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Der Beginn von etwas Großem – IRAH

Dieses Album muss man angehört haben! Mir fällt beim besten Willen kein Makel ein, der dieser Platte anzukreiden wäre. Into Dimensions ist von derart überwältigender Qualität, dass man sich gut vorstellen kann, in vielen Jahren dann höchst ehrfürchtig vom Beginn einer bestaunenswerten Karriere zu schwärmen. Selbstverständlich ist mir geradezu schmerzhaft bewusst, dass die Talente dieser Tage nicht weniger werden. Und da die Zahl kultivierter Hörer nicht rapide zunimmt, werden viele großartige musikalische Projekt nie die kritische Masse an Fans erreichen, um die künstlerische Relevanz zu erreichen, die sich eigentlich verdienen. Dem dänischen Trio IRAH würde ich die Verankerung im Kanon der künstlerischen Etablierten besonders gönnen. Denn dieses Debüt entfaltet eine eigene, faszinierende Magie, von der man in ihren aufregendsten Momenten ungefähr mit jener Ehrfurcht überwältigt wird, die einem als kleiner Knirps vor dem erleuchtenden und von Geschenken umsäumten Weihnachtsbaum widerfährt.

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Schlaglicht 64: Tricky

Jeder kennt das. Man hat ein leckeres Essen zubereitet, denkt beim Verzehr bereits daran, wie man es beim nächsten Mal variieren und verbessern kann. Oder man hat eine schicke Mütze gehäkelt, nimmt sich nach Fertigstellung aber vor, bei der nächsten Mütze noch mehr farbliche Akzente zu setzen. Das geht uns allen so – und natürlich bilden Musiker keine Ausnahme. Der werte Herr Tricky, der seit ein paar Jahren eine echte Renaissance erlebt, über dessen Anfang des Jahres erschienenes Album Skilled Mechanics ich großes Lob zu vermelden hatte, bildet da keine Ausnahme. Und so nimmt er sich des Tracks Does It nochmals an. Die Nummer erschien ursprünglich auf dem Album False Idols (2013). Nun motzt sie Tricky auf, holt den englischen Rapper CASISDEAD an Bord. Macht so aus einem ohnehin guten Track einen geradezu exzellenten. Der Kontrast aus verführerisch weiblichem Abgesang, CASISDEADs punchigem Rap und einem fast vorsichtig fragenden, flüsternden Tricky beschert Does It faszinierende Abgründigkeit. Wer das Original mit dieser neuen Version vergleicht, begreift sofort, warum Tricky dieses Stück aus der Versenkung geholt hat!

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Schlaglicht 61: Massive Attack

Massive Attack zählten zwischen ihren Alben Mezzanine (1998) und Heligoland (2010) aus meiner Sicht nicht mehr zu den Gruppen, die man unbedingt auf dem musikalischen Radar haben musste. Und selbst nach Heligoland hatte man den Eindruck, dass sich Massive Attack nochmals eine starkes Alterswerk abgerungen hatten, aber es das vielleicht nun endgültig gewesen war. 2016 sieht die Chose dagegen ganz anders aus. Die EP Ritual Spirit hat Anfang des Jahres zu entzücken gewusst, speziell der Track Voodoo In My Blood mit der Hip-Hop-Formation Young Fathers als Gästen. Und natürlich Take It There, an dem der werte Herr Tricky endlich wieder mitwirkte. Bei ersterem Track traf irritierende Electronica auf mantrahaften Hip-Hop, bei letzterem Song wurde klassischer Trip-Hop mit Trickys gespenstisch-souligem Vortrag kombiniert. Darüber hinaus hatten Massive Attack Voodoo In My Blood sogar einen exquisiten Clip spendiert, der Rosamunde Pike im Bann einer Sci-Fi-Metallkugel zeigte. Edel – und laut Formation erst Auftakt zu neuen Großtaten. Tatsächlich bescheren sie uns dieser Tage mitten im musikalischen Sommerloch die zwei Tracks umfassende Single The Spoils, bei deren Titeltrack es wieder einmal zu einer Kooperation mit der Dream-Pop-Göttin Hope Sandoval kommt.  Massive Attack nehmen sich bei dieser getragenen-eleganten Nummer zurück, im Mittelpunkt steht ein von Sehnsucht und Verlust geprägter Vortrag. Der Refrain „And I somehow slowly love you/ And wanna keep you this way/ Well I somehow slowly know you/ And wanna keep you away“ deutet eine komplizierte Beziehung an, in welcher Innigkeit und Distanz im gleichen Maße greifbar werden. Und auch dieses Mal haben Massive Attack ein starkes Video im Köcher, das mit dem Motto „Deconstructing Cate Blanchett“ vielleicht am besten beschrieben ist.

