Schlagwort-Archive: The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Schlaglicht 57: The Thing With Five Eyes

Man muss kein ausgeprägter Zyniker sein, um Crowdfunding ausgesprochen skeptisch gegenüberzustehen. Denn im Grunde kann man vor allem mit 3 Arten von Projekten punkten. Da wäre zum einen das nerdige Gadget, welches finanziert werden will. Etwa ein Elektroschockeraufsatz fürs Smartphone. Dann gibt es natürlich auch noch gefühlige Anliegen, die ein mediales beachtetes menschliches Leid lindern wollen oder eine schmalzig inszenierte Selbstfindung unterstützen möchten. Nicht zu vergessen wären freilich künstlerische Unternehmung, das neue Album der Lieblingsband finanziert man doch gern! Aber natürlich hat Crowdfunding auch seine Fallstricke. Je breiter die Gefolgschaft, je aktiver die bespielten Social-Media-Kanäle, desto unkomplizierter gerät die Finanzierung. Diejenigen Musiker, die vielleicht keine Facebook-Zampanos sind, diejenigen Musikerinnen, die nicht zu den begnadeten Twitter-Queens zählen, haben es da schon schwerer. Ein Crowdfunding-Projekt muss nämlich auch erst mal verkauft bzw. erbettelt werden. All das wollte ich nochmals ausdrücklich erwähnt haben, ehe ich nun auf eine aus meiner Sicht starke musikalische Vision hinweise, die man derzeit auf Indiegogo unterstützen kann – und soll!

Wer kennt das nicht? Partnerschaften und berufliche Beziehungen ändern sich im Lauf der Zeit, sodass eine Trennung früher oder später unvermeidlich scheint. Je früher, desto amikaler oder professioneller kann diese verlaufen. Bei Bands ist das nicht anders. Das von mir sehr geschätzte The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble hat heute nach einer gewissen Zeit der Inaktivität seine endgültige Trennung bekanntgegeben. Dieser Schritt kommt nicht überraschend, die Mitglieder hatten schon seit längerer Zeit neue Ambitionen in der Mache. Jason Kohnen etwa tüftelt bereits länger an The Thing With Five Eyes, dessen Debütalbum für Anfang nächsten Jahres avisiert ist. Schlaglicht 57: The Thing With Five Eyes weiterlesen

Geh mit mir durchs düstere Labyrinth, Baby! – The Mount Fuji Doomjazz Corporation

Wäre ich stolzer Besitzer eines Schauerkabinetts, natürlich einer bis in viktorianische Zeiten zurückreichenden, zugleich stark den Surrealismus betonenden Gruselkammer, ja dann wäre auch ich nicht frei von Bedürfnissen. Sogar ich als Sonderling würde mich für ein Date aufhübschen, danach trachten, nette Damen kennenzulernen und sie nach einem gelungenen Abend noch auf ein Getränkchen in die eigene heimelige Bude einzuladen. Und da hätte ich mehr aufzubieten als eine schnöde Briefmarkensammlung! Dazu noch die passende Musik und an der Unvergesslichkeit des Dates bestünden nicht einmal die leisesten Zweifel. Ich würde mich für die neue Platte von The Mount Fuji Doomjazz Corporation entscheiden. Egor ist ein Album, das die Vorzüge der vornehmlich unter dem Namen The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble wirkenden Formation breit unterstreicht, sinister, traumversponnen erschallt, fernab jeglicher Effekthascherei. Egor lässt in Abgründe blicken, kreiert einen stets ein bisschen improvisiert wirkenden, vor Spannung knisternden Soundtrack, der krude Assoziationen diktiert. Und wohl auch jede nicht besonders verquer gestimmte Verabredung eilenden Schritts aus der Bude treibt. Leider!

