Unsere 30 Lieblingsalben 2017

Ich muss diese Liste meiner Lieblingsalben mit ein paar Geständnissen einleiten. Da wäre zunächst einmal mehr der Umstand, dass die werte Co-Bloggerin auf die Erstellung fast keinerlei Einfluss hatte, weil sie sich längst kaum mehr Alben in ihrer Gesamtheit anhört. Auch mir fehlt immer mehr die Zeit, Platte um Platte die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Das hat viel mit geänderten Prioritäten zu tun. Ein wenig bin ich freilich ebenfalls Opfer unserer digitalen Zeit, die uns mit Botschaften und Reizen bombardiert. Es geschieht immer wieder, dass ich mir ein Album zum Anhören auserwähle, nur um spätestens nach dem dritten Track abgelenkt zu werden und längst nicht mehr hinzuhören, während die Musik weiter munter vor sich hin spielt. Hier eine WhatsApp-Nachricht, da eine E-Mail oder ein Anruf, dort ein Tweet oder ein Status-Update auf Facebook. Das Album konkurriert zunehmend mit dem Umstand, dass man sich Musik nicht einfach so eine Stunde lang widmen kann – oder will. Was selbst Musikfetischisten plagt, führt bei Durchschnittskonsumenten dazu, dass man Alben nicht mehr die Aufmerksamkeit schenkt, die man noch vor 20 Jahren übrig hatte. Das Album wird nicht aussterben, es wird sich aber vermutlich einem Wandel unterziehen. So könnte es etwa immer mehr zur App mutieren, die neben Musik auch visuelle Inhalte bietet. Das Album als Rundum-sorglos-Paket, das alle Sinne zugleich beschäftigt, würde mich, wäre ich denn Musiker, durchaus reizen. Ein weiterer Ausweg aus der Plattenmisere ist zweifellos die EP, die ob der Kürze größere Chancen hat, in ihrer Gesamtheit Würdigung zu erfahren. Zumindest mir geht es so, dass ich 2017 viele tolle EPs entdeckt habe. Die Zukunft musikalischen Schaffens könnte also durchaus darin bestehen, mit gewisser Regelmäßigkeit EPs zu veröffentlichen. Das wäre aus Künstlersicht sinnvoller, als alle drei Jahre ein Album zu veröffentlichen und in der Zwischenzeit relativ unsichtbar zu sein. Doch genug der Überlegungen. Es wird Zeit für die Liste der 30 Lieblingsalben!

1. Lana Del Rey – Lust For Life

Noch im Jahre 2047 wird man genüsslich im smarten Heim sitzen und die Urenkel Siris oder Alexas bitten, die Erinnerungen an schöne Zeiten mit diesen Klängen zu untermalen. Und wenn man dann in Gedanken schwelgt, dabei eine Epoche hochleben lässt, die längst vergangen scheint, wird man sich vielleicht daran erinnern, dass man dieses Gefühl doch bereits beim Erscheinen des Albums hatte.“ (Review) VÖ: 21.07.2017 (Vertigo Berlin)  Weiterlesen

Unsere 30 Lieblingssongs des Jahres

Mir persönlich sind Bestenlisten mittlerweile hochgradig suspekt, denn was steckt hinter Bestenlisten denn eigentlich? Wenn zu viele darüber abstimmen, was das Beste ist, haben wir es im Grunde mit einem Popularitätscontest zu tun. Wenn eine einzelne Person das Beste des Jahres definiert, steckt dahinter doch nur der Ausdruck eigenen Geschmacks. Nun ist Subjektivität überhaupt kein Verbrechen, wenn man sie klar kennzeichnet. Ich will daher von den Lieblingsliedern des Jahres sprechen. Und ehrlich gesagt tue ich mir auch mit Reihungen schwer. Was qualifiziert einen Song auf Platz 8 und nicht auf Nummer 7 gesetzt zu werden? Zugegeben, das Erstellen von Listen ist ein netter Zeitvertreib, sofern man Reihungen nicht tierisch ernst nimmt. Hier nun also jene 30 Songs, die uns 2017 auf die eine oder andere Weise ganz besonders erfreut haben. Um eine gewisse Vielfalt abzubilden, habe ich mich mit einer Ausnahme auf einen Track pro Musiker(in) oder Band beschränkt. Es wäre sonst eine Liste, bei der Lana Del Rey zu sehr dominieren würde…

1. Lana Del Rey – God Bless America – And All The Beautiful Women In It (Review) [USA]

2. Principe Valiente – Wildest Flowers (Review) [Schweden]

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Dolcefarniente im Wiener Schick – Wanda

