Unsere Lieblingslieder 2016

Nach einer kleinen gesundheitlichen Zwangspause geht es jetzt munter weiter…

Musik ist für die Ewigkeit gemacht. Sie läuft nicht davon. Gerade im Zeitalter digitaler Verfügbarkeit nicht. Es muss wohl diese Erkenntnis gewesen sein, die mich 2016 dazu veranlasst hat, viele – sehr viele – Platten bewusst nicht zu hören. Ich habe noch in keinem Jahr meines Bloggerdaseins mir aus verschiedensten Gründen so viele Alben geliebter Künstler aufgespart. Etwa das Vermächtnis Leonard Cohens, die Trauerbewältigung Nick Caves, und viele mehr. Paul Simons diesjährige Scheibe werde ich erst 2017 so richtig hören, auch The Divine Comedy muss noch warten. Und ob ich je tiefer ins jüngste Werk Radioheads eintauche, wird die Zeit zeigen. Und diese neu gewonnene Seelenruhe soll sich 2017 auch stärker auf dem Blog äußern. Eine Platte verliert nicht an Relevanz, nur weil sie bereits den einen oder anderen Monat oder sogar Jahr am Buckel hat. Natürlich ist mir bewusst, dass sich Promotionfirmen und Labels geballte Berichterstattung ums Datum der Veröffentlichtung wünschen. Das sollen aber Magazine leisten. Ein Blog ist ein Blog – und kein Einmannmagazin. Da sich die Co-Bloggerin und meine Wenigkeit 2016 intensiv in der Flüchtlingshilfe engagiert haben und dieses Engagement nicht abnehmen wird, wird dieser Blog 2017 noch mehr Hobby sein denn je zuvor. Ein Hobby aber, das wir nicht missen möchten. Und nun genug der Vorrede. Hier sind die Lieder, die uns im letzten Jahr über den Weg gelaufen sind. Die uns erfreut und bewegt haben. Unsere liebsten Lieder halt!

1. James – Nothing But Love (Review)

2. Kevin Morby – I Have Been to the Mountain (Review)

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Der Kloß im Hals – Tindersticks

Über den sonoren Bariton des Herrn Stuart A. Staples könnte ich ewig und drei Tage palavern. Und obwohl zum neuesten Werk bereits wunderbare Worte geschrieben wurden, will ich dennoch die Gelegenheit nutzen, Staples nochmals zu würdigen. Über die letzten Jahrzehnte hat er sich nämlich – getragen von seinen Tindersticks – zum Grandseigneur plüschiger Schwermut gemausert. Er verkörpert einen der letzten Romantiker, einen Gentleman britischer Prägung, der nächtens im schummrigen Salon bei einem Glas Wein über Liebe, Leid und Leben brütet. Dabei gibt er weder den Dandy noch den Casanova, er kokettiert ebensowenig mit abgehalftertem Verlierertum. Eher schon zeigt er uns den Geistesmenschen, der an der Macht der Emotion ein aufs andere Mal zerschellt. Oder aber er lässt das sensible Wesen aufblitzen, das von der eigenen Grübelei erlegt wird. Natürlich ist Herr Staples nur ein Teil des Dreigestirns Tindersticks, ein David Boulter und Neil Fraser sollten keinesfalls unerwähnt bleiben. In den letzten Jahren hat sich die Band sogar zu einem fünf Mitglieder umfassenden Ensemble verfestigt. Nichtsdestotrotz ist es jener unnachahmliche Gesang mit all seinen Untertönen, der dieser ohnehin speziellen Formation seinen Stempel aufdrückt. Auch dem jüngsten Album The Waiting Room.

Gerade weil Staples das Aushängeschild der Tindersticks ist, möchte ich zuerst auf den instrumentalen Song Fear Of Emptiness verweisen. Wie großartig gediegen der Sound der Briten ausfällt, wie kammermusikalisch superb die beredten Melodien wirken, all dies rückt ab und an in den Hintergrund. Solch Chamber Pop ist in seiner atmosphärischen Dichte und eingangs geschilderten Ästhetik unerreicht.  Weiterlesen

Schatzkästchen 33: Tindersticks – We are Dreamers!

