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Top Of The Blogs 2012 – Die Alben des Jahres

Auch dieses Jahr wurde die deutsche Musikblogosphäre zu den Highlights des Jahres 2012 befragt. Erste Resultate sind auch schon durchgesickert. Sie zeigen, dass man auch 2012 triftige Gründe finden konnte, keine – oder eben sehr ausgewählte – Musikblogs zu lesen. Mit den Japandroids gibt es auch die für solch eine Aktion passende Nummer 1, Celebration Rock ist eine so lärmige wie langweilige Konsensplatte, der man außer Reizlosigkeit wirklich nichts vorwerfen kann. The xx sind eine zweifelsohne sehr gehypte Formation, unter diesem Aspekt ist auch Platz 2 für Coexist keine Überraschung. Zumal wahrlich Legionen üblerer Bands existieren. Ebenfalls auf dem Treppchen darf man Lana Del Rey (Born To Die) begrüßen. Hier haben die Teilnehmer der Umfrage tatsächlich Mut bewiesen und sich nicht in die snobistische Schmollecke zurückgezogen. Es ist sehr leicht bei Lana Del Rey von Kommerz und Mainstream zu sprechen, noch mehr kann man an dem aufgebauten Image herumnörgeln. Aber so wie Indie kein Qualitätssiegel bedeutet, stellen auch Chart-Erfolge kein Ramschkriterium dar. Fakt ist, dass Lana Del Rey der erste echte, talentbeseelte Popstar seit mindestens einer Dekade ist. Auf den weiteren Plätzen finden sich neben den üblichen Verdächtigen (Grizzly Bear mit Shields) natürlich auch musikalischer Schrott wie Tame Impala. Lonerism ist Hipster-Kost der übleren Sorte. Als Lichtblick auf den hinteren Plätzen der Top 10 stellen sich Godspeed You! Black Emperor mit ‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend! ein. Diese Platte betreibt einen gewaltigen Aufwand, um nur ja nicht verstanden zu werden. Das daraus resultierende Mysterium nötigt denen, die es nicht begreifen, oft Respekt ab. Zurecht, wie ich meine! Wie immer gilt, dass Geschmäcker sehr verschieden sind und Schnittmengen mitunter nur die kleinsten gemeinsamen Übel bedeuten. Unter diesem Gesichtspunkt muss man auch die meisten Alben des Jahres 2012 von Top Of The Blogs einschätzen.

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Lie In The Sound präsentiert: Die 10 besten Alben des Jahres

Heute wollen wir unser geschmackssicheres Füllhorn ausgießen und nach langem Grübeln die 10 besten Alben des Jahres kundtun. Wir haben das ganze Jahr über viele wirklich gute Platten erlauscht und manchmal auch besprochen, mit Sicherheit versteckten sich leider auch viele feine Werk im Gewimmel der Veröffentlichungstermine. Alben sind wie Menschen, die wirklich penetranten, aufdringlichen, anmaßend jovialen bekommen weit mehr Aufmerksamkeit, während die bescheidenen wie begabten Geister im Hintergrund bleiben. Unsere Taschenlampe jedoch leuchtet besonders die hintersten Winkel der Musikszene aus, überschweifen dabei jene, die sich allzu beharrlich Indie auf die Stirn tätowiert haben. Aber sogar manch Rabauke oder bärbeißige Zeitgenosse aus der ersten Reihe verdient Anerkennung, fährt gegenüber geschniegelten Mainstream-Fratzen die Ellbogen aus. Wir hören sie alle, erhören nur einige. Die Welt mag gaga sein, wir sind es jedoch nicht, so erklärt sich unsere Selektion.