Ein Doppelschlag hat Wanda innerhalb eines Jahres im gesamten deutschsprachigen Raum berühmt gemacht, ja mehr noch dem Austropop eine eher unerwartete Renaissance beschert. Gerade einmal drei Jahre ist es her, dass allerorts Amore herrschte und Bologna zur überraschenden Sehnsuchtsstadt mutierte. 2015 dann war plötzlich alles Bussi und die Wiener Band endgültig Kult. Das Erfolgsrezept der ersten beiden Platten war so einfach wie simpel. Dem Motto „Verschwende deine Jugend“ folgender Rock gepaart mit sehr schlawinerhaftem Austropop, dazu noch das Augenzwinkern als Verbeugung vor dem Zeitgeist und moribunder Wiener Schmäh als Herkunftsgütesiegel. Diese Masche trug Amore und Bussi, doch gab es vermutlich nicht wenige Zeitgenossen, die vom dritten Album irgendeine Art von Transformation erwartet haben. Wohin also würde Wandas Reise gehen? Niente gibt nun die Antwort. Man düst wieder gen Italien!

Photo Credit: Wolfgang Seehofer/Universal Music

Während viele neue Bands einen gewissen intellektuellen Chic pflegen, die Sozialisation im studentischen Milieu erkennen lassen, bei aller Ironie einem Thomas Bernhard weit mehr verbunden scheinen als einem Mundl Sackbauer, bedienen Wanda eher profane, proletarische Sehnsüchte. Wanda saufen und streiten sich nicht durch die Lieder, um diffusen Weltschmerz, verkrachte Revolutionen zu vergessen oder als Jeunesse dorée aufzutrumpfen, die Hemdsärmeligkeit der Wiener ist eine für die Feierabende, wenn der Grind des Alltags abfällt und die Lebenslust erwacht.  Weiterlesen

Schatzkästchen 91: Wanda – Columbo

Eine der spannenden Fragen dieses Musikherbsts war wohl jene nach dem Sound der neuen Platte von Wanda. Seit die Österreicher ihr Album Niente für Oktober angekündigt hatten, wunderte zumindest ich mich, ob nach den beiden wie aus einem Guss tönenden Werken Amore und Bussi irgendwelche Änderungen am Erfolgsrezept anstehen würden. Die erste nostalgisch-balladeske Single 0043 gab diesbezüglich nur bedingt Aufschlüsse. Seit heute freilich kann man sich schon an eine Einschätzung wagen. Mit Columbo zeigen Wanda einmal mehr ihr Gespür für Gassenhauer, die man schlicht mitträllern muss. Der Refrain „Am Ende fällt Columbo etwas ein. Lass es unsre Rettung sein! Es wird eine schöne Lösung sein, doch wir beide passen nicht hinein.“ könnte eingängiger nicht ausfallen.  Weiterlesen

Unsere liebsten Songs 2015 (1-25)

Nach dem ersten Teil unserer Lieblingslieder mit den Plätzen 26-50 folgt nun der zweite Teil unserer liebsten Songs des Jahres 2015. Samt Spotify-Playliste, die immer 47 der 50 Titel beinhaltet. Doch genug der Worte, stürzen wir uns ins musikalische Getümmel!

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1.) Radio Elvis – Goliath

Goliath ist nicht weniger als phantastisch, weil es markanten, durchaus an französischen Chansonniers orientierten Gesang mit melodischem und zugleich erstaunlich robustem Indie-Rock verbindet. Die Band ist für mich die Entdeckung des Musikjahres. Und Goliath ist das Lied, dass ich auf immer mit 2015 verbinden werde! (Die EP Juste avant la ruée ist am 09.03.2015 auf PIAS erschienen.)

Wanda Bussi Albumcover ©Vertigo Berlin

2.) Wanda – Bussi Baby

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Unsere liebsten Songs 2015 (26-50)

Heute will ich ohne große Ansprache den ersten Teil unserer 50 Lieblingslieder vorstellen. Natürlich sind wir keine Listenfetischisten, die aus der Reihenfolge eine Wissenschaft machen wollen. Die Nummerierung dient vor allem der Übersichtlichkeit! All die hier aufgeführten Songs wurden von uns 2015 gerne und viel gehört. Es würde mich sehr freuen, wenn zumindest ein paar dieser Tracks auch beim werten Leser Wirkung zeigen.

keepthevillagealive

26.) Stereophonics – C’est la Vie

Die Pub-Rock-Hyme des Jahres! Das Lokal, in dem diese Nummer ohne jedwede Resonanz durch die Boxen dröhnt, muss erst noch eröffnet werden! (Das Album Keep The Village Alive ist am 11.09.2015 auf Stylus Records erschienen.)