Die Tindersticks rund um Frontmann und Edelkehle Stuart A. Staples stellen längst eine Institution im gehobenen Alternative-Segment dar. Staples und sein zitternder Bariton sind legendär, dazu werden die Lieder von einer eindringlichen Atmosphäre reflektierter Emotion umgeben. All das resultiert in kammerspielhafter Dichte, die samt und seidig und zugleich bedrohlich tönt. Auch vom für Januar angekündigten The Waiting Room ist nichts Geringeres zu erwarten. Das Album funktioniert la Teil von The Waiting Room Film Project, einer Reihe von Kurzfilmen, die dahingehend angelegt ist, eine Stimmung zu erzeugen, in denen die Lieder der Tindersticks gedeihen können. Mit dem Song We Are Dreamers! liegt nun eine erste Kostprobe vor. Staples wird dabei von Jehnny Beth gesanglich unterstützt, das Duett punktet mit desperater Dringlichkeit. We Are Dreamers! entpuppt sich als famoser Song, dem jedoch ein eher seltsamer Clip zur Seite gestellt wird. Es wäre gar nicht mal schlimm, dass darin nur ein Laster mit Geröll über eine Halde fährt und im Vordergrund eine junge Frau mit zu großen Gummistiefeln in der Gegend herumsteht. Das Motiv wäre sogar reizvoll, jedoch ist die Chose schlecht fotografiert. Die Dimensionen des Lasters werden nie ganz deutlich, zu nah klebt die Kamera an den großen Rädern, zu uninspiriert wird die Verlorenheit der Protagonistin abgebildet.  Weiterlesen

Im Licht des Heute – Tindersticks

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Dementsprechend begeht die britische Formation Tindersticks 2013 ihr 21-jähriges Bestandsjubiläum. Nebenbei brachte sie vor genau 2 Dekaden ihr erste LP heraus und dieser Tage veröffentlicht sie das mittlerweile 10. Studioalbum. Das sind in der Summe zwar eher halbseidene Gründe, aber man glaubt der Band gerne, dass jene windschiefen Jubiläen kein Vorwand für eine zusammengeschustere Platte sind. Across Six Leap Years ist weder Best-of noch neue Songs präsentierendes Werk, es beinhaltet vielmehr neu eingespielte Tracks. Bandmitglied David Boulter erklärt die Umstände wie folgt: „Recording these songs again was not so much about righting past mistakes or inadequacies, but more about the power of now.„. Die Tindersticks wollen demnach bei Across Six Leap Years vergangene Songs im neuen Licht des Heute erstrahlen lassen. Aber inwieweit unterscheidet sich dieses Heute vom glanzvollen Gestern? Zumal der Sänger Stuart A. Staples seit Jahr und Tag ein Garant für einen charismatisch-samtenen Vortrag ist.

Ehrlicherweise sind die Unterschiede zwischen den meisten Versionen marginal. Auch alte Songs wurden keiner Radikalkur unterzogen. Die Band hat die verschiedenen Mosaikteile aus ihrer langen Geschichte bestenfalls ein wenig aufpoliert, zu einem für 2013 stimmigen Sound zusammengepuzzelt, Staples manchmal noch mehr hervorgerückt. Wie diese Auswahl zustandegekommen ist, scheint dagegen zunächst nicht wirklich nachvollziehbar. Drei der zehn Lieder stammen vom zweiten Album der Tindersticks (1995), zwei sind Simple Pleasure (1999) entnommen, Dying Slowly war zuvor auf Can Our Love… (2001) zu hören, ein Track findet sich auf Waiting for the Moon (2003). Als Seltenheit sticht lediglich What Are You Fighting For? hervor, das 2008 nur als Single erschien. Die übrigen zwei Titel dieser Platte hatte Staples zuvor auf seinem Solodebüt Lucky Dog Recordings 03–04 (2005) veröffentlicht. Eine Werkschau ist Across Six Leap Years somit nicht, weil die drei letzten Scheiben allesamt ausgeklammert blieben, auch die Soundtracks zu den Filmen von Claire Denis wurden gänzlich ignoriert. Ebensowenig darf man es als Raritätenkabinett bezeichnen. Wie man es also auch dreht und wendet, als einzig sinnvolles Erklärungsmuster bleibt jenes der Band übrig, die da meint, das Potential manchen Liedes erst heute ausloten zu können. Rechtfertigen solch Nuancen das Tamtam, das ein zehntes Studioalbum zwangsläufig nach sich zieht? Jein.