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Schatzkästchen 65: Portishead – SOS

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Photo Credit: Magnolia Pictures

Geschichte war schon in der Schule mein Lieblingsfach. Und die intensive Beschäftigung mit ihr hat mich zu einem Liebhaber von Dystopien werden lassen. Denn die menschliche Natur ist schlicht nicht für Friede, Freude, Eierkuchen ausgelegt, nach jedem Krieg und jeder Katastrophe wird zwar Besserung gelobt, doch schon ein oder zwei Generationen später droht in aller Regel neues Unheil. In dem Maße, in welchem all die zivilisatorischen Errungenschaften steigen, gerät auch das Verderben immer ausgeklügelter. Dystopien sind somit ein in die Zukunft geschriebener Geschichtsentwurf, der sich auf bisherige Erfahrungswerte stützt. Der Roman High Rise (auf Deutsch als Der Block oder Hochhaus erschienen) des britischen Schriftstellers J. G. Ballard hat mich bereits als Jugendlicher schwer beeindruckt. Ballard schildert darin, das allmähliche Schwinden zivilisatorischer Konventionen. In einem großen, fast autarken Wohnblock samt Supermarkt, Geschäfte, Schule und Schwimmbad treten nach und nach soziale Spannungen auf. Dabei wird deutlich, dass der Rang innerhalb der Hierarchie davon abhängt, in welchem Stockwerk die Bewohner leben. Immer schneller kristallieren sich verschiedene Schichten heraus, so verkörpert eine Flugbegleiter-WG in einer der ersten Etagen die Unterschicht, der auf halber Höhe lebende, honorige Universitätsprofessor die Mittelschicht und die, die sich die teuren Penthäuser leisten können, die Crème de la Crème. In der fortschreitenden Eskalation spielt denn auch die Zugehörigkeit zu einem Stockwerk die maßgebliche Rolle. Vandalismus, offener Kampf und Tod steigern sich unaufhaltsam. Dieses Buch ist wirklich stark. Ob man das auch von dessen Ende Juni in die heimischen Kinos kommenden Verfilmung behaupten kann? Mir ist der englische Regisseur Ben Wheatley bislang kein Begriff gewesen, doch werte ich es eigentlich als gutes Zeichen, dass keiner der üblichen Verdächtigen an diesem Stoff herumgedoktert hat. Dass Portishead High Rise einen musikalisch Beitrag spendiert haben, spricht ebenso für den Film. Portishead sind ja nicht irgendeine dahergelaufene Band, sondern eine Formation wegweisender Kreativität, die sich viel zu selten in die Niederungen der Albumveröffentlichungen herablässt. Somit ist schon ein neuer Song sehr bemerkenswert, sogar wenn es nur eine Coverversion ist. Mit dem Track SOS hauchen Beth Gibbons und Konsorten dem Klassiker von ABBA eine neue Bedeutungsschwere ein. Schatzkästchen 65: Portishead – SOS weiterlesen

