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Geh mit mir durchs düstere Labyrinth, Baby! – The Mount Fuji Doomjazz Corporation

Wäre ich stolzer Besitzer eines Schauerkabinetts, natürlich einer bis in viktorianische Zeiten zurückreichenden, zugleich stark den Surrealismus betonenden Gruselkammer, ja dann wäre auch ich nicht frei von Bedürfnissen. Sogar ich als Sonderling würde mich für ein Date aufhübschen, danach trachten, nette Damen kennenzulernen und sie nach einem gelungenen Abend noch auf ein Getränkchen in die eigene heimelige Bude einzuladen. Und da hätte ich mehr aufzubieten als eine schnöde Briefmarkensammlung! Dazu noch die passende Musik und an der Unvergesslichkeit des Dates bestünden nicht einmal die leisesten Zweifel. Ich würde mich für die neue Platte von The Mount Fuji Doomjazz Corporation entscheiden. Egor ist ein Album, das die Vorzüge der vornehmlich unter dem Namen The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble wirkenden Formation breit unterstreicht, sinister, traumversponnen erschallt, fernab jeglicher Effekthascherei. Egor lässt in Abgründe blicken, kreiert einen stets ein bisschen improvisiert wirkenden, vor Spannung knisternden Soundtrack, der krude Assoziationen diktiert. Und wohl auch jede nicht besonders verquer gestimmte Verabredung eilenden Schritts aus der Bude treibt. Leider!

Wo The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble ihr Schaffen deutlich auf die Komposition ausrichten, das praktizieren, was man so als Nu Jazz bezeichnet, rückt beim Nebenprojekt The Mount Fuji Doomjazz Corporation die avantgardistische Ambient-Note in den Vordergrund. Im konkreten Falle tritt das Experiment hervor, das Kreieren einer undurchsichtigen Stimmung, das Zusammenwirken von traditionellen Instrumenten wie Violine oder Posaune mit elektronischen Effekten. Die Platte gleicht einem tönenden Labyrinth, in das die Musiker den Hörer aussetzen. Der Irrgarten lässt hinter jeder Ecke ein Faszinosum oder Schreckgebilde erwarten. Als einzige Konstante auf dem Weg der Suche stehen Matroschkas in den Gängen, verweisen darauf, dass Egor in Moskau aufgenommen wurde. Dies russische Lamento führt wie ein roter Faden durch das Labyrinth, bestärkt die Unheimlichkeit des Albums mit gespenstischer Melancholie. Gerade einmal 4 Tracks bescheren fast siebzig Minuten Zwielicht, welches unter Schaudern durchwandelt werden will. Wie etwa Стучать кулаком Лестница zur Hälfte an Struktur gewinnt, sich dramatisch aufwallt, zu einer schaurig orchestralen Kakophonie erwächst, das macht ausgesprochene Lust auf Gänsehaut, auf einen subtilen Schrecken, bei dem Haar für Haar zu Berge steht. Herausfordernd tönt космонавт Распутина, weil es 22 Minuten nach Aufmerksamkeit verlangt, sich früh zuspitzt, um im Anschluss wieder behutsam und mit Bedacht durch die Wirrungen der Improvisation zu irren. The Mount Fuji Doomjazz Corporation, allen voran die Masterminds Jason Kohnen und Gideon Kiers, sind Meister der Verstörung, tüftelnde Sucher nach den Klängen, die bannende Bilder erwecken anstatt sie lediglich zu begleiten. Ein Album als Stachel im Fleisch unbewusster Furcht.

Zugegeben, als Platte wird Egor zum Trip ins Ungewisse. Solch Klänge bemalen nicht den Alltag, dieser Sound dämmert in eine vage Finsternis hinein. Es ist die Sorte fordernder Musik, welche sich nicht dazu eignet, bei Kaffee und Kuchen oder in einer auf Wonne getrimmten Mußestunde gespielt zu werden. Und natürlich sollte man mit ihr keine neue, adrett herausgeputzte Bekanntschaft zu umgarnen versuchen. „Geh mit mir durchs düstere Labyrinth, Baby!“ sollte man vielleicht nicht beim ersten Date ausrufen. Wer jedoch die Schattenseite der eigenen Imagination ausloten möchte oder schlichtweg einen fein gestrickten Grusel erfahren will, der muss The Mount Fuji Doomjazz Corporation durch dies gleich einem Schauerkabinett angelegten Labyrinth folgen. Spannender als jedes Stelldichein würde ich meinen!

Egor ist am 23.03.12 auf Denovali Records erschienen.

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Sinistre Mär aus den Tiefen der Nacht – The Mount Fuji Doomjazz Corporation

Wenn den Mitgliedern der in den Niederlanden beheimateten Formation The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble der Sinn nach einer Steigerung der Verquerung steht, erklimmen und entern sie einen weiteren Gipfel und mutieren zu The Mount Fuji Doomjazz Corporation. Unter eben jenem Alter Ego erschien im Juni auf Ad Noiseam die CD Succubus, die als eine Art spontaner Soundtrack zu Jess Francos gleichnamigen (auch unter dem Titel Necronomicon firmierenden), Ende der Sechziger Jahre entstanden Film begriffen werden darf. Und eine spannende Versuchsanordnung scheint es allemal, wenn man zu den irgendwo zwischen Kunst und Schund verorteten, vor Erotik triefenden Bildern eine musikalische Improvisation gestaltet.

Succubus

Tatsächlich rumort die hochgradig fesselnde Atmosphäre über 70 Minuten lang und erschafft eine subtil bedrohliche, oftmals laszive Aura. Der in der Nacht umtriebige weibliche Dämon Succubus beehrt schlafende Menschen, paart sich mit ihnen, nuckelt dabei an deren Lebensenergie. Zurück bleibt lediglich beim Erwachen lediglich die vage Erinnerung an einen feuchten Traum. Eben jene kannibalistische Erotik wird von The Mount Fuji Doomjazz Corporation plastisch vorgeführt. Die aus der Wucht der Bilder inspirierten Klänge spielen perfekt auf der Gefühlsklaviatur des Hörers, evozieren eine Düsterheit, die aus einer beängstigend faszinierenden Stimmung schöpft. Verhuscht lockt von fern Charlotte Cegarras sirenenhafter Gesang, während das scheppernde, omnipräsente Schlagzeug die albtraumhafte Szenerie steuert. Jeglicher Becircung folgt eine schwermütige Wehklage in Form von Hilary Jefferys Posaune. Derart entstehen Klanggemälde, die ein gelungenes narratives Konzept transportieren,  eben nicht nur als Hintergrund-Tamtam auf die Tube der Emotionen drücken, sondern darüber hinaus einen Sog von Lust und Qual lostreten, der als assoziative Bilderflut durchs Hirn prescht.

The Mount Fuji Doomjazz Corporation – Succubus (preview) from Ad Noiseam on Vimeo.

Die unheilvoll erschallende, schwer einordbare Mixtur aus Ambient-Drone-Musik und Jazz-Elementen, welche von den Masterminds Jason Köhnen und Gideon Kiers kreiert wurde, erweist sich als außergewöhnlich. Die sinistre Mär aus den Tiefen der Nacht erwächst zu einem Horror-Trip einprägsamster Momente. Succubus ist mehr als nur ein Appetithappen für das in Kürze erscheinende neue Album des The Kilimanjaro Darkjazz Ensembles. Als Komposition, die extremste Vorstellungskraft provoziert und die Kunstfertigkeit der Improvisation hochleben lässt, begeistert und überzeugt sie völlig.

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