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Die 10 Neuerscheinungen der nächsten 3 Monate

In Würde junggebliebene Ü30-Musikfans beiderlei Geschlechts dürfen sich in den nächsten 3 Monaten die Hände reiben. Es gibt 10 Neuerscheinungen von nicht eben unbekannten Bands und Musikern zu vermelden. All die Künstler sind keine Backfische mehr, dürfen auf mehrjährige – mitunter sogar mehrdekadige – Karrieren zurückblicken. All diesen Alben ist der Umstand gemein, dass man sie mit zur Schau getragenem Stolz im Plattenregal zuvorderst drapieren kann. Ich habe mir deshalb die Mühe gemacht, ein paar Infos über diese Pflichtkäufe zusammenzutragen.

Pet Shop BoysElectric (VÖ: 12.07.2013 / x2)

electric_cover

Tracklist:

1. Axis
2. Bolshy
3. Love Is A Bourgeois Construct
4. Fluorescent
5. Inside A dream
6. The Last To Die
7. Shouting In The Evening
8. Thursday (featuring Example)
9. Vocal

White LiesBig TV (VÖ: 09.08.2013 / Universal)

bigtv

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Rubine, Smaragde, Amethyste – Tindersticks

Die Schatzkästchen, die man gemeinhin Alben nennt, erwarten nur selten geöffnet und mit funkelndem Inhalt lockend den vor Glanz geblendeten Hörer. Ein pfiffiger Musiker verschließt die Truhe und versteckt den Schlüssel. Und zwar so, dass er gefunden werden soll. Dies erhöht die Spannung, reizt den Hörer, stellt eine vage Belohnung in Aussicht. Die britische Band Tindersticks freilich hat hiermit ein grundlegendes Problem. Die sonore Stimme von Sänger Stuart A. Staples bestrickt über alle Maßen, durchdringt scheinbar anstrengungslos. Staples wahrt stets die Contenance, lässt den Gesang nie den Gefühlen hinterherhecheln. Seine Stimme bleibt markanter Fels in der Brandung des Lebens. Die Existenz vermag daran bestenfalls zu kratzen. Jenes stoisch-warme Organ ragt hervor, zieht magisch an. Im Falle der Tindersticks braucht es also kein Frickeln am Schloß einer vermeintlichen Schatztruhe. Das gilt auch, ja besonders für das neue Werk, The Something Rain.