aforestofarms

27.) Great Lake Swimmers – The Great Bear

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Unsere liebsten Alben 2015

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur, adipisci velit… Moment, der Platzhaltertext ist natürlich ein Scherz. Sogar zwischen den Feiertagen fällt mir ein Gedanke zum Musikjahr 2015 ein. Ich meine nämlich, dass Musik zwar nach wie vor eine große Rolle spielt, sie zugleich weniger wahrgenommen wird. Wir hören Musik, aber wie viele Lieder könnten wir zumindest im Refrain tatsächlich mitsingen? Wären wir tatsächlich noch in der Lage, die Intention unseres liebsten Albums des Jahres in wenigen Sätzen zusammenzufassen? Ist es nicht fast erschütternd, dass die Texte, die sich den meisten Menschen einprägen, ausgerechnet aus schlimmen Genres stammen oder problematische Weltanschauungen verfechten? Zeilen aus Schlagern gehören zum Allgemeingut, auch die Protagonisten des Deutschrap haben genug Hörer, die an ihren Lippen hängen, selbst die Texte der völlig unsäglichen Frei.Wild finden willige Abnehmer. Wie aber sieht es mit den Heroen des Indie-Genres und den Kritikerdarlingen aus? Wer könnte Thees Uhlmann, Sufjan Stevens oder Julia Holter aus dem Effeff zitieren? Wir erleben eine Wahrnehmungskrise jener Musik, die für sich in Anspruch nimmt, wertvoll zu sein. Woran liegt das? Ich will es kurz machen, die Schuld teilen sich Künstler, Musikkritik und Hörer zu gleichen Teilen. Wenn Bands und Musiker soziale Netzwerke mit jeder Menge Fotos bespaßen oder mit allerlei Veranstaltungshinweise vollpropfen, dabei aber komplett vergessen, ihre Lyrics und/oder Gitarrentabulaturen zu verbreiten, dann dürfen sie sich eigentlich nicht wundern, wenn Hörer vielleicht lustige Schnappschüsse eher in Erinnerung behalten als die Inhalte der letzten Platte. Die Musikkritik wiederum wird sich mit Klickstrecken und der Ausrichtung auf Tablet und Smartphone zu Tode layouten. Dazu kommt noch die Facebook-Hörigkeit, die eine Platte mit wenigen knackigen Worten teasert. Rezensionen geraten oberflächlich, weil der Transport der eigenen Meinung über dem Verständnis einer Platte steht. Und dann wäre da noch der Hörer, dem Musik oftmals so wichtig ist, dass er sie gar nicht mehr käuflich erwerben muss. Nichts spricht gegen Streaming als Ergänzung zur CD-Sammlung. Ein Stream kann jedoch nie den Besitz einer Platte ersetzen, ihm fehlt jedwedes haptische Erlebnis, ihm fehlt der zeitliche Aufwand – ja generell der zielgerichtet Akt des Kaufs. Wir sehen also, die Krise ist umfassend! Und wird bestenfalls dort überwunden, wo die Musik Botschaften und Lebensgefühl mittransportiert. Das tut der Schlager, das tut leider auch Bushido. Wo also bleibt das Indie-Lebensgefühl? 2015 hat es trotz vieler toller Alben gefehlt. Doch genug geredet, hier nun unsere liebsten Platten!

1.) Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba – Ba Power

Bassekou-Kouyate-Ba-Power-Cover

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Das Schlawiner-Gen – Wanda

Den Tschick in der Pappn, also die Fluppe im Mund, dazu noch das Bier in der Hand, mit diesen Utensilien machen sich Wanda daran, von der Liebe und dem Leben zu singen und österreichische Daseinsfreude, die stets aus Granteln und Goschertheit besteht, mit knarziger Kehle zu zelebrieren. Mit ihrem letztjährigen Debüt Amore hat die Wiener Band sogar in Deutschland für Furore gesorgt. Binnen Jahresfrist wird also nun mit Bussi nachgelegt. Bereits bei der im Frühjahr erfolgten Ankündigung des neuen Albums hat jeder mit Sympathien für die Band gehofft, dass Wanda noch ein paar Pfeile im Köcher haben. Und tatsächlich haben sich die Wiener neuerlich mit Haut und Haar dem Motto ‚Verschwende deine Jugend‘ verschrieben, abermals werden Überschwang, Lust und Narretei zu einem einzigartigen Lebensgefühl gemixt. Wanda drängt es danach, ohne Rücksicht auf Verluste den Exzess zu suchen. Die Jungs stehen voll im Saft – und das merkt man Bussi auch an.

