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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 24

Natürlich könnten wir zum Abschluss unseres klingenden Adventskalenders noch einen Indie-Act aufmaschieren lassen, der sich redlich mit Weihnachtsklassikern beschäftigt. Und freilich könnten wir Kleinode präsentieren, die den Geist der Weihnacht einzufangen trachten. Aber gerade in diesem Advent in dieser Stadt Berlin auf diesem aus den Fugen geratenen Planeten braucht es eine Hoffnung, die die Illusion nährt, dass es irgendwann mal schönere Weihnachten gibt. Ein Fest, an dem es keinen Terror, keinen Hass und keine Ungerechtigkeit gibt. Ein Fest eben, an dem sich vernunftbegabte und empathiefähige Erwachsene die Hand reichen. Und weil man sich gerade zu Weihnachten Dinge wünschen darf, wollen wir diesen Adventskalender mit Andra Day und Stevie Wonder beschließen. Das 2015 aufgenommene Duett Someday at Christmas ist auf Days heuer veröffentlichten EP Merry Christmas from Andra Day zu finden. Day steht ganz in der Tradition großer schwarzer Soul- und R&B-Stimmen. Und einen Stevie Wonder muss man ohnehin nicht mehr vorstellen. Das Duett ist stimmlich intensiv, von exakt der Sehnsucht beseelt, die ich bereits angesprochen habe. Zeilen wie „Someday at Christmas we’ll see a land/ With no hungry children, no empty hand/ One happy morning people will share/ A world where people care“ präsentieren die Vision einer gerechteren Welt, sind nie einfach nur naives Heile-Welt-Gedöns. Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 24 weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 23

Was für Kanaillen haben sich die vor allem im angelsächsischen Raum übliche Bescherung am Morgen des 25. Dezembers ausgedacht? Dachte denn da niemand an die Eltern, die in aller Frühe von aufgedrehten Kindern geweckt werden? Und dachte nie jemand an die zarten Kinderseelen, die vor lauter Erwartung kaum ein Auge zu bekommen? Da finde ich die deutsche und österreichische Tradition, die das Christkind bereits am Abend des 24.12. antanzen lässt, doch weitaus sympathischer. Diese durchaus grundsätzlichen weihnachtlichen Gedanken gingen mir jedenfalls durch den Kopf, als ich den Song My Christmas Tree (Is Looking At Me) gehört habe. Die Zeilen „It’s Christmas time/ And my head’s in the clouds/ I can’t get to sleep/ I’ve been awake for hours/ My sister’s sleeping/ She’s older than me/ She’s not as excited/ She lost the mystery“ bringen die kindliche Aufregung auf den Punkt, verdeutlichen weiter, dass das Ende kindlicher Unschuld auch der Moment ist, an dem Weihnachten etwas von seiner Magie verliert. Über die Londoner Formation Shy Nature haben wir bereits letztes Jahr im Zusammenhang mit dem Fest der Feste geschrieben. Und auch 2016 lassen sich die Herrschaften nicht lumpen! Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 23 weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 22

Gegen ein gut angelegtes Sakrileg spricht rein gar nichts. Um Weihnachten herum ist die Heuchelei ohnehin am größten. Was da alles vorgegaukelt wird, ist schwerlich zu ertragen. Da erscheint die ehrliche Provokation weitaus verdaulicher. Und natürlich ist es eine Provokation, wenn man Jesus aus traditionellen Weihnachtsliedern tilgt, ihn etwa durch das Wort Liebe ersetzt. The Royal Orchestra of Titicaca geht jedoch noch einen Schritt weiter. Das Album Earthling Hymns of Christmas Past gerät zu einer Erlösungsfantasie, in der Außerirdische Erleuchtung bringen. Es ist ein radikales Konzept, welches Religion überwindet, ohne auf die Freudigkeit eines Festes verzichten zu wollen. Zugleich ist dieses Werk durchaus zeitgemäß, weil die Säkularisierung von Weihnachten längst nicht mehr aufzuhalten ist. Marcelo Radulovich, seines Zeichens in Kalifornien lebender chilenischer Künstler, gelingt mit diesem bizarren, subversiven Album sehr wahrhaftiger Trash. Denn all der kitschige Bombast, mit dem Weihnachten überfrachtet wird, hat Weihnachten längst zur Groteske werden lassen, in der der Weihnachtsmann und Grinch zusammen auf einem Coca-Cola-Laster am nächtlichen Firmament herumdüsen, dabei heftig Glühwein bechern.