1. Her Name is Calla – The Quiet Lamb

Und eben jene Vielschichtigkeit spottet jeder Beschreibung, macht mich ratlos, mit welchen Worten ich empfehlen soll, was doch für sich selbst spricht, wenn man nur das Wagnis eingeht, dieses Album anzuhören. Und ja, das sollte man um jeden Preis tun, wenn man die heiligen Momente der Musik zu ergründen wünscht. (Mehr hier)

2. Clem Snide – The Meat of Life

The Meat of Life erfüllt alle Anforderungen, um als wahres Kleinod den Liebhaber tief- wie eingängiger Musik zu erfreuen. Eine sanfte Melancholie paart sich mit Ironie, zeitlos warme, wunderbar altmodisch umgesetzte, niemals sterile Melodien bestechen. (Mehr hier)

3. Sambassadeur – European

Neben extrovertiertem Pop gibt’s natürlich auch ruhige Seelenschmeichler auf der Platte wie den Track Albatross. Eingängiges Songwriting paar sich hier mit dem charmanten Vortrag von Anna Persson. Zurecht im englischsprachigen Feuilleton gefeiert, zu Unrecht im deutschsprachigen Raum übersehen/unterschätzt, bleibt mir nur ein Fazit: Unbedingt hören, kaufen, lieben! (Mehr hier)

4. Jaga Jazzist – One-Armed Bandit

Eine Platte, die Jazzfunk mit dem hehren Wesen des Minimalismus durchmengt, eine CD, welche fast schon verschwenderisch mit der Verwendung von Instrumenten umgeht und dabei doch ein harmonisches Gesamtwerk kreiert, bei dem jeder Mosaikstein am richtigen Platz liegt, exakt so zeigt sich One-Armed Bandit. (Mehr hier)

5. Damien Jurado – Saint Bartlett

Nie war Damien Jurado zwingender, nie die Harmonie von Musik, Lyrics und Vortrag vollkommener als auf Saint Bartlett. Man vermag sich schwerlich eine Steigerungsmöglichkeit ausmalen. Die Grazie des Werks schwillt in all dem Sehnen, Trauern, Leiden, Suchen und Hoffen zu einer majestätischen Wucht an, welche das tiefste Innere des Hörers in schönste Aufruhr versetzt. (Mehr hier)

6. Scanners – Submarine

Nicht ganz so wütend wie Emily Haines, dafür aber mit der Laszivität der ravonetteschen Sharin Foo darf sich Sarah Daly mit den Scanners spätestens nach dem zweiten Album zur ersten Riege der “Female fronted”-Bands zählen. (Mehr hier)

7. Mardi Gras.bb – Von Humboldt Picnic

Was nun bekränzt Von Humboldt Picnic – abgesehen von der qualitativen Hochwertigkeit? Wohl auch der Umstand, dass Mardi Gras.bb aus Deutschland kommen, das gesamte Ensemble um Mastermind Doc Wenz aber mit der Finesse kosmopolitischer Musik-Koryphäen agiert. So darf diese Expedition in aller Herren und Frauen Länder als hochgradig gelungen erachtet werden. (Mehr hier)

8. The Postmarks – Memoirs At The End Of The World

So wie die Wunderwaffe der Postmarks in jedem Moment die Fähigkeit ihrer Sängerin ist, immer die Gratwanderung zu meistern, zwar lieblich und betörend, nie aber überzuckert zu klingen. Ein Balanceakt, der nur wenigen Interpretinnen gelingt. Ihre Bandkollegen Jonathan Wilkins und Christopher Moll verschaffen die perfekte musikalische Kulisse, vor deren Hintergrund Tim Yehezkely als Hauptdarstellerin zwischen Opfer, Heldin und Schurkin agiert. (Mehr hier)

9. RPA & The United Nations of Sound – United Nations of Sound

Das Schlechteste an dieser Platte ist der Bandname, welchen Richard Ashcroft für sein neues Vehikel gewählt hat. Denn sonst besticht United Nations of Sound als zutiefst schmissige Platte, die ordentlich Rabatz macht und sich zugleich eine vertraute erhabene Opulenz gönnt. (Mehr hier)

10. Get Well Soon – Vexations

Konstantin Gropper vermochte mit Vexations seinen Ruf als Wunderkind zu zementieren. Anspruchsvoller, more sophisticated kann Pop nicht klingen – und freilich auch kaum besser.

