Weihnachtsfilmfestival 2017

Bereits 2016 haben wir voll Freude auf das Weihnachtsfilmfestival hingewiesen, das in seiner ersten Ausgabe gleich die humorvolle, faszinierende Doku Jingle Bell Rocks! gezeigt hat. Der Besuch des Festivals entpuppte sich als hochgradig unterhaltsamer Abend in angenehmsten Ambiente. Mit Freude stellen wir fest, dass sich das Weihnachtsfilmfestival nun anschickt, zur liebenswerten Tradition zu werden. Wer also dieser Tage dem Berliner Weihnachtsstress entfliehen möchte, sollte unbedingt nach Kreuzkölln kommen und sich das auch 2017 abwechslungsreiche Programm im Moviemento zu Gemüte führen. Es dürfte sich für alle Geschmäcker die passende weihnachtliche Attitüde finden lassen. Ob handverlesene Kurzfilmreihen, eine italienische Groteske, Indie-Splatter aus Norwegen oder eine schrille Fantasy-Komödie aus Japan, alle eint der ungewöhnliche Zugang zum Thema Weihnacht.  Weiterlesen

Prosecco Socialist – This Dog’s Just For Christmas (Not For Life)

Ich bemühe mich immer, Musik mit großem Wohlwollen zu begegnen. Zugleich versuche ich, mit Superlativen nicht zu verschwenderisch umzugehen. Heute will ich diesbezüglich eine Ausnahme machen. Denn heute habe ich meine Lieblingsband des Jahres 2018 gefunden. Nein, es ist keine junge, aufstrebende Band aus einer angesagten Metropole. Das Trio, das ich heute enthusiastisch bejubeln möchte, hat schon das eine oder andere Jahr auf dem Buckel. Das Mastermind David Rotheray kann mit seiner früheren Band Beautiful South auch schon auf ein erfülltes Musikerleben zurückblicken und eigentlich wollte er sich neuen Dingen widmen. Zu diesem Zwecke hatte in seiner Heimatstadt Hull ein Pub aufgemacht. Da jedoch die interessantesten Geschichten jene sind, die man in geselligem, alkoholschwangerem Ambiente erzählt bekommt, hat sich Rotheray wieder der Musik gewandt. Prosecco Socialist – was für ein Bandname! – nennt sich sein Projekt, für das er die irische Singer-Songwriterin Eleanor McEvoy und eine lokale Größe namens Mike Greaves gewinnen konnte. Dieses Gespann hat es wirklich in sich! Mike Greaves besitzt eine rauchige, verlebte Stimme, der man sofort abnimmt, dass sie schon alles im Leben gesehen hat. Der Song This Dog’s Just For Christmas (Not For Life) erzählt eine Romanze der anderen Art. Hier wird nicht die Liebe fürs Leben gefunden, vielmehr der weihnachtlichen Einsamkeit mit jeder Menge Alkohol und einer Affäre über die Feiertage begegnet. McEvoy und Greaves bescheren uns ein mitreißendes Duett frei von Illusionen oder Weichzeichner.  Weiterlesen

Paul Thomas Saunders – Christmas, The Sequel

Haben wir in diesem Jahr nicht mehr oder minder heimlich auf die eine oder andere mit feinem Pathos, anrührender Emotion und Händchen für Poesie gesungene Weihnachtshymne gewartet? Dann haben wir sie jetzt gefunden. Der britischen Singer-Songwriter Paul Thomas Saunders ist diesem Blog nicht unbekannt, eigentlich wollte ich seit Wochen schon der diesen Herbst veröffentlichten Single I’ll Come Running einen Post spendieren. Doch haben mich nicht zuletzt auch weihnachtliche Verpflichtungen davon abgehalten. Wie praktisch freilich, dass Saunders nun ein der Jahreszeit entsprechendes Lied veröffentlicht hat. Christmas, The Sequel entpuppt sich als echter Kracher! Schon die erste Strophe lässt die Imagination Purzelbäume schlagen: „In the fallout from the second coming/ We found ourselves in each others arms/ You took my hands and it felt like Christmas/ As an orange glow soak the room from a hungry fire/ Every flame flickered in a pirouette of light/ Still the shadows cast round the doorframe left us froze with fright/ Merry Christmas lover, it could be us tonight“ .