Wo The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble ihr Schaffen deutlich auf die Komposition ausrichten, das praktizieren, was man so als Nu Jazz bezeichnet, rückt beim Nebenprojekt The Mount Fuji Doomjazz Corporation die avantgardistische Ambient-Note in den Vordergrund. Im konkreten Falle tritt das Experiment hervor, das Kreieren einer undurchsichtigen Stimmung, das Zusammenwirken von traditionellen Instrumenten wie Violine oder Posaune mit elektronischen Effekten. Die Platte gleicht einem tönenden Labyrinth, in das die Musiker den Hörer aussetzen. Der Irrgarten lässt hinter jeder Ecke ein Faszinosum oder Schreckgebilde erwarten. Als einzige Konstante auf dem Weg der Suche stehen Matroschkas in den Gängen, verweisen darauf, dass Egor in Moskau aufgenommen wurde. Dies russische Lamento führt wie ein roter Faden durch das Labyrinth, bestärkt die Unheimlichkeit des Albums mit gespenstischer Melancholie. Gerade einmal 4 Tracks bescheren fast siebzig Minuten Zwielicht, welches unter Schaudern durchwandelt werden will. Wie etwa Стучать кулаком Лестница zur Hälfte an Struktur gewinnt, sich dramatisch aufwallt, zu einer schaurig orchestralen Kakophonie erwächst, das macht ausgesprochene Lust auf Gänsehaut, auf einen subtilen Schrecken, bei dem Haar für Haar zu Berge steht. Herausfordernd tönt космонавт Распутина, weil es 22 Minuten nach Aufmerksamkeit verlangt, sich früh zuspitzt, um im Anschluss wieder behutsam und mit Bedacht durch die Wirrungen der Improvisation zu irren. The Mount Fuji Doomjazz Corporation, allen voran die Masterminds Jason Kohnen und Gideon Kiers, sind Meister der Verstörung, tüftelnde Sucher nach den Klängen, die bannende Bilder erwecken anstatt sie lediglich zu begleiten. Ein Album als Stachel im Fleisch unbewusster Furcht.

Zugegeben, als Platte wird Egor zum Trip ins Ungewisse. Solch Klänge bemalen nicht den Alltag, dieser Sound dämmert in eine vage Finsternis hinein. Es ist die Sorte fordernder Musik, welche sich nicht dazu eignet, bei Kaffee und Kuchen oder in einer auf Wonne getrimmten Mußestunde gespielt zu werden. Und natürlich sollte man mit ihr keine neue, adrett herausgeputzte Bekanntschaft zu umgarnen versuchen. „Geh mit mir durchs düstere Labyrinth, Baby!“ sollte man vielleicht nicht beim ersten Date ausrufen. Wer jedoch die Schattenseite der eigenen Imagination ausloten möchte oder schlichtweg einen fein gestrickten Grusel erfahren will, der muss The Mount Fuji Doomjazz Corporation durch dies gleich einem Schauerkabinett angelegten Labyrinth folgen. Spannender als jedes Stelldichein würde ich meinen!

Egor ist am 23.03.12 auf Denovali Records erschienen.

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SomeVapourTrails

Stippvisite 14/01/12 (Weg mit der Peitsche in unseren Köpfen)

Wenn sich in diesen Tagen die negativen Schlagzeilen gleich Karnickeln vermehren, dann sollte man das Gemüt mit schönen Dingen aufpäppeln. Man läuft in Zeiten der Globalisierung so leicht Gefahr, einen Kursrutsch an asiatischen Börsen persönlich zu nehmen. Jeden Rülpser einer Rating-Agentur als Angriff auf den eigenen Wohlstand zu verstehen. Wir meinen, auf Gedeih und Verderb den wirtschaftlichen Entwicklungen ausgeliefert zu sein. Hören sogar hin, wenn Arbeitgeberverbände die Versklavung der Beschäftigten als Idealzustand benennen. Aber werten wir es doch als zivilisatorische Errungenschaft, dass wir die Peitsche nicht mehr fürchten müssen! Höchstens die Peitsche in unseren Köpfen, die uns auf permanentes Funktionieren trimmt. Und hier hilft die Kunst, schärft Sinne und erfreut, sät Grübelei und Freude. Lenkt von Nebensächlichkeiten ab und fokussiert. So auch heute vorgestellte Musik.