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 21

Wir haben uns 2016 mit Coverversionen zu Weihnachtsklassikern zurückgehalten. Weil uns beispielsweise die x-te Version von Jingle Bells meist nicht aus den Socken haut. Das soll aber keineswegs bedeuten, dass nicht auch Neuinterpretationen traditioneller Lieder lohnen. Speziell das Duo Pitch Feather aus Singapur hat ein Händchen dafür. Nun würde man bei der Herkunft weihnachtlicher Klängen wohl nicht unbedingt Singapur am Zettel haben, das Ehepaar Chuan und Alberta hat uns aber bereits in der Vergangenheit immer wieder mit sehr sympathischen Weihnachtsliedern erfreut. Dieses Jahr wagen sie sich an God Rest Ye Merry Gentlemen. Persönlich bin ich kein großer Fan dieses traditionellen englischen Weihnachtslieds. Es zählt aus meiner Sicht zu den abgedroschenen Stücken. Insofern war ich sehr positiv überrascht, was Pitch Feather daraus machen. Sie trimmen God Rest Ye Merry Gentlemen auf stilsicheren Bombast-Pop mit Gothic-Note. Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 21 weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 20

Auch 2016 platzt das Musikmagazin The Line of Best Fit vor Stolz: „For the eighth time we put out a challenge to some of our favourite Canadian artists to produce a new holiday track and once again they have not disappointed.“. Die Compilation Ho! Ho! Ho! Canada VIII ist ein Must-have für Fans der Indie-Weihnacht. Längst können und wollen wir uns das Fest nicht ohne kanadische Klänge ausmalen. Ho! Ho! Ho! Canada hat noch jedes Jahr frisches musikalisches Lametta zur Dekoration der weihnachtlichen Tage offeriert. Wobei – so ehrlich muss man sein – man 2016 Glitter und Glanz erst ein wenig suchen muss. Der Sampler kommt zu Beginn eher schwer in die Gänge. Ein erstes Ausrufezeichen setzen Lab Coast aus Calgary, die sich mit dem aufgeweckten Song Yule See an der Schnittstelle zwischen Indie-Pop und Indie-Rock bewegen. Spätestens Sportsfan aus Toronto sorgen mit Sportsfan saves Xmasss für ein absolutes Highlight der Weihnachten 2016. Die Nummer hat eine balladeske Klammer, Anfang und Ende sind völlig vom großartigen Gesang Ali Haberstrohs geprägt, der Mittelteil dagegen kommt rockig-flockig daher, mit eingängigen Harmonien und Springsteen’scher Wucht, wie The Lines of Best Fit richtig feststellt. Auf Bandcamp hat die Formation den Song übrigens It’s Not That Cool to Not Like Christmas getauft. Wie immer er auch heißt, er ist wirklich stark! Diese Band sollte man unbedingt im Augen behalten. In der Folge vermag Andrew’s Pale Horses mit Doctor Christmas zu überzeugen. Ein bisschen Grunge und ein psychedelischer Anstrich sorgen hier für Gefallen. Quiet Parade, aus Halifax kommend, möchte ich auch nicht unerwähnt lassen. Heavy Winter schreit in seiner hemdsärmeligen Pop-Rock-Gemütlichkeit förmlich danach, Playlists geschmacksicherer Radiostationen zu veredeln. Im Gegensatz zu vielen Songs dieses Samplers ist dies auch kein exklusiv für Ho! Ho! Ho! Canada aufgenommer Track, vielmehr haben Quiet Parade Anfang des Monats die hörenswerte, überwiegend folkige EP Christmas Through The Fog veröffentlicht. Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 20 weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 19

Das heutige Lied bezieht seine Inspiration aus mehreren Quellen. Da wäre einerseits die Tradition des Wienerlieds unüberhörbar, auch Austropop-Heroen wie Georg Danzer oder Wolfgang Ambros klingen durch, andererseits orientiert sich Blaue Weihnachten auch an verkrachten Singer-Songwriter-Existenzen des Americana. Für letzteres Charakteristikum spricht, dass besagtes Stück auch in einer englischen Fassung namens Drunk Christmas vorliegt. Die Pointe dieses Funds besteht freilich darin, dass ich als Österreicher, der ein Faible für die Abgründe des Wienerlieds habe, auf den Track meiner Landsleute Schneida erst über den weihnachtsbloggenden US-Kollegen Stubby gestolpert bin.