Schatzkästchen 59: IRAH – Into Dimensions

Elfe ausgebüxt! Direkt in die Neonlichter eines Großstadtmärchens hinein! Hochhäuser mit großen Glasfassaden stehen Spalier, säumen einen Pfad des Staunens. Schritt für Schritt gleiten ihre nackten Füße über den glitzernden Asphalt, wandert sie durch die Fantasie von einer Nacht. Abgekämpfte Nachtschwärmer strömen noch ganz in Trance aus Szenetempeln, abenteuerselige, begierige Gestalten schielen sehnsüchtig in plüschige Etablissements. Jede zwielichtige Gestalt scheint der verwunderten Elfe einen Blick wert. Das verschmuste, in seinem Glück aufgehende Pärchen beim Laternenmast ebenso. Mit pochendem Herzen setzt sie ihren Streifzug fort, Eindruck um Eindruck prasselt auf ihre Augen ein. Taxis wischen an ihr vorbei, wieseln um die Ecke. Schaufensterpuppen drehen sich nach ihr um. Hydranten dackeln gleich Kobolden dahin. Die ganze Szenerie lebt, alles wirkt neu und aufregend. Die Stunden im Häusermeer vergehen wie im Flug, bis dann irgendwann die Sonne über die Dächer kriecht, der Tag mit einem Knall anbricht. Die Helle flutscht in jede Ritze, prallt auf Glasscheiben, wird von Metall reflektiert. Im Licht der Sonne geht der Elfe endgültig das Herz auf. Gerät der Ausflug in die Stadt zum Triumph der Neugier. Und sie lächelt und lächelt…

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Zu unaufgeregt für Berlin-Neukölln – Tricky

Die für die richtig coolen Klänge verantwortliche Co-Bloggerin hat mich dieser Tage auf die neue Scheibe von Tricky hingewiesen. Der werte Musiker weilt seit letztem Jahr in Berlin-Neukölln, das längst zu einem Mekka für Abenteuerlustige aus aller Welt geworden ist. Auch deshalb habe ich in das Album Skilled Mechanics reingehört, um zu sehen, was die Gegend aus Herrn Tricky gemacht hat. In einem lesenswerten Interview mit dem [030] Magazin, bei dem er auf seine Eindrücke von Berlin angesprochen wurde, outete er sich als Neuankömmling, der sich noch darüber wundert, dass an dem einen Tag ein alter Fernseher auf der Straße steht, am nächsten Tag an eben dieser Stelle eine Couch zu finden ist. Tricky scheint Nord-Neukölln mit großen Augen und Interesse zu bestaunen. Bereits abgebrühte Kiezbewohner erkennt man dagegen daran, dass Sperrmüll auf der Straße – sofern nicht monetär verwertbar – eher mit Desinteresse begegnet wird. Ob zerschlissene Matratze, desolates Regal oder defekte Waschmaschine, es existiert nichts, was nicht auf dem Gehweg entsorgt wird. Mitunter noch mit dem großmütigen Vermerk „zu verschenken“ ausgestattet. Doch ich schweife ab. Berlin mag sich in Skilled Mechanics (noch] nicht wiederfinden, es unterstreicht jedoch, dass Tricky nicht zum alten Eisen gehört, sein Umzug nach Neukölln keinen verzweifelten Schrei nach Hipness bedeutet.

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Schatzkästchen 51: Massive Attack – Voodoo In My Blood (feat. Young Fathers)

Der Schrecken, der uns in der Banalität des Alltags heimsucht, die plötzliche Ohnmacht, die völlig unvorbereitet über uns hereinbricht, die kybernetische Utopie, die sich den Weg aus der Zukunft in unsere Gegenwart bahnt, das neue Musikvideo von Massive Attack bedient die Urängste des Ausgeliefertseins! Dem Track Voodoo In My Blood wurde ein in mehrfacher Hinsicht formidabler Clip spendiert. Zum einen sticht die schauspielerische Leistung Rosamunde Pikes hervor, die von erstarrter Mimik bis hin zu unkontrollierten, tanzhaften Zuckungen alles aufzubieten vermag. Und da wäre natürlich zum anderen jene goldfarbene Metallkugel, die sich als überlegener Antagonist entpuppt. Quasi aus dem Nichts schwebt dieses strippenziehende Sci-Fi-Ungetüm durch das Neonlicht einer völlig menschenleeren U-Bahn-Station. Es ist ein Showdown, der ohne Vorgeschichten oder Erläuterungen auskommt. Wie Pikes Charakter zur Marionette der Maschine wird, wie diese Kugel Besitz ergreift und all die seltsame Destruktivität dirigiert, löst zwangsläufige Beklemmung aus. Das vom Regisseur Ringan Ledwidge gedrehte und vom Electric Theatre Collective mit visuellen Effekten versehene Video bietet keine Deutung an. Es transportiert keine Dystopie, keine Warnung vor dem digitalen Zeitalter. Es lässt das Publikum mit dem Schock allein. Und auch Massive Attack, unterstützt von den Young Fathers, tragen nichts zur Aufklärung bei. Im Gegenteil. Schatzkästchen 51: Massive Attack – Voodoo In My Blood (feat. Young Fathers) weiterlesen