Downloadtipp:

Folk meets Shoegaze, so lässt sich die Philosophie der Band The Nocturnes zusammenfassen. Mit Emma Ruth Rundle, ihres Zeichens auch Gitarristin der Post-Rock-Formation Red Sparowes, hat die Band eine veritable Frontfrau vorzuweisen. Das 2011 erschienene Album Aokigahara ist nicht frei von Längen, besitzt aber einige lauschige und andächtige Momente voll zeitloser Entrückheit. Der unspektakuläre, raffiniert repetetive Titel Love etwa zählt dazu. Natürlich auch der nahezu sakral anmutende Titelsong Aokigahara. Fast ebenso geglückt: The Road mit schön verwobenem Gesang. Diesem als kostenlosen Download auf bandcamp verfügbaren Album sollte man in einer Mußestunde sein Ohr leihen. (via Coast Is Clear)

Livetipp:

Wenn Musik eine ureigene Welt kreiert, die vor Atmosphäre nur so strotzt, sich in Rätseln vertieft, mit fiebrigen Schauern die Sinne weckt, dann sollte man solch Großartigkeit dankbar erlauschen. Im Falle von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble möchte ich nicht müde werden, die Faszination hervorzustreichen, die dieser einzigartige Sound in mir weckt. Wer seinerseits tief in unergründliche Gefilde eintauchen möchte, dem bietet sich mit Live – I Forsee the Dark Ahead, If I Stay eine feine Gelegenheit. Das erste Livealbum der niederländischen Formation liefert eine Werkschau, welche einen guten Eindruck vom bisherigen Schaffen vermittelt, dank zweier unveröffentlichter Tracks auch dem eingeschworenen Fan etwas Neues bietet. Den zwischen 2006 und 2011 in Spanien, Ungarn, Polen, Slowenien und den Niederlanden entstanden Mitschnitten haftet eine beeindruckende Aura an, die jeglicher Beschreiben letztlich doch nur spottet. Daher empfehle ich einmal mehr eine vertiefende Beschäftigung. Live – I Forsee the Dark Ahead, If I Stay ist auf bandcamp als Download verfügbar, bei dem man den Preis selbst bestimmen darf. Dieser muss nicht zwangsläufig 0 Euro betragen! (bei Schallgrenzen gefunden)

Entdeckertipp:

Wer bereits 30 Lenze oder mehr auf dem Buckel hat, wird sich vielleicht an eine Zeit erinnern, als man noch musikalischen Instanzen fernab des Internets folgte, auf die Empfehlung von Musikmagazinen hörte oder dem Verkäufer im lokalen Plattenladen vertraute. Irgendwie sehe ich heutzutage trotz gefühlter Millionen an Musikblogs wenige seriöse Autoritäten, deren eloquent geäußerter Geschmack stets gute Songs garantieren. Eva-Maria vom Polarblog freilich zählt zu den wenigen Ausnahmen. Was sie empfiehlt, beschert oft und öfter Freude. So auch die jüngst ans Herz gelegte finnische Formation Burning Hearts.  Wer dem – laut Eigendefinition – Electro-Folk-Pop lauscht, wird auf das Angenehmste berührt. Beispielsweise vom Song Burn Burn Burn, dem Single-Vorboten des für Februar angekündigten Albums Extinctions. Das Lied offeriert weit mehr als sacht dahin plätschernden, wohltemperierten Indie-Pop, den kein Wässerchen zu trüben vermag. Es hat schlicht und ergreifend zu viel Charme, um in Unscheinbarkeit zu verharren. Auch Into The Wilderness ist sehr gefällig, zeigt, dass Electro-Pop nicht immer als Drohung aufgefasst werden muss.

Burning Hearts: Burn Burn Burn by Solina Records

Into The Wilderness by Burning Hearts

Heute ist nicht alle Tage, demnächst mehr, keine Frage!

