Notes
29.11.2011 Wien (A) – Rhiz
01.12.2011 Augsburg – Lamm Klub
02.12.2011 Dresden – Ostpol
03.12.2011 Olbernau – JUZ Club
17.12.2011 Nyon (CH) – La Parenthèse
18.12.2011 Dornbirn (A) – Kulturcafé Schlachthaus
19.12.2011 Jena – Café Wagner
20.12.2011 Köln – MTC
21.12.2011 Kiel – Schaubude

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