Schlagwort-Archive: UMA

Unter der Taucherglocke – UMA

Euphorie sieht wohl anders aus, wenn man einem Album die Attribute gedämpft, aufgeräumt und nüchtern zur Seite stellt. Dabei meine ich das keineswegs als Herabwürdigung, im Gegenteil. Der Electro-Pop des deutsch-österreichischen Duos UMA besticht durch formalen Minimalismus, der nie langweilig gerät. Das selbstbenannte Debüt wirkt wie unter einer Taucherglocke aufgenommen, schippert dumpf dahin. Dabei gibt es sich angenehm leidenschaftslos. Wo sich Electro-Pop oft zwischen auf Anspruch getrimmter Discomusik und sterilem Eskapismus bewegt, forcieren UMA einen gedeckten wie melodisch-warmen Sound, welcher meist versonnen aus den Boxen flirrt.

Unter der Taucherglocke – UMA weiterlesen

50 Albumschmankerln 2012

Hier nun also der zweite Teil unserer Jahresbestenliste. 40 Alben und 10 EP haben wir als Empfehlungen ausgewählt. Wie schon für unsere 75 Lieblingstracks 2012 gilt auch in diesem Fall, dass diese Liste von Auslassungen lebt. Natürlich wären Get Well Soon oder auch Leonard Cohen heiße Anwärter auf einen Platz in dieser Aufzählung, wenn wir denn jenen Alben heuer mit der gebührenden Ausführlichkeit gelauscht hätten. Doch wenn uns der wöchentliche Veröffentlichungszirkus etwas anderes weismachen möchte, gute Alben werden nicht schnell ranzig. Können auch erst mit ein paar Jahren Verzögerung gefestschmaust werden. Ob ein Musikjahr also beweihräuchert werden darf, das entscheidet sich oft erst lange nach dessen Verstreichen. Das, was uns jedoch bereits jetzt nachdrücklich in Herz und Hirn haften geblieben ist, haben wir folglich hier zusammengetragen. Wir wünschen viel Vergnügen beim Durchstöbern!

Alben

Born To Die_ Lana Del Rey - CMS Source1. Lana Del ReyBorn To Die

50 Albumschmankerln 2012 weiterlesen

Unsere 75 Lieblingstracks 2012

Hier ist sie also nun, die Jahresbestenliste unser Lieblingssongs. Eine Momentaufnahme, zugegeben. Wenn wir am Ende des Jahres die persönlichen Favoriten Revue passieren lassen, dann stellen wir oft ganz verdutzt fest, welch zweifelslos prima Musik uns in jedem Jahr wieder durch die Lappen gegangen ist. Doch das Jahr hat eben nur 365 Tage, selbst wenn man jeden zweiten Tag ein neues Album für sich entdeckt, hat man gerade einmal 180 Alben gelauscht. Das ist nichts im Vergleich zur Fülle an Neuerscheinungen. Dazu kommen noch einzelne Tracks, die sich der geschäftige Blogger tagtäglich so anhört. Das ergibt in der Summe mindestens 3000 neue Tracks pro Jahr, gar nicht die gefühlten Millionen Tracks mitgerechnet, welchen man mit leidendem Augenaufschlag begegnet, die man bereits nach wenigen Sekunden auf Nimmerwiederhören verabschiedet. Von daher ist eine jede Bestenliste eines Blogs nur ein klitzekleiner Ausschnitt einer Gesamtwirklichkeit. Zugleich ist solch eine Zusammenstellung auch programmatisch zu verstehen, sie stellt den eigenen Geschmack zur Schau, grenzt sich ab. Wir machen nicht den Diener vor einer cleveren PR-Kampagne von Frank Ocean, finden Tame Impala schauerlich. Diese Liste will weder hip noch obskur und auch in keinster Weise vollständig sein. Sie soll unsere von Herzen kommenden Empfehlungen dieses Jahres nochmals unterstreichen. Mehr nicht.