SomeVapourTrails

Unsere musikalischen Favoriten 2011 – Ein Zwischenstand und Vorausblick

Es gibt durchwachsene Jahre und grandiose Jahre. Bislang scheint 2011 noch einen schüchtern bescheidenen Eindruck zu hinterlassen, sich nicht voreilig entscheiden zu wollen. Natürlich verstecken sich feine Platten in den Tagen und Monaten des bislang so flugs verlaufenden Jahres. Aber zünftige Paukenschläge, welche das Herz in höchste Sphären katapultieren, fehlen bis dato mehrheitlich. Oftmals wird aus dem vermeintlichen Trommelwirbel dann doch ein Triangelgeklingel. Das gilt insbesondere für Alben, denen ich recht insbrüstig entgegen geharrt habe. Das neue Werk Take Care, Take Care, Take Care der mir ans Herz gewachsenen Post-Rock-Kulleraugen Explosions In The Sky wirkt ansprechend, aber nie völlig geniedurchblitzt. Die über alle Maßen verehrten The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble haben mich mit From The Stairwell zwar überzeugt, leider jedoch nicht derart enthusiasmiert, wie sie es mit ihren Vorgängerscheiben taten.  Ähnliches ließe sich auch über Joan As Police Woman oder The Low Anthem sagen. 2011 verlangt mir also Neuentdeckungen ab, zumal ich mit den gängigen Charts-Stürmern eher wenig anzufangen weiß. Herbert Grönemeyers Schiffsverkehr wirkt auf mich recht lustlos durchgewunken, die Foo Fighters etwa hatten auch schon mal distinktivere Hits im Repertoire. So sind es eben die jüngst aufgespürten Künstler, welche mir die erste Hälfte des Jahres speziell verzuckerten. Ein Ausblick auf demnächst zur Veröffentlichung anstehende Alben verspricht auch für den Rest des Jahres das eine oder andere Glanzlicht. Man darf gespannt bleiben, immer mit einem weit geöffneten Ohr den Neuerscheinungen begegnen…

Album-Favoriten 2011

Erland & The CarnivalNightingale

Joel AlmeWaiting For The Bells

Anna CalviAnna Calvi

Dark Dark DarkWild Go

Susanne SundførThe Brothel

Sin FangSummer Echoes

PapercutsFading Parade

Amon TobinISAM

Juliette CommagereThe Procession

Africa Hitech93 Million Miles

Lieder 2011:

Sin Fang – Two Boys

Sin Fang : Two Boys from morr music on Vimeo.

Low – Try To Sleep


Low – Try to Sleep (OFFICIAL VIDEO) von subpoprecords

Francesca Lago – On My Way Back From The Moon

Finde weitere Künstler wie Francesca bei Myspace Musik

Beady Eye – Wigwam (simfy)

Erland & The Carnival – Wealldie (simfy)

Dark Dark Dark – Something For Myself

Joel Alme – When Old Love Keeps You Waiting (simfy)

White Lies – Bigger Than Us


WHITE LIES – BIGGER THAN US (official music video) von elnino

Pat Appleton – Männer ohne Pferd

Lotte Kestner – Halo

Veröffentlichungsausblick:

Early Day Miners – Night People (VÖ 12.08.2011)
Beirut – The Rip Tide (VÖ 26.08.2011)
Tinariwen – Tassili (VÖ 02.09.2011)
Sóley – We Sink (VÖ 02.09.2011)
Dear Reader – Idealistic Animals (VÖ 02.09.2011)
Ladytron – Gravity The Seducer (VÖ 09.09.2011)
Cant – Dreams Come True (VÖ 09.09.2011)
dEUS – Keep You Close (VÖ 16.09.2011)
Ane Brun – It All Starts With One (VÖ 16.09.2011)
Shimmering Stars – Violent Hearts (VÖ 16.09.2011)
Laura Marling – A Creature I Don’t Know (VÖ 23.09.2011)
Björk – Biophilia (VÖ 30.09.2011)
Dum Dum Girls – Only In Dreams (VÖ 30.09.2011)
DJ Shadow – The Less You Know the Better (VÖ September 2011)
Noel Gallagher’s High Flying Birds – Noel Gallagher’s High Flying Birds (VÖ 14.10.2011)
Still Corners – Creatures Of An Hour (VÖ 14.10.2011)

