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Lie In The Sound präsentiert: 30 Alben, die 2010 bereicherten

Endjahresbestenlisten verkörpern neben dem Geschmack des Erstellers vor allem eine blogpolitische Message: Sie möchten triftige Gründe liefern, warum der Leser auch im kommenden Jahr das eine oder andere Mal dem Blog oder Magazin seine Aufwartung machen soll. Nun kann die Strategie dahinter in der Platzierung bekannter Namen und Alben liegen, welche ins Auge springen und dem Besucher das Gefühl geben, sich auf vertrautem Terrain zu bewegen. Eine andere Verfahrensweise besteht in der Nennung des Obskuren und Außenseiterhaften, was wiederum den Entdeckerdrang des Lesers besonders anregt, zugleich eine Underdog-Romantik bedient. Oder aber der Lister packt die Last der Musikwelt auf seine Schultern, filetiert einen allumfassenden Querschnitt, der sämtliche Genres und Stile berücksichtigt, die nicht ausschließlich von moldawischen Entenzüchterchören betrieben werden. Einfach um seinen Kunden zu suggerieren, dass man musikalisch alles, schlichtweg alles geboten bekommt, was nur irgendwie ein Instrument in den Händen zu halten vermag.

All die aufgezählten Zugänge winken verheißungsvoll. Und würden mir dennoch ein Gähnen entlocken, da der unter die Oberfläche tauchende Leser bereits ohnehin erkannt hat, wie es um die Grundausrichtung des Blogs bestellt ist. Warum also nicht eine Auflistung, welche auch dem, der handverliest, einen Spannungsmoment beschert? Aus besagtem Grunde will ich die 30 Lieblingsalben unseres Blogs, davon wurden ja bereits 10 vor 2 Wochen genannt, nach Provenienz sortieren. Welche Aussagekraft lässt sich aus der Herkunft unserer Favoriten ableiten? Einerseits könnte man ihr Hotspots entnehmen, an den von uns verehrte Musik entsteht. Ein weiterer Zugang würde die Weite unseres Horizont determinieren. Und eine dritte – allgemein gültigere – Betrachtung könnte skizzieren, dass auch in Zeiten des ach so globalen Internets gewisse kulturelle und sprachliche Barrieren dazu führen, dass dem neugierigsten Zeitgenossen – nämlich mir – Musik von ganzen Kontinenten de facto verschlossen bleibt. Doch seien nun ohne längere Umschweife die 30 Platten des Jahres präsentiert:

England

Her Name is CallaThe Quiet Lamb

ScannersSubmarine

RPA & The United Nations of SoundUnited Nations of Sound

Grasscut1 Inch / ½ Mile

BonoboBlack Sands

The Strange Death of Liberal EnglandDrown Your Heart Again

Betty and the WerewolvesTeatime Favorites

Exit CalmExit Calm

Allo Darlin‘Allo Darlin‘

Wales

Tom JonesPraise & Blame

USA

Clem SnideThe Meat of Life

Damien JuradoSaint Bartlett

The PostmarksMemoirs At The End Of The World

Sharon Van EttenEpic


EelsEnd Times

BlockheadThe Music Scene

InterpolBroken Bells

Broken BellsBroken Bells

Island

Pascal PinonPascal Pinon

Schweden

SambassadeurEuropean

Nina KinertRed Leader Dream

JunipFields

Norwegen

Jaga JazzistOne-Armed Bandit

Deutschland

Mardi Gras.bbVon Humboldt Picnic

Get Well SoonVexations

Philipp PoiselBis nach Toulouse

HundredsHundreds

Österreich

Francis International AirportIn The Woods

Kanada

Thee Silver Mt. Zion Memorial OrchestraKollaps Tradixionales

Mali

Ali Farka Touré & Toumani DiabatéAli and Toumani

Welche Blöße gibt sich diese Liste? Außer dem bereits erwähnten Umstand, dass sie ganze Kontinente zu weißen Flecken erklärt, Asien, Australien und Südamerika mangels Angeboten negiert. Weiters enthüllt sie, dass nur eine Handvoll Alben nicht die englische Sprache als Mittel des Ausdrucks wählen. Als zusätzliche Information sei erwähnt, dass uns 11 der 30 Platten aktiv von Promotoren angepriesen wurden, während wir bei 19 selbst schon lange mit dem Fernrohr Ausschau haltend harrten oder Breschen durch den Veröffentlichungsdschungel schlugen, um sie zu entdecken. Von den 30 Interpreten waren 13 darunter, von denen wir zum ersten Male ein Platte erlauschten, 8 davon können sich ihres Albumdebüts rühmen. Die Bandbreite der vertretenen Stile reicht von Post-Rock über Twee, Indie-Rock, Downtempo und ähnlichen elektronischen Spielereien hin zu Pop, Folk und gar World Music.

