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Free Download: The Wexford Carols

Heute möchte ich dem werten Leser ein echtes Juwel empfehlen. Das letztjährige Album The Wexford Carols bot irische Weihnachtsmusik des 17. und 18. Jahrhunderts, die noch dazu von einem echten Star-Ensemble vorgetragen wurde. Von den Interpreten Caitríona O’Leary, Tom Jones, Rosanne Cash und Rhiannon Giddens sollten zumindest Jones und Cash auch hierzulande keine Unbekannten sein. Wie man den Namen schon entnehmen kann, ging es bei diesem Album also nicht einfach darum, Irish Folk und Weihnachten unter einen Hut zu kriegen. Es ging um Stimmen, die die Seele alter, religiöser Lieder einfangen können. Free Download: The Wexford Carols weiterlesen

Lie In The Sound präsentiert: 30 Alben, die 2010 bereicherten

Endjahresbestenlisten verkörpern neben dem Geschmack des Erstellers vor allem eine blogpolitische Message: Sie möchten triftige Gründe liefern, warum der Leser auch im kommenden Jahr das eine oder andere Mal dem Blog oder Magazin seine Aufwartung machen soll. Nun kann die Strategie dahinter in der Platzierung bekannter Namen und Alben liegen, welche ins Auge springen und dem Besucher das Gefühl geben, sich auf vertrautem Terrain zu bewegen. Eine andere Verfahrensweise besteht in der Nennung des Obskuren und Außenseiterhaften, was wiederum den Entdeckerdrang des Lesers besonders anregt, zugleich eine Underdog-Romantik bedient. Oder aber der Lister packt die Last der Musikwelt auf seine Schultern, filetiert einen allumfassenden Querschnitt, der sämtliche Genres und Stile berücksichtigt, die nicht ausschließlich von moldawischen Entenzüchterchören betrieben werden. Einfach um seinen Kunden zu suggerieren, dass man musikalisch alles, schlichtweg alles geboten bekommt, was nur irgendwie ein Instrument in den Händen zu halten vermag.

All die aufgezählten Zugänge winken verheißungsvoll. Und würden mir dennoch ein Gähnen entlocken, da der unter die Oberfläche tauchende Leser bereits ohnehin erkannt hat, wie es um die Grundausrichtung des Blogs bestellt ist. Warum also nicht eine Auflistung, welche auch dem, der handverliest, einen Spannungsmoment beschert? Aus besagtem Grunde will ich die 30 Lieblingsalben unseres Blogs, davon wurden ja bereits 10 vor 2 Wochen genannt, nach Provenienz sortieren. Welche Aussagekraft lässt sich aus der Herkunft unserer Favoriten ableiten? Einerseits könnte man ihr Hotspots entnehmen, an den von uns verehrte Musik entsteht. Ein weiterer Zugang würde die Weite unseres Horizont determinieren. Und eine dritte – allgemein gültigere – Betrachtung könnte skizzieren, dass auch in Zeiten des ach so globalen Internets gewisse kulturelle und sprachliche Barrieren dazu führen, dass dem neugierigsten Zeitgenossen – nämlich mir – Musik von ganzen Kontinenten de facto verschlossen bleibt. Doch seien nun ohne längere Umschweife die 30 Platten des Jahres präsentiert:

England

Her Name is CallaThe Quiet Lamb

ScannersSubmarine

RPA & The United Nations of SoundUnited Nations of Sound

Grasscut1 Inch / ½ Mile

BonoboBlack Sands

The Strange Death of Liberal EnglandDrown Your Heart Again

Betty and the WerewolvesTeatime Favorites

Exit CalmExit Calm

Allo Darlin‘Allo Darlin‘

Wales

Tom JonesPraise & Blame

USA

Clem SnideThe Meat of Life

Damien JuradoSaint Bartlett

The PostmarksMemoirs At The End Of The World

Sharon Van EttenEpic


EelsEnd Times

BlockheadThe Music Scene

InterpolBroken Bells

Broken BellsBroken Bells

Island

Pascal PinonPascal Pinon

Schweden

SambassadeurEuropean

Nina KinertRed Leader Dream

JunipFields

Norwegen

Jaga JazzistOne-Armed Bandit

Deutschland

Mardi Gras.bbVon Humboldt Picnic

Get Well SoonVexations

Philipp PoiselBis nach Toulouse

HundredsHundreds

Österreich

Francis International AirportIn The Woods

Kanada

Thee Silver Mt. Zion Memorial OrchestraKollaps Tradixionales

Mali

Ali Farka Touré & Toumani DiabatéAli and Toumani

Welche Blöße gibt sich diese Liste? Außer dem bereits erwähnten Umstand, dass sie ganze Kontinente zu weißen Flecken erklärt, Asien, Australien und Südamerika mangels Angeboten negiert. Weiters enthüllt sie, dass nur eine Handvoll Alben nicht die englische Sprache als Mittel des Ausdrucks wählen. Als zusätzliche Information sei erwähnt, dass uns 11 der 30 Platten aktiv von Promotoren angepriesen wurden, während wir bei 19 selbst schon lange mit dem Fernrohr Ausschau haltend harrten oder Breschen durch den Veröffentlichungsdschungel schlugen, um sie zu entdecken. Von den 30 Interpreten waren 13 darunter, von denen wir zum ersten Male ein Platte erlauschten, 8 davon können sich ihres Albumdebüts rühmen. Die Bandbreite der vertretenen Stile reicht von Post-Rock über Twee, Indie-Rock, Downtempo und ähnlichen elektronischen Spielereien hin zu Pop, Folk und gar World Music.

Natürlich kann man nicht jedes 2010 publizierte Werk in Augenschein nehmen. So lebt die Auflistung auch von schmerzhaften Auslassungen. Die aktuelle Scheibe der Manic Street Preachers fehlt ebenso wie Gisbert zu Knyphausens jüngster Release. Auch Sun Kil Moon blieb noch ungehört oder sogar Fran Healys  Alleingang. Daher bedeutet eine etwaige Absenz keinesfalls, dass wir ein Album verdammen. Xiu Xiu fabrizierte einen der besten Track des Jahres und glänzt doch durch Abwesenheit, ähnliches gilt für Johnny Cashs posthume Auferstehung. Vielen davon wird bei unserer Reihung der besten Songs Gerechtigkeit widerfahren. Für heute jedoch gilt, mögen unsere Lieblinge des Jahres beim Leser auf fruchtbaren Boden fallen.

SomeVapourTrails

Nicht aus allen Rohren röhrend – Tom Jones

Wenn ein Künstler, der bereits die eine oder andere Dekade im Showbiz am Buckel trägt, sich plötzlich das Vergnügen gönnt, ein Album aufzunehmen, in welchem lediglich die Liebe zur Musik im Fokus steht und aller unnötige Firlefanz über Bord geworfen wird, dann wittert der Musikkritiker sofort eine Imitation dessen, was Johnny Cash mit seinen American Recordings erschaffen hat. Dass Tom Jones mit seiner neuen Platte Praise & Blame nicht länger die Sex Bomb gibt, nicht um jeden Preis den neuesten Trends nacheifert, schlichtweg ein zeitlos bluesiges Werk fabrizieren wollte, welches auch thematisch nicht den senilen Womanizer hervorkehren sollte, darf man ihm nicht zum Vorwurf machen. Aber vermutlich tun sich Kritiker mit altersweisen, gerne auch religiösen Scheiben unter anderem deshalb schwer, weil der durchschnittliche professionelle Rezensent in seinen 30ern eine aufkeimende Midlife Crisis nicht auch noch musikalisch anheizen möchte. Zumal Gospels und Spirituals von einem Gott künden, den man heute lediglich noch als Statisten in skandalgebeutelten Kirchen verortet. Deshalb verschanzen sich Kritiker hinter zwei Bewertungsmustern. Loben ein solches Album, weil es all die gegenwärtigen Gebote des Business negiert und eine Ernsthaftigkeit absondert, oder belächeln die Chose als Indiz dafür, dass der Künstler seine Identität aufgibt und die finale Absolution für sein bisheriges Schaffen zu erhaschen sucht. Was bietet sich als Buße besser an als spartanisch instrumentierte Traditionals?