Photo Credit: Christophe Agou

Eine sachte Grandezza bestimmt den Grundton eines Albums, das sich angesichts des wohltönenden stimmlichen Schmelzes des Sängers keine Sekunde lang in Eskapaden flüchten müsste. Und doch mit dem überlangen Spoken-Word-Titel Chocolate und einem nichtssagenden Instrumentaltrack Goodbye Joe zwei Stücke an Anfang und Ende stellt, die nicht zu den songwriterischen Glanztaten der Formation gehören, den Faktor Staples komplett ausblenden. Falls The Something Rain nicht mit der Tür ins Haus fallen sollte, dann ist diese Zurückhaltung zu gut gelungen. Doch schon ab dem zweiten Song Show Me Everything glänzt und schimmert alles, werden sämtliche Töne zu Rubinen und Smaragden, die Staples quasi mit einem Fingerschnippen über den Hörer schauert. Hier bereiten eine aufblitzende verhallte Gitarre sowie ein hoher, seltsam geschlechtsloser Backgroundgesang die Bühne für seinen denkwürdigen Auftritt. Show Me Everything entpuppt sich als früher Höhepunkt der Platte, als eine fünfminütige Sternstunde, die Zeit und Raum schnuppe werden lässt. In A Night So Still wogt amethysternes Zwielicht vor sich hin, auf einem Teppich aus orgeligem Brokat räkelt sich Staples, schwerzüngig und schwermütig. Quasi als Gegenstück dazu umtänzelt Slippin‘ Shoes den Hörer, defiliert mit einer lässigen, nachgerade von Bläsern getragenen, beschwingten Haltung, übt sich in fatalistischer Gelöstheit. Im Reigen der Lieder nimmt sich Medicine wie eine trübe Perle aus, dessen Lüster fahl bleibt. Dieses Stück lässt den Sänger wohl ganz bewusst alt erscheinen, es kontrastiert die absolute Eleganz, zu welcher die Tindersticks ohne Mühen fähig. Mit Frozen kommen wir zum zweiten, dramatisch getriebenen Highlight von The Something Rain. Es orientiert sich an Drum ’n’ Bass, die Arrangements treten die Flucht nach vorn an, geben dem Gesang die Geschwindigkeit vor. Frozen lässt dazu exaltiert im Hintergrund turnende Bläser los, während Staples ungewohnt desperat tönt, Liebende unter Güterzügen verortet. Doch wird der Hörer noch nicht aus diesem Traum entlassen. Come Inside gibt sich furchtlos existenzialistisch, lässt wohl den lang erwarteten Tod eintreten.

Auch wenn man die Tindersticks nicht allein auf Mastermind Stuart A. Staples reduzieren sollte, so ist doch seine Stimme das absolute Prunkstück. Sie überschattet nahezu alles. Wenn sich noch kongeniales Songwriting dazu gesellt, ist die Formation wahrhaftig brilliant. The Something Rain leuchtet gleich Bernstein, all die Einschlüsse, sämtliche Sprengsel werden vom honigfarbenen Timbre des Sängers umfasst. Das bewirkt endloses Staunen. Welch großer Schatz tut sich hier auf!

The Something Rain ist am 17.02.2012 auf Lucky Dog/City Slang erschienen.

Konzerttermine:

04.03.12 Esch sur Alzette (LUX) – Rockhal
07.03.12 Berlin – Volksbühne
08.03.12 Berlin – Volksbühne
12.03.12 Köln – Gloria
13.03.12 Hamburg – Thalia Theater
15.03.12 Lausanne (CH) – Theatre de L’Octogone
16.03.12 Zürich (CH) – Kaufleuten
17.03.12 Heidelberg – Stadthalle
18.03.12 München – Muffathalle

Links:

Offizielle Homepage

Kostenloser Download von Frozen

 SomeVapourTrails

Eine kleine Albenvorschau für das erste Quartal 2012

Man muss ja Vorsicht walten lassen, wenn man von einer Albenvorschau für das erste Quartal 2012 spricht. Google schnappt diese Worte arglos auf und lotst versehentlich auch Lieschen Müller auf unseren Blog. Und da man sich seine Leser leider nicht aussuchen kann, werde ich auf Verdacht gaaanz laaangsam sprechen. Damit auch der durchschnittliche Internet-Surfer nicht nur Bahnhof versteht. Hier geht es nicht um Vollständigkeit, vielmehr wollen wir unserer Ansicht nach feine Bands und Künstler auflisten, die uns in den nächsten Monaten mit neuen Werken erfreuen. Solche Musiker, auf die man sich seit Jahr und Tag verlassen kann, zumindest aber bereits eine starke Platte im Talon haben. Was wäre Musik ohne die Vorfreude auf kommende Alben geschätzter Künstler. Unter diesem Aspekt verspricht uns das erste Quartal so manche Sternstunden!