Beschreibt hier Saunders tatsächlich postapokalyptische Weihnachten? Man möchte es fast annehmen – und dem Briten zu dieser Idee gratulieren. Denn wenn man sich diese Welt in all ihrer Heuchelei und Verlogenheit so ansieht, braucht es vielleicht wirklich wieder mal das große Leid und unbeschreibliche Unglück, um sich auf das Glück zu besinnen. Denn Christmas, The Sequel wohnt auch eine gewisse Portion Hoffnung innen, nämlich dass alles nur ein böser Traum ist, zumindest aber mit blauem Auge überstanden werden kann. Wollen wir selbst Weihnachten voll Elend und Schmerz erleben? Wohl kaum. Worauf warten wir also? Warum handeln wir das Jahr über so oft gedankenlos, egoistisch und kurzsichtig? Weshalb lassen wir Arschlöcher regieren, weite Teile der Welt verelenden, beklatschen Kriegsrhetorik? Und an Weihnachten entdeckt man plötzlich sein Herz, will Gutes tun? Eine Milchmädchenrechnung, die früher oder später schief gehen wird. Warum muss also erst Unglück geschehen, ehe man sich wieder lebendig und sozial fühlt? Fragen über Fragen, die dieser famose Song zumindest bei mir aufwirft. Welch Highlight der diesjährigen Weihnachtssaison! Danke, Paul Thomas Saunders!

Christmas, The Sequel ist am 01.12.2017 auf RT60 Recordings erschienen.

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SomeVapourTrails

Dinosaur City Records: DCR Mixtape #3 – A Christmas Compilation

 

Wie klingt Weihnachten eigentlich, wenn es glühend heiß ist? Die australische Weihnachtscompilation von Dinosaur City Records kann mehr als nur ein Lied davon singen. Selten kommt ein Indie-Sampler von so hoher Qualität und Originalität daher. Seien wir doch mal ehrlich, die meisten Label nerven alljährlich die bei ihnen unter Vertrag stehenden Künstler und bekommen als (Un)-Dank dafür ein Lo-Fi-Cover von Let it snow oder ein lustloses Cover von Last Christmas. Die Künstler von Dinosaur City Records jedoch hatten hörbar Lust darauf, ausgefallene Eigenkompositionen zum Weihnachtsfest zu zaubern.  Weiterlesen

Klingende Weihnacht 2017 – Lieder für unter, über und um den Weihnachtsbaum

Hier die gesammelten Tracks, über die wir in der diesjährigen Weihnachtszeit bislang gebloggt haben. Wer also ein wenig stöbern möchte, kann dies nun dank dieser Übersicht, die laufend ergänzt wird, tun. Wir wünschen viel Vergnügen beim Erkunden unserer Schätze!

Albert Hammond Jr. – The Little Boy That Santa Claus Forgot + Indie for the Holidays 2017 Tracklist

Ally Dickaty – Don’t Let Go

Amanda Palmer – The Angel Gabriel

BEAK> – (Merry Xmas) Face The Future

Black Santa Company – Winter Wonderland Mixtape

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The Technicolors – Santa’s Claws

Online-Dating war schon ganz schön gefährlich, lange bevor es Tinder gab. Da verliebt sich der Held dieses Weihnachtsmärchens im Jahre 1998 im AOL-Chat nichts ahnend in die Tochter von Santa Claus. Was dann folgt, scheint einem Tarantino-Movie entsprungen. Musikalisch erzählt wird dies allerdings nicht in Mariachi-Manier, sondern mit feinem britpoppigen Indierock. The Technicolors zeigen hier, dass Britpop schon lange den Sprung über den großen See geschafft hat. Die Combo aus Phoenix (Arizona) klingt wunderbar frisch und spielfreudig und erschafft ein Weihnachtsmärchen, bei dem wir uns sehr gerne vor dem Weihnachtsmann gruseln. Santa’s Claws gehört zu den Christmas Songs, die wirklich Spaß machen, ohne Probleme rund ums Jahr gehört werden können und eine ganz eigene einzigartige Komponente dem bunte weihnachtlichen Potpourri auf diesem Blog hinzufügen. Da Weihnachten ist und die Jungs natürlich auch ein gutes Herz haben, geht der Erlös der Weihnachtssingle an Noah’s Legacy Fund und kommt den Tieren zu Gute, die durch die aktuellen Waldbrände in Kalifornien verletzt oder vertrieben wurden.  Weiterlesen