Songliste2012

Unsere 75 Lieblingstracks 2012 weiterlesen

Einzug in die Gefühlsoase – UMA

Das Herz ist eine ewige Wüste, die auch Oasen kennt. Oftmals pirscht sich Musik ans Herz, stößt dabei doch nur auf Ödnis, versandet in den Dünen karger Emotionen. Andere Klänge steuern allen Widrigkeiten trotzend Oasen entgegen, latschen mitten in den sprudelnden Quell der Gefühle, verkünden ihr Ankommen freudig mit ungezählten Kamelfürzen. Eine jede Band sattelt ihre eigene Karawane und dackelt einem unbestimmten Ziel entgegen. Denn manch Oase entpuppt sich als Fata Morgana und auch nicht jede verdörrte Palme samt ausgetrocknetem Wasserloch verdient diese Bezeichnung. Die wenigen üppig sprießenden Inseln unseres Sentiments wollen entdeckt werden. In meinem Fall sind es vor allem erfahrene Beduinen, die ein ums andere Mal meinen Gemütsoasen ein Rambazamba bescheren. Selten verirren sich unbeleckte Neulinge hierher. Meist tapsen die Kolonen der Unglückseligen meilenweit an allen Wasserstellen vorbei. Unlängst freilich ist aus heiterem Himmel das Duo UMA mit sakraler Festlichkeit hereingeschwoben.

Electro-Pop mit Frauenstimme knüpft nur selten zarte Bande mit den blühenden Stellen meines Herzens. Gelittene tausend Experimente öden mich überwiegend an, interessieren kaum. Und insbesondere EPs sind öfter denn nicht Indiz dafür, dass Ideen und Budget endlich scheinen. Eine EP ist in der Regel ein auf halber Strecke verhungertes Album. Nicht so die EP Drop Your Soul. Was das deutsch-österreichische Duo UMA hier fabriziert hat, wandelt zielsicher auf dem Trampelpfad meiner Herzenswärme. Allein der Titeltrack Drop Your Soul ist eine sirenesk-verführerische Zauberformel, verlockungsvolle Gebetsmühle inmitten einer elektronischen Kraterlandschaft. Erhaben-gelöste Ekstase fernab von Zeit und Raum. Klare Kühle, die jede flirrende Hitze bannt. Drop Your Soul ist in der Version mit Silver Apples eine Offenbarung, während der am Ende gereichte Remix von Yosi Horikawa dem Song die Magie nimmt. Doch die EP erschöpft sich nicht etwa in einem famosen Track und einem langweiligen Remix, der Titel Birds mit schleppendem Rhythmus, störgeräuschigem Sound und mantraartigem Gesang lässt sich nicht als Füllmaterial abtun. Ebenso auraumsponnen gestaltet sich Mirror//Dignity, während Wild At Heart einen zärtlichen Choral auf eine robotoreske, chromkühle Futuristik prallen lässt. Das alles tönt großartig, verstörend entrückt, bar jeden Muffs, wie er schiere Imitation durchdringt. Diese EP entfaltet über 15 Minuten große Kunst, die dem experimentellen Akzent feinen, reinen Gesang gegenüberstellt.

Im Trubel der Veröffentlichung wird einer EP wie Drop Your Soul in der Regel wenig Beachtung geschenkt. So ging es eigentlich auch mir. Wäre ich nicht beim Überfliegen der Pressemeldung am Umstand hängengeblieben, dass UMA aus einem in Berlin lebenden deutsch-österreichischen Ehepaar besteht. Da auch dieser Blog die Freundschaft zwischen diesen Ländern tagtäglich in Berlin vertieft,  hat mich dann doch die Sympathie gepackt. Und bereits die ersten Klänge haben meine Abgebrühtheit, mit der ich Musik mittlerweile begegne, gänzlich aufgeweicht. Wer über solch Klänge stolpert, muss einfach das Herz weiten. Den Einzug dieses Werk in die eigene Gefühlsoase andächtig bestaunen. Unbedingte Empfehlung!

Drop Your Soul ist am 25.05.2012 auf Seayou Records erschienen.

Link:

Offizielle Homepage

UMA auf Facebook

Kostenloser Download des Tracks Drop Your Soul

SomeVapourTrails