Berlin-Fantasie samt marodem Charme und laschem Pathos – Federico Aubele

Berlin wirkt ekstatisch. Ein wunderbares Aufputschmittel, dem irgendwann auch Ernüchterung folgt. In den besonderen Momenten, an denen es in Kreuzberg wahrlich nicht mangelt, die jedoch Marzahn nie erfahren wird, umarmen sich Chaos und Tristesse, Multikulti-Karma mit verkommener Hipness sowie verlockende Fremdartigkeit mit Befremdung. Weltgewandter als Berlin ist Deutschland nirgendwo, allerdings auch an keinem Ort derart zwischen arm und reich zerklüftet. Kurzum präsentiert sich Berlin als befruchtendende Stadt, die Künstlern zuhauf mit Bildern und Vibes versorgt. So auch den Argentinier Federico Aubele, dessen jüngstes Album den Titel Berlin 13 trägt. In diesem Trip-Hop und Latino-Flair samt Dub zusprechenden Werk verliert sich Aubele in sentimentalen Meditationen von entspannter Verwirrtheit, distanzierter Kühle und langweiliger Melancholie.

Aubele verzichtet auf den coolen Lounge-Flausch der Mitte-Typen, er greift lieber den Bezirk auf, der alle Arten von Sentimenten bestens bündelt: Kreuzberg.  Bereits der Song Berlin träumt trotz knusprigem Beat ein bisschen schwermütig vor sich hin. Diese Charakteristik der ersten Hälfte der Platte rührt nicht zuletzt von Aubeles sanfter Stimme, die immer nach zurückhaltender Klage tönt, speziell beeindruckend bei No One oder Bohemian Rhapsody in Blue, dessen eleganter Sound samt sinistrem Refrain  zu den gelungensten Momenten zählt. Der Track Kreuzberg verrät, warum das Werk des Argentiniers bei ESL Music erscheint. Hier werkt Aubele im Geiste der Label-Gründer, dem legendären Duo Thievery Corporation. Kreuzberg präsentiert sich instrumental beschwingt, pulsierend – und zugleich ein Stück weit verloren. Bis hierhin zeichnet sich ein abgründiges Bild von Berlin, dem ich guten Gewissens das Prädikat gelungen verleihen mag. Doch mit dem Track Efemera gibt Aubele das Mikro aus der Hand, orientiert sich mehr am herben Schmalz südamerikanischer Wehmut. Was auf Efemera mit der Gastsängerin Ka misslingt, klappt dank Natalia Clavier bei Lágrimas Viejas einigermaßen. In dem schwülstig akzentuierten Duett wirkt Aubele wie ein gefallener Latin Lover, dessen gebrochene Stimmbänder Traurigkeit säuseln. Erst mit 13 rückt Berlin wieder schicksalsschwer in den Fokus, doch bietet der Titel wenig Magie, vielmehr Verlorenheit. Längst hämmern die Beats einen Tick zu hart, verflüchtigt sich Berlin zu einer unheilvollen Chimäre.

Bohemian Rhapsody in Blue from Federico Aubele on Vimeo.

Berlin by FedericoAubele

Wo sich anfangs noch der marode Charme Berlins in feiner Manier manifestiert, verliert Berlin 13 zusehends an Finesse, weicht die zurückhaltend-subtile Nachdenklichkeit laschem Pathos. Federico Aubeles Berlin-Fantasie träumt nur eine Hälfte lang auf hohem Niveau vor sich hin. Diese Handvoll Tracks freilich verdienen Applaus, bebildern sie doch eine Stadt, die in ihrer Unordnung und Widersprüchlichkeit zur Nachdenklichkeit anregt, zur entschleunigten Reflexion verpflichtet.

Berlin 13 ist am 15.04.11 auf ESL Music erschienen.