The Big PinkFuture This VÖ (Deutschland): 13.01. 2012; Label: 4AD
Vorgeschmack:


The Maccabees  Given To The Wild VÖ (Deutschland): 20.01.2012; Label: Cooperative
Vorgeschmack:


Ani DiFrancoWhich Side Are You On? VÖ (Deutschland) 20.01.2012; Label: Righteous Babe Records


Lana Del ReyBorn To Die VÖ (Deutschland): 27.01.2012; Label: Vertigo Berlin
Vorgeschmack:


Leonard CohenOld Ideas VÖ (Deutschland): 27.01.2012; Label: Columbia
Vorgeschmack:


AIR  – Le Voyage Dans La Lune VÖ (Deutschland): 03.02.2012; Label: Virgin


Sharon Van Etten – Tramp VÖ (Deutschland): 10.02.2012; Label: Jagjaguwar
Vorgeschmack:
Kostenloser Download von Serpents


TindersticksThe Something Rain VÖ (Deutschland): 20.02.2012; Label: City Slang
Vorgeschmack:


Damien JuradoMaraqopa VÖ (Deutschland): 24.02.2012; Label: Secretly Canadian
Vorgeschmack:
„Nothing is the News“ by Damien Jurado by DOJAGSC


The Magnetic FieldsLove at the Bottom of the Sea VÖ (Deutschland): 05.03.2012; Label: Domino Records


Dirty ThreeToward The Low Sun VÖ (Deutschland): März 2012; Label: Bella Union

SomeVapourTrails

Release Gestöber 16 (The Deep Dark Woods, Tindersticks, BADBADNOTGOOD, Zip Tone)

2011 nähert sich dem musikalischen Ende. Jetzt beginnt jedermann, der in diesem Jahr das eine oder andere Album für sich entdeckt hat, schon mal mit dem Bilanzieren. War es ein guter Jahrgang oder doch nur ein Mehr an Altbekanntem? Ich für meinen Teil bin noch heftig am Entdecken und mehr denn je der Überzeugung, dass das, was von führenden Magazinen als das Beste verkauft wird, höchstens einen kleinen Teil dessen widerspiegelt, was sich in musikalischer Hinsicht so auf Erden tummelt. So möchte ich den verbleibenden Wochen des Jahres noch jede Menge feiner Musik vorstellen. Für Bestenlisten ist es zu früh, es gibt noch sehr viel zu entdecken.

The Deep Dark Woods

Beginnen wir doch gleich einmal mit einem Album, welches zweifelsohne zu den besten Platten des Jahres zählt. Wer Folk oder Alternative Country liebt, muss das Album ohne Wenn, ohne Aber, ohne die klitzekleinste Einschränkung verehren. Die kanadische Band The Deep Dark Woods mag in hiesigen Breiten mit Unbekanntheit geschlagen sein, aber man vertraue mir, ich weiß, was ich tue und rate dringendst zur Entdeckung des Albums The Place I Left Behind. Ich werde in den nächsten Wochen noch öfter von dieser Platte schwärmen. Wer seine eigene Jahresbestenliste für 2011 mit einem wirklich feinen Werk aufpeppen möchte, der sollte noch rasch dem Zauber von The Place I Left Behind erliegen.

The Deep Dark Woods – West Side Street by Sugar Hill Records

Tindersticks

Manch tolles Album hört man Monate nach Erscheinungsdatum und erstarrt sofort vor Ehrfurcht. Anderen Platten wiederum darf man voll Vorfreude harren. Zum Beispiel The Something Rain der Tindersticks. Die Band rund um Edel-Stimme Stuart A. Staples wird ihr neuestes Werk am 17.02.12 auf City Slang veröffentlichen. Einen ersten Vorgeschmack liefert das Video zum Song Medicine.