SomeVapourTrails

SomeVapourTrails und seine 15 Lieblingslieder 2009

Nun da der Dezember sich demnächst den Feiertagen ergibt, die Welt in quietschbunter Seligkeit in ein neues Jahr schunkelt, ist es höchste Eisenbahn, zuvor noch mittels einer Retrospektive das Jahr in die richtige Perspektive zu setzen. Und so komme ich nicht umhin, die meiner Meinung nach besten mir bekannten Lieder der vergangenen 12 Monate zu benennen. Mein Herz schlägt meist für handwerkende Außenseiter, die nicht auf irgendwelchen Wellen künstlerischer Abgehobenheit schwimmen. Und so begründet sich diese Selektion keinesfalls im mantrahaften Wiederholen der Namen aller Kritikerliebkinder. Grizzly Bear, Animal Collective oder Phoenix werden in Bestenlisten gerne genannt – und sind doch in etwa so fesselnd wie ein zerschlissenes Schuhband. 2009 gab es viel zu entdecken.

1. Too Much Time von John Vanderslice

Begründung: Diese schlichte Ballade alles, was ein großer Song benötigt: Einen markanten Refrain und eine eingängige Melodie. Mehr braucht es nicht. Too Much Time ist als kostenloser Download auf der Homepage des Künstlers verfügbar.

2. Darby Crash And Burn Guitars von Eamon McGrath

Begründung: So sieht eine zeitlos-moderne Mischung aus Folk und Rock aus, keine Warmduscherklänge, vielmehr kräftig und deftig.

3. The Longing von Eels

More Eels music on iLike

Begründung: Das Liebeslied des Jahres. Ohne albernes Gesülze oder Verkitschung wird das Wesen von Sehnsucht seziert, in schlichte Worte gepresst und zu einer schmerzhaft-schönen Wahrheit kondensiert.

4. München von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Begründung: Irrlichtern-wabbernde Reise in einen tosend Strom feinster Electronica mit starken akkustischen Elementen.

5. Zumbi von Major Lazer feat. Andy Milonakis

Begründung: So dreckig kann, darf und soll Dancehall gerne öfter klingen. Hier als kostenloser Download erhältlich.

6. Engel von Mariahilff

Begründung: Während sich deutsche Texte meist in permanenter Mittelmäßgkeit wälzen oder gar bemüht intellektuell daherstelzen, haben Mariahilff eine wundersame Poesie erschaffen.

7. Goodbye Rock von Testsieger

Begründung: Wenn es eines Abgesangs auf den Rock bedurfte, der gut 10 Jahre nach Tocotronics Let There Be Rock den Kreis schloss und einer Dekade den Spiegel vorhielt, dann haben ihn Testsieger mit diesem Song ersonnen.

8. You Will Miss Me When I Burn von Soulsavers

Begründung: Natürlich hätte man ebenso den Titel Sunrise in diese Liste aufnehmen können. Doch während Sunrise durch Erhabenheit besticht, ragt bei You Will Miss Me When I Burn schiere Traurigkeit in ewiger Eleganz hervor.

9. Velvet von The Big Pink

Begründung: Die Briten haben nicht nur Flausen im Hirn, neben Unbands wie Franz Ferdinand tummelt sich mit The Big Pink auch eine Band, die es locker mit den legendären Hymnen von Oasis aufnehmen kann.

10. Tricks Of The Trade von Paolo Nutini

Begründung: Mir ist es schleierhaft, warum Nutini mit Quacksalbern wie James Morrison in einem Atemzug genannt wird. Dies folkige Lied ist ein Glanzstück feinsten Songwritings.

11. Change of Heart von El Perro Del Mar

El Perro Del Mar „Change Of Heart“ from The Control Group on Vimeo.

Begründung: Niveauvoller Pop, es gibt ihn noch! Hier gratis erhältlich.