Natürlich kann man nicht jedes 2010 publizierte Werk in Augenschein nehmen. So lebt die Auflistung auch von schmerzhaften Auslassungen. Die aktuelle Scheibe der Manic Street Preachers fehlt ebenso wie Gisbert zu Knyphausens jüngster Release. Auch Sun Kil Moon blieb noch ungehört oder sogar Fran Healys  Alleingang. Daher bedeutet eine etwaige Absenz keinesfalls, dass wir ein Album verdammen. Xiu Xiu fabrizierte einen der besten Track des Jahres und glänzt doch durch Abwesenheit, ähnliches gilt für Johnny Cashs posthume Auferstehung. Vielen davon wird bei unserer Reihung der besten Songs Gerechtigkeit widerfahren. Für heute jedoch gilt, mögen unsere Lieblinge des Jahres beim Leser auf fruchtbaren Boden fallen.

SomeVapourTrails

Release Gestöber 3

Ich bin ja nicht mehr der Jüngste, deshalb hinke ich den derzeitigen Veröffentlichungen ein wenig hinterher. Ein paar Veröffentlichungen der nächsten Wochen werfen jedoch ihre Schatten voraus. Auf eben jene freue ich mich schon sehr, deshalb habe ich sie hier kurz aufgelistet und auch den einen oder anderen kostenlosen Vorgeschmack beigefügt.

Her Name Is Calla

Ich habe Her Name Is Calla in der Vergangenheit schon gelobt – und nächste Woche wird sich aus Lob Anbetung formen. Dann nämlich findet das neue, am 22.10. auf Denovali erscheinende Album The Quiet Lamb an dieser Stelle epische Beachtung. Ich dope mich bereits jetzt schon, um diesen Tönen dann auch eine sprachliche Deskription zur Seite zu stellen, welche die Magie des Werks zumindest ansatzweise zu erhaschen vermag. Bis dahin soll der Track Condor and River Faszination versprühen.

Condor and River by hernameiscalla

Mardi Gras.bb

Mardi Gras.bb bescherten im Frühjahr mit Von Humboldt Picnic eine Scheibe erster Güte, die ich fraglos zu den besten des Jahres zähle. Am 12.11. kommt eine Extended Version des Albums in den Handel, die Von Humboldt Picnic/Editio Terra Incognita. Wer selbige gerne in seinen Besitz überführen möchte, aber zögert, da er bereits die Standardausgabe der Platte erworben hat, dem sei dieses ungewöhnliche, sehr sympathische Angebot des Labels Hazelwood unterbreitet.

Wer Hazelwood ein Foto mit dem Originalalbum zuschickt, bekommt gegen die Erstattung der Versandkosten die Unlimited Edition zugeschickt. Wow, sag ich da staunend. Details zu dieser einmaligen Aktion finden sich dort.

Nightlands

Im November erscheint auf dem wunderbaren Label Secretly Canadian das Debüt von Nightlands, die Platte trägt den Titel Forget The Mantra. Und ersten Hörproben gestalten sich vielversprechend, der Song 300 Clouds flutet als psychedelisch gefärbte Hymne mit choraler Erhabenheit über den Hörer.  Der Track ist hier als kostenloser und legaler Download erhältlich.

Anika

Es gibt Lieder, die schlichtweg famos sind. Und wenn man dann auch noch erfährt, dass Geoff Barrow (Portishead) als Produzent verantwortlich zeichnet, dann riecht man den Braten förmlich. Anika hat auf ihrem selbstbetitelten Debüt, das am 15.10. auf Invada Records veröffentlicht wird, mit Yang Yang einen richtigen Ohrwurm zu bieten. Und hier gibt es den Track als Gratis-Download.

Anika – Yang Yang by stonesthrow

Wolf People

Über die britische Formation Wolf People informierte ich unsere Leser bereit vor zwei Monaten pflichtgemäß, nun rückt die Veröffentlichung des Erstlings Steeple näher (19.11.).  Da bin ich doch recht erwartungsvoll, denn zumindest der Titel Tiny Circle ist absolut erstklassig. Die ausgepackte Flöte macht diesen Retro-Sound zu einem wahren Gedicht.

The Strange Death of Liberal England

The Strange Death of Liberal England haben ab 22.10. die Platte Drown Your Heart Again anzubieten. Wir werden uns zum diesem Werk noch ausführlich äußern, für heute lassen wir es bei einem Download bewenden. Rising Sea kann hier gratis ergrapscht werden.

Viel Vergnügen mit den Empfehlungen!

SomeVapourTrails