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Unsere Lieblingslieder 2014 – Ein Zwischenstand

Wir haben uns auch dieses Jahr die Ohren wund gehört und so manch Lied hat sich als Balsam für die Gehörgänge entpuppt. Und was wir erst alles (noch) nicht erlauscht und erfühlt haben, weil gut Ding halt Weile braucht und die Zeit ohnehin verrinnt! Nun also zwanzig in loser Unordnung zusammengetragene Songs, die mich und die derzeit schweigsamere Co-Bloggerin in den letzten 6 Monaten bewegt haben.

Andreas DorauReden wir von mir

Begründung: Dorau liefert mit dem famosen Reden wir von mir eine großartige Parodie auf die gegenwärtige Selbstbezogenheit und bewahrt sich dabei eine Naivität, die man einfach knuddeln möchte. (Kurzrezension) [Album: Aus der Bibliothèque / 17.01.2014 / Bureau B]

Mikko JoensuuLand of Darkness

Begründung: Da ich momentan noch zu enthusiasmiert bin, überlasse ich die Einschätzung der werten Eva-Maria vom Polarblog, wo ich auch auf dieses wunderbare Lied gestoßen bin. Sie konstatiert: “Der Track ist ein feines, krautrockig ausuferndes Meditationsstück, dass den üpppigen 70er-Synthiewelten von Vangelis nahesteht. Aber Mikko Joensuu wäre nicht er selbst, wenn der Track nicht in eine Auseinandersetzung mit Glaubensfragen wäre und der liebe Gott mit kindlichem Vertrauen angerufen würde.“ (Hörtipp) [EP: Land of Darkness / Lake of Fire / 07.03.2014 / Fullsteam]

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Die sublime Diva – Tiny Ruins

Gedanken nachhängen, Träume bis ins Detail auskolorieren, dies zu können ist eine Gnade! Im gediegenen Leise voll Fantasie zu schwelgen, mag nur zunächst wenig spektakulär und geradezu aufmüpfig unzeitgemäß scheinen. Doch nichts anderes beherrscht die Neuseeländerin Hollie Fullbrook mit ihrem 2009 ins Leben gerufenen Projekt Tiny Ruins aus dem Effeff. Sie durchdriftet flüchtige Kontemplationen, geht still und trostvoll den kleinen Dingen auf den Grund. Das vor wenigen Wochen veröffentlichte Album Brightly Painted One betört als intimer Chamber-Folk, der die Sinne streichelt und umarmt.

Diese Platte ist von ansprechender Unmittelbarkeit, schon der Eröffnungstitel Me at the Museum, You in the Wintergardens entwirft die Szenerie eines unwirklichen Alltags. „Nobody feels old at the museum/ Nobody feels cold in the wintergardens“ verspricht eine angenehm gestrige, entschleunigte Heimeligkeit, in der sich Gefühle allmählich entspinnen. Tiny Ruins zeichnet sich durch eine feine musikalische Stimmigkeit aus, wenn Fullbrooks Gitarre sacht gestreichelte Becken, ein behutsam brummender Bass und ab und auch Streicher- und Bläsereinsätze oder ein E-Piano umschmeicheln. Die sublime Diva – Tiny Ruins weiterlesen

Release Gestöber 48 (Tiny Ruins, Kalle Mattson, Sofia Talvik, FURA)