Gerne wird dabei außer Acht gelassen, dass die Greise unserer Tage nicht mit den Liedern der Beatles aufgewachsen sind. In ihrer Jugend tatsächlich noch unverwässerte und weniger kommerzialisierte Lieder hörten und nachsangen und vielleicht eben deshalb althergebrachte Stile vor der Verpopung kannten. Unter diesem Aspekt erscheint auch Tom Jones authentisch, wenn ihm der Blues in der Seele brennt und er statt Glitzer und Glamour Gott anbetet. Zu den Highlights von Praise & Blame gehört zweifelsfrei das gedämpfte, reflexionsreiche What Good Am I?, das beweist, dass der Interpret Jones beileibe nicht aus allen Rohren röhren muss, um Ausdrucksstärke zu demonstrieren. Auch John Lee Hookers Burning Hell ist hier in guten Händen. Wieviel Intensität ein schlichtes Gitarrenriff und ein kräftiges Schlagzeug doch aufbieten können! Und doch treten sie in den Schatten des  omnipräsenten Sängers. Auch Nobody’s Fault But Mine gerät zur schönsten Coverversion des Traditionals seit sich Nina Simone dem Lied angenommen hat. Ob Rockabilly (Strange Things) oder die Country-Ballade (If I Give My Soul), alles klingt überzeugend stilsicher.

Photo Credit: Marco Grob

Wenn am Ende Ain’t No Grave ertönt, hat man die schnarrige, bestechende Interpretation des seligen Johnny Cash noch frisch im Ohr. Trotzdem schneidet Tom Jones sehr gut ab – auch bei Run On, welches man als God’s Gonna Cut You Down ebenfalls untrennbar mit Johnny Cash verbindet. Dieser Blues-Rock zeigt den walisischen Tiger so lebendig wie lange nicht mehr, macht aus einem lüsternen alten Sack einen mit Gott, der Welt und vor allem sich selbst ringenden Zeitgenossen, der eben diese Befindlichkeit mit dem speziellen Timbre seiner Stimme stets über bloße Routine hinausgehend wiedergibt. So achtbar und wacker wie sich Tom Jones auf Praise & Blame schlägt, wünscht man noch weitere solch sehr gelungener Scheiben. Die Fans vermögen den vermeintlichen Anflug von Altersreife richtig zu deuten, Musikjournalisten entlarven ihre engstirnigen Interpretationen ohnehin.

Links:

Offizielle Homepage

Kostenloser Download von What Good Am I?

SomeVapourTrails

Praise & Blame – Neues von Tom Jones

Ich glaube ja daran, dass ich nicht jede der gefühlten Tausenden von Newsmeldungen, die so tagtäglich in mein Postfach prasseln, auch tatsächlich an den werten Leser unseres Blogs weiterreichen muss. Wenn ich es tue, dann will ich damit die Freude über die gute Nachricht teilen. In vorliegendem Falle gestehe ich gerne mein Faible für Tom Jones. Ich erinnere mich noch gut daran, dass die elterliche Plattensammlung auch mit einem Album von The Tiger bestückt war und ich seiner Stimme und der energiegeladenen, gerne auch dramatischen Art des Vortrags bereits als kleiner Bengel andächtig lauschte. Es gibt Sänger, die mehr als nur ordentlich tönen, und es gibt Tom Jones mit seinem unvergleichlichen Organ.

Wenn nun am 23. Juli das neues Album Praise & Blame des walisischen Ausnahmekönners erscheint, dass bin ich bereits jetzt voll der Vorfreude. Nicht zuletzt deshalb, weil mich die Ballade What Good Am I? jetzt schon sehr begeistert. Auch wenn Tom Jones gestern 70 Jahre alt geworden ist, an seinem Timbre hat der Zahn der Zeit kaum genagt. Wie schön und vielversprechend!

Link:

MySpace-Auftritt mit Hörproben

SomeVapourTrails