12. Ain’t Gonna Lose You von Brett Dennen

Begründung: Vielleicht der wichtigste Songwriter der nächsten Dekade, in der Tradition eines Paul Simon oder Bob Dylan. Dieses Lied unterstreicht das Potential.

13. You Turn Me Cold von The Slew

Begründung: Turntablism ist kein Schnee von gestern, wie Kid Koala bezeugt.

14. We Do What We Want To von O+S

Begründung: Eine ätherische Stimme, untermalt von einer bezaubernden Melodie.

15. Still von Great Lake Swimmers

Begründung: Selten klang Folk derart erbaulich. Von hymnischer Qualität.

SomeVapourTrails

Nur heute (6.12.09): The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble – Giveaway

ad_noiseam-logo
Gerade ins Postfach geflattert, die Eilmeldung vom Label Ad Noiseam:

Hello,

The giveaway described below is valid only today (Sunday, Dec 6th). You
might want to tell your readers quickly about it:

The Zero Inch digital platform has chosen The Kilimanjaro Darkjazz
Ensemble’s
„Here Be Dragons“ album (Ad Noiseam adn120) as one of the 31
best releases of 2009, and is therefore including it in their December
giveaway.

To celebrate this as well as to remember people to come to the TKDE show
in Berlin this Thursday, only for today (Sunday, December 6th), people
can download a track from „Here Be Dragons“ for free from Zero Inch by
entering the code „4468123913043630“.

People should head on to http://www.zero-inch.com/blog/ to download the
track (and again, the code is 4468123913043630).

More information about the concert on Thursday in Berlin:
http://www.adnoiseam.net/news/dec-10-tkde-in-berlin-de.html

In aller Kürze übersetzt (und zusammengefasst):

Zero Inch hat das Album „Here Be Dragons“ vom The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble’s zu einer der besten 31 Veröffentlichungen des Jahres 2009 gewählt. Aus diesem Anlass gibt’s heute (6. Dez.) und nur heute einen kostenlosen Download auf Zero Inch.

Also… der schnelle Vogel fängt den Wurm (oder so). Schnell hin und viel Spaß damit!

DifferentStars

The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble: Tour + Free Live Tracks

tkdelivetracks

SomeVapourTrails hat hier auf Lie In The Sound ja schon wahre Loblieder auf  The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble gesungen und selbst mir, die ich sonst bei den Genres Electronica, Post Rock und Dark Jazz gerne banausenhaft die Ohren zu klappe, gefällt die Musik sehr. Am 10.12.09 werden wir die Band live erleben und der werte Co-Blogger wird die Herren und Damen zum Interview bitten.

Als Vorgeschmack auf die Tour gibt’s vom sehr feinen Label Ad Noiseam zwei kostenlose Tracks.

Download „Two Live Tracks“.

The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble „Here Be Dragons“ trailer from Ad Noiseam on Vimeo.

The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble „Here Be Dragons“ Teaser from TheKilimanjaroDarkjazzEnsemble on Vimeo.


Live erleben:

10.12.09: Berlin – Maria am Ostbahnhof
12.12.09: Leipzig – UT Connewitz

Lesetipps bei uns:

Review „Here Be Dragons“:
Fata Morgana aus tausendundkeiner Nacht – The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Review „Mutations“:
Verquere Kohärenz – The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Review The Mount Fuji Doomjazz Corporation „Succubus“:
Sinistre Mär aus den Tiefen der Nacht – The Mount Fuji Doomjazz Corporation

Links:

Offizielle Homepage

Kostenlose Downloads auf Ad Noiseam

Gratis-Download von Embers auf Last.fm

DifferentStars

Fata Morgana aus tausendundkeiner Nacht – The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Über den Strudel hypnotischer Stimmungen, welche das Werk von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble durchströmt, habe ich in den letzten Monaten bereits hier und da referiert. Nun ist es an der Zeit, auch das neue, auf dem Label Ad Noiseam erschienene Album Here Be Dragons in den Fokus der werten Leser zu rücken. Diesmal kokettiert die niederländische Formation mit dem Zustand von Träumereien und exotischen Sehnsüchten. Kaum greifbar scharwenzeln befremdlich verlockende Sinneswahrnehmungen in Schwaden durch sorgsam gezimmerte Kulissen, gewähren ein Ab- und Eintauchen in die markante musikalische Vision der Band.