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Trip-Hop-Ethno-New-Age-Klimbim – Conjure One

Man nehme einem triefenden Batzen Trip-Hop, menge einen ordentlichen Schuss Ethno darunter, würze das mit einer Prise New-Age-Klimbim, kratze eine Synthie-Messerspitze Jean Michel Jarre zusammen, bekleistere mit eben diesen Ingredienzien die weiblichen Rundungen einer Stimme, deren Ausstrahlung nicht über das Niveau von den aus Veranstaltungen à la Song Contest einschlägig bekannten Sängerinnen hinausgeht. Voilà, exakt so präsentiert sich jenes Album, welches sich dieser Tage in meine Ohren verirrt hat. Wer nun ganz hektisch nach Papier und Bleistift sucht, um sich zu notieren, welche Platte er/sie keinesfalls Gehör schenken sollte, dem/der will ich sanft gemach zuraunen. Denn obwohl ich das Werk durchaus akkurat beschrieben habe, ist es nicht völliger Quatsch mit Soße. Vielmehr wandelt Exilarch zwar geradezu aufreizend am Rande absoluter Trivialität, aber das Album purzelt in der Gesamtschau nicht vollends in die Scheiße. Conjure One nennt sich das mir bislang völlig unbekannte Projekt eines mir bis dato nicht geläufigen Herrn Rhys Fulber, seines Zeichens Mitglied bei den mir sehr wohl vom Hörensagen vertrauten Delerium und Front Line Assembly.

Man sollte es durchaus als Verdienst werten, dass Exilarch trotz oben angedeuteter Widrigkeiten nicht zum absoluten Schauerstück verkommt, sondern in den interessanteren Momenten tatsächlich inspiriert durch den Äther quillt. Und zwar just dann, wenn kein feminines Säuseln mit ausgesuchter Penetranz lanchiert wird. Natürlich hat man Tracks wie Places That Don’t Exist schon irgendwie irgendwann irgendwo gelauscht, das ändert freilich nichts daran, dass sich besagter Titel solide präsentiert. Doch sobald sehnsuchtsschwangeres Geschmachte dominiert, rasselt das Niveau in den Keller. Zephyr beispielsweise steht für billigen Pathos und grottenschlechte Lyrics, Nargis für Ethno-Gejodel der berechenbaren, langweiligen Sorte. Solange die Weltmusik-Anleihen sich auf Samples beschränken und die elektronische Komponente dominiert, ein Beat die Chose durchzieht, gewinnt das Werk an Format (Nomadic Code). Existential Exile oder Oligarch fallen in eine ähnliche Kategorie, wobei letzteres nicht wirklich auf den Punkt kommt. Ein Umstand, über den man gerne geflissentlich hinwegschaut, vor allem angesichts enervierend lascher Songs (I Dream In Colour).

Conjure One – Exilarch by nettwerkmusicgroup

Exilarch kratzt die Kurve, mehr schlecht als recht. Berauschend fällt das Resümee dennoch nicht aus. Conjure One hätte die instrumentale Schiene weitaus mehr betonen sollen, anstatt gesanglichem Ethno-Trash zu huldigen. Für Live-Auftritte will Rhys Fulber Exilarch aufpolieren, die Tracks beschleunigen, rauer machen, mit beiläufigen Sounds ausstatten, wie der Pressetext zu berichten weiß. Genau dies hätte aber auch dem Album keinesfalls geschadet und mir ein wohlwollenderes Urteil abgerungen.

Exilarch ist am 15.04.11 auf Nettwerk erschienen.

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Free Mp3: Zero 7 – Pop Art Blue

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Heute möchte ich zu später Stunde den werten Lesern unseres Blogs noch ein feines Betthupferl – wie man in Österreich zu sagen pflegt – mit auf den Weg ins Schlafzimmer geben. Dieser kostenlose Download ist ein Vorgeschmack auf das nächste Woche in hiesigen Breiten erscheinende Album Yeah Ghost der Gruppe Zero 7. Warum auch immer, irgendwie konnte ich mit den Herrschaften nie richtig warm werden. Bis jetzt jedenfalls. Denn ein Track der Scheibe ist durchaus von schwüler Kühle. Und bringt die Ohren damit gewaltig in Wallung. Die Rede ist vom Song Pop Art Blue, welcher von Gastsängerin Martha Tilston wundersam behübscht wird. Mit diesem Lied ist mein Interesse an Yeah Ghost jedenfalls mehr als nur geweckt.

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