Tiny Ruins

Bereits 2012 ließ die Neuseeländerin Hollie Fullbrook mit ihrer Formation Tiny Ruins aufhorchen. Some Were Meant For Sea war eines der schönsten Debüts des Jahres. Damals habe ich dazu notiert: „Dieser Scheibe haftet eine wahrlich seltene Intimität an. Man fühlt sich mit Tiny Ruins allein in einem Raum, während Fullbrook einem ganz sacht und leise Geschichten ins Ohr trällert. Some Were Meant For Sea wirkt durch jene Vertraulichkeit, besticht als Poesie, die jedem einzelnen Hörer persönlich überbracht scheint. Tiny Ruins lebt von dieser Gabe, von Nuancen und kleinen Gesten, welche man sehr bereitwillig und interessiert studiert.„. Nun steht im Mai das Nachfolgealbum Brightly Painted One zur Veröffentlichung an, das im Pressetext der Plattenfirma irgendwo zwischen Dream-Pop and Folk-Blues eingeordnet wird. Weiters verspricht die Vorankündigung üppige Arrangements und „the warm fuzz of hammond and rhodes keyboards, subtle string parts and electric guitar jangles and thrums.„. Doch wenn ich mir die erste Kostprobe Me At The Museum, You In The Wintergardens so anhöre, dann weiß auch die neue Platte mir zärtlicher Reduktion und Intimität zu punkten. Tiny Ruins knüpfen an die lieblichen, leisen Töne des Debüts an. Was für eine erfreuliche Nachricht. Der Mai scheint gerettet!

Brightly Painted One wird am 05.05.2014 auf Bella Union veröffentlicht.

Kalle Mattson

Wenden wir uns nun einem kanadischen Singer-Songwriter namens Kalle Mattson zu, dessen Album mit dem ausgesprochen schönen Titel Someday, The Moon Will Be Gold für März angekündigt ist. Das Werk ist irgendwo zwischen Folk und Indie-Rock beheimatet und als mindestens fantastisch einzuschätzen. Release Gestöber 48 (Tiny Ruins, Kalle Mattson, Sofia Talvik, FURA) weiterlesen

Release Gestöber 35 – Teil 2 (Das Beste 2012 mit Grimoon, Lindi Ortega, Tiny Ruins)

Musikblogger sind wie Kaninchenzüchter. Wenn ein Karnickelexperte einen Rammler im Stall hat, dann will er diesen selbstverständlich Gleichgesinnten voll Stolz vorführen. Auch dem Blogger brennt es auf der Seele, wenn er ein Album bislang unerwähnt gelassen hat. Daher seien kurz nach Jahresende noch ein paar tolle Platten von 2012 mit einem kräftigen, wenngleich späten Ausrufezeichen versehen.

Grimoon

Es gibt Platten, die zu schön für diese Welt sind. Sie wirken viel zu elegant geschnitten, um sich in hektischen Zeiten wie diesen prollig vor dem Hörer aufzubauen und mit mächtigen Kurven Eindruck zu schinden. Die italienisch-französische Formation Grimoon etwa hat mit ihrem im Frühjahr 2012 veröffentlichten Album Le déserteur ein sehr hintergründiges, atmosphärisch dichtes Werk erschaffen. Es weist eine starke chansonesque Note auf, dazu gesellt sich Folk sowie ein wenig Rock. Alles wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, wie es sich für eine subtile Platte auch geziemt! Wer unbrachial übermittelte Botschaften zu schätzen weiß, der wird bei Le déserteur fündig. In der Literatur gehört die Beschäftigung mit vergangenen Gräueln zum guten Ton, auch das europäische Kino hat sich um die Aufarbeitung der Geschichte verdient gemacht. Hier hinkt moderne Musik oftmals hinterher, bleibt hoffnungslos gegenwartsbezogen, verloren in das eigene Ich hofierende Gefühlswelten. Und wenn es mal doch um den Krieg geht, dann wird meist eine die Geschichte der Menschheit ignorierende Naivität zur Schau gestellt. Nun haben Grimoon mit diesem Album das Thema Krieg nicht gedankenschwer seziert, aber sehr wohl eine interessante Facette hervorgehoben. Das Leben nach dem Krieg nämlich. Die Überwindung von Leid wird bei Tango de guerre vorgetanzt, Monument aux déserteurs wiederum taucht in die Gedankenwelt derer ein, die sich dem Kampf verweigerten. Allerdings wird man dieser Platte nicht gerecht, wenn man sie auf ein Thema reduziert. Denn Le déserteur forscht auch nach dem Sinn des Lebens, erkennt, dass man sich bei seinem Leben nicht einfach auf eine GPS-Navigation verlassen kann (Directions). Die Flucht in die Fantasie, die Abkehr von der Realität wird im ebenfalls famosen Song Draw On My Eyes ersehnt.

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