HereBeDragons

Das verstärkte Bekenntnis zu Jazz-Elementen definiert den dominanten Mittelteil der gesamten Platte, reduziert die noch auf der EP Mutations omnipräsenten elektronischen Muster phasenweise ein wenig. Gerade dieser reizvolle Ansatz überzeugt besonders als die ohnehin wie gewohnt hervorragenden Kompositionen. Der Eröffnungstrack Lead Squid hegt und pflegt noch die Tradition eines sich sacht aufbauenden, mit kräftigem Ambient beginnenden und final von Beats und Samples dominierten Electronica-Stücks, zu dessen Opulenz die post-rockig gespielte Gitarre, das verhuschte Gelalle Charlotte Cegarras und die von Hilary Jeffery gespielte Posaune beitragen. Bereits Caravan! verschiebt den Blick auf ein streicherlastiges Trugbild, das vor dem geistigen Auge erscheint, ehe mit Embers einem Ausflug in Trip-Hop-Gefilde Genüge getan wird. Cegarra verdeutlicht hier, wie sehr sich ihr Gesang normalerweise als Teil des Ensembles selbigem unterordnet. Dieses Lied erfährt viel Flair durch ihre Stimme, die inmitten eines dramatischen Soundgewands glockenhell aufschlägt. Der gleich dem anfänglichen Stimmen der Instrumente bei einer Orchesterprobe dissonante Beginn von Sirocco mutiert zu einer düster flirrenden, minimalistischen Beats huldigenden Brise. Auf den eigentlichen Kern von Here Be Dragons mit all der die Scheibe prägenden Exotik und jazzigen Melancholie stößt man bei dem überaus eleganten Mists Of Krakatoa. Sirenenhafte Vocals schmiegen sich an Violine, Cello und Schlagzeug und gestalten eine Atmosphäre der Entrückung. Nahtlos führt Sharbat Gula mit schleppendem Rhythmus die Trance weiter, forciert die Posaune, welche nun virtuos den erzählerischen Part einnimmt. Die meditativen Tracks Samhain Labs und Seneca bedeuten eine letztes verschnaufendes Nachklingen, bevor The MacGuffin sich nochmals zu einem rockigen Klanggewitter steigert, den Weckruf aus der Einlassung auf fein ziselierte Bilder erschallen lässt.

TDKE

Die Fortentwicklung auf hohem Niveau macht Here Be Dragons einmal mehr zu einem Leckerbissen für fortgeschrittene Hörer und solche, die diesen Status zu erlangen suchen. Wäre es erforderlich einen Makel des Albums zu definieren, dann könnte ich am ehesten die fehlenden wabbernden Beats und die frenetische Wucht nennen, die besonders München und Twisted Horizons von der Mutations EP so prägen. Nichtsdestoweniger ist dem The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble mit den Masterminds Jason Köhnen und Gideon Kiers eine hoch interessante Fata Morgana wie aus tausendundkeiner Nacht gelungen, wurde wiederum die surreale Trumpfkarte perfekt ausgespielt und die Düsterheit bisheriger Veröffentlichungen ein Stück weit zurückgenommen. Dem werten Leser sei ein Erlauschen der Platte dringendst empfohlen.