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 18

Achtziger-Synthie-Nostalgie gepaart mit schönem Indie-Pop-Flair, derart bezaubert You Bring The Snow. Die aus dem britischen Sheffield stammende Band The Crookes ist im Indie-Bereich längst bekannt und hat auch sich schon zuvor mit weihnachtlichen Klängen hervorgetan. You Bring The Snow allerdings ist besonders gelungen. Die Zeilen „All I wanna have/ One more Christmas like when we were young“ fassen die Stimmung dieses Liedes bereits perfekt zusammen. Weihnachten beinhaltet immer auch Erinnerung an frühere Feste, an eine von Vorfreude und Aufregung geprägte Kindheit. Weihnachten ist immer auch der Versuch, die Magie und Seligkeit von einst wiederauferstehen zu lassen. Man wünscht sich quasi eine Zeit zurück, in der Weihnachten noch Weihnachten war. Und vergisst darauf, dass Weihnachten vielleicht deshalb nicht mehr richtig Weihnachten ist, weil einem die unschuldige Glückseligkeit abhandengekommen ist. Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 18 weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 17

In diesem Jahr sind wir bereits zum zweiten Mal auf der grünen Insel zu Gast. Heute mit irischem Twee, gewürzt mit feinem Indie-Rock. Midwinter Festival von Rory Nellis ist im besten Sinne ein Wohlfühlsong. „Grab your loved ones and tell them you can’t live without them“ – Nellis beschwört jenen Christmas Spirit, nach dem wir uns alle sehnen und den wir wenn wir Glück haben, auch leben können.

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 16 [UPDATE]

Update: We do now have all Streams – Wir haben jetzt alle Streams

¡Otra Navidad es posible! – Ja, das andere Weihnachten ist möglich, predigen wir schon seit Jahren, hört sich aber auf Spanisch viel cooler an. Auch wenn uns sowohl Radioprogramm als auch Einkaufs-Beschallung in jedem Jahr weismachen möchten, es gäbe nur eine Handvoll Christmas Songs, die immer, immer wieder – ohne Erbarmen – für Weihnachtsstimmung sorgen müssten.

Ich bin ja generell eher skeptisch, wenn wieder die halbe Musikwelt sich bemüßigt sieht, Weihnachtsklassiker zu covern. Das klingt bestenfalls langweilig, oft nervig und nur ganz, wirklich ganz selten, richtig gut . Merry Jäger Christmas ist hier wohl die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Playlist Merry Jäger Christmas

Link: Youtube Jägermeister (SE)

Während Jägermeister im Heimatland Deutschland nach wie vor zur Kegelfreunde und Altherrenrunde gehört und wohl eher nach Helene Fischer und Toten Hosen schmeckt, kredenzt der Kräuterschnaps in Spanien außerordentlich feine und subversive Musik. Psych-Pop vom Feinsten liefern die Bayways.  Santa Claus Is Coming to Town klingt so neu gemacht, ich mag kaum glauben, dass das Original aus dem Jahre 1932 stammt.  Mein zweiter Favorit des Samplers ist der La Nanita Nana von Holögrama.
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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 15

No Monster Club – Start The Carvery

Free Download on Soundcloud (you need to log in though)

Für alle, die sich jetzt fragen: „Was zum Teufel ist Carvery?“ – Nun dies ist ein auf frisch zubereitetes Fleisch spezialisiertes Restaurant, häufig auch mit „All you can eat“-Angebot. Ein anti-veganer Christmas Song ist es trotzdem nicht, obwohl wir einen solchen gut gebrauchen könnten. Im Umkreis von 15 Gehminuten haben im überhyptem Zuhause (Nord-Neukölln) gefühlt 20 vegane Eisdielen + 50 vegane Cafés + 100 „Irgendwas-mit-[egal]-Hauptsache-vegan“ eröffnet. Immerhin das grässlich-peinliche Dandy Diner hat nach wenigen Monaten die Türen wieder geschlossen, nur eine der Scheußlichkeiten, die 2016 zum unbeliebtesten Jahr der letzten Jahrzehnte machte. Wieder mal „gefühlt“ das schlimmste Jahr aller Zeiten, allerdings eben nur der Zeiten, die wir schon lebend erlebt haben.

Oder wie der No Monster Club singt: „It’s been the shittest year“ […] Give me back my year“. Aber immerhin: „It’s Christmas on the other side of the world“. Diese Ironie so gekonnt in Lyrics zu vertexten: Chapeau! My dear Mr. Singing Club*. Selten kam ein Anti-Christmas Song so vergnüglich daher. Mehr davon und ich bin zumindest mit dieser Weihnachtssaison versöhnt.

Link: nomonsterclub.com

*“My dear Mr. Singing club“, this phrase is part of the top ten of German idioms which really make no sense when beeing translated word by word.

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