Auch Konzerttermine gibt es bereits zu vermelden:

07.03.12 Berlin – Volksbühne
12.03.12 Köln – Gloria
15.03.12 Lausanne (CH) – Pully, Theatre de L’Octogone
16.03.12 Zürich (CH) – Kaufleuten

BADBADNOTGOOD

Nun zu einem weiteren Album, über welches ich nicht gerade übermäßige Berichterstattung vernommen habe. Wohl auch, weil man in Zusammenhang mit diesem Album das Wort Jazz erwähnen muss. Und dies verscheucht sogar aufgeschlossene Musikliebhaber. Dabei muss Jazz keineswegs das suspekte Laster des kultivierten Mannes in den mittleren Jahren sein. Wenn etwa Jazz auf (instrumentalen) Hip-Hop trifft, wie im Falle des kanadischen Trios BADBADNOTGOOD, dann entwickelt dieser entspannte Sound eine Anziehungskraft, die jedweder Beschreibung spottet. Das im September veröffentlichte Werk BBNG ist ebenso ein Genuss wie das jüngst erschienene BBNGLIVE. Wie die Band Cover neuinterpretiert und kräftig improvisiert, lässt mein musikbesessenes Herz vor Freude hüpfen. Warum die Formation alles als Gratis-Downloads unters Volk bringt, entzieht sich bei dieser Klasse freilich meinem Verständnis.

Auf bandcamp finden sich die Links zu den kostenlosen Alben-Downloads.

Zip Tone

Wir befinden uns ja in der durchaus privilegierten Lage, Alben lange vor Veröffentlichungstermin einfach so unter dem Türspalt durchgeschoben zu bekommen. Da sind musikalische Verbrechen ebenso darunter, wie schlichtweg wundervolle bekannte und unbekannte Künstler. Und manchmal denke ich mir, dass die Ansätze zwar ansprechend scheinen, die Umsetzung jedoch unspektakulär bis mangelhaft wirkt. Zumindest jedoch falsch akzentuiert. Wie im Falle von Zip Tone. Nun bin ich atmosphärischem Pop durchaus aufgeschlossenen, gerne darf auch sirenesk in abgehoben elektronischen Klängen geplanscht oder sogar softem Trip-Hop zugesprochen werden, aber wenn die Chose ab und an in New-Age-Klimbim abtaucht, wurde doch die eine oder andere Chance vertan. Denn prinzipiell schätze ich das Potential von Zip Tone überdurchschnittlich ein. Würde ich das Projekt von Kerstin Leidner als völlig uninteressant einstufen, kämen mir keine Worte über die Lippen. So jedoch möchte ich ein ein paar Zeilen zu dem Album Sandman verlieren.

Das A und O einer feinen Platte ist eine alles überragende Stimme oder schlichtweg virtuoses Songwriting, zumindest aber ein Kompromiss auf guten Niveau. Zip Tone kann eine feine, ätherische Stimme aufbieten, die nur ab und an ein wenig zu gestelzt wirkt, allzu brav tönt. Auch einige der Kompositionen scheinen, wenn man ihnen die hin und wieder übertriebene Entrücktheit verzeiht, durchaus mit Potential versehen. Alone beispielsweise bleibt stimmlich kräftig, wo viele Sängerinnen in hoffnungsloser Fragilität dahinseufzen würden. Dieser Track besitzt fraglos Charme. Auch Autum’s Atmosphere entwickelt sich stetig und kitschfrei, nimmt einen ansprechenden Beat auf, wenngleich die eine oder andere Synthie-Einsprengselung des Guten zuviel ist. Darin steckt eine keineswegs abgenudelte Exotik. Mitunter jedoch klingt die Sache so pathetisch wie beliebig (Falling), leblos wie gezeichnete Fantasy, ein Traumtänzerprojekt. Der gute Track Another Sandman wiederum bleibt gefühlvoll, ohne gleich gefühlsschwanger zu sein. Das Dilemma dieser Scheibe, zwischen künstlicher Ergriffenheit und schön schwebenden Emotionen zu schwanken, führt einmal mehr vor Augen, dass manch ordentliche Grundvoraussetzungen nicht zwangsläufig zu einem sehr guten Ergebnis führen müssen.


zip tone – alone HD-Quality__(c)2010 von zip_tone_music

Zip Tone vermag mit einzelnen Songs zu betören, die Platte selbst überzeugt jedoch nicht. Ein fokussierter Produzenten, der Sandman mehr Understatement sowie subtile Theatralik eingeimpft hätte, wäre für Sandman eine echte Wohltat gewesen.