Und weil es mit diesen 10 Alben nicht getan ist, die Regeln von Top of the Blogs aber genau dies vorsehen, noch dazu eine Reihung verlangen,  werden wir demnächst weitere Werke nachreichen, die diese Ehre nur knapp verpasst haben.

SomeVapourTrails

Flop of the Blogs 2010?

Nun gut, wenn ich 5 und 5 richtig zusammenzähle, wird die diesjährige Ausgabe von Top of the Blogs ein regelrechtes Spektakel. Martin von Vinyl Galore scheint mit seinem Appell zur Teilnahme auf sperrangelweit geöffnete Ohren gestoßen zu sein. Und so darf bis 18.12. jeder Blogger, der das Wort Musik schon einmal ohne h in der Mitte geschrieben hat, seine  10 Lieblingsalben des Jahres bekanntgeben. Ich will meine Verwunderung nicht verhehlen, denn dieser Tage stolpere ich laufend über Musikblogs, die ich zuvor nie wahrgenommen habe. Das mag einerseits darin begründet sein, dass sie erst den Kinderschuhen entwachsen müssen oder aber zumindest nicht mit den schreibenden Musikenthusiasten, die mir tagtäglich so vor die Flinte laufen, netzwerken. Auch die auf byte.fm laufende Reihe Blog&Roll, welche Blogger vorstellt und obendrein noch deren ertüftelte Mixtapes Mittwoch abends präsentiert, birgt so manchen Underdog, der es bislang noch nicht auf meine Beobachtungsliste geschafft hat.

Foto: Kevin Rawlings (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de)

Soll mich diese Horde an Männlein und Weiblein, allesamt mit Mitteilungsbedürfnis, einem mehr oder minder gerüttelt Maß an Geltungsdrang, ausgesprochener Hingabe zur Musik sowie verschiedentlich ausgeprägtem Geschmack bewaffnet, vermag also solch bloggendes Pack ein Lächeln in mein Gesicht zu hexen? Nicht die Bohne, beteure ich, dabei mit der linken Hand nach meinem mit feinem Kaffee gefüllten Pott tastend, während die andere bekräftigend die Faust gen Decke ballt. Ist nicht der Musikblogger ein Heilsbringer, welcher die müffelnden alteingesessenen,  zum Gähnen verleitenden oder aber von einem aus Absurdistan stammenden Anspruchsdenken geprägten Platzhirschen zum Abschuss freigibt? Schlichtweg, weil nur der eigene Horizont die Grenze vorgibt, nicht etwa die Spezialisierung auf Genres. Und auch weil sich die Schreibe abhebt, nicht mit verkniffen-protziger Fachsimpelei langweilt. Blanke Theorie freilich, wie ein ausschweifend umschweifender Blick durch die deutsche Musikblogszene zeigt.

Ich will Tacheles reden, den Glauben an die Heilsbringerschaft begrabend. Der ganze Blogging-Scheiß beruht doch überwiegend auf recht primitiver Bedürfnisbefriedigung. Entweder man postet kleine Häppchen leserfreundlichen Contents, zum Beispiele süße Bilder von Kätzchen, ein vemeintlich witziges Foto oder sexy Video oder aber irgendeinen Inhalt, über den sich Besucher gut empören können, die neuesten Schlagzeilen der Bild oder Gesetzesvorhaben der Regierung. Warum nicht auch etwas zum Thema Wikileaks? Ebenso hoch im Kurs: Technik-Gadgets, Apps auf Teufel komm raus. Letztlich will das Gros der Leser leichtverdauliche, unterhaltsame Inhalte oder Themen, bei denen sich schimpfend losschwadronieren und empören lässt. Im Bereich der Musik punktet man immer mit Promi-News. Wenn die Mutter der Putzfrau des ehemaligen Hausmeisters von Lady Gaga tot umfällt, werden aufgebauschte Nachrufe hingekritzelt. Wenn Coldplay ein belangloses Video zu einem ebenso belanglosen Lied veröffentlichen, wird gleich die Revolution des Musikvideos ausgerufen. Sobald ein Online-Magazin auf Käseblattniveau eine angesagte Band mit Superlativen überhäuft, wird diese augenscheinlich vom Stapel gelassene Promotion in voreiligem Gehorsam eingedeutscht. Derart regiert der Content die Szene, eine seriöse Aufbereitung oder kritische Würdigung bleibt hingegen Mangelware. Blogs sind verdammt oberflächlich, orientieren sich dabei an der überwiegend sinnbefreiten Verwurstung von Nachrichten durch die Online-Ausgaben deutscher Magazine und Zeitungen.