Wanda 1 ©Florian Senekowitsch Vertigo Berlin

Photo Credit: Florian Senekowitsch (Vertigo Berlin)

Der Charme von Wanda besteht darin, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Wer in den vergangenen zwölf Monaten das eine oder andere Interview der zwischendurch geradezu omipräsenten Neulingen gelesen hat, wird mir sicher zustimmen. Während manch deutsche Kollegen entweder zur Verkopfung neigen oder aber Trivialitäten ausgesucht langweilig darbieten, sitzt den Wienern der Schalk stets im Nacken. Wanda tragen halt das Schlawiner-Gen in sich. Musikalisch hat sich nichts geändert, sie bleiben die Reanimateure des Austropop im neuen Jahrtausend, paaren diesen mit frechen Indie-Rock-Hymen, wie sie Österreich noch nie gesehen hat. Sogar ohne den Let’s-fetz-Überraschungseffekt des quasi aus dem Nichts kommenden Debüts vermag Bussi den Hörern ein seliges Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Ein Lied wie Das wär schön wird ein Hit, da muss man keinerlei Kristallkugel bemühen. Die erste Single Bussi Baby hat in den österreichischen Charts ohnehin längst gute Figur gemacht. Wer in meinem Heimatland keine Marillen in den Ohrwaschln hat, ist Wanda allerdings ohnehin längst verfallen. Bussi liefert dafür triftige weitere Argumente. Schon zu Beginn macht 1,2,3,4 alles klar: „Ich kann dich nackt und wunderschön von hier aus sehen, ich will mir dir in einem schwarzen Kreis aus Opium stehen. Und die Stadt träumt sich in unser Herz hinein, denn in mütterlicher Stille fängt es an schneien.“ Sex, Drugs und Austropop, so wird’s gemacht! Auch Meine beiden Schwestern ist ein markanter Gassenhauer mit sinnfreiem wie eingängigem Refrain. Marco Michael Wanda scheint mit Ausstrahlung und einem unverwechselbaren Gesang gesegnet, all dies lässt Texte in den Hintergrund treten. Der Herr gibt den Falco, aber auch gern Alpen-Celentano! Die Affinität zu Italien findet sich in einigen Liedern wieder, Rom, Bologna – eh klar! – und Venedig werden als Orte des Lustwandelns zelebriert. Was die Texte brauchen, sind schlicht nur Phrasen, Slogans, Sehnsuchtdesitinations, die aus vollster Kehle intoniert werden können. Beim bereits erwähnten, urlässigen Bussi Baby ist der Titel Programm.

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Schatzkästchen 30: Wanda – Bussi Baby

Wanda, die coolen Reanimateure des Austropop, haben wieder zugeschlagen. Nicht einmal ein Jahr nach ihrem sagenhafte Debüt Amore bescheren uns die Wiener mit Bussi Baby bereits den ersten Vorboten der für Oktober angekündigten Platte Bussi. Das Lebensgefühl von Amore findet sich auch beim neuen Lied wieder. Die Stärke der Band liegt zweifelsohne darin, all die Besonderheiten der österreichische Mentalität abzubilden: Sudernder Überschwang, das kleine bisschen Morbidität, jede Menge Schlawinertum. Und natürlich Charme! Jener Charme war es denn auch, der Wanda in Rekordzeit Jubel in deutschen Gazetten einbrachte. Gute deutsche Bands sind nämlich oft visionär oder rebellisch, charmant sind sie hingegen in aller Regel nicht. Wandas bewusst ungelenker Charme, ihr unbefangenes Bekenntnis zum österreichischen Zungenschlag haben in ihrer Heimat ein Stück Zeitgeist eingefangen und sogar hierzulande eine Sehnsucht geweckt.  Weiterlesen

Unsere Lieblingslieder 2014

Heute wollen wir den werten Lesern unsere 30 Lieblingslieder des Jahres 2014 vorstellen. Diese 30 Tracks sind uns ans Herz gewachsen und werden auch 2015 nicht aus dem Gedächtnis purzeln. Natürlich hätten wir locker 100 Songs nennen können, der Übersichtlichkeit halber haben wir uns auf diese Liste beschränkt. Weiters gilt: Nummerierungen sind Schall und Rauch, höchstens die Top 5 sind mit einem besonderen Ausrufezeichen versehen. Viel Vergnügen beim Erlauschen!

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1. Wanda – Bologna

Schon das erste Lied der Platte gerät zum Volltreffer. Bologna gefällt als verhinderte Inzest-Hymne (“Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen/ Obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht“), lässt Italien als Sehnsuchtsort für Amore und Dol­ce­far­ni­en­te wiederauferstehen. All den Irrungen und Wirrungen des Fühlens steht ein kehlig geschmettertes, die Liebe bejahendes Lebensgefühl entgegen.

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2. Andreas Dorau – Reden wir von mir

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