Sandman ist am 09.12.11 auf Next Vice erschienen.

 

SomeVapourTrails

Release-Gestöber 1

Four Tet Album-Cover

Passend zum Schneegestöber nun hier und heute das kältefreie Release-Gestöber. Da nicht alle Veröffentlichungen der vergangenen und kommenden Tage in gebührender Pracht gefeiert werden können, so will ich euch dennoch die besten, heißesten, bezaubernsten Netzfunde nicht vorenthalten. Die ein oder andere Review wird folgen…

Beginnen wir mit dem neuesten Video der Tindersticks. Black Smoke gibt’s schon seit einiger Zeit als kostenlose Mp3 und Appetizer für das aktuelle Album Falling Down A Mountain nun könnt ihr den Song schön bebildert genießen:

Zwischen fasziniert und immer wieder auch genervt schwankte ich beim Hören des Beach House-Albums Teen Dream. Sehr speziell, sehr eckig und kantig, irgendwie besonders, speziell  hypnotisch  und dann aber auch schwierig. Werter Herr von den Beautifulsounds bitte übernehmen Sie die Lobhudelei 😉

Wunderschön geraten ist die die Version von Walk In The Park, die Beach House jüngst als Teil ihrer Daytrotter Session aufgenommen haben. Nach Registrierung könnt ihr euch die komplette Session auf Daytrotter kostenlos downloaden.

Selten bin ich in so sehr mit Electronica beschallt worden, wie in den vergangnen Wochen. Nach jahrelanger Klangtüftelei veröffentlichen jetzt mit einem Schlag alle Meister der Kunst zusammen ihre Werke. Four Tet, Blockhead, bald folgt Bonobo und so einige illustre Formationen mehr.

Vom aktuellen Four Tet-Album There Is Love in You gibt’s auf betterpropaganda den Song Angel Echoes als gratis Mp3 zu erstehen.

Eine weitere Februar-Kostprobe:

The Brian Jonestown MassacreLets Go Fucking Mental“ vom Album Who Killed Sgt. Pepper? (VÖ: 26.02.10/ Label: A Records)

Auch hier könnt ihr euch die Mp3 auf betterpropaganda kostenlos abholen.

Viel Spaß damit!

DifferentStars

Stippvisite – 22/01/10

Da hat sich so einiges getan in der vergangenen Woche und wir waren zu beschäftigt, dies in gebührender Form auf unserem Blog zu präsentieren. Nachdem das Winterloch seinen jährlichen Dornröschenschlaf übte, damit zum Sommerloch hin alles gut geübt absolviert werden kann, sind nun langsam alle wieder auf dem Urlaub zurück und ein heißes Release jagt das andere. Feinste Musik kannibalisiert sich im Rennen hoch hinauf die Erfolgstreppe stolpernd oder stürmend. Wollen wir hoffen, dass nicht zu viele der verehren Künstler hinunter- und hinausfallen im plötzlichen Releaseprassel, dem kaum Herr zu werden ist.

1.via Richard Ashcroft Homepage

Starten wir mal mit einem dicken Britpop-Brett. Are You Ready – trumpft Richard Ashcroft auf, beweist, dass Totgesagte wie eben jener Britpop länger leben und klingt dabei wie die besseren Oasis. SomeVapourTrails nörgelt ein bisschen, ihm gefallen ja die Balladen des Meisters besser und Are You Ready findet er jetzt eher so vernachlässigenswert. Mir gefällts!