Sivert Høyem – Mary’s Boy Child

Eines der meiner Meinung nach schönsten Weihnachtslieder ist Mary’s Boy Child. Man mag es für ein von Generation zu Generation tradierten Spiritual halten, doch wurde es erst Mitte der Fünfziger von Jester Hairston geschrieben und vom großen Harry Belafonte populär gemacht. Hierzulande gewann das Stück vor allem in den späten Siebzigern durch Boney M. an Prominenz. Nichtsdestotrotz läuft einem der Song eher selten über den Weg. Warum eigentlich? Ein Grund ist sicher die schleichende Loslösung von Weihnachten von seinen religiösen Wurzeln. Lieder wie Jingle Bells oder White Christmas sind unverfänglich und auch jenen zuzumuten, die Weihnachten eher als Familienfest begehen. Deshalb gibt es wohl nur noch eine Handvoll Lieder mit klar biblischem Bezug, die auch weiterhin das Fest untermalen. Stille Nacht beispielsweise. Mary’s Boy Child gehört eher nicht dazu. In all den Jahren, die wir nun schon weihnachtliche Klänge teilen, ist mir zumindest noch kein Cover von Mary’s Boy Child untergekommen, über das ich hätte schreiben wollen. Bis heute. Denn was der nicht eben unbekannte Sivert Høyem mit diesem Lied macht, verdient große Anerkennung.  Weiterlesen

The Pepper Pots – Waiting for the Christmas Light EP

Heute ein heißer Tipp für alle Schallplattensammler unter euch: Feinster Motown-Sound von einer katalanischen Soul/Rocksteady Girl Group, erschienen beim einem auf Ska spezialisierten Label. Das alles im Jahre 2009, sind aber noch ein paar Scheiben da und das bedeutet NICHT, dass es an Qualität mangelt. Ganz und gar nicht. Wirklich überhaupt nicht. The Pepper Pots gehören zu den Bands, bei denen ich kaum glauben mag, das weder Christmas Underground, noch Christmas A Go Go, noch Stubby, noch Santa’s working overtime, noch Snowflakes Christmas Singles, noch Santapalooza und viele weiter Christmas Music-Fanatics bisher von ihnen Notiz genommen haben.  Weiterlesen

Cold Specks – Christmas Evermore

Ein halbes Jahrzehnt hat es gedauert, bis ich diesen fantastischen Weihnachtssong entdeckt habe, genauer gesagt, ein Vierteljahrhundert denn auch das Original von Mary Margaret O’Hara hätte es schon längst auf diesen Blog schaffen sollen. Weihnachten gibt es leider nur einmal im Jahr, dieser traurige Umstand ist nicht nur Thema des Songs, sondern auch unser Leidwesen. Wäre Weihnachten mehrmals im Jahr oder gar jeden Tag, dann hätten wir auch genügend Zeit, ein Loblied auf all die bisher unentdeckten Weihnachtslieder zu singen.

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Girl Ray – (I Wish I Were Giving You a Gift) This Christmas

Heute haben wir es mit einem interessanten Weihnachtslied zu tun. Was als tweehafter Retro-Pop mit engelsgleichem Gesang beginnt, nimmt im weiteren Verlauf geradezu Medley-Charakter mit fast parodistischem Einschlag an. Überraschende melodische Einschübe, ein quasi aus dem Nichts auftauchender Kinderchor, der Song (I Wish I Were Giving You a Gift) This Christmas ist derart überkandidelt, dass man ihn gerade deshalb mögen muss. Dem britischen Trio Girl Ray ist ein Lied mit jeder Menge Augenzwinkern gelungen. Die süße Groteske drückt sich auch in einem DIY-Video aus, das den Eindruck vermittelt, als bestünde ein Leben auf Tour ausschließlich aus Flausen und Sightseeing. So flapsig die Chose also ausfällt, so sehr muss man vor Girl Ray auch den Hut ziehen. All der Millennial-Humor könnte freilich auch ein Schuss in den Ofen sein, doch Girl Ray verfügen viel Qualität, wie auch bereits das im Sommer erschienen Album Earl Grey gezeigt hat. Ihr Lo-Fi-Indie-Pop kann sich mit starken Melodien brüsten, eine Affinität zu Sound und Attitüde der späten Sechziger darf ebenfalls auf der Habensseite verbucht werden. Ein weiteres Markenzeichen ist der mitunter heiser-liebliche Vortrag der Sängerin Poppy Hankin.  Weiterlesen