Links:

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Label-Seite mit Hörproben

Kostenlose Downloads auf Ad Noiseam

Gratis-Download von Embers auf Last.fm

SomeVapourTrails

Lasziv-schwüle, kostenlose Downloads von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

TheKilimanjaroDarkjazzEnsemble

Wenn The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble zu Werke schreitet, sind Finesse, Anspruch und vor allem Hörvergnügen immer eine fixe Konstante. Auch das unter dem Namen The Mount Fuji Doomjazz Corporation firmierende Alter Ego der Band betört die Sinne. Dies habe ich schon mehrfach hier und da zum Ausdruck gebracht und will es nimmermüde auch diesmal tun. Grund dafür ist die Veröffentlichung des neuen Albums Here Be Dragons, welches ich in Kürze schwelgerisch durchforsten und auf eben unserem Blog mit liebevollen Argusaugen begutachten werde. Ein erstes Beschnuppern erlaubt der kostenlose Download zweier Tracks und eines Videos, denen man auf der Seite des Labels Ad Noiseam habhaft wird. Der lasziv-schwüle Tenor von Mists of Krakatoa (im Remix von Kava Kon) ist eine einzige sirenenhafte Verlockung, welcher sich selbst der wackerste Eunuch lustvoll hingeben darf.

SomeVapourTrails

Sinistre Mär aus den Tiefen der Nacht – The Mount Fuji Doomjazz Corporation

Wenn den Mitgliedern der in den Niederlanden beheimateten Formation The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble der Sinn nach einer Steigerung der Verquerung steht, erklimmen und entern sie einen weiteren Gipfel und mutieren zu The Mount Fuji Doomjazz Corporation. Unter eben jenem Alter Ego erschien im Juni auf Ad Noiseam die CD Succubus, die als eine Art spontaner Soundtrack zu Jess Francos gleichnamigen (auch unter dem Titel Necronomicon firmierenden), Ende der Sechziger Jahre entstanden Film begriffen werden darf. Und eine spannende Versuchsanordnung scheint es allemal, wenn man zu den irgendwo zwischen Kunst und Schund verorteten, vor Erotik triefenden Bildern eine musikalische Improvisation gestaltet.

Succubus

Tatsächlich rumort die hochgradig fesselnde Atmosphäre über 70 Minuten lang und erschafft eine subtil bedrohliche, oftmals laszive Aura. Der in der Nacht umtriebige weibliche Dämon Succubus beehrt schlafende Menschen, paart sich mit ihnen, nuckelt dabei an deren Lebensenergie. Zurück bleibt lediglich beim Erwachen lediglich die vage Erinnerung an einen feuchten Traum. Eben jene kannibalistische Erotik wird von The Mount Fuji Doomjazz Corporation plastisch vorgeführt. Die aus der Wucht der Bilder inspirierten Klänge spielen perfekt auf der Gefühlsklaviatur des Hörers, evozieren eine Düsterheit, die aus einer beängstigend faszinierenden Stimmung schöpft. Verhuscht lockt von fern Charlotte Cegarras sirenenhafter Gesang, während das scheppernde, omnipräsente Schlagzeug die albtraumhafte Szenerie steuert. Jeglicher Becircung folgt eine schwermütige Wehklage in Form von Hilary Jefferys Posaune. Derart entstehen Klanggemälde, die ein gelungenes narratives Konzept transportieren,  eben nicht nur als Hintergrund-Tamtam auf die Tube der Emotionen drücken, sondern darüber hinaus einen Sog von Lust und Qual lostreten, der als assoziative Bilderflut durchs Hirn prescht.

The Mount Fuji Doomjazz Corporation – Succubus (preview) from Ad Noiseam on Vimeo.

Die unheilvoll erschallende, schwer einordbare Mixtur aus Ambient-Drone-Musik und Jazz-Elementen, welche von den Masterminds Jason Köhnen und Gideon Kiers kreiert wurde, erweist sich als außergewöhnlich. Die sinistre Mär aus den Tiefen der Nacht erwächst zu einem Horror-Trip einprägsamster Momente. Succubus ist mehr als nur ein Appetithappen für das in Kürze erscheinende neue Album des The Kilimanjaro Darkjazz Ensembles. Als Komposition, die extremste Vorstellungskraft provoziert und die Kunstfertigkeit der Improvisation hochleben lässt, begeistert und überzeugt sie völlig.

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Label-Seite mit Hörproben

SomeVapourTrails