Die Single ist Vorbote auf das Ende März erscheinende Album Redemption – musikalisch firmiert das Projekt unter dem Namen United Nations Of Sound.

2. Schon reingehört – mit gemischten Gefühlen rezipiert: TindersticksFalling Down A Mountain – Review folgt in den kommenden Tagen. Nicorola verrät euch, wo ihr das komplette Album vorhören könnt. Soviel sei jetzt schon von meiner Seite gesagt: Das titelgebende Einstiegsstück find ich sehr nervig, bei Lied Nr. 3 verfall ich jedoch wieder ganz Stuart A. Staples Stimme und tanze im Geiste und auch so verzaubert mit.

3. Noch ein Album-Stream der via Nicorola Hör- und Einblicke in ein mit Spannung erwartetes Release gibt: TocotronicSchall & Wahn. Auf Deezer könnt ihr euch das aktuelle Werk der einstiegen Hamburger Schuljungs zu Gemüte führen.

4.npr music bietet einen weiteren hoch interessante Album-Stream: Beach HouseNorway.Wie hier schon erwähnt, Beach House ist eine der Lieblingsbands von Hope Sandoval, die erste Kostprobe gab’s gratis (bzw. gibt’s immer noch),  mal schaun ob ich mir vom Longplayer zu viel erwartet habe, oder gar himmelhochjauchzend das Duo mit Küssen und Sternen bewerfen werde.

5.  The Sunshine UndergroundNobody’s Coming To Save You. Bedauerlicherweise hat dieses Album noch nicht seinen Weg zu uns gefunden. Aber auch hier gibt’s ne feine Kostprobe nach Email-Abgabe frei Haus

We’ve Always Been Your Friends (Alt Version) könnt ihr euch hier abholen.

The Sunshine Underground – We’ve Always Been Your Friends (Acoustic video)

6. Nicht unerwähnt bleiben dürfen hier natürlich Massive Attack. Via RCRDLBL gibt’s den Girl I Love You (feat. Horace Andy) (She Is Danger Remix) für umme.

In voller Länge anhören könnt ihr euch Heligoland vom 1. bis 9. Februar auf npr music. Schon im vergangenen Jahr hatten Massive Attack auf ihrem Blog angekündigt, einige Tracks, die es nicht auf das Album geschafft haben, nach und nach als Free Download zu releasen. Es lohnt sich also, hin und wieder einen Blick auf ihre Homepage zu werfen.

7. Michael und Julian lästern auf den Kopfhörern über den neuen Song von Amy McDonald und tatsächlich klingt Don’t Tell Me That It’s Over ein bisschen wie ne sehr niedliche Variante der Ver-White Lies-iesierung. Hoffe mal, dass sie nicht jetzt auch noch ihre Hippie-Kleidchen gegen Lack und Leder austauscht und in Britney-Manier düster und böse wird. Ihr Erstlingswerk hat mir gut gefallen, auch wenn die männlichen Musikkenner rummäkeln, ist halt Mädchenmusik.

8. Noch ein Album-Stream via auf ein Neues: The Magnetic FieldsRealism. SomeVapourTrails stöhnt vom Krankenbett aus, noch ein Album, dass es unbedingt zu begutachten und besprechen gilt. Warum nur, kommt immer alles Gute und alles Schlimme auf einmal – kann das Leben nicht mal ein wenig ausgeglichener sein?

9. Zum Abschluss noch ein Blick jenseits der großen Straße. Auf Feld- und Umwegen plückt Benedikt gerne Blumen, die es nicht in prunkenden Flowershops der Fußgängerzonen gibt. Wer sich gern der Melancholie hingibt, wird mit Barzin eine Interpreten für den Soundtrack des Lebens finden.

Barzin _ Leaving Time from vincent moon / temporary areas on Vimeo.

Besprechung und Mp3s findet ihr auf den Schallgrenzen.

DifferentStars