Ambition nennt sich das Schlüsselwort. Von einem Hobby-Schreiberling aus Bautzen erwarte ich keinesfalls ein journalistisches Rüstzeug, um etwaige Einträge vernünftig zu gestalten, er darf so schreiben, wie ihm der Schnabel verwachsen ist. Wer hingegen Neuigkeiten weiterverbreitet, regelmäßig Beiträge veröffentlicht, sollte dann doch auf eine Filterung achten, an sich selbst gewisse Ansprüche hinsichtlich Themenwahl, Sprachlichkeit und dergleichen stellen. Die Narrenfreiheit des Bloggers inkludiert nicht das Privileg, sich um Qualität einen feuchten Kehricht zu scheren. Vielfach investieren Blogger ihr limitiertes Hirnschmalz in Suchmaschinenoptimierung, längst nur sporadisch in Inhalte. Verblöden somit die Leser, verpesten das Internet. Wenn etablierte Medien über die Bloglandschaft die Nase rümpfen, tun sie  es meist zurecht, riechen dabei aber die Kacke in den eigenen Redaktionsbüros nicht. Und vice versa. Der Fisch beginnt bekanntlich am Kopf zu stinken, das trifft auf die Alphamännchen der deutschen Blogger zweifelsohne zu.

Doch ich schweife ab, wenn auch mit Absicht. Zurück zu den so zahlreichen alten und neuen Musikblogs. Natürlich soll jeder Hinz und Kunz über Musik bloggen, sich als Linkschleuder verdingen oder in aufgeregt munterem Plauderstil vorgeblich tolle Musik betexten. Ich muss ja nicht jeden Erguss meinen Augen zuführen. Wenn man jedoch Dilettanten das Ruder übergibt, sollte man sich nicht wundern, falls man sich bald am falschen Dampfer wähnt. Was hierzulande fehlt, ist ein Schulterschluss der arrivierten Vertreter der Zunft, die den tatsächlich an Tiefgründigkeit interessierten Internet-Nutzern ein vernünftiges, unabhängiges, ohne Scheuklappen agierendes Angebot macht. Ein diesbezüglicher Versuch nicorolas blieb im Spätsommer ohne besondere Resonanz, jeder animierte den anderen die ersten Schritte zu unternehmen. Das Wissen und die Leidenschaften zu bündeln, wäre eine dringend notwendige Maßnahme, um der grassierenden Niveaulosigkeit entgegenzuwirken. Sonst scheint in Kürze tatsächlich die Horrorvision Wirklichkeit, dass sich SEO-Schlampen mit Webseiten wie paperblog oder germanblogs das Rampenlicht teilen. Ob der Musik tatsächlich förderlich wäre?

Top of the Blogs 2010 wird also Herrn Müller und Frau Meier ebenso am Start sehen wie Krethi und Plethi. Das mag also tatsächlich eine repräsentative Liste ermöglichen. Ob gar eine geschmackssichere Aufzählung entsteht, daran hege ich aus oben geschilderten Gründen doch enorme Zweifel.

SomeVapourTrails